Interview mit Dr. Wolfgang Wechsler, Ralf Meinhardt, Peter Schroeder

"Wir verfügen über genügend Liquidität"

Vor gut einem Jahr sorgte Saum & Viebahn in der Branche für große Überraschung: der Textilverlag trennte sich komplett von seinem Bodenbelagsgeschäft, um sich fortan rein auf seine Stoff-Aktivitäten zu konzentrieren. War die Entscheidung richtig? Entwickelt sich das Unternehmen in die angestrebte Richtung? Darüber sprachen Claudia Steinert und Birgit Genz von BTH Heimtex mit Dr. Wolfgang Wechsler und Ralf Meinhardt aus der Saum & Viebahn-Geschäftsführung sowie Coratex-Geschäftsführer Peter Schroeder. Bei dem Gespräch mit dabei waren auch Produktmanager Lutz Neubert und Designerin Claudia Hölzel.

BTH Heimtex: Herr Dr. Wechsler, Herr Meinhardt, vor gut einem Jahr haben Sie sich von der Bodenbelagssparte getrennt, um Mittel und Kräfte für eine Profilierung als internationaler Textilverlag freizusetzen. Das war kein Ad hoc-Entschluss, sondern langfristig überlegt und geplant. Entwickelt sich Saum & Viebahn jetzt ohne Bodenbelags-Aktivitäten rein zahlenmäßig in die gewollte Richtung?

Dr. Wolfgang Wechsler: Absolut. Wir haben eine Vier-Jahres-Planung aufgestellt, die 2003 ansetzt und bis ins Jahr 2006 reicht. Für 2003 hatten wir ein negatives Ergebnis einkalkuliert, das allerdings im Endeffekt nur halb so hoch war, wie wir erwartet hatten. Für 2004 gehen wir in der realistischen Variante von einem Plus aus und selbst in der pessimistischen von mindestens Plus-Minus-Null.

BTH Heimtex: Resultieren die Umsatz- und Ertragseinbußen 2003 ausschließlich aus der Aufgabe des Bodenbelagsgeschäftes oder auch aus den anderen Segmenten?

Wechsler: Auch Reduktionen und Sortimentsstraffungen bei Dekos, Gardinen und im Bereich Sonenschutz sind dafür verantwortlich. Dort gibt es Strecken, von denen wir uns komplett getrennt haben.

BTH Heimtex: Und trotzdem war der Verlust unter dem Strich nur halb so hoch, wie Sie geplant hatten?

Wechsler: Ja. Insgesamt hat sich die Situation sehr gut entwickelt. Die Abverkäufe im Bodenbelagsbereich waren höher, als wir gedacht hatten. Wobei uns die Abwicklung der Bodenbelagssparte als solche natürlich richtig Geld gekostet hat. Immerhin mussten wir 75 Mitarbeitern kündigen. Das war eine harte Entscheidung, da etliche der Betroffenen zum Teil jahrzehntelang für uns tätig waren. Wir haben sie aber offen und ehrlich informiert und ihnen vernünftige Perspektiven geboten, so dass alles ohne einen einzigen Arbeitsgerichtsprozess ablaufen konnte. Insgesamt sind wir aber relativ gut aus dem Bodenbelag ausgestiegen und verfügen unverändert über genügend Liquidität.

Das hat sicherlich auch mit der Straffung und Neuausrichtung des Sortiments im Deko- und Gardinenbereich zu tun. Unser Ziel ist, uns bewusst neu auszurichten, alte Zöpfe abzuschneiden und ein klares, sauberes Profil zu bekommen.

BTH Heimtex: Aus heutiger Sicht gefragt - würden Sie die Entscheidung, sich von Bodenbelägen zu trennen, wieder treffen?

Wechsler: Wir würden sie vielleicht zwei Jahre eher treffen. Wobei das sicherlich nicht einfach umzusetzen gewesen wäre - zum einen von den Menschen her, denn viele haben sich doch schwer getan, die Umstellung im Kopf zu vollziehen, zum anderen organisatorisch, weil wir ja alle Vorgänge, die früher die Niederlassungen abgewickelt haben, hier in Kulmbach aufnehmen mussten. Das alles auf einmal zu bewältigen war schwierig.

BTH Heimtex: Aber die Entscheidung an sich war richtig?

Wechsler: Ja, die Zahlen und die Entwicklung des Unternehmens geben uns Recht.

