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Karl August Siepelmeyer, Vizepräsident des Hauptverbandes Farben, Lacke , Bautenschutz

Wie kann die Domotex für die Maler attraktiver werden?

Knapp 40.000 Malerbetriebe gibt es in Deutschland. Bei ungefähr der Hälfte von ihnen gehört das Verlegen von Bodenbelägen zum Betätigungsfeld. Die Domotex hatte dieses Gewerk bisher kaum im Blickfeld, geschweige denn gezielt angesprochen. Das soll sich jetzt ändern: Karl-August Siepelmeyer, Querdenker und Vordenker, Landesinnungsmeister von Niedersachsen und Vizepräsident des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz, bereichert die Task Force, den Besucherbeirat der Messe. BTH Heimtex-Redakteur Hans-Jürgen Hömske hat sich mit ihm über die Bedeutung der Domotex für die Maler und andere Themen ausgetauscht.

Karl-August Siepelmeyer gehört in dem eher betulich und konservativ erscheinendem Gewerk der Maler und Lackierer zu den Vorreitern und Vordenkern, nicht immer ganz branchen- und verbandskonform, aber engagiert. Der großgewachsene Niedersachse scheut sich nicht, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, ohne dabei polemisch zu werden. Er ist aufgeschlossen und direkt, dabei immer sachlich und fair.

Siepelmeyer weiß, wovon er spricht. Er hat das Ohr am Markt. Mit acht Beschäftigten, einschließlich des Inhaber-Ehepaares und zusätzlich dem firmeneigenen "Sicherheitsdienst", den beiden lammfrommen Familien-Hunden, die auch auf der Homepage erscheinen, reiht sich sein Betrieb in Melle in die dominierende Zahl der mittelständischen Handwerksfirmen ein, für die die tägliche Arbeit, die sich nie in einem 8-Stunden-Tag bewältigen lässt, gleichzeitig Existenzkampf ist. Siepelmeyer leitet seinen vielseitig aktiven und etwa 1920 vom Großvater gegründeten Handwerksbetrieb trotz seines starken ehrenamtlichen Engagements bis ins letzte Detail selbst, ist auf Baustellen und in renovierungsbedürftigen Wohnungen aktiv. Nach seiner Lehre arbeitete er in Malerbetrieben in Osnabrück und Herford, bevor er die zuletzt allein von der Mutter geführte Firma in Melle übernahm. Er selbst ist vor allem im Verkauf aktiv, während seine Mannschaft die handwerklichen Arbeiten übernimmt. Immer stärker an Bedeutung gewinnt dabei eine Klientel, die einen Vollservice in Anspruch nimmt: Die Auftraggeber fahren in Urlaub, während das Malerteam den neuen Teppichboden verlegt, die Wände tapeziert oder streicht, die Fensterdekorationen anbringt, nebenbei die Hauskatze füttert und betreut und schließlich wieder die Möbel an ihren angestammten Platz stellt.

Die Zeiten sind nicht einfach, aber Siepelmeyer denkt und lebt nach der Devise: Nicht meckern und klagen, sondern bewegen, gestalten und verändern. Daraus erklärt sich auch seine Bereitschaft, neben den zahlreichen Ehrenämtern, die er schon bekleidet, auch in der Domotex Task Force mit zu arbeiten, um die Bodenbelags-Fachmesse auch für seinen Berufsstand interessanter werden zu lassen. In dem von dem Hamburger Uwe Manzke gegründeten und geleiteten Gremium sind die wichtigsten Besuchergruppen durch namhafte Vertreter repräsentiert. Und Siepelmeyer steht jetzt für die Maler. Seine erste ehrenamtliche Aufgabe fand er in jungen Jahren in seinem Heimatort bei der Freiwilligen Feuerwehr. Nachdem er 1974 seine Meisterprüfung abgelegt hatte, wurde er bereits 1983 Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Melle. Er kam in den Vorstand der Landesinnung Niedersachsen und war dort vor allem im Bildungsausschuss aktiv, bevor er zum Landesinnungsmeister Niedersachsen gewählt wurde. Daneben war er im Aufsichtsrat der Farb-Union und später in deren Vorstand ehrenamtlich tätig. Sein Ziel war es dort, sich für einen funktionierenden Großhandel stark zu machen. Diese Perspektive verfolgt er auch jetzt als für Handel und Hersteller zuständiger Vizepräsident des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung, Bautenschutz. Daneben wurde er im letzten Jahr noch zum Präsidenten des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz (BFS) gekürt. Diese in ihrer Form einzigartige Institution, die unlängst ihr 50jähriges Jubiläum feierte - BTH Heimtex hat darüber in seiner Ausgabe 11 berichtet - erarbeitet Normen, technische Merkblätter und Werbeaktivitäten für das Malerhandwerk. Als BFS-Primus verfolgt Siepelmeyer das Ziel, die Maler stärker zu aktivieren. Denn: Nicht einmal 10% der Maler und Lackierer nutzen das vom BFS erarbeitete Regelwerk für eine sachgerechte Berufsausübung.


