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MEG - Interview mit Michael Husch und Michael Jacobs

"Wir sind durchaus an weiteren Akquisitionen interessiert"

Der Maler-Einkauf West, kurz MEG, entstand 1989 aus einer Fusion zwischen Maler-Einkauf Düsseldorf, Krefeld, Bonn und Köln. Unter Führung von Michael Husch und Horst Pieper expandierte die Genossenschaft später und stieg in den Großhandel ein. Die drei Tochtergesellschaften Bock, Farben-Arndt und Traudt gehören in ihren Regionen jeweils zu den führenden Grossisten oder sind gar die Nr. 1. Die Unternehmen agieren selbstständig, künftig laufen aber alle MEG-Aktivitäten unter der Dachmarke Conpart. Was dahinter steckt und wie die MEG sonst aufgestellt ist, wollte BTH Heimtex-Redakteur Marianne Nehm von Michael Husch und Bock-Geschäftsführer Michael Jacobs wissen.

BTH Heimtex: Der Maler-Einkauf West gehört zu den unbekannten Größen im Markt. Ihre Tochtergesellschaften Bock und Arndt sind wohl bekannt, aber über die Mutter weiß man nur wenig. Ich denke, Sie werden unterschätzt... Klären Sie uns bitte auf.

Michael Husch: Wir haben gut 1.400 Mitglieder, nur Maler, 160 Mitarbeiter und erzielen 40 Mio. EUR Umsatz im Jahr. Wobei diese Zahlen nur für den Maler-Einkauf West gelten, die Tochterunternehmen sind nicht eingerechnet. Mit denen zusammen addiert sich unser Umsatz auf 65 Mio. EUR. Wir als MEG betreiben 10 Standorte in Nordrhein-Westfalen. Juristisch gesehen sind wir eine eingetragene Genossenschaft, also unsere Kunden sind auch Gesellschafter, verkaufen auch an Nichtmitglieder.

BTH Heimtex: Und das Sortiment? Schwerpunktmäßig Farben und Lacke?

Husch: Ja. Farben und Lacke als Schwerpunkt, dazu Bodenbeläge, Tapeten, Werkzeugmaschinen, Betonsanierung, Wärmedämmung.

BTH Heimtex: Welchen Umsatzanteil machen die einzelnen Produktgruppe aus?

Husch: Farben und Lacke liegen bei 60%, Bodenbeläge zwischen 15 und 20%, Tapeten zwischen 10 und 12%, der Rest verteilt sich dann.

BTH Heimtex: Wann kamen welche Tochtergesellschaften dazu?

Husch: 1997 haben wir Arndt und Traudt übernommen, 2002 Bock. Wobei wir anders verfahren als Mitbewerber, die zentralistisch operieren: Bei uns sind die Tochtergesellschaften selbstständige Unternehmen geblieben, die autark am Markt agieren. Wir bündeln nur einige Bereiche.

BTH Heimtex: Das heißt, Sie als Malereinkaufsgenossenschaft haben eine überregionale Struktur, wollen aber die regionalen Stärken Ihrer Töchter erhalten. Die blieben bewusst Regionalgrossisten.

Husch: Ja richtig, und auch eigenständige Grossisten.

BTH Heimtex: Und wo können Sie dann Synergie-Effekte realisieren? Nur im Einkauf?

Husch: Nein nicht nur. Es findet auch ein Know-how-Transfer statt. Jedes Unternehmen hat Stärken und Schwächen, und durch ständige Austausch und intensive Kommunikation können alle von den Stärken der einzelnen profitieren. Dazu finden beispielsweise regelmäßige Geschäftsführer-Treffen aller Gruppenunternehmen statt.

Michael Jacobs: Einen weiteren Synergieeffekt nutzen wir zum Beispiel mit dem Zentrallager Boden. Weil unser Haus in Aachen die größte Lagerfläche für Boden hat, haben wir beschlossen, alle Bodenbeläge zentral dort zu halten.

Husch: Spätnachmittags fährt eine Spedition in einem bestimmten Zeitfenster alle Häuser an, verteilt es neu auf die Unternehmen und fährt dann morgens wieder sternförmig alle Häuser ab.

BTH Heimtex: Das heißt, wenn der Kunde nachmittags um 15 Uhr etwas in irgendeiner Filiale bestellt, wird das am nächsten Morgen mit der normalen Tour angeliefert?

Husch: Richtig. Und dafür brauchen wir ein gewisses Lagervolumen.

