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Textile und elastische Bodenbeläge auf der Domotex

Trend zu höherwertigen Produkten

Was war gut an der diesjährigen Domotex? Erstens war die Stimmung überraschend gelassen, viel besser als nach dem Katastrophenjahr befürchtet. Zweitens gab es interessante Neuheiten zu sehen, nichts wirklich Revolutionäres, aber vielversprechende Neu- und Weiterentwicklungen, sowohl bei textilen als auch bei elastischen Belägen. Drittens macht sich ein Trend zu höherwertigen Produkten bemerkbar. Und was war schlecht an der Domotex 2003? Erstens hat sich die Erosion wichtiger Aussteller fortgesetzt. Zweitens waren zu wenige deutsche Besucher da. Und drittens hat die zweitägige Überschneidung mit der Münchner Bau beiden Messen geschadet.

Die Stimmung auf der Domotex war besser als erwartet. In der Bodenbelagsbranche scheint nach dem Katastrophenjahr 2002, als eine Hiobsbotschaft die andere jagte, inzwischen nüchterner Pragmatismus angesagt zu sein. Keiner rechnet damit, dass 2003 ein Wunder passiert. Man stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein, strafft die Kosten und plant ein bescheidenes Budget. Alle sind sich einig, dass die Marktbereinigung bei Industrie und Handel noch nicht zu Ende ist - und jeder hofft, dass es den anderen trifft. Sicher ist, dass Ende des Jahres wieder ein paar Unternehmen von der Bildfläche verschwunden sein werden.

Es fragt sich beispielsweise, welche Überlebenschancen eine Forum als Nachfolgegesellschaft der FHG hat. Die Industrie hält sich zurück, so lange das Thema FHG noch schwelt, wie Forum-Geschäftsführer Rolf-Dieter v. Meurers deutlich zu spüren bekam, als er auf den Messen um Lieferanten warb. Just zur Domotex erhielt die Affäre um die FHG neue Brisanz durch eine ausführliche Analyse des Insolvenzverwalters der wirtschaftlichen Verfassung der Kooperation und der Finanzierungs-Gepflogenheiten der Geschäftsführung. Wir wollen hier keine Details nennen, aber es gibt selbst dem neutralen Beobachter zu denken, dass Heiko Höhmann als Schlüsselfigur noch im Januar von allen Ämtern zurückgetreten ist - auch als Generalbevollmächtigter der Forum.

Was ist eigentlich bei Forbo los? Bei dem Schweizer Konzern scheinen nur noch Controller zu regieren. Kurzfristige Umsatz- und Gewinnoptimierung ist das einzige, was zählt. Dabei werden ohne Wimpernzucken hervorragende Marktpositionen auf's Spiel gesetzt.

In der Konzernleitung sind prompt die ersten Köpfe gerollt, nachdem die jahrelang erfolgsverwöhnten Schweizer 2002 bei Bodenbelägen Probleme hatten, auch bei ihrer "Cash Cow" Linoleum. Marien A.G Weijenberg, innerhalb des Vorstands für Linoleum verantwortlich, musste seinen Hut nehmen, seinem Kunststoffbelags-Kollege Richard Pemberton wurde der Abgang aus dem Board mit der Leitung des Gesamtvertriebs Bodenbeläge weltweit versüßt. Ein Karriereknick ist der Rausschmiss aus der Führungsspitze trotzdem. Als Trouble-Shooter für die jetzt zusammengefasste Bodenbelags-Sparte wurde Martin Richenhagen in den Vorstand geholt.

Besonders pikant: Auf der Domotex machte Pemberton noch zusammen die Honneurs mit Elmar Schmidt. Der 46jährige bekleidet seit Jahresanfang die neu geschaffene Position eines General Manager Flooring Germany und ist in dieser Funktion für das gesamte Bodenbelagsgeschäft von Forbo in Deutschland verantwortlich - CV und Objektbeläge. Auf den ersten Blick wirkt Schmidt etwas blass und kaum wie eine dynamische Führungsnatur, aber wir wollen nicht zu früh den Stab über den Mann brechen; vielleicht hat er Qualitäten, die nicht gleich erkennbar sind.

Einen besseren ersten Eindruck hinterlässt Jorge Haberl, der bei Armstrong-DLW Achim Hohorst als Vertriebsdirektor Europa ablöst. Der konziliante, aufgeschlossene Deutsch-Argentinier, der erst seit Herbst 2002 in Deutschland ist, war zuvor für den US-Konzern in Lateinamerika aktiv. Nicht nur im Management, auch in den Ebenen darunter dürfte sich personell im Zuge der Restrukturierung der Vertriebsorganisation noch einiges ändern. Noch hält man sich in Bietigheim bedeckt, welche Ansprechpartner im Außendienst bleiben und welche gehen, was für Unsicherheit unter in der eigenen Mannschaft und auch einer gewissen Unruhe im Kundenkreis sorgt. Mehr Kommunikation nach innen und außen täte dem Unternehmen gut.

