Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt
Branchen-Planer

Belgien Special

Artikel-Archiv


25. Decosit in Brüssel

Goldene Zeiten kommen

Die Decosit feierte in diesem Jahr Jubiläum: Zum 25. Mal traf sich in Brüssel die internationale Möbelstoff-Szene. Die deutschen Aussteller äußerten sich zufrieden über die Veranstaltung. Wenn auch die Besucherfrequenz teilweise hinter den Erwartungen zurückblieb, wurde doch die Qualität der Einkäufer gelobt.

Was 1979 als kleine nationale Fachmesse begann, hat sich zur international bedeutendsten Informationsbörse im Möbelstoff-Bereich entwickelt: die Brüsseler Decosit lud in diesem Jahr zum 25. Mal die Möbelstoff-Fachwelt in die belgische Hauptstadt ein. 370 Aussteller aus 30 Ländern nahmen an der Veranstaltung teil - genauso viel wie im letzten Jahr - die Besucherzahlen gingen allerdings weiter zurück um zwar um 5% auf 12.600. Wobei der starke Auslandsanteil erhalten blieb. Vor allem Briten, Deutsche und Franzosen reisen gerne zur Decosit.

Zunehmend registriert werden Interessenten aus Osteuropa. Ein nicht zu unterschätzendes Besucherkontingent kommt aus China und Indien, die Japaner leiden dagegen offenbar unter ihrer Rezession und verzichteten deshalb auf den Flug ins ferne Europa. Auch die Nordamerikaner blieben angesichts ihrer schwachen Konjunktur lieber zu Hause. Wie schon im Vorjahr war auch der Besuch aus dem mittleren Osten mager, bedingt durch die dortigen angespannten politischen Verhältnisse.

Die Internationalität der Decosit ist einer ihrer Pluspunkte, den auch die deutschen Anbieter gerne nutzen. Da der inländische Polstermöbelmarkt nach wie vor lahmt, sind sie auf den Export angewiesen. Aber: die Konkurrenz wird härter. Immer mehr Unternehmen suchen Zugang zum Objektgeschäft und legen Trevira CS-Kollektionen auf - Decosit-Partner Trevira wird's freuen -, um die Einbußen aus dem schwächelnden Handelsbereich aufzufangen. Die angestammten Objektspezialisten suchen ihr Heil in der Flucht nach vorne, und intensivieren die Zusammenarbeit mit ihren Kunden, zum Beispiel durch gemeinsame Produktentwicklungen nach deren Vorstellungen oder zu speziellen Themen.

Die Stimmung im deutschen Lager in Brüssel war unisono gut. Generell waren die deutschen Aussteller in Brüssel zahlenmäßig stärker vertreten als im vergangenen Jahr. Stoeckel + Grimmler-Geschäftsführer Hanns Bergmann, der erstmals einen der begehrten Hallenplätze erobert hatte, äußerte sich zufrieden über den Messeverlauf. "Wir konnten viele neue internationale Kontakte knüpfen". Besucherfrequenz und Aufträge seien "überdurchschnittlich" gewesen angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Hubert Reinermann, der Sati Deutschland führt, fand die Decosit "sehr gut besucht, deutlich besser als im vergangenen Jahr." Das konnte Till Sayle von Aste-Landwehr nicht bestätigen, lobte aber die Qualität der Besucher. "Wir haben direkt am Messestand bereits zahlreiche Aufträge geschrieben. Das ist ungewöhnlich." Jacquardweber Munzert bewertete die Qualität der Gespräche ebenfalls als sehr positiv und ist sicher, dass sich daraus ein gutes Nachmessegeschäft entwickeln wird. Udo Werner von Artedomo, der die Kollektionen des britischen Verlages Prestigious und von Boras aus Schweden in Deutschland vertreibt, freute sich über das "rege Interesse" der internationalen Exportkunden an den neuen Programmen.

Schwester-Messe Deco Contract mit neuen Produktgruppen erweitert

Die objektorientierte Schwester-Messe Deco Contract, die seit 2001 parallel zur Decosit stattfindet, ist inzwischen zu einer festen Institution geworden.Sie erhielt in diesem Jahr Zuwachs, weil sie für neue Produktgruppen geöffnet wurde. Ursprünglich waren nur Möbelstoffe, Wandbeläge und Bodenbeläge für das Objekt zugelassen, jetzt können auch Leuchten, Möbel und Accessoires gezeigt werden, was die Teilnehmerzahl um 60% auf 114 hochschnellen ließ. Wie wichtig der Objektmarkt ist, zeigt die Tatsache, dass auch auf der Decosit 74% der Aussteller sowohl Stoffe für den Privat- wie auch für den Objektmarkt anbieten. Ein flankierendes Seminarangebot soll den Deco Contract-Besuchern "Mehrwert bieten"; Themen waren Hospitality - frei übersetzt Gastronomie und Hotellerie -, Trends, Gesundheitswesen und Automobilausstattung.

Möbelstoff-Trends 2004: Weich, warm, üppig, glänzend - und Gold

Eins war in Brüssel nicht zu übersehen: Minimalismus bei Möbelstoffen ist "out". Der Trend geht hin zu prachtvollen, reichen, unbedingt auch weichen, behaglichen Materialien, möglichst voluminös und schwer, gerne dreidimensional. Dementsprechend stehen samtige Chenilles, Veloure und Bouclés hoch im Kurs, oft auch im Mix mit glatten oder glänzenden Partien. Metallic- und Lurex-Effekte, die im letzten Jahr bereits aufkamen, haben sich etabliert. Die Strukturen sind sehr oberflächenbetont, aber nicht mehr so rustikal, sondern feiner, mit Plissee-, Präge- und Schrumpfeffekten.