BTH Heimtex: Wenn alle Gruppenunternehmen eigenständig am Markt agieren und unter Umständen die gleichen Kunden bedienen - machen Sie sich da nicht innerhalb der Gruppe Konkurrenz?

Jacobs: Wir haben nicht so viele Überschneidungen, wie Sie vielleicht denken. So hat die MEG zum Beispiel ihre Filiale in Aachen geschlossen, als Bock übernommen wurde.

BTH Heimtex: Anderes Beispiel: Traudt hat auch einen Standort in Köln...

Husch: Schon, aber auf der anderen Rheinseite. Das ist in Köln ganz entscheidend. Als wir damals bei Traudt einstiegen, gab es tatsächlich höchstens fünf Kunden, über die wir uns hätten streiten können.

BTH Heimtex: Kommen wir zum Sortiment. Bei Lacken und Farben bieten Sie sicher ein Komplettprogramm, bei Bodenbelägen auch?

Jacobs: Ja. Von textilen Belägen über CV bis zu Laminat und Parkett. Diesen letzten Bereich wollen wir übrigens ausbauen.

BTH Heimtex: Was ist mit Objektbelägen?

Husch: Weniger. Das gewöhnliche Objektgeschäft ist kein großes Thema für uns, weil wir den Maler bedienen und der selten das klassische Großobjekt ausstattet.

BTH Heimtex: Sie haben seit einigen Monaten mit der Genocolor eine gemeinsame Einkaufsorganisation mit der MEG Rhein-Ruhr. Eine interessante Konstellation. Kann das funktionieren? Sie sind doch auch Wettbewerber....

Husch: In gewissen Grenzgebieten sind wir Wettbewerber, aber da reden wir miteinander. In den Sortimenten ist das kein Problem.

BTH Heimtex: In Ihrer Gruppe gibt es beide Formen - sowohl den klassischen Großhandels auch die genossenschaftlich organsierte Einkaufskooperation. Wo sind die Unterschiede und welche Vorteile sehen Sie jeweils?

Husch: Die Unterschiede werden immer geringer, weil die Bindung von einem Mitglied an die Genossenschaft nicht mehr viel enger ist als eine gute Kundenbindung beim Großhandel. Die Form der Genossenschaft hat vielleicht den Vorteil, dass der Maler als Gesellschafter den Aufsichtsrat wählen kann, also gewissen Einflussmöglichkeiten hat. Ansonsten gibt es wie gesagt kaum Unterschiede; ich denke, für den Maler müssen letztlich Preis und Leistung stimmen, das zählt.

BTH Heimtex: Sind nicht die Genossenschaften auch mehr ein Modell von gestern? Ist das nicht auch eine Generationenfrage?

Husch: Stimmt, das haben Sie richtig erkannt. Die jüngere Generation will nicht mehr unbedingt Gesellschafter werden. Die spart das Geld für die Anteile lieber.

BTH Heimtex: Und ist eine Genossenschaft nicht gemeinnütziger orientiert, weniger am Gewinn?

MEG Maler-Einkauf West eG
Michael Husch
MEG Maler-Einkauf West eG
Michael Jacobs

Husch: Es ist schon richtig: Der satzungsgemäße Zweck ist die Förderung der Mitglieder. Aber wenn Sie keine Gewinne machen, können Sie die Mitglieder auch nicht fördern. Wir müssen also Gewinne machen.

BTH Heimtex: Nun sind in den letzten Jahren in unserer Branche gerade die Genossenschaften - speziell die Rolle der Aufsichtsräte - ins Zwielicht geraten.Erst die Pleite der Wümeg vor fast drei Jahren, dann das Drama letztes Jahr um den Südbund...wie ist das bei Ihnen? Sind Ihre Mitglieder misstrauischer geworden? Fordern sie mehr Kontrolle?

Husch: Bei uns sind die finanzielle Verhältnisse ganz anders. 99% der Gesellschafter halten nur einen Anteil, das macht das Risiko für den einzelnen überschaubar. Und - bei uns gibt es keine Nachschusspflicht. Wir sind als Gesellschaft vom Kapital her so stark, dass wir gegenüber der Bank keine Nachschusspflicht brauchen.

BTH Heimtex: Sie führen jetzt Conpart als Ihre Dachmarke ein. Welche Rolle spielen Eigenmarken?