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Blickfang am MCD-Stand: Die aufmerksamkeitsstarken Muster-Beispiele - eindrucksvoller präsentiert als im Koffer - werden auch für Kunden angefertigt.
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Forbo Novilon sorgte für Aufsehen mit seiner hochmodischen CV-Kollektion Arta Moda mit Leder- und Schlangenmustern, die exklusiv über die Copa Interline vertrieben wird. Auf gute Resonanz stieß Marmoleum Klick - Linoleum zum Selbstverlegen.
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Infloor stellte seinen neuen Service-Koffer mit 19 Qualitäten in 450 Positionen vor. Geblieben ist das handliche Format, neu die Farbgebungin freundlichem Gelb statt der bisherigen Hausfarbe Schwarz.
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Gerflor hat Objekt- und Handelsschiene sauber voneinander getrennt. Neu für den Handelsbereich ist ein Semi-Contract-Koffer, dessen Produkte sich unter anderem durch eine besondere Oberflächenhärtung auszeichnen.
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Eins der interessantesten neuen Produkte von Zipse war ein Korkfertigboden mit intarsierter Holzeinfassung in klassischer Kassetten-Optik. Außerdem neu: ein gefaster Korkfertigboden.
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Fletco hat schnell geschaltet: Die Dänen liefern jetzt die Qualitäten Magic,Chalet, Ravel, Calypso, Vita und Trumpf, die früher von Ideal Floorcoverings Ramstein produziert wurden.

Und noch eine Personalie: Peter Roos, Ex-Geschäftsführer Tarkett Sommer Handel, stellt seine profunden Produkt-, Markt- und Branchenkenntnisse für CV jetzt Dominieck de Clerck zur Verfügung und berät ihn bei seiner neuen 5 m-Anlage, die nach Informationen von Mitbewerbern Anfang 2004 anlaufen soll. Der jüngste der De Clerck-Brüder muss sich einiges von dem Einstieg in die CV-Produktion erhoffen: Insider beziffern das Investitionsvolumen für ein derartiges Projekt locker auf über 25 Mio. EUR.

Im Großen und Ganzen gut angekommen ist die Hochwert-Formation Floor-Forum in der neu gestalteten Halle 3. "Damit ist die Messegesellschaft auf dem richtigen Weg, die Domotex für Besucher und Aussteller attraktiver zu machen", fasst Copa Interline-Vorstand Manfred Birken die Meinung vieler in Worte. Wir finden Idee und Konzept grundsätzlich gut, an Auftritt und Rahmenprogramm gibt es noch Ansätze zur Verbesserung. Natürlich braucht das Floor-Forum auch noch mehr Teppichboden-Mitstreiter und die Besucher müssen auf der Messe mehr darauf aufmerksam gemacht werden.

Als positives Signal konnte man von der Domotex einen klar erkennbaren Trend zu höherwertigen Teppichböden mitnehmen. Nicht nur Anbieter wie TWN, die sich im gehobenen Marktsegment bewegen, konnten 2002 ihren Durchschnittspreis anheben, sondern auch Massenproduzenten wie Associated Weavers. Aquafil-Geschäftsführer Bruno Torresani bestätigt diese Beobachtung: "Gerade die Deutschen ziehen sich aus dem Billigpreis-Bereich zurück und bewegen sich mehr in Richtung Hochwert". Der Handel macht mit und öffnet sich auch höherpreisigen Artikeln, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt - und er nicht teuer ins Lager investieren muss. Bestes Beispiel: die handgetufteten Teppiche von Vorwerk und der neue Schurwoll-Koffer von TWN. Beide Kollektionen wurden vom Großhandel als interessanteste Neuvorstellungen gelobt. Dieter Schrage und Dieter Lesage von Rettberg: "Der hochwertige Woll-Koffer von TWN ist für uns insofern interessant, als wir damit auch preislich ein Top-Sortiment abdecken, das uns mit eigener Kollektionierung und Lagerhaltung so nicht mehr darstellbar erscheint."

Unter den Teppichboden-Konstruktionen fielen in Hannover vor allem Neuentwicklungen in Richtung Flachgewebe, Cutloop- und Tipsheared-Varianten als Ersatz für Globus auf. Tiefmatte Optiken sind vorbei, es ist wieder mehr Lüster und Leben gefragt, Veloure dürfen wieder schreiben. Saxonys verlieren, Frisés gewinnen. Elegant und modern wirkt der neue Metallic-Look, der in der Fläche oder als Akzent eingesetzt wird, aber nur ein Thema für das Objekt sein dürfte.

Die neue Kork-Generation von Amorim haben wir schon ausführlich in unserer Fachzeitschrift vorgestellt. Der große Zuspruch auf der Domotex motiviert hoffentlich dazu, weiter an dieser Schiene zu arbeiten und darin zu investieren. Wir sind gespannt, wie die neuesten Produktstudien - etwa mit Intarsien-Ideen und Metall-Akzenten umgesetzt werden.

Linoleum-Fertigböden an sich sind nicht neu; Forbo-Novilon vermarktet sie jetzt in der Klick-Version in zwei Formaten als "Linoleum zum Selbstverlegen". Marmoleum Klick wird hinsichtlich "Technik und Optik als sehr interessant" beurteilt, nur der Preis dürfte im Markt schwer durchzusetzen, fürchten manche. Ein weiterer Knackpunkt könnten Probleme bei der Chargen-Einheitlichkeit sein.

aus BTH Heimtex 02/03 (Wirtschaft)