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Parkettklebstoffe im Überblick

Die "Bestseller" und das Neueste am Markt

Handwerk hat mit Erfahrung zu tun. Deshalb verlassen sich Parkettleger bei ihren Materialien bevorzugt auf langjährig bewährte Produkte. Doch in den vergangenen Jahren hat sich viel getan - gerade bei Verlegewerkstoffen. Gesundheit steht im Mittelpunkt und schadstoffhaltige Klebstoffe werden ausgemustert. Verstärkt treten neue SMP-Klebstoffe an ihre Stelle.

Im Jahre 2004 untersuchte die Stiftung Warentest mehr als 2.200 Kleberproben unter alten Holzböden und stellte fest: Dort stecken gefährliche Altlasten. Die Kleber können hohe Konzentrationen an Schadstoffen enthalten, wie die Krebs erzeugende Substanz Benzoapyren, ein polycyclischer Kohlenwasserstoff (PAK) auf Basis von Steinkohlenteerpech.

Damals räumte Stiftung Warentest ein: Solange sich das Parkett in einem guten Zustand befindet, besteht kaum Grund zur Sorge. Doch wehe, wenn es großflächig klappert oder sich sogar ganze Stäbe vom Untergrund lösen. Dann steigt die Gefahr, dass jedes weitere Betreten einen kleinen Teil der zuvor festen Klebermasse in feinen Staub zermalmt. Dieser Staub dringe durch Fugen und Ritzen an die Oberfläche und könne eingeatmet werden. "Je schlechter der Zustand vieler Parkettböden, desto lauter tickt hier die chemische Zeitbombe", warnte Stiftung Warentest.
Für das Geschäft der Parkettleger hätte diese Nachricht eigentlich ein Wachstumsschub sein müssen. Alte Parkette sanieren, herausreißen und neue Holzböden mit umweltfreundlichen Klebern verlegen - das wäre die Botschaft an den Verbraucher gewesen. Doch viele Parkettleger scheuten zunächst die modernen Klebstoffe. Mit den alten Lösemittelprodukten waren sie doch gut gefahren. Ihre Sorge galt nicht so sehr den Gesundheitsfragen, sondern eher den Reklamationen durch Quelldruck, Schüsselung, Untergrundablösung, Hohlstellen und mehr.

Die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS 610) fordert jedoch, stark lösemittelhaltige Verlegewerkstoffe durch solche mit geringerem gesundheitlichem Risiko zu ersetzen. Das sind Dispersionsklebstoffe und SMP-Klebstoffe, Polyurethanklebstoffe der Giscode-Gruppe RU 0,5 und eingeschränkt Lösemittelklebstoffe nach Giscode S 0,5.

Es kommt auf die Holzarten und Einsatzgebiete an, welchen dieser Klebstoffe der Fachmann wählt. "Wenn es die Beanspruchung und die Anwendung zulassen, sind immer Dispersions-Klebstoffe zu verwenden", fordert das ökologische Baustoffinformationssystem Wecobis der Bayerischen Architektenkammer. Die Entwicklung der Klebstoffhersteller konzentriert sich allerdings stark auf reaktive, silanbasierte SMP-Klebstoffe.

Hinzugekommen ist in diesem Jahr die Forderung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), nach der ab 1. Januar 2011 neben Parkett nach EN 14342 auch Parkettklebstoffe und Parkettlacke eine bauaufsichtliche Zulassung benötigen. Handwerks- und Industrieverbände haben die Verarbeiter deshalb darauf hingewiesen, dass der Gebrauch von Produkten ohne Zulassung ab kommendem Jahr rechtlich als Sachmangel gewertet und entsprechende Reklamationen zur Folge haben kann.

Freilich wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das DIBt ist sich der kritischen Situation bewusst, kann aber nicht schneller arbeiten, als es die Kapazitäten erlauben. Und an der Eignung der vorgestellten Produkte besteht nach aktuellem Kenntnisstand kein vernünftiger Zweifel. Die Produkte haben sich bewährt und etabliert. Allerdings - "den" einen Klebstoff für alle Anwendungen gibt es nicht. Die Vielfalt ist größer geworden. Der Verleger sollte die Produktdatenblätter genau lesen und sich bei den Herstellern informieren.