Husch: Viele Kunden identifizieren sich mit ihrem Großhändler oder ihrer Genossenschaft. Und wenn diese eine Eigenmarke führen, greifen die Kunden auch dort zu - vorausgesetzt, die Qualität stimmt.

Jacobs: Wenn die Eigenmarke gut eingeführt ist, lassen sich auch Randprodukte viel leichter unter Eigenmarke verkaufen als No-names. Man kommt mit der Eigenmarke gegen alles an. Das sind hochwertige Produkte, die zu günstigen Preisen verkauft werden können.

BTH Heimtex: Im Sortiment sind Sie letztlich mit Ihren Wettbewerbern vor Ort austauschbar, differenzieren kann man sich über den Service. Welche Leistungen sind heute besonders wichtig?

Husch: Wir fungieren zunehmend als Bank für unsere Kunden. Nicht, indem wir direkt Finanzdienstleistungen bieten, sondern zum Beispiel eine längere Valuta. Hier liegen wir bei 33 Tagen. Wobei ich glaube, dass Sie noch besser sind Herr Jacobs, oder?

Jacobs: Wir liegen bei 21 Tagen.

BTH Heimtex: Das ist im Vergleich zum Bodenbelagsgroßhandel enorm kurz. Dort dürfte sich der Schnitt zwischen 40 und 43 Tagen bewegen. Resultiert das aus Ihren kleineren Auftragsgrößen?

Jacobs: Auch. Viele Maler bezahlen aber auch per Bankeinzug und wir sind da sehr konsequent in der Umsetzung.

BTH Heimtex: Und sonstige Serviceleistungen?

Husch: Da bieten wir eine ganze Menge: Selbstverständlich den Zugriff auf alle Sortimente, Werkstattservice, Maschinenverleih, außerdem veranstalten regelmäßig Schulungen und andere Veranstaltungen sowie mehrere Hausmessen im Jahr.

Jacobs: Übrigens Stichwort Schulungen: Wir legen großen Wert auf qualifizierte Mitarbeiter, die deshalb auch regelmäßig an Seminaren teilnehmen - und zwar Außen- wie Innendienst.

BTH Heimtex: Sie sagten vorhin, dass Sie gut kapitalisiert sind. Heißt das, dass Sie auch noch weiter zukaufen würden? Und wenn ja, wo?

Husch: Wir wären durchaus an weiteren Akquisitionen interessiert, aber nur in der Region. Alles andere macht keinen Sinn.

BTH Heimtex: Welche Voraussetzungen müsste eine eventuelle Akquisition erfüllen?

Husch: Uns interessieren nur gesunde Unternehmen. Wir wollen nicht sanieren. Und sie müssten von der Unternehmensphilosophie her zu uns passen, ebenso von der Mitarbeiterstruktur und auch regionale Bedeutung haben.


Maler-Einkauf West - Das Unternehmen

Maler-Einkauf West eG
Mathias-Brüggen-Str. 88-106
50829 Köln

Tel. 0221-597 02.0
Fax: 0221-597 02 53

Vorstand:
Michael Husch: Finanzen, Rechnungswesen, Personal
Horst Pieper: Sortiment
sowie aufgeteilt jeweils die Verantwortlichkeit für einzelne Niederlassungen

Tochtergesellschaften:
Bock, Aachen (100%)
Farben-Arndt, Mayen (100%)
Traudt (50,5%)

Farben Arndt GmbH & Co. KG
Auf der Eich
56727 Mayen
Tel. 02651-40 04.0
Fax: 02651-40 04 50

Gerhard Bock GmbH & Co. KG
Feldchen 9
52070 Aachen
Tel. 0241-918 00.0
Fax: 0241-918 00 99

Farben Traudt GmbH
Schanzenstr. 9
51063 Köln
Tel. 0221-962 73.0
Fax: 0221-962 73 18

Standorte:
15, bis auf einen in Nordrhein-Westfalen,
davon 10 Maler-Einkauf West: Köln, Bonn, Mönchengladbach, Willich, Krefeld, Moers, Düsseldorf, Remscheid, Gummersbach, Siegen;
1 Farben Arndt, Mayen (Rheinland-Pfalz);
1 Gerhard Bock, Aachen; 3 Farben Traudt: Köln-Mülheim, Leverkusen, Solingen.

Gesamtumsatz: 65 Mio. EUR, nur Maler-Einkauf West 40 Mio. EUR

Mitarbeiter: 280

aus BTH Heimtex 01/05 (Wirtschaft)