Damit kommen wir zum Thema Domotex. Auch für die informative Fachmesse zeigen nach Siepelmeyers Meinung viel zu wenig Maler Interesse. Dabei befassen sich nach seiner Schätzung von den 40.000 deutschen Malerbetrieben - darunter 28.000 organisierten - rund 20.000 auch mit Bodenbelagsarbeiten; aber sie seien relativ schlecht über neue Produkte und Techniken informiert. Das führt Siepelmeyer unter anderem darauf zurück, dass es so wenig Branchentreffpunkte gibt:"Das Malerhandwerk ist im Messewesen weitgehend heimatlos. Alle drei Jahre findet zwar die Farbe in München oder Köln statt, doch da sind keine Bodenbeläge vertreten. Die Maler gehen ohnehin lieber nach München, da dort der Vergnügungsfaktor höher ist. Das Informationsbedürfnis steht nicht unbedingt im Vordergrund."

Positiv bewertet er, dass sich bei der jüngeren Maler-Generation diese Einstellung zu ändern scheint. Sie suchten verstärkt Informationen und Anregungen zu Produkten und Techniken und gehörten zum Teil auch schon zu den Domotex-Fachbesuchern. Dort vermisst Siepelmeyer allerdings einen repräsentativen Querschnitt des Marktes, weil doch etliche namhafte Anbieter der Messe fern bleiben: "Auf der Domotex fehlen uns starke Marken". Und die brauche der Maler, der bei seinen hochpreisigen handwerklichen Leistungen nicht mit einem namenlosen Billigprodukt antreten könne: "Wir brauchen starke Markennamen, denen der Verbraucher vertraut. Dann spielt der Preis keine Rolle. Die handwerkliche Arbeit und der Bodenbelag selbst müssen in einer vernünftigen Relation zueinander stehen." In den Hauskollektionen des Großhandels fänden sich nicht unbedingt die richtigen Artikel; dort gebe es zu viel Billigware, um die Preise niedrig zu halten. Einen Vorteil des Messebesuches in Hannover sieht Siepelmeyer in der Direktbeschaffung von Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Reinigungsmittel oder Dichtungsmassen. Der Malermeister, sonst absolut ein Befürworter der Großhandelsschiene als Vertriebsweg, hat hier bei Lieferanten doch erhebliche Mängel festgestellt: "Der Außendienst des selbständigen Großhandels ist bei der Vielzahl der Produkte oft überfordert, bisweilen auch unfähig und kann mir speziell im Bereich der Fußbodentechnik nicht immer liefern, was ich brauche. Gleichzeitig wird wegen des Überangebotes die Zahl der Produkte reduziert, so dass auch deswegen nicht immer alles zu haben ist. Der hersteller- abhängige Großhandel tritt ohnehin nur mit einem begrenzten Sortiment an. Da bleibt bisweilen nur der Weg in den nächsten Baumarkt, um kurzfristig an die richtigen Produkte zu kommen."

Einen weiteren Vorteil der Domotex erkennt Siepelmeyer in dem Rahmenprogramm der Messe. Gerade die jüngere Generation der Maler sucht nach seinen Worten Informationen, wie sie zum Beispiel durch begleitende Referate und Vorträge geboten werden - sofern sie nicht zu lang sind. "20 Minuten reichen". Daneben wünscht er sich mehr praxisbezogene Verlegevorführungen auf den einzelnen Messeständen: "Fabromont war im bei der letzten Messe ein Publikumsmagnet. Dort herrschte Action. Die Maler wollen mit etwas Show und praktischen Tipps begeistert werden. Die meisten Aussteller sterben in der schönen Präsentation ihrer Produkte." Mehr Bewegung, mehr Leben, mehr Praxis - in diese Richtung will Karl-August Siepelmeyer in der Task Force der Domotex arbeiten. Einen Bonbon kann Siepelmeyer schon jetzt seinen Malern bieten: Die Messe hat erstmals äußerst günstige Reisearrangements für die Messe erarbeitet, so dass sich auch die sparsamen Handwerker einen Messebesuch leisten können.

aus BTH Heimtex 01/04 (Wirtschaft)