Meschghin


Der Ort Meschghinschar, früher Kheyav, ist Namensgeber für die dort und im weiten Umland gefertigten Teppiche mit der geläufigen Provenienzbezeichnung Meschghin, also ohne die Silbe "Schar", der persischen Silbe für Ort, Stadt. Er liegt im Norden der iranischen Provinz Süd-Aserbeidjan, nordwestlich von Ardebil. Ort und Umgebung beherbergen einige historisch bedeutende Monumente wie das Ashok-Kastell, das Mausoleum von Scheich Heydar und ein uraltes Felsrelief mit einer Darstellung des Sassanidenkönigs Schahpour II. (310-379).

Die Bevölkerung lebt vorwiegend von der Landwirtschaft. Viehzüchtende Nomaden dieser Region weiden ihr Vieh im Sommer auf den Hochalmen des Sabahmassivs. Im Winter zieht man sich wieder in die nicht ganz so kalten Täler zurück, eine Art Almwirtschaft. Die hiesigen Schafrassen produzieren eine sehr robuste, langfädige Wollqualität, die zur Hauptsache zum Knüpfen von Orientteppichen verwendet, aber ungefärbt auch in andere Knüpfgebiete verkauft wird. Da im Winter die Landwirtschaft ruht, hat man Muße in dieser Zeit Teppiche in Heimarbeit zu knüpfen.

Noch im 19. Jahrhundert gehörte auch der heute selbständige Nordteil, die Republik Aserbeidjan, jahrhundertelang mit zum Perserreich. Aufgrund der Nähe zum Kaukasus sind die Meschghin-Dessins deshalb deutlich von dieser Gebirgsregion mit ihren ureigenen Stilelemente geprägt. Im Unterschied zu den Kaukasen sind die Meschghins jedoch gröber und körniger, aber auch fester und strammer geknüpft. Während man früher ausschließlich auf Wollgrundgewebe knüpfte, werden die Meschghin-Teppiche schon seit gut fünfzig Jahren vorwiegend auf Baumwollgrundgewebe gefertigt. Die Vermarktung findet hauptsächlich über Täbris, teils Ardebil oder auch gleich in direktem Weg über die Hauptstadt Teheran statt.

Meschghin in Stichworten

Andere Schreibweisen: Meshgin, Meshkin, Meschkien

Ursprungsland: Iran
Herstellungsort-/Region: Ort Meschghinschar und nähere Umgebung in der Provinz Süd-Aserbeidjan
Aussprache: Betonung auf der ersten Silbe. Das "i" wird langgezogen
Haupthandelsplätze: Meschghinschar, Ardebil, Täbris, Teheran, Hamburg, Zürich

Herstellungsbasis: am vertikalen Knüpfstuhl im Hausfleiß
Formate: überwiegend Läufer im sog. Exotenmaß oder schmäler, selten Dozar-, Saronim-Brücken und Teppiche bis gut 2,00 x 3,00 m Knüpfmaterialien
Flor: Schafwolle
Kette und Schuß: Baumwolle, Altknüpfungen bisweilen Wolle, keine Seidenknüpfungen
Knotenform: Gördesknoten, auch Turkbaff, Türkischer- oder symmetrischer Knoten genannt
Knüpfung: geschichtet, körnig
Duktus, Dessin: grundsätzlich geometrisch, stark von Stilelementen des des nahen Kaukasus geprägt; zum Beispiel auch das Tschelaberd-Dessin
(sog. Adler.Kasak)
Besonderheiten: sehr provenienztypische Traditionsdessins, hauptsächlich Läuferformate
Farbgebung: stark kontrastierend, polychrom, meist rot-, selten blaugrundig

Bemerkung: Ein solider Gebrauchsteppich der Mittelklasse; sehr robust und daher gut als Läufer geeignet; mit einem verbraucherfreundlichen Preis-Leistungsverhältnis
Schätzpreis: siehe Werth.- Index
aus Heimtex Orient 01/03 (Teppiche)