SMP-Parkettklebstoffe

SMP ist der Oberbegriff für Silan-modifizierte 1K-Klebstoffe. Im Markt werden sie unter verschiedensten Bezeichnungen angeboten: Silanklebstoffe, MS-Klebstoffe, Hybrid-Klebstoffe, Hybrid-Elastik-Kleber, STP-Klebstoffe, SPUR-Klebstoffe oder Polymerklebstoffe. Im Lieferzustand ist diese jüngste Produktgruppe reaktiver, einkomponentiger Klebstoffe lösemittelfrei und nicht gekennzeichnet.

Zwar wird während der Verarbeitung Methanol freigesetzt, doch haben Untersuchungen der Bau-Berufsgenossenschaften ergeben, dass die Mengen sehr gering sind und die Arbeitsplatzgrenzwerte sicher eingehalten werden.

Silan-modifizierte Klebstoffe bilden eine härtere Fuge als dauerelastische PU-Klebstoffe, bleiben jedoch so weit flexibel, dass sie sich zur schubfest-elastischen Verklebung fast aller Parkettarten wie Mosaikparkett, Hochkantlamellen, Mehrschichtparkett, Landhausdielen und Stabparkett, Massivdielen und sogar Holzpflaster bis 40 mm eignen.

Das nachgiebige Verhalten lässt Maßänderungen am Parkettelement zu, ohne die komplette Spannung auf den Untergrund zu übertragen. Vor dem Kleben von Exotenholz sollte der Hersteller befragt werden.
SMP-Parkettklebstoffe sind auf saugenden wie auf nichtsaugenden Untergründen anwendbar und haften oft ohne Grundierung. Sie enthalten weder Wasser, Lösemittel, Hochsieder noch Isocyanate, härten neutral aus, sind UV- und witterungsstabil. Klebstoffreste können mechanisch entfernt werden.

Die Bedeutung von SMP-Parkettklebstoffen wird, nach fachlicher Einschätzung, in den nächsten Jahren zunehmen. Hier gibt es reichlich Entwicklungspotenzial in Bezug auf Festigkeit, Schubkraft (G-Modul) und Weichmacher.

Pulver-Parkettklebstoffe und 2K-Dispersionen

Pulverförmige Dispersionsklebstoffe bestehen aus einem Kunststoffpulver, Füllstoffen, Gips und/oder Zement sowie Additiven. Dieses Gemisch wird auf der Baustelle mit Wasser angerührt. Das Transportgewicht ist entsprechend gering und der Klebstoff kann in der benötigten Menge angesetzt werden. Das Wasser wird rasch kristallin gebunden, wodurch dessen Quellwirkung auf das Holz im Vergleich zu reinen Dispersionsklebstoffen verringert wird. Dieses Prinzip nutzt auch ein 2K-Dispersionsklebstoff, dessen flüssige Komponente vor Ort mit einer Pulverkomponente zusammengemischt wird. Die unmittelbar einsetzende chemische Reaktion bindet Wasser, begrenzt die Holzquellung und beschleunigt in Verbindung mit der physikalischen Lufttrocknung die Abbindung. Begrenzt ist allerdings auch die Topfzeit. In 30 bis 60 Minuten muss der reaktive Klebstoff verarbeitet werden. Deshalb sollte das Parkett verlegefertig und exakt zugeschnitten sein.

Verwendung findet Pulverklebstoff bei der schubfesten Klebung spannungsarmer Parkette wie Mosaikparkett, Hochkantlamellen und Mehrschichtparkett. Seltener ist sein Einsatz bei Stabparkett. Vorteil dieses Klebstofftyps ist seine Eignung auf nicht oder schlecht saugfähigen Untergründen.

Dispersions-Parkettklebstoffe

Wasserlösliche Dispersionsklebstoffe sind keine neue Erfindung. Entwickelt aus Kaltleimen, waren sie in den 50er Jahren neben Heißbitumen die gebräuchlichsten Parkettkleber. Damals enthielten sie noch Lösemittel und Hochsieder. Die begünstigten ihr Abbindeverhalten und die Haftung auf Untergründen und an Holz.