Ralf Meinhardt: Und auch die Entwicklung im Bodenbelagsmarkt: Bodenbeläge haben immer stärker zu kämpfen. Für uns war es wichtig und richtig, uns zu konzentrieren, unsere Kräfte zu bündeln und unsere Spitze zu schärfen.

Wechsler: Die Alternative wäre gewesen, sich einerseits als nationaler Bodenbelagsgroßhändler mit entsprechenden Niederlassungen, Logistik-Stützpunkten und Service zu profilieren und andererseits als internationaler Stoffverlag mit Exklusivsortimenten für Handel und Industriegeschäft. Das gleichzeitig mit unseren Strukturen zu stemmen, wäre unmöglich gewesen.

Meinhardt: Wir haben ja auch versucht, Bodenbeläge über Speditions-Logistik mitlaufen zu lassen. Aber das ist von unseren Kunden nicht akzeptiert worden, weil sie anderen Service gewohnt waren.

BTH Heimtex: Das kann nur funktionieren, wenn die Kunden es gar nicht anders kennen, beispielsweise wie bei Jab Anstoetz.

Wechsler: Richtig. Eine Umstellung ist unmöglich.

Meinhardt: Wir haben viele Aufgabenstellungen für die Zukunft und man kann nicht an mehreren Fronten kämpfen. Das geht allein schon nicht von der Man-Power her.

BTH Heimtex: Die Initiative zu diesem Schritt ging von Ihnen aus, Herr Dr. Wechsler und Sie waren auch die treibende Kraft dahinter. War das Ihr ganz persönliches "Ding"?

Wechsler: Nein. Wir haben in vielen Beiratssitzungen über dieses Thema gesprochen. Verantwortlich dafür ist das Team einschließlich Susanne Schicker-Westhoff als Geschäftsführungs-Kollegin. Wobei erst unsere jetzige Struktur das alles überhaupt möglich gemacht hat.

Meinhardt: Eine Umstrukturierung dieser Art ist schließlich ein Prozess, der von allen Ebenen getragen werden muss - vom Verkaufsleiter über die Abteilungsleiter bis hin zum Innendienst.

BTH Heimtex: Schon, aber einer muss die Richtung weisen und voran marschieren.

Wechsler: Das hat sich sich aus der Marktentwicklung heraus aufgedrängt. Wenn der Ostdeutschland-Effekt nicht gewesen wäre, hätten wir die Entscheidung sicher schon wesentlich früher fällen müssen. Und es wirkt sich positiv aus, dass die Gesellschafterfamilie durch Frau Schicker-Westhoff wieder näher am Unternehmen ist. Das ist ein Riesen-Vorteil und eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten.

Wir haben uns in den vergangenen ein, zwei Jahren nicht nur von Bodenbelägen getrennt, sondern den ganzen Betrieb neu aufgestellt und straffe Strukturen geschaffen, allein siebenstellig in eine neue EDV investiert. Die Firma und die Prozesse sind dadurch so überschaubar, transparent und effizient geworden, dass wir heute mehr in Prozessen denken anstatt in Abteilungen wie Einkauf oder Verkauf. Das war natürlich auch ein Lernprozess für uns alle. Wir haben also im IT-Bereich die Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen, im Sortiment und auch im Vertrieb.

Meinhardt: Unsere Botschaft soll natürlich auch bei den Kunden ankommen. Da sind unsere Verkäufer und Bezirksleiter gefordert. Sie müssen absolut professionell sein - in der Sache, fachlich und im Umgang mit dem Kunden. Die Anforderungen wachsen. Man muss mehr gegenüber dem Kunden argumentieren, kommunizieren und zielgerichtet vermarktet. Es reicht nicht mehr aus, mit dem Koffer Vorlagen zu machen. Das liegt auch daran, dass sich unsere Kundenstruktur ändert. Nehmen wir als Beispiel unsere Coratex-Partner, bei denen sich das Durchschnitts-Alter stetig verringert. Und diese Jüngeren verfügen in der Regel über eine wesentlich bessere Ausbildung als frühere Generationen, sind dementsprechend anspruchsvoller und erwarten von uns adäquate Kenntnisse in Betriebswirtschaft usw.

BTH Heimtex: Sie haben das offenbar bereits umgesetzt. Ihre mittlere und obere Führungsebene hat sich in den letzten zwei Jahren massiv verjüngt.

