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Bauwerk schließt Werk in Bodelshausen

Mosaikparkett-Produktion wird ins Ausland verlagert

Bauwerk steigt aus der Fertigung von Mosaikparkett aus, das die Schweizer 1935 selbst erfunden hatten. Das letzte Werk in Bodelshausen wird aus Kostengründen geschlossen, die Produktion von jährlich 650.000 qm schrittweise zurückgefahren und zu osteuropäischen Herstellern verlagert werden. Dies teilte das Unternehmen seinen Mitarbeitern kurz und knapp in einer Betriebsversammlung Mitte November mit. Jetzt herrscht Krieg in Bodelshausen: Die Belegschaft läuft Sturm gegen die Entscheidung, die 110 bis 120 Arbeitsplätze kostet, Bauwerk kontert mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Der Vertrieb bleibt unverändert bestehen unter Leitung des neuen Vertriebseiters Jürgen Schlögler.

Mitte November beschloss der Schweizer Parketthersteller Bauwerk das endgültige "Aus" für seinen deutschen Produktionsstandort Bodelshausen, dem letzten Mosaikparkett-Werk der Nybron-Tochter. Mitbetroffen sind das an die Parkettherstellung gekoppelte Sägewerk und der Zuschnitt. Die Stillegung dieser Betriebsteile kostet 110 bis 120 Arbeitsplätze. Verwaltung und Vertrieb für Bauwerk und die Schwestergesellschaft Kährs, die zusammen weitere 110 bis 120 Mitarbeiter beschäftigen, bleiben bestehen. Zwar verfügen beide Unternehmen über eigene Verkaufsorganisationen und Verkaufsleiter Deutschland, doch soll der neue Gesamtvertriebsleiter Jürgen Schlögler künftig für effektivere Kooperation und Koordination sorgen. Vorgänger Bernd Riekeles hat Bauwerk mit unbekanntem Ziel auf eigenen Wunsch verlassen.

Zug um Zug sollen die bisher jährlich rund 650.000 qm Mosaikparkett aus Bodelshausen zurückgefahren und ersatzweise "bei einem oder mehreren Partnern" in Osteuropa produziert werden. Wer das sein wird ist noch offen; fest steht nur, dass Bauwerk nicht selbst produzieren will.

Für den Stilllegungsbeschluss waren laut Direktor Manfred Mayer vor allem die negative Marktentwicklung und der Kostenfaktor ausschlaggebend und nennt als detaillierte Gründe das Überangebot, in dem zunehmend auch Nachahmerprodukte mitmischten, erodierende Preise - "verursacht nicht nur durch das riesige Angebot aus Billiglohnländern, sondern auch durch kleine deutsche Familienbetriebe, die bei ihrer Kalkulation bis hart an die unterste Grenze gehen können" - die Kostenvorteile der osteuropäischen Wettbewerber sowie die sich kontinuierlich sich verschlechternde Wirtschaftslage in Mitteleuropa, besonders in Deutschland. "Auf jeden verkauften Quadratmeter Mosaikparkett müssen wir 1 bis 2 EUR drauflegen." Das technologisch einfache Produkt enthält laut Mayer nicht genügend Rationalisierungspotential, um die Wettbewerbsvorteile der Hersteller in Osteuropa kompensieren zu können. Als diese nennt er die Rohstoffverfügbarkeit und -beschaffung sowie den weitaus geringeren finanziellen Aufwand für Bauten, Infrastruktur und Fertigung, ganz zu schweigen von dem "riesigen Lohngefälle".

Die Vermutung, der Rückzug sei von langer Hand vorbereitet, wies Mayer als "böswillige Unterstellung" zurück. Tatsächlich sei Bauwerk vor zweieinhalb Jahren davon ausgegangen, dass die Mosaikparkettproduktion in Bodelshausen noch etliche Jahre "tragen" werde. Folglich sei auch für mehrere Millionen Mark in die Produktionsanlagen und das Sägewerk investiert worden. Die Aufgabe der 10 mm-Massivparkett-Produktion und die Auslagerung der kleinen Zweischicht- Produktion ins bereits spezialisierte, hoch-modern ausgerüstete Werk in Salzburg seien nicht in der Absicht erfolgt, die Produktion in Bodelshausen auszudünnen und zu schwächen, sondern im Interesse von Konzentration und Stärkung. Die angestrebte Entwicklung sei aber von der "ernüchternden" Marktentwicklung überholt worden.


Die Mitarbeiter haben auf die Ankündigung von Bauwerk scharf reagiert. In Bodelshausen herrsche "der totale Krieg", bedauert Bauwerk-Generaldirektor Dieter Betz. Darauf sei man nicht vorbereitet gewesen. Ursprüngliche Vorstellungen von einem sozialverträglichen Ausklingen des Produktionsbetriebes würden jetzt vom harten Gewerk-schaftsskurs in eine andere Richtung gezwungen. "Über Restlaufzeiten, Kündigungsfristen, Abfindungen und Sozialpläne sei gar nicht erst geredet worden", zitiert eine Regionalzeitung die Betriebsrats- und Gewerkschaftsmitglieder, die sich vom ersten Moment an "zum Kampf bereit" erklärten. Die Fronten sind verhärtet.

Dass die Produktionsaufgabe in Bodelshausen zu einem Politikum geworden ist, kommt in der örtlichen Tagespresse direkt und "zwischen den Zeilen" zum Ausdruck. Mit kritischem Unterton werden die häufigen Besitzerwechsel der ehemaligen Parkettfabrik Schlotterer erwähnt. Seitdem das Unternehmen "nur noch ein Glied in der Kette internationaler Konzerne" geworden sei, habe es in sieben Jahren rund 250 Arbeitsplätze freigesetzt. Überdies fühle sich die Belegschaft getäuscht. Der Begründung, dass mangelnde Nachfrage nach Mosaikparkett ein Grund für die Stillegung sei, stehe entgegen, dass "Überstunden ein-schließlich Samstagsarbeit gefahren" wurden. Ferner sei noch Anfang September 2002 ein ausdrückliches "Bekenntnis zum Standort Deutschland" abgegeben worden.

Aus der Schweiz verlautet zu diesem Vorwurf, die negative Entwicklung insbesondere für Mosaikparkett in Deutschland habe sich in diesem Jahr unerwartet beschleunigt. Um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, seien schnelle Entschlüsse notwendig geworden. Dies erkläre auch, weshalb die angestrebte Schließung schon mitgeteilt worden sei, bevor eine definitive Ersatzlösung bekannt gegeben werden könne.

aus BTH Heimtex 01/03 (Wirtschaft)