Heute sind Dispersionsklebstoffe größtenteils lösemittelfrei, hochsiederfrei und geruchsneutral, härten aus ohne schädliche Emissionen (VOC) durch Abgabe des Wassers an die Umgebung und gelten bezüglich Arbeits-, Verbraucher- und Umweltschutz als vorbildlich. Sie bestehen aus Kunststoffdispersionen als Bindemittel und mineralischen Füllstoffen wie Kreide.

Ihr Einsatzgebiet hat Grenzen. Auf Altuntergründen und Calciumsulfatestrichen ist ihre Haftung problematisch. Ihre Eigenschaften in flüssigem Zustand - Kohäsion, Fadenzug, Aufschäumen - sind nicht dazu geeignet, Hohlstellen zu überbrücken. Die Auftragsmenge muss wegen der durch Wasser verursachten Holzquellung begrenzt bleiben. Daher benötigen sie einen sehr ebenen Untergrund. Ihre hart-thermoplastischen Eigenschaften setzen eine gute Maßhaltigkeit des verlegten Parketts voraus, die geringfügige Verformbarkeit der Klebstofffuge kann zu einer Übertragung der Holzspannungen auf den Untergrund führen. Während der Abbindezeit sollte das Parkett nicht "gestört" werden. Zudem vertragen sich Wasser und Holz schlecht; das gilt vor Allem für "nervöse" Hölzer wie Buche.

Zur Verbesserung der Untergrundhaftung werden Dispersionsgrundierungen eingesetzt. Allerdings verhindern diese Vorstriche, dass anschließend das Wasser aus dem Klebstoff von einem saugfähigen Untergrund aufgenommen wird. Daher erhöht sich beim Einsatz von Grundierungen die unerwünschte Holzquellung.

Um möglichst wenig Quelldruck zu erzeugen, haben Klebstoffhersteller Formulierungen entwickelt, bei denen Wasser chemisch gebunden wird, bevor es von unten in das Parkett zieht. Andere bieten Dispersionskleber mit höherem Fadenzug an und bei den viskoelastischen Eigenschaften der ausgehärteten Klebstofffuge wurde ein Kompromiss zwischen Maßhaltigkeit und Untergrundschonung gefunden.

Geeignet ist Dispersions-Parkettklebstoff zur schubfesten Verklebung spannungsarmer, quellunempfindlicher Holzböden wie Mosaikparkett, Hochkantlamellenparkett, Lamparkett und Zweischichtparkett in Stäben bis 70 cm Länge. Weniger geeignet ist dieser Kleber für Stabparkett, Dielen und ölhaltige Tropenhölzer. Magnesia- und Calciumsulfatestriche sollten grundiert werden.

2K-Polyurethanklebstoffe

2K-PU-Klebstoffe bestehen aus einer Harzkomponente und einer Isocyanat-Härterkomponente. Anwendung finden sie nicht nur bei der wasserfesten Klebung von Holzwerkstoffen, sondern auch bei Stein, Keramik, Beton und Metallen. Als Parkettklebstoffe sind sie universell einsetzbar. Schubfest geklebt werden selbst spannungsreiche, feuchteempfindliche Parkette und Dielen aus Buche, Ahorn und Exotenholz. Nach Angaben der Hersteller kommt es unter Einsatz dieses Klebstoffes selbst bei großen Formaten nicht zu Schüsselungen.

Die Klebemasse füllt und überbrückt unebene Flächen. Damit kann dieser Klebstoff auch dort eingesetzt werden, wo füllende und dichtende Eigenschaften gefragt sind. Auch auf nichtsaugenden Untergründen haften 2K-PU-Kleber gut. Sie härten schwindfrei aus, besitzen eine hohe Scherfestigkeit und bleiben dennoch elastisch verformbar. "In der Regel kann deutlich schneller weiter gearbeitet werden als mit Dispersions- oder Kunstharzparkettklebstoffen", heißt es. Allerdings sind die Topf- und Einlegezeiten sehr begrenzt. Besonders wichtig sind bei diesem Kleber das exakte Mischungsverhältnis zwischen Harz und Härter sowie eine ausreichend gute Durchmischung. Zu beachten bleiben schließlich Arbeitsschutzmaßnahmen, denn Isocyanate können Haut und Atemwege reizen.