Wechsler: Das stimmt.Wir haben den Generationswechsel vollzogen und damit eine richtige Aufbruchstimmung im Unternehmen geschaffen. Unser Durchschnittsalter liegt jetzt bei 42 Jahren - und dies mit meiner Person eingeschlossen.

Meinhardt: Wobei uns auch die schlechten Zeiten zu Gute kamen. Dann ist man nämlich gezwungen, über Veränderungen nachzudenken. Für gute Unternehmen bieten schlechte Zeiten Herausforderungen und Chancen - sofern sie über Mut, Kraft und auch eine gewisse Substanz verfügen.

BTH Heimtex: Sie haben also den Ballast Bodenbeläge abgeworfen und verstehen sich jetzt nicht mehr als klassischer Großhändler, sondern als Textilverlag. Wo positionieren Sie sich im Markt?

Wechsler: Nicht ganz oben in der Spitze, mehr in der oberen Mitte. In einer Pyramiden-Struktur würde ich oben Namen wie Zimmer & Rohde und Sahco Hesslein sehen, darunter Jab Anstoetz und dann uns. Unser Ziel ist, uns etwas weiter nach oben zu entwickeln, ohne unsere angestammte Basis zu verlassen.

Meinhardt: Wir brauchen einen Grundumsatz mit Basisartikeln und dazu einige Highlights in der Spitze.

Wechsler: Wobei wir dabei differenzieren müssen. In Möbelstoffen beispielsweise sind wir preislich relativ weit oben angesiedelt. Unsere exklusiven Rohleder-Artikel, Alcantara und Mohair machen 75% unserer Möbelstoff-Umsätze aus. Und die spielen sich in einer Preisregion ab, wo viele andere Verleger im Schnitt darunter liegen. Das kommt unter anderem durch unser Industriegeschäft. Hier wollen wir auch sukzessiv internationaler werden, zusammen mit Rohleder.

BTH Heimtex: Mit Rohleder verbindet Sie schon lange eine intensive Zusammenarbeit. Macht man sich da gegenseitig nicht zu sehr abhängig?

Wechsler: Sie haben Recht: Bei Möbelstoffen befinden wir uns in gegenseitigen Abhängigkeiten. Das ist aber kein Nachteil. Bei Dekos und Gardinen wollen wir auch dorthin.

Meinhardt: Es wird heutzutage immer wichtiger, mit welchen Lieferanten man zusammen arbeitet. Strategische Allianzen auf der Einkaufsseite gewinnen an Bedeutung.

Lutz Neubert: Wir waren deshalb gerade in der Türkei, um gezielt Lieferanten zu suchen, mit denen sich langfristige Beziehungen aufbauen lassen. Das ist gar nicht so einfach, weil es schon fast zu spät ist, dort geeignete Lieferanten zu finden, die in Qualitätsanpruch, Design, den technischen Möglichkeiten und vom Garnsortiment her zu passen.

Meinhardt: Das ist die entscheidende Frage heute: Wo sind die Nischen auf Beschaffungsseite, wo bekommt man etwas Neues her, mit dem man sich absetzen kann und profilieren kann.

BTH Heimtex: Das ist die Crux als Verlag - Sie haben zwar keinen Produktionsdruck wie die Industrie und können sich Ihr Sortiment vielfältiger zusammenstellen, dafür ist es sicher schwieriger, sich ein klares Profil zu verschaffen und vor allem gute Lieferanten auszumachen, bei denen nicht schon der ganze Wettbewerb einkauft.

Wechsler: Man wechselt ja nicht ständig seine Lieferanten. Wir pflegen in Deutschland, Italien und der Schweiz jahrzehntelange Geschäftsverbindungen, auf die wir uns stützen und von denen wir wissen, was sie können. Darüber hinaus ist einer unser größten Lieferanten ein amerikanischer Converter, auf den wir uns beispielweise mit unserem My Home-Programm konzentrieren. Das honoriert er, in dem er uns in Europa zuerst anspricht, wenn er etwas Neues hat. Das geht auch nicht anders.

Meinhardt: Wir agieren ja auch im High-End-Segment. Da ist die Luft dünner. Unsere Mikrofasern verkaufen wir für 73 EUR, haben auch die Klientel dafür, aus Korea kommen inzwischen Fasern für den Billigmarkt, die aussehen wie Mikrofasern und nur 6 EUR kosten. Das ist aber eine andere Welt.

