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Synergien zwischen Wohnen und Mode

Maison + Objet in Paris

Die Pariser Maison & Objet geht weit über eine übliche Fachmesse für Wohnen, Dekoration, Tischkultur und Geschenke hinaus: Sie ist ein Event für Handel und Kreative, das sich mit Unterstützung der Stadt Paris, mit kulturellen Aktionen, Plakaten und über TV und Zeitschriften publik macht. Vielleicht ist es diese kollektive Inspiration, die neugierig macht und Aussteller wie Besucher beflügelt. Allgegenwärtig in allen Produktbereichen: Fröhliche, leuchtende Farben und das absolute Modethema Streifen in allen Variationen. Als Gegenpol: Naturlook, aber edel - nicht rustikal.

Ursprünglich war die Pariser Maison & Objekt eine klassische Fachmesse für Dekoration, Geschenke und Tischkultur. In den letzten sechs Jahren ist sie mächtig darüber hinaus gewachsen: Veranstalter Reed Exhibitions France ist es gelungen, die Seine-Metropole zweimal im Jahr - Januar und September - noch attraktiver zu machen für Kreative aus Design und Mode, Architekten und Innenarchitekten und natürlich auch für den Handel. Seit Januar 2003 existiert das neue Logo "Paris, Capitale de la Création" - frei übersetzt "Paris, Hauptstadt der Kreativität" -, unter dem sich gleich zehn Fachmessen aus den Bereichen Mode und Maison, sprich Wohnen, mit Unterstützung der Stadt Paris mit kulturellen Aktionen, Plakaten und über TV und Zeitschriften publik machen. Die Begriffe Mode und Maison tauchten überall auf. Vor allem die bekannten Warenhäuser animieren und locken mit Angeboten - trotz Schlussverkauf im Januar. "Diese kreative Synergie zwischen Mode und Wohnen ist nur in Paris möglich" argumentieren die Veranstalter und müsse auch genutzt werden für junge Talente, um Design-Impulse für die Zukunft zu geben.

Nicht zuletzt dieser positiven Stimmung schreibt Messedirektor Etienne Cochet den erneuten Besucherzuwachs auf über 60.000 Interessenten zu, davon knapp ein Drittel aus dem Ausland. Die Hälfte der Besucher und damit wesentlich mehr als bisher waren Einzelhändler. Um die geht es schließlich auch - auch wenn die ehrgeizigen Messeveranstalter Design und Kreativität in den Vordergrund schieben wollen. Ein deutscher Importeur, der in Frankfurt ausstellt, in Paris seine Lieferanten trifft und neue sucht, bring t es auf den Punkt: Er sammelt auf der Maison & Objet Ideen, die sich dann auf den deutschen Konsumgütermessen kommerziell vertiefen lassen. Die Stimmung unter den rund 2.700 Ausstellern in Paris war gut. Wichtig für die Veranstalter sind die Neuzugänge - in diesem Jahr 240 -, die im Katalog jeweils gekennzeichnet werden. Aus Deutschland nehmen an der Maison & Objet nicht nur Wohnaccessoires-Anbieter wie Koziol oder Krömer-Zolnir, sondern auch Textilspezialisten wie Anke Drechsel, Eri oder Rhomtuft teil. Das Thema Badtextilien ist relativ neu, soll aber ausgebaut werden.

Die 100.000 Ausstellungsfläche verteilen sich auf sechs Hallen, die zwar thematisch klar gegliedert sind, sich aber bei den Produkten vermischen. Charakteristisch ist die harmonische Darstellung eines Wohnthemas oder Präsentationskonzeptes. Dabei bilden Möbel und Accessoires ein ganzheitliches Ambiente. Oft erscheint es mit leichter Hand und unkonventionell zusammengestellt, um dabei jedes einzelne Element als Unikat gelten zu lassen - wie bei den "Scènes d'intérieur" in der Vorzeigehalle 5 B, die sich zur Flaniermeile entwickelt hat. Hier wird Lifestyle zelebriert, exklusiv, extravagant, aber nicht übertrieben. Auffallend diesmal die große Zahl international bekannter Möbelmarken, die sich zusammen mit Textilien präsentierten, vor allem mit Teppichen, etwa Roche-Bobois mit GT Coconutrugss oder Zanotta mit Kenzo Maison. Teppiche stehen auf der Maison & Objet ohnehin gut im Blickpunkt.

Maison & Objet
Komplett-Angebot von Bett-, Bad-, Tischwäsche und kleinen, runden Teppichen von Kenzo Maison in der für ihn
typischen, kraftvollen Farb- und Dessinaussage.
Maison & Objet
"Touch me" forderte Designer Franois Bernard die Besucher auf, sich mit natürlichen und veredelten Materialien wie Fell, Leder, Seide, Leinen, Pelz, Federn und Perlen zu beschäftigen.
Maison & Objet
Für Tai Ping haben Modedesigner exklusive Teppiche entwickelt, die teils in Wunschgröße in Nepal handgetuftet werden.
Maison & Objet
Der bekannte Teppichhersteller Toulemonde Bochart schwelt in Farben: Teppich Trame in zurückhaltender Colorierung mit Struktur-Inlays.
Maison & Objet
Paolo Giordano machte I + I aus Mailand bekannt für textile Strukturen in neuen Materialien. Neu: Rohseiden-Deko in Durchbruch-Musterung.
Maison & Objet
Ungewöhnliche Dekostoff-Neuentwicklungen vom belgischen Designer Luc Druez: Transparente, grafisch gemusterte Gewebe aus unterschiedlich stark oxydiertem Kupferdraht.

Für das innovative Renommé der Messe ist der Fachbereich "Now! design à vivre" von großer Bedeutung, in dem Designer und Hersteller ihre zukunftsträchtigen Ideen vorstellen. Hier finden sich Querdenker und Newcomer genauso wie anerkannte Markenhersteller, die neue Produkte testen, beispielsweise Zanotta mit Betten und Bettwäsche oder Tai Ping Carpets mit Teppich-Entwürfen von Modedesignern wie Kenzo oder Castelbajac, nach Wunschmaß in Nepal gefertigt.

Viele Impulse der Einrichtung haben ethnische Wurzeln. Auch diese pflegt die Maison & Objet im Segment "Ethnic.chic.Mic", das eine reizvolle Mixtur unterschiedlicher Volkskulturen bietet. Natürliche und leuchtende Farben sowie eine Vielfalt an Naturmaterialien, unbearbeitet oder veredelt, aus Nord- oder Zentralafrika oder den unterschiedlichsten Kulturregionen Asiens, prägen die aktuelle Wohnmode. Die Aussagekraft von natürlichen Materialien belegte der französische Designer Francois Bernard mit seiner Demonstration "Touch me".

Die nächste Maison & Objet findet vom 5. bis 9. September 2003 in Paris-Nord/Villepinte statt.

aus BTH Heimtex 04/03 (Wirtschaft)