Hartelastische 1K-PU-Klebstoffe

1K-Polyurethanklebstoffe enthalten als Bindemittel Polyurethanprepolymere, die reaktive Isocyanat-Endgruppen tragen. Die Struktur der Prepolymere und der Gehalt an Isocyanat-Gruppen bestimmen unter anderem die mechanischen Eigenschaften, die von weich-elastisch bis hartelastisch reichen können. Moderne PU-Klebstoffe sind wasser- und lösemittelfrei. Bei diesen Klebern reagieren die Isocyanat-Gruppen nach dem Öffnen des Gebindes und dem Auftrag des Klebstoffes mit der Feuchte aus der Luft, dem Holz und dem Untergrund. Die offene Zeit nach dem Aufstreichen beträgt etwa 30-60 Min.

1K-PU-Klebstoffe mit hartelastischer Klebstoffriefe eignen sich zum Kleben aller gängigen Parkettarten wie Stabparkett, Mosaikparkett, Hochkantlamellen, Massivdielen und Mehrschichtparkett. Ihre hartelastische Einstellung sorgt für eine feste Verbindung mit dem Untergrund und begrenzt mögliche Holzverformungen. Auch feuchtigkeitsempfindliche Hölzer können nach Angaben der Hersteller so verlegt werden. Calciumsulfatestriche, Betonuntergründe oder V 100 Spanplatten und beheizte Fußbodenkonstruktionen sind kein Problem. Der Klebstoff bindet schnell ab und oft können die Flächen schon 24 Stunden nach dem Kleben geschliffen werden. Die in diesem Klebstoff enthaltenen Isocyanatgruppen sind in der Gefahrstoffverordnung je nach Bindungszustand und Struktur unterschiedlich eingestuft, z.B. als gesundheitsschädlich, reizend und sensibilisierend, einige Verbindungen auch als giftig und möglicherweise krebserzeugend. Untersuchungen der Bau-Berufsgenossenschaft haben aber ergeben, dass bei dem typischen Kontakt des Parkettlegers mit diesen Parkettklebstoffen keine Gesundheitsgefährdung des Verarbeiters durch Isocyanate besteht.

Weichelastische 1K-Polyurethanklebstoffe

Die weichelastische Variante unter den 1K-Polyurethanklebstoffen eignet sich bevorzugt zur Klebung maßstabilen Parketts. Daneben schützt das weichelastische Verhalten labile Untergründe vor den hohen Spannungen, die manche Parkettarten hervorrufen können (Massivdielen, Hölzer mit kurzen Feuchtewechselzeiten und großen differentiellen Quellmaßen wie Rotbuche, Tropenhölzer mit hohen E-Modulen). Die Deformation der Klebstofffuge sorgt für partiellen Spannungsabbau. Ein Nachteil ist die geringe Maßhaltigkeit der Klebung. Dennoch werden diese gebrauchsfertigen, wasserfreien, feuchtehärtenden PU-Reaktionsharzklebstoffe als universell verwendbar beschrieben. Mehrschichtparkett in zwei oder drei Lagen, großformatige Parkettelemente, Bambusparkett und sogar Laminatböden lassen sich mit ihnen kleben. Sie härten zu einem weichelastischen Film aus und vermindern die Spannungen zwischen Parkett und Unterboden. Als Untergründe sind Zement-, Anhydrit-, Anhydritfließ- und Gussasphaltestriche sowie mit zementärer Ausgleichmasse gespachtelte Untergründe und Holzspanplatten V100 geeignet. Eine Grundierung ist in der Regel nicht notwendig.