BTH Heimtex: Kommen wir von der Beschaffungsseite zur Absatzseite. Wie verändert sich Ihre Kundenstruktur und wie reagieren Sie darauf? Ihr angestammter Kunde, der klassische Raumausstatter, verliert im Markt an Bedeutung. Die Zahl der Betriebe ist in den letzten Jahren enorm zurückgegangen.

Wechsler: Schon, das kann man aber nicht so eindimensional sehen. Es gibt zwar immer weniger Raumausstatter-Betriebe, dafür sind sie besser und profilierter. Deshalb verfolgen wir eine ganz klare Politik: Diese guten, zukunftsträchtigen Unternehmen wollen wir über die Coratex einbinden. Erklärtes Ziel ist, in unserem Einzugsbereich jeweils lokal den "Platzhirsch" oder die Nr. 2 für uns zu gewinnen. Im Endeffekt bedeutet das, dass sich unsere Kundenzahl reduziert. Damit haben wir aber kein Problem.

Meinhardt: Und ganz wichtig: Wir wollen die Verbindung zu unseren Stammkunden intensivieren. Über die Neukunden-Gewinnung hinaus wollen wir unsere bestehendes Potenzial hegen und pflegen.

Wechsler: Wir haben natürlich auch Kunden in der Fachmarktschiene und im Kaufhausbereich. Bei Möbelstoffen ist das Industriegeschäft ein starker Faktor, der weiter ausbaufähig ist. Das haben inzwischen auch andere Verleger registriert, die inzwischen versuchen, auf diesen Zug aufzuspringen. Darüber hinaus müssen wir mehr in Richtung Möbelhäuser, Einrichter und ähnlichen Geschäftstypen gehen, die sich mit dem Thema Lifestyle beschäftigen. Zudem sehen wir Möglichkeiten im klassischen Fachhandel. Das sind alles Aufgaben für die Zukunft, denen wir uns stellen und für die wir jetzt die Kapazitäten und den Rücken frei haben.

BTH Heimtex: Wenn Sie diese neuen Kundengruppen anvisieren und darüber wieder eine neue Klientel bei den Verbrauchern erreichen wollen, müssen Sie dann nicht auch über Fertigdekorationen nachdenken? Viele Ihrer Wettbewerber haben fertig konfektionierte Schlaufen- und Ösenvorhänge oder sogar ganze Pakete mit passender Tischwäsche und Kisssen im Programm.

Neubert: Das mag ein Thema für Vertriebsformen sein, die viel Laufkundschaft haben, etwa die Warenhäuser oder im Mitnahme-Bereich. Bei unserem klassischen Kunden ist das weniger ein Thema, weil er auch seine Leistung verkaufen muss. Davon lebt er. An einer solchen Fertigdekoration verdient er nicht genug.

BTH Heimtex: Aber braucht er das nicht, um jüngere oder weniger finanzkräftige Kunden anzusprechen?

Neubert: Das kann er genauso gut über Mitnahme-Artikel wie Kissen oder ähnliches.

Wechsler: Zur Zeit sind Fertigdekorationen für uns nicht aktuell. Vielleicht kann man in Zukunft über ein begrenztes Sortiment nachdenken, mit dem man dieses Thema protegiert. Aber dann muss auch eine Marke dahinter stehen.

Alle Versuche, die wir in Richtung Tischwäsche, abgepasste Teppiche, Bad-Accessoires oder Bademäntel im Markt beobachtet haben, waren ein Flop. So etwas kann nur funktionieren, wenn man die richtige Kundenstruktur dafür hat, das Ganze Lifestyle-Charakter hat und wie gesagt eine Marke dahinter steht. Und ganz wichtig: die Vermarktung muss stimmen.

Claudia Hölzel: Nehmen Sie als Beispiel Esprit: Jemand, der Mode von Esprit kauft, ist kein typischer Raumausstatter-Kunde und geht auch nicht ins Kaufhaus in die Heimtextilien-Abteilung. Der weiß noch nicht einmal, dass es seit Jahren eine Home Collection von Esprit gibt.

BTH Heimtex: Herr Neubert, Sie erwähnten eben Mitnahme-Artikel als mögliche Frequenzbringer oder Auslöser von Impulskäufen. Andere Kooperationen wie der Südbund setzen stark auf dieses Thema und führen ein breites Programm bis hin zum Kerzenleuchter und zu Kunstblumen. Warum bietet Coratex nicht auch so etwas an?

