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Mittelfristig auch Laminatbodenproduktion geplant

15. Produktionsstandort von Egger entsteht in Russland

Der gnadenlose Wettkampf in der Laminatbranche hinterlässt seine Spuren: Die großen, integrierten Holzwerkstoffhersteller werden immer stärker, die anderen müssen sich Nischen suchen, wenn sie überleben wollen. Die österreichische Egger-Gruppe gehört zu den Großen in Europa und will ihr stetiges Wachstum der Vorjahre auch künftig fortsetzen. Dazu investiert sie unter anderem in ein neues Werk in Russland, in dem mittelfristig auchLaminatböden hergestellt werden sollen.

Auf diese Zahlen ist Michael Egger schon stolz: Voraussichtlich 1,6 Mrd. EUR Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2003 /04 (30. April), das bedeutet ein Plus von 237,6% in den letzten zehn Jahren, eine Produktionskapazität von gut 5 Mio. m3, entsprechend einem Zuwachs von 172,4% im gleichen Zeitraum und 4.800 Mitarbeiter, doppelt so viele wie im Vergleichsjahr 1993/94 - der österreichische Holzwerkstoffhersteller Egger hat gerade in der letzten Dekade enorm expandiert.

Dabei mag sich vorteilhaft für das Unternehmen ausgewirkt haben, dass es sich in Privatbesitz befindet - wie übrigens auch einige der größten Mitbewerber. Das scheint eine Besonderheit der Holzwerkstoffindustrie zu sein. Vielleicht resultiert daraus die weitgehende Bündelung der Marktmacht bei einer Handvoll bedeutender Anbieter, deren Gewinne nie für die Befriedigung der Ertragsansprüche firmenfremder Anteilseigner aufgewendet werden mussten, sondern immer wieder reinvestiert wurden.

So war es auch bei Egger. Heute ist die Gruppe mit 14 Werken in vier Ländern und Vertriebsniederlassungen in allen wichtigen Industrieländern der Welt präsent. In den vier Stammmärkten Österreich, Deutschland, Frankreich und Großbritannien werden 70% des Umsatzes erzielt, die restlichen 30% verteilen sich auf 70 Exportländer.

Aber: das Geläuf wird härter. Das bekommen auch die Österreicher zu spüren. Nach exorbitanten Zuwächsen in den letzten Jahren hat sich die Wachstumsgeschwindigkeit inzwischen deutlich verlangsamt. Im Geschäftsjahr 2003/04 wird der Umsatz gerade noch 2% zulegen - liegt damit aber im Plan, wie Michael Egger betont, der zugleich auf die "sehr gute Auslastung" seiner Werke "entgegen dem Branchentrend" verweist.

Dennoch weiß der Vollblut-Unternehmer, der mit seinem bodenständigen, volksnahen Tiroler Habitus manchen vergessen lässt, dass sich dahinter ein zielstrebiger, willensstarker, gewiefter Kopf verbirgt, dass es nach zwei Jahren der Konsolidierung jetzt den nächsten großen Expansionsschritt geben muss, wenn Egger in Europa weiter ganz oben mitspielen will.

Und dieser Schritt führt nach Russland. In Shuya, ca. 180 km nordöstlich von Moskau, werden 60 Mio. EUR in ein neues Werk investiert, das auf dem Gelände einer ehemaligen Roboterfabrik entstehen soll. Wo sich jetzt zwei marode Hallen auf dem 110 Hektar großen Firmengelände verlieren - das Areal ist damit übrigens doppelt so groß wie das riesige Egger- Holzwerkstoffzentrum in Wismar - soll möglichst schon im vierten Quartal 2004 der Betrieb von Rohspanplatten - Kapazität 250.000 m3 - und melaminharzbeschichteten Platten - Kapazität 75.000 m3 - aufgenommen werden.