Die offene Zeit des weichelastischen 1K-PU-Klebstoffs liegt oft nur bei etwa 30 Min. Die in diesem Klebstoff enthaltenen Isocyanatgruppen sind in der Gefahrstoffverordnung je nach Bindungszustand und Struktur wie bei den hartelastischen 1K-PU-Klebern unterschiedlich eingestuft. Für Kork, Polyolefinbeläge, Nadelvlies, Kokos und Sisal sind PU-Klebstoffe nicht geeignet.

Problematisch können Weichmacher im Klebstoff sein. Bestandteile können in angrenzende Materialien einwandern (Lacke, Gussasphalt, Dispersionsgrundierungen, alte Klebstoffreste) und diese anlösen. Vermieden wird diese Gefahr durch abgestimmte Systemprodukte.

Epoxidharzklebstoffe

Verlegewerkstoffe auf der Basis von Epoxidharzen werden zusammen mit Beschichtungen und Injektionsharzen den Giscodes RE 0 bis RE 3 zugeordnet. Darunter fallen auch 2K-Epoxidharz-Grundierungen, die als Feuchtigkeitsbremse für Beton- und Zementuntergründe Einsatz finden. Als Parkettklebstoffe werden Epoxidharze unter anderem von italienischen und slowenischen Herstellern in den deutschen Markt gebracht. Im Sinne der TRGS 610 sind sie nicht als Lösemittelersatzstoffe anerkannt, ebenso wie die Polyurethan- und SMP-Klebstoffe. Es gibt aber emissionsarme Neuentwicklungen.

Epoxidharzklebstoffe für Parkett sind Reaktionskleber mit zwei Komponenten, deren technische Eigenschaften denen der 2K-Polyurethanklebstoffe entsprechen. Sie enthalten in der Regel keine Bestandteile, die auf Parketthölzer quellend wirken und erreichen hohe Scherfestigkeit. Die TKB weist aber darauf hin, dass beide Komponenten Gefahrstoffe enthalten, die entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen erfordern. Hinsichtlich ihrer Elastizität können Epoxidharzkleber unterschiedlich eingestellt werden. Zum Kleben von Holzböden sowie von elastischen und textilen Bodenbelägen sind diese Kleber eher von untergeordneter Bedeutung.

Der Parkettleger wird in Zukunft immer öfter mit SMP-Parkettklebstoffen arbeiten.

Lösemittel-Kunstharz-Parkettklebstoffe

Diese universell einsetzbaren, gebrauchsfertigen Parkettklebstoffe bestehen aus Kunstharz, mineralischen Füllstoffen und Gemischen aus den Lösemitteln Methylacetat, Methanol, Aceton und Ethanol. Ihr Lösemittelanteil kann bis zu 25 % betragen und ist bei unsachgemäßer Verarbeitung noch lange nach der Verlegung in der Raumluft nachweisbar. Kunstharz Parkettklebstoffe enthalten kein Wasser, verursachen eine nur geringe Quellung des Parkettholzes, binden auch unabhängig vom Raumklima schnell ab, sind nach der Aushärtung hartplastisch verformbar und erreichen eine hohe Scherfestigkeit. Sie kommen mit "nervösen" Parketten (Buche, Ahorn), Exotenhölzern und den meisten Untergründen zurecht und sind im Materialpreis recht günstig. Allerdings können Lösemittel bei problematischen Parkettformaten zu Schüsselungen führen. Zu dicker Auftrag und eine Spachtelung von Hohlräumen mit Klebstoff muss ebenso vermieden werden, wie zu schnelle Versiegelung des Parketts nach dem Verlegen. Grundsätzlich sind Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich, denn verdunstende Lösemittel können Gesundheitsschäden, Explosionen und Brände hervorrufen. Gesundheits- und Umweltvorschriften machen Lösemittelkleber zu einer aussterbenden Spezies. So verzichtet beispielsweise Mapei Deutschland 2010 freiwillig auf den Vertrieb lösemittelhaltiger Kunstharzklebstoffe und Henkel Thomsit stellt die Herstellung zum Jahresende 2010 ein. Weil aber weite Teile der Handwerkerschaft auf diesen Klebstofftyp nicht verzichten wollen, haben Hersteller Giscode S 0,5-Produkte entwickelt. Das sind so genannte "lösemittelkontrollierte" Kleber, bei denen durch statistisch abgesicherte Messungen die Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte belegt worden ist.