Peter Schroeder: In den 90er Jahren waren Accessoires ein großes Thema, auch für viele Raumausstatter, die hochwertige Tischwäsche, Bettwäsche und Kissen mit angeboten haben. Aber Ende der 90er Jahre hat dieses Geschäft einen Knick bekommen und sich rückwärts entwickelt. Und gerade diese Sortimente müssen stets gepflegt werden. Wenn Sie das nur als Randbereich mitlaufen lassen, gewinnen Sie keine Akzeptanz. Nehmen Sie allein die Tischwäsche: Da gibt es Neuheiten zu Weihnachten, zu Ostern, für den Sommer und für den Herbst und Sie müssen Ihr Angebot immer aktuell halten und entsprechend in den Einkauf investieren. Das bedeutet Kapitalbindung. Wenn dann die Drehzahlen fehlen.... Und nicht nur das: Darüber hinaus werden durch diese Sortimente Flächen in den oft nicht allzu großen Fachgeschäften blockiert, auf denen man ertragsträchtigere Produkte wie Sonnenschutz präsentieren könnte. Und nicht zu vergessen: Mit zu vielen verschiedenen Produkten können Raumausstatter auch ihr Profil verwässern. Sie vergessen, ihre Kernkompetenzen herauszustellen. Aus unserer Sicht ist es daher sinnvoll, Accessoires im Laden oder im Schaufenster nur als Akzent oder Blickfang einzusetzen.

BTH Heimtex: Also halten Sie Accessoires als Frequenzbringer ungeeignet?

Schroeder: Absolut.

BTH Heimtex: Nochmal zurück zu Saum & Viebahn. Ihr erklärtes Ziel ist, den Export zu forcieren. Wie stehen Sie aktuell im Ausland da?

Wechsler: Zur Zeit liegt unser Exportanteil bei den Stoffen bei 20%, ohne Industrieumsatz. Mittelfristig halte ich eine Erhöhung der Exportquote auf 30 bis 40% für absolut realistisch. Als absoluten Wachstumsmarkt mit vielversprechenden Möglichkeiten für uns sehe ich dabei vor allem Osteuropa.

BTH Heimtex: Muss man dort nicht vor Ort präsent sein, um wirklich einen Fuß in den Markt zu bekommen, sein Gesamtprogramm und seine Firmenphilosophie überzeugend darstellen zu können?

Meinhardt: Wir haben im April auf der Messe in Moskau gemerkt, dass wir in Russland bereits bei den Kunden, die uns interessiern, einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Wir wollen dort ja nicht den kleinen Raumausstatter direkt beliefern, das macht keinen Sinn, sondern suchen Brückenköpfe wie Importeure oder Filialisten, über die wir breit in den Markt hineinkommen.

BTH Heimtex: Also Osteuropa als Zukunftsmarkt für Saum & Viebahn, welche noch?

Meinhardt: Unser wichtigster Auslandsmarkt zur Zeit sind die Niederlande, danach Österreich, dann kommt schon Osteuropa, speziell Russland, Ungarn, das Baltikum, Polen und Slowenien, danach die Schweiz, Spanien und Italien. Seit einem Jahr im Aufbau sind der arabische Raum und Asien, wobei Asien konkret Malaysia und Singapur heißt. Über China denken wir momentan nach, wobei dort sicher Aufbau-Arbeit von ganz unten nötig ist. Eine Herausforderung ist, dass jeder Markt für sich seine eigenen Mechanismen und Strukturen hat. Diese Netzwerke muss man kennen und berücksichtigen.

BTH Heimtex: Und vermutlich auch gut schmieren....

Meinhardt: Aber wir wollen uns auch nicht verzetteln. Wir suchen uns für die einzelnen Regionen gezielt Mitarbeiter, die über Erfahrungen und Beziehungen verfügen und vor Ort das Geschäft von der Pike für uns aufbauen. Aber der Schwerpunkt für Saum & Viebahn bleiben ganz klar der deutsche Markt, die Weiterentwicklung von Coratex und Sofatex und auch die angestammten Exportmärkte wie die Niederlande und Österreich, in denen wir stark präsent sind.

BTH Heimtex: Was steht dieses Jahr konkret auf der Agenda, was wollen Sie bis Ende des Jahres geschafft haben?

Wechsler: Die nächsten 100 Jahre S & V absichern. Nicht mehr und nicht weniger

BTH Heimtex: Und in der weiteren Zukunft?