Es könnte aber auch Anfang 2005 werden, räumt Michael Egger angesichts der nicht immer berechenbaren Verhältnisse in Russland ein. Die Rohspanplatten werden auf zwei Ein-Etagen-Pressen produziert, für die Beschichtung ist eine neue Kurztaktpresse vorgesehen. Auf der Landkarte scheint Shuya relativ abgelegen zu sein, aber "der Standort verfügt über einen Bahnanschluss und ein gut ausgebautes Straßennetz, das rasche und zuverlässige Logistik sichert", verspricht Egger. Die Energieversorgung läuft über ein benachbartes E-Werk und ein Gaswerk in der Nähe.

Nach Abschluss der ersten Investitionsphase ist daran gedacht, weitere Produkte wie MDF, OSB und auch Laminatboden in Shuya herzustellen.

Noch halten sich Michael Egger und Stefan Pletzer, der die Bodenbelagsaktivitäten von Egger führt, bedeckt, wann die Laminatbodenproduktion starten soll. Es ist aber davon auszugehen, dass das so schnell wie möglich in Angriff genommen wird, zumal die Konkurrenz bereits die ersten Kapazitäten in Russland aufbaut. Die Fußbodenfertigung würde allerdings weitere erhebliche Investitionen erfordern.

Grundsätzlich setzt man bei Egger große Erwartungen in den "sehr aufnahmefähigen" russischen Markt. Allein das Segment Spanplatten wachse dort jährlich quantitativ um 10% und nehme vor allem qualitativ stark zu. "Die Rohstoffsituation, das Marktvolumen, das Wachstum und die steigende Nachfrage nach hochwertigen Produkten sind ausschlaggebend für uns, um auf den Zukunftsmarkt Russland zu setzen."

Die Laminat-Tochter Egger Floor Products ist laut Geschäftsführer Pletzer zwar nur "ein kleiner Bereich" innerhalb der Egger-Gruppe, dafür aber sehr effizient: 200 Mio. EUR konsolidierter Umsatz (2003/04) mit 250 Mitarbeitern, das macht einen Pro- Kopf- Umsatz von 800.000 EUR, der sich sehen lassen kann. Die Produktionskapazität wurde unlängst mit der Installation einer weiteren Anlage in Wismar auf 45 Mio. qm erhöht, damit sieht sich Egger unter den Top der 3 der "europäischen Komplettanbieter von qualitativ hochwertigen Laminatböden".

Die Herstellung verteilt sich auf drei Werke, die sich alle auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert haben. Der Stammbetrieb in St. Johann, Kapazität 10 Mio. qm, verfügt über einen hohen Servicegrad bis hin zur Konfektionierung in Raumgrößen. Deshalb werden hier auch Spezialprodukte wie der Designbelag Glob Art gefertigt. Ansonsten werden von diesem Werk aus die geographisch nahe liegenden Märkte in Mittel- und Südeuropa beliefert.

In Brilon im Sauerland, Kapazität 5 Mio. qm, sind zusätzliche eine eigene Beschichtung und Imprägnierung integriert. Von hier aus werden die regional angrenzenden Gebiet und die Benelux-Länder versorgt.

Das komplett integrierte Holzwerkstoffzentrum in Wismar, ein 250 Mio. EUR-Projekt, 1999 eingeweiht, ist die größte und leistungsfähigste Produktionssstätte. Hier entstehen die Mengenprodukte, die nach Deutschland und nach Osteuropa gehen, ein Teil der Produktion wird über das Joint-Venture ETS von Tarkett vertrieben.

Ursprünglich sollten von der Ostsee-Stadt aus über den Seeweg auch die außereuropäischen Märkte bedient werden, aber die dortigen Marktverhältnisse haben sich verändert. So ist China, wo Egger anfangs sehr gut im Geschäft war, inzwischen nur noch von marginaler Bedeutung, weil die heimischen Anbieter inzwischen den Markt dominieren. Auch die USA haben sich nicht so für Egger entwickelt, wie einst angenommen.