Reaktionsharzklebstoffe


Reaktionsharzklebstoffe sind 1K- und 2K-PU-Kleber sowie SMP-Klebstoffe (Silan-Klebstoffe, MS-Polymerkleber, Hybrid-Elastik-Kleber). Sie sind in der Regel wasser- und lösemittelfrei und bestehen aus chemisch reaktionsfähigen, organischen Bindemitteln, anorganischen Füllstoffen und Additiven. Ihre Aushärtungsgeschwindigkeit hängt stark von den Temperaturen des Klebstoffs, Parketts und Untergrunds ab. Alle Klebstoffe, die nach EN 14293 als weich klassifiziert werden, sind, nach Aussage des TKB-Merkblattes 1 von 2007 bis dato nur als reaktive Klebstoffe erhältlich.

Der Giscode für Verlegewerkstoffe


Der Giscode fasst Produkte mit vergleichbarer Gesundheitsgefährdung zu Gruppen zusammen (derzeit 28 Verlegewerkstoffgruppen). Innerhalb jeder Gruppe gelten gleiche Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln. Die Hersteller ordnen ihre Produkte eigenverantwortlich den Produktgruppen zu und übersenden die informationen an das Gefahrstoff-Informationszentrum der Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft - Gisbau. Die Lösemittelgehalte werden entsprechend der TRGS 610 in vier Gruppen eingeteilt: Lösemittelfrei (max. Gehalt von 0,5%), lösemittelarm (max. 5%), lösemittelhaltig (max. 10%), stark lösemittelhaltig (über 10%). Weitere Einstufungen beziehen sich auf den aromatischen Kohlenwasserstoff Toluol und den Alkohol Methanol. Beide besitzen ein gesundheitsgefährdendes Potenzial und waren früher in Bodenbelagsklebern (Toluol) und Parkettklebern (Methanol) enthalten.

Bewertung von SMP- und PU-Parkettklebstoffen durch die Berufsgenossenschaft


Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft ermittelt gemeinsam mit den Herstellern die Belastungen von Verarbeitern durch Messungen der Konzentrationen in der Luft sowie durch Untersuchungen in Urin und Blut. Im Januar 2010 bewertete Dr. Reinhold Rühl, Leiter des Zentralreferates Gefahrstoffe der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft und Obmann des Arbeitskreises zur TRGS 610, neue SMP- und PU-Klebstoffe wie folgt: "Es ist zu erwarten, dass weitere Messungen belegen, dass SMP- und zumindest die kennzeichnungsfreien PU-Klebstoffe beim Verarbeiten keine Belastung für die Beschäftigten darstellen und somit wie D1-Dispersionsklebstoffe, Ersatzstoffe für stark lösemittelhaltige Produkte sind."

Diese Auffassung gilt auch heute noch. Trotzdem dürfen die Hersteller zum jetzigen Zeitpunkt weder SMP-Klebstoffe noch lösemittelfreie PU-Klebstoffe als offizielle Alternativen zu D1-Klebstoffen anbieten.

Mitte November 2010 nämlich wird der Arbeitskreis zur TRGS 610 erneut zusammentreten und sein abschließendes Urteil fällen. Es ist aber kein Geheimnis, dass die beteiligten Fachleute davon ausgehen, "dass bei der anstehenden Aktualisierung der TRGS 610 beide Klebstofftypen genau wie D1-Klebstoffe als Ersatzstoffe für stark lösemittelhaltige Klebstoffe angegeben werden."