Bei der Musterung wird auch bei Möbelstoffen das Retro-Thema hoch- und runtergespielt. Eine Renaissance erleben Paisleys.

Bei den Farben ist Rot nicht wegzudenken - in Schattierungen von Terracotta bis Bordeaux - scheint aber allmählich seinen Zenit zu erreichen. Neuer Favorit ist Gold. Helle Naturtöne und Erdfarben sind Klassiker jenseits der Mode. Aus der DOB entlehnt sind Kombinationen wie Braun mit Türkis.

Leder profitiert derzeit von den relativ günstigen Einkaufspreisen für Häute. Weiterhin gefragt sind natürlich anmutende Anilin-Qualität. Trendig: Spezialveredlungen, Druck- und Prägetechniken wie Straußenleder-Narbung. Edel und weich: mit Pflanzenfarben gefärbtes Rindsleder, das mit Wachs behandelt wurde. Neutrale Beige- und Brauntöne dominieren, modischer wird es mit Rot und Gelb. Dank ihrer materialtypischen Produkt- und Pflegeeigenschaften, aber auch wegen der günstigeren Beschaffungskosten und der hohen Strapazierfähigkeit, sind synthetische Leder und Leder-Ersatzstoffe bei Polstermaterialien weiter auf dem Vormarsch.

Die deutschen Aussteller und ihre Neuheiten

Stoeckel & Grimmler stellte auf seinem Stand edel changierende Doppelgewebe in warmen Rot-Terrakotta-Tönen besonders heraus.

Mood
Der britische Verlag Prestigious agiert mit bestickten Seiden, Leinen, Ausbrennern und englischem Landhaus-Stil im oberen Marktsegment.
Mood
Drapilux präsentierte die weltweit erste Trevira CS-Kollektion Raumluft verbessernder mit Air-Ausrüstung.
Mood
Munzert kombiniert interessante Uni-Strukturen mit großzügigen
Musterungen.
Mood
Bei Beck geht der Material-Trend hin zu strukturierter Optik mit Plissee, Prägung und Crash.
Mood
Stoeckel & Grimmler konnte in Brüssel viele internationale Kontakte knüpfen.

Jacquardweber Munzert ließ die 70er Jahre wieder aufleben; dabei wurden großformatige geometrische Dekore mit Uni-Strukturen kombiniert, damit es nicht zu expressiv wird. Interessant auch die Mischung von Chenille und Boucle mit glatten und glänzenden Partien. Gold, Terra und Rot geben zwar im Wohnbereich weiterhin den Ton an, Munzert brachte mit frischem Grün und kühlem Blau aber eine neue farbliche Note ins Spiel, die von den Kunden sehr gut angenommen wurde.

Spannendste Neuheit bei Pongs: Apollo, ein Mischgewebe aus Mohair , Wolle und Leinen im Cordcharakter mit besonders weichem, angenehem Griff. Ein glänzender Crash-Velours ist vor allem für den Export gedacht.

Immer einen Blick wert sind die Neuheiten bei Müller-Zell. In diesem Jahr demonstrierten Chenille-Blattranken auf Glanzfond, Schrumpfeffekte, schimmernde Unis und überhaupt viel Glanz durch metallisierte Garne die Kreativität des Müller Zell-Designteams.

Mit fröhlichen Farben, bunten Woll-Bouclés und unterschiedlichsten Effektgarnen will Aste-Landwehr Kaufanreize schaffen.

Pippig & Reichel, trotz Insolvenz auf der Decosit, zeigte als Neuentwicklung einen jacquardgewebten Deko mit Schrumpfgarn in 38 Farben.

Schlicht statt üppig: Wever setzt auf geradlinige, reduzierte Stoffe. Die Kollektion ist zielgruppenorientiert gegliedert in die vier Gruppen Special Guest, Easy Living, Sweet Home und New Essentials.

Textilveredler Ernst Beck hat das Thema Plissee und Crash variiert, etwa mit Taftplissees und einem Longcrash.

"Intelligente Fasern" halten jetzt auch bei Wohntextilien Einzug: Drapilux stellte als "Weltneuheit" die erste Kollektion aus Trevira CS mit raumluftverbessernder Air-Ausrüstung vor.

In Griff und Optik kaum von hochwertigen Naturhäuten zu unterscheiden sind die Skai Synthetics von Hornschuch; in Brüssel gaben zwei Neuheiten auf PU-Basis in hochwertiger Nappa-Anmutung ihr Debüt.

Faseranbieter Trevira ist schon seit Jahren Partner von Decosit und auch von Deco Contract. Der Marktführer für schwer entflammbare Polyesterfasern präsentierte in Brüssel nicht nur sein breites Faser-Programm - neu sind bioaktive Fasern, die bakterienhemmend wirken -, sondern illustriert auf seinen beiden Messeständen auch die Vielfalt an Stoffen aus Trevira CS.

So wirkte der Stand in Halle 9 mit Stoffen in Gelb, Orange, Lachs, Rosa, Pink und Violett als aufmerksamkeitsstarker Blickfang. In Halle 12 hatte Trevira eine 200 qm große Relaxzone mit neun Sitzobjekten ausgestattet, auf denen sich gerne müde Messebesucher räkelten.

Zum sechsten Mal wurde auf der Decosit der Trevira Award für die interessanteste Trevira CS-Neuentwicklung vergeben. Als "beste Interpretation" der Vorgabe "Sicherheit ohne ästhetische Kompromisse" wurde der Artikel Corela aus der Kollektion Special Guests von Wever ausgezeichnet, der durch die Kombination glänzender und matter Streifen gefiel.

Die nächste Decosit/ Decocontract findet vom 11. bis 14. September 2004 statt.

aus BTH Heimtex 10/03 (Wirtschaft)