Wechsler: Grundsätzlich haben wir natürlich die Dauer-Aufgabe, uns zu profilieren und den Unternehmenswert zu steigern. Wir brauchen moderate Zuwächse, aber man muss sein Wunschdenken heute an die wirtschaftliche Landschaft anpasen. Und wir können auch auf dem jetzigen Umsatzniveau Geld verdienen. Die außerordentlichen Belastungen sind weg und wir haben im letzten Jahr unsere Marge verbessert. Andersherum gesagt: Wir haben auf ein Stück Marktmacht verzichtet, sind im relevanten Markt aber bedeutsamer geworden. Natürlich wollen wir langfristig weiter wachsen - ob nur aus eigener Kraft oder extern, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Klar ist, dass wir für den europäischen Markt eine gewisse Größenordnung brauchen. Und wenn wir uns die einzelnen Bereiche bei uns ansehen, gibt es welche, bei denen wir bestens aufgestellt sind und andere, bei denen wir noch Volumen brauchen. Ich will auch ein externes Engagement nicht ausschließen; aber wenn, nur mit einem wirklich gesunden Unternehmen. Es würde uns nicht weiterhelfen, wenn wir uns mit einem Kranken belasten.

Meinhardt: Wobei nicht allein die finanzielle Seite zähle, wenn man sich mit einem anderen Unternehmen verbündet. Auch die Mentalitäten müssen zusammen passen, sonst scheitert man. Nehmen Sie als Beispiel Daimler Chrysler und Mitsubishi: zwei Unternehmen mit gleichen Zielen, aber sehr unterschiedlichen Mentalitäten und Firmenkulturen - und was ist dabei herausgekommen?


Saum & Viebahn - das Unternehmen

Saum & Viebahn Textilverlag
Kompetenzcenter Stoffe
E.-C.-Baumann- Str. 12
95326 Kulmbach
Telefon: 09221/800-0
Fax: 09221/800-88

Kompetenzcenter Sonnenschutz/Gardinenzubehör
Meraner Str. 3 86165 Augsburg
Bestell-Hotline: 0180/2100007
Fax: 0800/8000070

www.saum-und-viebahn.de

Geschäftsführung: Dr. Wolfgang Wechsler, Susanne Schicker-Westhoff, Ralf Meinhardt
Gegründet: 1901 in Berlin
Rechtsform: Kommanditgesellschaft

Kennzahlen 2003:
Umsatz 35 Mio. EUR.
davon Möbelstoffe 55%
Dekos und Gardine 30%
Sonnenschutz/Stilgarnituren 15%
- Anteil Coratex/Sofatex: 30%, Ziel 50%
- Exportquote: 20% (nur Stoffe), Ziel 30 bis 40%

Mitarbeiter:
170, davon 40 in Augsburg,
4 Verkaufsleiter Inland, 28 Bezirksleiter,
5 Auszubildende, Anteil weiblicher Mitarbeiter 45%, Durchschnittsalter 42 Jahre

Sortiment:
- Schwerpunkt Möbelstoffe (Premiummarken Alcantara, Charmelle, Q 2 und Infinity Loft von Rohleder sowie diverse Themenkollektionen)
- Dekos und Gardinen (Themenorientiert in den Stilwelten Modern, Classic, Emotions, dazu die separate Coordinate-Linie My Home und Zwischenkollektionen)
- Sonnenschutz (Maßkonfektion von Cosiflor-Plissees, Solarflor-Vertikallamellen, Raffrollos und Flächenvorhängen, zum Teil mit Exklusivstoffen)
- Stilgarnituren (von Interstil)
- Bordürenteppiche

Lagerpositionen:
6.500 (Stoffe), davon 3.500 Möbelstoffe

Aufträge:
ca. 1.000 täglich

Dienstleistungen:
- 24-Stunden Service
- Just-in-Time-Belieferung für Industriekunden
- Ladenkonzepte und Ladenausstattung
- Schulung und Hilfe in Unternehmensfragen
- Musterfenster
- Verkaufsförderungspakete mit Großposter, Thekenaufsteller, und Prospekten sowie professionelle Dekopakete für das Schaufenster
- Faltprospekte zu den jeweiligen Kollektionen
- Anzeigenvorlagen ein- und zweispaltig für Zeitungswerbung
- Mailing-Vorlagen
aus BTH Heimtex 07/04 (Wirtschaft)