Anschriften der Klebstoffhersteller


Ardex GmbH
Friedrich-Ebert-Str. 45
D-58453 Witten
www.ardex.de


Berger-Seidle Siegeltechnik GmbH
Maybachstr. 2
D-67269 Grünstadt/Weinstraße
www.berger-seidle.de


Bona Vertriebsgesellschaft mbH Deutschland
Jahnstr. 12 D-65549 Limburg
www.bona.com


Bostik GmbH
An der Bundesstraße 16
D-33829 Borgholzhausen
www.bostik.de


Forbo Erfurt GmbH
August-Röbling-Str. 2
D-99091 Erfurt
www.erfurt.forbo.com


Henkel AG & Co. KGaA
Bautechnik Deutschland Thomsit
D-40191 Düsseldorf
www.thomsit.de


Kerakoll GmbH
Stockstädter Straße 31
D-63762 Großostheim
www.kerakoll.com


Kiesel Bauchemie GmbH u. Co. KG
Wolf-Hirth-Straße 2
D-73730 Esslingen
www.kiesel.com


Lechner spA
Fraz. Rigoroso
I-15061 Arquata Scrivia (AL)
www.lechnerspa.it


Mapei GmbH
Bahnhofsplatz 10
D-63906 Erlenbach
www.mapei.de


Minova Carbotech GmbH
Am Technologiepark 1
D-45307 Essen
info.de@minovaint.com


PCI Augsburg GmbH
Postfach 10 22 47
D-86012 Augsburg
www.pci-bodenleger.com


Schönox GmbH
Postfach 11 40
D-48713 Rosendahl
www.schoenox.de


Sika Deutschland GmbH
Stuttgarter Str. 139
D-72754 Bad Urach
www.sika.de


Stauf Klebstoffwerk GmbH
Oberhausener Str. 1
D-57234 Wilnsdorf
www.stauf.de


Uzin Utz AG
Dieselstraße 3
D-89073 Ulm
www.uzin.de


Wakol GmbH
Bottenbacher Straße 30
D-66954 Pirmasens
www.wakol.com


Wulff GmbH u. Co. KG
Wersener Str. 3
D-49504 Lotte
www.wulff-gmbh.de




Leserbrief Sika - Viktoria Friedrich, Marktfeldmanagerin Kleb- und Dichtstoffe Bau bei Sika Deutschland in Bad Urach

"Nachteile bei weichelastischen 1K-PU-Klebstoffen längst überwunden"


In seiner Ausgabe 6/2010 behandelte das Parkettmagazin die verschiedenen, am Markt befindlichen Parkettklebstoff-Typen. Auf der Grundlage von Ausführungen anerkannter Branchen-Fachleute wurden Vorteile und Nachteile des jeweiligen Klebstofftyps skizziert.

Nicht einverstanden mit allen Aussagen in dem unabhängigen Artikel ist der Klebstoffhersteller Sika. Die dort genannten Nachteile der weichelastischen Variante von 1K-PU-Klebstoffen wurden nach Meinung von Sika durch die Klebstoffentwicklung längst überwunden. Viktoria Friedrich, Marktfeldmanagerin Kleb- und Dichtstoffe Bau bei Sika Deutschland in Bad Urach, widerspricht folgenden nachteiligen Aspekten des genannten Klebstofftyps:

1. Ein Nachteil ist die geringe Maßhaltigkeit der Klebung.

Friedrich: "Sika hat die elastische Verklebung von Parkett vor über 10 Jahren auf den Markt gebracht. Unsere Klebstoffe - bis auf den Spezialklebstoff SikaBond-T40 - sind für alle Parkettarten geeignet."

2. Die offene Zeit des weichelastischen 1K-PU-Klebstoffes liegt oft nur bei etwa 30 Min.

Friedrich: "Die offenen Zeiten unserer Produkte sind länger, SikaBond-T52 FC - 60 Min., SikaBond-T54 - 120 Min., SikaBond-T54 FC - 80 Min. und SikaBond-T40 - 90 Min."

3. Problematisch können Weichmacher im Klebstoff sein.

Friedrich: "Es gab vor zwei bis drei Jahren innerhalb kurzer Zeit drei Reklamation im deutschen Markt. Betroffen waren drei Hersteller, nicht nur Sika mit seinen weichelastischen Klebstoffen - die damals übrigens noch niemand thematisch getrennt hatte! Seitdem haben wir und unseres Wissens auch der Wettbewerb keine Probleme mehr damit."

aus ParkettMagazin 06/10 (Klebstoffe)