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Gespräch mit Johannes Schulte, Anja Schulte und Ludger Schindler/ Meister Leisten

"Der Handel ist besser bedient, wenn er sich auf Komplettanbieter konzentriert"

Meister Leisten ist das Paradebeispiel eines gut geführten Familienunternehmens: Eine ausgewogene Mischung zwischen bodenständig und innovativ, inhabergeführt, mit einem Chef, der jeden Auszubildenden persönlich unter die Lupe nimmt und sich im Betrieb auch schon mal hemdsärmelig an die Maschine stellt. Und die Nachfolge ist auch schon gesichert. Wer steht hinter dem Erfolg? Ein Gespräch mit Inhaber Johannes Schulte, seiner Tochter Anja, der designierten Nachfolgerin und Vertriebsleiter Ludger Schindler.

BTH Heimtex: Allgemein war das erste Quartal dieses Jahr schwierig. Bei Ihnen auch?

Johannes Schulte: Nein. Bei uns war die Entwicklung in allen Produktsegmenten überaus positiv - bei Bodenbelägen sogar noch etwas stärker als bei Paneelen. Die Zuwächse bewegen sich im knapp zweistelligen Bereich.

BTH Heimtex: 2002 haben Sie 160 Mio. EUR umgesetzt. Wie sieht Ihre Planung für das Gesamtjahr 2003 aus?

Schulte: Wir planen einen Zuwachs um ca. 5% gegenüber dem Vorjahr, wobei es innerhalb der Produktgruppen Verschiebungen geben wird.

BTH Heimtex: Und die Produktion? Wo liegen Sie da bei den einzelnen Produktgruppen?

Schulte: Wir planen für das laufende Jahr 10 Mio. qm Laminatboden, 500.000 qm Parkett, 400.000 bis 500.000 Linoleum-Fertigboden und 250.000 qm Kork, haben dafür auch im vergangenen Jahr auf Produktionsseite vorgesorgt. Insgesamt haben wir 20 Mio. EUR in Gebäude, Maschinen und Technik investiert, unter anderem eine neue Fertigungsstraße für Kork und Linoleum-Fertigböden. In diesem Jahr wollen wir die Fertigung von Parkett mit MDF-Mittellage und im Bereich V-Fuge weiter ausbauen.

BTH Heimtex: Das können Sie nicht alles auf dem hart umkämpften deutschen Markt absetzen. Wie hoch ist Ihre Exportquote und welche Märkte sind Ihnen besonders wichtig?

Ludger Schindler: Unsere Exportquote liegt aktuell bei 40% und wir wollen vor allem einige europäische Länder intensiver als bisher bearbeiten, zum Beispiel Großbritannien, Benelux und Skandinavien.

BTH Heimtex: Auf welche Produkte setzen Sie dabei primär? Welches Segment hat die besten Perspektiven?

Anja Schulte: Wir sehen Absatzchancen in allen Bereichen. Bei Bodenbelägen sind die V-Fuge im Laminatbereich und das HDF-Parkett Tritec Home besonders erfolgreich. Aber auch die neuen Formen und Farben bei Paneelen, kombiniert mit abgestimmten Lichtsystemen sind sehr positiv angenommen worden. Im Leistenprogramm gibt es ebenfalls vielversprechende Absatzchancen: zu jedem Boden, zu jeder Decke die passende Leiste.

BTH Heimtex: Sie sind nach Laminat auch in Parkett eingestiegen. Kannibalisieren sich die beiden Produkte nicht?

Schindler: Auch wenn sich der Laminatboden besser entwickelt hat als Parkett, sind die Chancen für beide Produkte gleich groß. Von einer Verdrängung kann insofern nicht die Rede sein, als beide Belagstypen sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

BTH Heimtex: Laminat ist technisch inzwischen hochentwickelt. Gibt es noch Ansatzmöglichkeiten für Verbesserungen? Wo geht die technische Reise hin?

Schulte: Aktuell zum Porensyncrondruck und zu Fliesenstrukturen.

Meisterwerke Schulte GmbH
Inhaber Johannes Schulte
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Designierte Nachfolgerin: Anja Schulte
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Duero Kork
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Tritec Home
Meisterwerke Schulte GmbH
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BTH Heimtex: Und bei Parkett?

Schulte: Hier sind wir Neueinsteiger. In zwei Jahren können wir mehr dazu sagen.

BTH Heimtex: Welche Entwicklungen sind denn konkret bei Ihnen in der Pipeline?

Schulte: Mitte 2003 kommt die 1-Stab-Diele mit HDF-Träger. Dann arbeiten wir an der Marktreife des Granitbodens. Beides wurde dem Fachhandel auf der Bau präsentiert. Ansonsten liegen noch viele Ideen in der Schublade, zu der aber nur einer den Schlüssel hat.

BTH Heimtex: Da wir gerade beim Thema Technik sind - bei Laminatböden ist die Klickverbindung bereits Standard. Glauben Sie, dass bei Parkett eine ähnliche Entwicklung einsetzt?

Schulte: Sagen wir mal so: Bei einer technisch gut ausgreiften Klickverbindung wird in Zukunft jedes Produkt damit ausgestattet sein. Das wird ganz einfach Stand der Technik werden. Wichtig für uns ist auf jeden Fall ein einheitliches Klicksystem für alle unsere verschiedenen Bodenbelagstypen. Wobei das beste System für uns das mit Vorspannung ist.

BTH Heimtex: Das Produkt allein macht es nicht. Marketing und Service sind genauso wichtig. Was tun Sie hier für Ihre Kunden?

Schindler: Wir setzen unter anderem auf eine gut funktionierende Logistik mit Liefertreue und -pünktlichkeit sowie einem Rücknahmesystem. Außerdem spielt für uns die Kundenbindung eine ganz große Rolle, die wir etwa durch Schulungen fördern. Jährlich schulen wir allein rund 3.500 Fachhandels-Berater in unserem eigenen Seminarzentrum mit Gästehaus. Selbstverständlich investieren wir auch in Verkaufsförderung.

BTH Heimtex: Wie ist Ihre Kundschaft strukturiert?

Schindler: Wir bedienen den Fachhandel und einige Industriekunden. Die Großflächen zählen ganz klar nicht zu unseren Zielgruppen.

BTH Heimtex: Was wünschen Sie sich von Ihren Fachhandels-Kunden?

Schindler: Dass sie sich aktiv im Markt bewegen, Innovationen aus der Industrie annehmen und so ihre Zukunftschancen sichern. Wobei viele unserer Kunden sehr engagiert, kreativ und umsetzungsstark sind, es gibt aber auch welche, die sich von der allgemeinen depressiven Wirtschaftslage haben anstecken lassen.

Generell wäre der Handel nach unserer Meinung besser bedient, wenn er sich auf Komplettanbieter konzentriert, anstatt eine unzählige Menge an Lieferanten aufzunehmen.

aus BTH Heimtex 05/03 (Wirtschaft)