Heute entfallen 90% des Umsatzes auf Europa, wobei sich speziall Großbritannien und Frankreich vielversprechend entwickeln. "Gezielt mit strategischen Investitionen aufgebaut"werden sollen Ost- und Südosteuropa. Die restlichen 10% verteilen sich je zur Hälfte auf die NAFTA-Länder, sprich USA, Kanada und Mexico sowie Asien mit China, Korea "und hoffentlich bald auch Japan".

Fritz Egger GmbH & Co. OG
Michael Egger, CEO Marketing und Vertrieb.
Fritz Egger GmbH & Co. OG
Stefan Pletzer, Geschäftsführer
Marketing/Vertrieb, Egger Floor Products
Fritz Egger GmbH & Co. OG
Reinhard Hätti, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb, Egger International
Fritz Egger GmbH & Co. OG
Ulrich Bühler, Geschäftsführer
Marketing/Vertrieb, Egger Deutschland
Fritz Egger GmbH & Co. OG
Hubert Höglauer,
Geschäftsführer Marketing/Vertrieb Egger Österreich/Schweiz
Fritz Egger GmbH & Co. OG
Karin Wagner, Leitung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Deutschland ist für Egger ein wichtiger Markt. Hier konnten die Österreicher früh Kontakte zum Großhandel knüpfen und sind etwa über die bedeutende Großhandels-Kooperation Copa Interline bestens im Markt vertreten.

Über den Großhandel werden Bodenleger, Parkettleger und Tischler angesprochen, daneben will Pletzer auch den einstufigen Vertrieb über den industriefähigen Fachhandel, Fachmärkte und Möbelhäuser "nicht außer acht lassen".

Die DIY-Schiene wird allerdings "sehr selektiv betrachtet". Die enge Bindung an qualifizierte Absatzmittler wird durch Kollektionen wie die designorientierte Glob Art-Serie unterstrichen, die die Möglichkeit bietet, Licht, Schrift und Logos in die Bodengestaltung einzubauen.

Bei der Vermarktung legt Egger großen Wert auf eine "durchgängige Verkaufs- und Marketingstrategie bis zum Point of Sale". Das schließt sowohl die Produkte an sich, als auch den zielgruppenorientierten Sortimentsaufbau und die umfassende Verkaufsförderung ein.


Egger-Gruppe

Fritz Egger GmbH & Co.
Spanplattenwerk
A-6380 St. Johann i.T.
Tel: ++43-(0)50600-10681
Fax: ++43-(0)50600-90681
e-mail:info@egger.com
www.egger.com

Profil: Einer der größten Holzwerkstoffhersteller und -veredler in Europa, Marktanteil 9% (2003)

Gründung: 1961 durch Fritz Egger

Inhaber: Michael und Fritz Egger

Führung: Michael Egger (CEO Marketing/ Vertrieb), Walter Schiegl (CEO Technik und Produktion), Ewald Nageler (CEO Finanzen und Administration)

Umsatz: voraussichtlich 1,6 Mrd. EUR (2003/04), entspricht +2%, davon 70% in den 4 Stammländern, 30% in 70 Ländern im Export

Mitarbeiter: 4.800 (03/04)

Produktionskapazität:
- 5,04 Mio. m3 Holzwerkstoffe
- Imprägnate 460 Mio. qm
- Beschichtung 161 Mio. qm
- Schichtstoffe 17 Mio. qm
- Formteile: 6,5 Mi. m3
- Laminatboden 45 mio. qm

Werke: 14 in Österreich, Deutschland, Frankreich , Großbritannien, Nr. 15 in Russland im Bau

Vertriebsniederlassungen: Frankreich, Italien, Schweiz, Irland, Russland, Taiwan, Großbritannien, Schweden, Israel, Benelux, Tschechische Republik, Singapur, Dänemark, Polen

Sortiment:
- Span-, MDF- und O SB-Platten
- Melaminharzbeschichtete Platten und Softforming-Elemente
- Schichtstoffe
- Postforming-Elemente, Melamin- und Sicherheitskanten
- Fertigteile
- Laminatböden

aus BTH Heimtex 12/03 (Wirtschaft)