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Caparol übernimmt das Ruder bei Wässa & Schuster


Caparol scheint bei seiner Mehrheitsbeteiligung Wässa & Schuster (Kaiserslautern) die Notbremse gezogen zu haben: Minderheitsgesellschafter Axel Wiesenhütter ist zum Ende 2002 aus der Geschäftsführung des Großhandelshauses ausgeschieden und will nach einer Meldung der "Rheinpfalz" bis Ende des Jahres auch einen "Großteil" seiner Anteile an den Farbenhersteller abgeben.

Offenbar ist das eine Reaktion auf die kritische Lage, in der sich Wässa & Schuster befindet. Das Unternehmen war 2000 aus dem Zusammenschluss der beiden Mitbewerber Wässa & Raab in Speyer und Schuster & Sohn in Kaiserslautern entstanden. Schon im ersten Jahr stellten sich Probleme ein; statt des erwarteten Umsatzes von 60 Mio. EUR fuhr der Grossist 2001 lediglich 51 Mio. EUR ein und rutschte zugleich in die roten Zahlen.

Zudem zerstritten sich die drei Geschäftsführer; die beiden Brüder Thomas und Stefan Wässa stiegen aus, Wiesenhütter übernahm die Allein-Geschäftsführung und holte Caparol als Gesellschafter mit ins Boot. Mit dem Einstieg des Farbenkonzerns und einem Restrukturierungsplan hoffte er, Wässa & Schuster wieder auf eine gesunde finanzielle Basis zu bringen.

Das mehrere Mio. EUR teure Sanierungskonzept wurde denn auch 2002 in Angriff genommen und 80 von 300 Arbeitsplätzen abgebaut. Das reichte aber nicht aus, um eine nachhaltige Besserung zu erreichen - zumal von der anhaltend schwachen Baukonjunktur keine Schützenhilfe kam.

Der Umsatz erhöhte sich zwar auf 56,6 Mio. EUR, unter dem Strich wurde aber wohl wieder ein Verlust ausgewiesen, wie sich zwischen den Zeilen in der "Rheinpfalz" lesen lässt. Daraufhin nahm Wiesenhütter zum Jahreswechsel seinen Hut und konzentriert sich auf die Geschäftsführung der Mineralölhandlung Schuster & Sohn.

Dass das Ergebnis bei Wässa & Schuster 2002 wieder negativ sein würde, hat sich anscheinend schon früh abgezeichnet. Entsprechende Gerüchte kursierten hartnäckig in der Branche. Als Geschäftsführer war bereits im September Hans Hermann Sachs eingesetzt worden, der das Großhandels-Unternehmen jetzt mit rigorosen Maßnahmen wieder auf Gewinn trimmen soll.

"Bisher wurde versucht, die Kosten durch eine Verkleinerung der Mitarbeiterzahl in den Griff zu bekommen", sagte der gelernte Bankkaufmann gegenüber der "Rheinpfalz", das reiche aber nicht aus.

"Wir müssen auch unser Vertriebsgebiet verkleinern". Konkret werden weitere 60 Stellen gestrichen und die Auslieferungslager in Trier und Karlsruhe zum 31. März geschlossen. Dafür sollen ein Zentrallager in Speyer und ein Umschlagslager in der Westpfalz eingerichtet werden.

Auch will sich Sachs rein auf den Großhandel beschränken und von den Einzelhandels-Aktivitäten trennen. Die entsprechenden Niederlassungen in Kaiserslautern, Völklingen und Dahn werden aufgegeben bzw. sollen per Management-Buy-Out von Mitarbeitern übernommen werden.

Beim Sortiment werde es ebenfalls Einschnitte geben, kündigte Sachs an, betonte aber gleichzeitig, dass Wässa & Schuster ein "unabhängiger Vollsortimenter" bleibe. Ziel der straffen Reorganisation ist, "die Zukunft des Unternehmens und damit 150 bis 160 Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern". 2003 werde als "Jahr der Restrukturierung" mit "deutlich weniger Umsatz" in die Firmengeschichte eingehen. Für 2004 sieht Sachs Licht am Ende des Tunnels; dann will er Wässa & Schuster wieder auf Kurs, sprich in die Gewinnzone gebracht haben.
aus BTH Heimtex 02/03 (Wirtschaft)