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Bodenbeläge auf der Domotex

Trading-up auf breiter Basis

Bodenbeläge - der Trend zu höherwertigen Teppichböden hat sich auf der Domotex bestätigt und führt inzwischen auch bei Konsumanbietern zu Trading-up. Auch CV-Beläge werden durch besondere Prägeeffekte und Oberflächenveredlungen aufgewertet. Und bei elastischen Objektbelägen müssen wir uns mit zwei völlig neuen Belagstypen vertraut machen, die es bislang in dieser Form noch überhaupt nicht gegeben hat, interessanterweise beide PVC-frei.

Die Domotex liegt sechs Wochen hinter uns, Zeit für eine kritische Analyse. Eindeutiges Ergebnis: Die Messe ist für unsere Branche unverzichtbar. "Die Domotex ist nach wie vor das herausragendste Ereignis des Jahres", bringt es Rigromont-Geschäftsführer Claus Hoffmann auf den Punkt. Dafür sprechen nicht allein die Zahlen - nur zur Erinnerung: 46.000 Besucher (+15%), davon 19.600 aus dem Inland (+15%) bedeuten einen neuen Rekord -, dafür spricht auch die hohe Dichte von Führungskräften und bedeutenden Handels- und Handwerksvertretern, denen man in Hannover begegnet. So konnte man in diesem Jahr auf den begleitenden Veranstaltungen wie der Night of the Nations am Eröffnungsabend, den Partys von Tarkett, Uzin und 3 M/Scotchgard - wo sich übrigens der neue Europa-Chef Donald Berry vorstellte - am Sonntag und dem Stelldichein bei Bostik Findley am Montag. alle treffen, die in Handel und Handwerk Rang und Namen haben.

Umso unverständlicher ist für uns, dass Branchengrößen wie Armstrong DLW oder Forbo auf eine Präsenz in Hannover verzichten und ihre Absenz damit begründen, dass sie dort nicht ihre Kunden treffen....

Wir finden diese Aussage vermessen, angesichts der Tatsache, dass zum Beispiel der Großhandel dieses Jahr sehr stark auf der Domotex vertreten war, viele sogar über die ganze Messedauer hinweg. Und der Großhandel hat bei textilen Bodenbelägen immerhin einen Marktanteil von 49%, bei Hartbelägen von 70%. Allein die Mitglieder des GHF (Bundesverbandes Großhandel Heim & Farbe) setzen jährlich 627,7 Mio. EUR mit Bodenbelägen um.

Anderes Beispiel: Schlau/Hammer-Geschäftsführer Karl-Heinz Holtkamp und -Einkaufschef Wernfried Fesenberg führten schon am Freitag, dem Vortag der Messe, intensive Gespräche auf den Ständen. Sie seien exemplarisch genannt für eine weitere große Kundengruppe der Bodenbelagsindustrie.

Wie können Armstrong DLW und Forbo - und andere - da behaupten, sie träfen ihre Kunden nicht auf der Domotex? Interessiert sie diese Klientel nicht mehr? Gerade diesen beiden Unternehmen, die im letzten Jahr durch Umstrukturierungen und Umbesetzungen mit Sicherheit Marktanteil in Deutschland verloren haben, hätte es gut getan, auf der Messe den Kontakt zu den Kunden aus Großhandel, Handel und Handwerk zu pflegen, Unsicherheiten ab- und Vertrauen wieder aufzubauen.

So hat sich die Konkurrenz gefreut und die Abwesenheit der Wettbewerber genutzt, um sich selbst zu profilieren. Associated Weavers-Vorstandschef Henri van Dierdonck fasste das in klare Worte: "Ich persönlich finde es etwas arrogant, nicht zur Domotex zu gehen. Naürlich ist die Messe zu teuer, aber für viele unserer Kunden - und wir sind nicht nur für unsere deutschen Kunden in Hannover - ist es die beste Gelegenheit, an Ort und Stelle alle Produkte und Lieferanten zu vergleichen. Deswegen halte ich es für ein Gebot der Fairness den Kunden gegenüber, auf der Domotex auszustellen, damit sie die Möglichkeit zu diesem Vergleich haben." Für van Dierdonck steht fest: "Wenn uns unsere Kunden auf der Domotex brauchen, sind wir da. Wir gehen dorthin, wo unsere Kunden sind."

Auch dem Großhandel stößt die Messe-Unlust mancher seiner Lieferanten sauer auf: Dazu nochmal Claus Hoffmann: "Vermisst haben wir einige deutsche Hersteller, die sich überlegen sollten, ob sie auch künftig ihren Mitbewerbern, die den Messeplatz Domotex intensiv nutzen, den Vortritt am Markt lassen wollen", sagte er gegenüber BTH Heimtex. "Tarkett hat zum Beispiel enorm davon profitiert, dass Armstrong DLW und Forbo fehlten". Gerade die deutschen Teppichboden-Hersteller sollten nach Hoffmanns Meinung "wieder stärker nebeneinander rücken und ihre Kompetenz in Qualität, Mode und Design herausstellen".

Aus der Branche

Forbo hatte zwar keinen Stand auf der Messe - die alte 1 A-Lage in Halle 4 gegenüber Tarkett belegte Halstead/Objectflor und freute sich über die rege Frequenz - , sorgte aber insofern für Gesprächsstoff, als dort mal wieder Veränderungen in der Konzerspitze anstehen. Martin Richenhagen, erst vor einem Jahr als neuer Bodenbelags-Vorstand angetreten, verlässt das Unternehmen zum Ende März in Richtung USA, wo er als CEO in einer anderen Branche antritt. Nach unserem Eindruck hat sich der dynamische, dabei bodenständige Manager in seiner kurzen Amtszeit schnell und intensiv in seine Aufgabe eingefunden und intern einiges bei Forbo bewegt und angestoßen. Das führt jetzt Tom Kaiser weiter. Der 48jährige ist mit ähnlichen Strukturen wie in unserer Branche durch seine vorherigen Führungsaufgaben im Sanitärmarkt vertraut.

Und noch ein weiteres Mitglied der Forbo-Konzernleitung geht: Dr. Paul J. Hälg, seit 2001 für das Klebstoffgeschäft verantwortlich, wird CEO in einem anderen Schweizer Unternehmen. Unter seiner Ägide erfolgte in mehreren Akquisitionsschritten der Ausbau der Klebstoff-Aktivitäten auf rund 575 Mio. CHF (365,4 Mio. EUR) Umsatz.

Zur Ergänzung: Insgesamt hat Forbo im Geschäftsjahr 1,6 Mrd. CHF (gut 1 Mrd. EUR) umgesetzt und damit den Vorjahreserlös um 5% übertroffen, musste dabei aber einen noch nicht näher bezifferten Ergebnisrückgang hinnehmen. Bodenbeläge lagen bei 729,4 Mio. CHF (463,5 Mio. EUR) Umsatz, das bedeutet einen Rückgang von 1,6%, bedingt durch Ausfälle bei Linoleum, die nur teilweise durch PVC-Objektbeläge kompensiert werden konnten.

Das Stichwort Halstead ist bereits gefallen: Der britische Bodenbelagshersteller mit seiner starken deutschen Tochter Objectflor will sich künftig stärker als Gruppe darstellen und die Expansion in ganz Europa forcieren. Strategie, Maßnahmen und Ziele hatte die Führungsmannschaft bereits ausführlich in einem Interview in BTH Heimtex 1/04 erläutert. Einen unserer damaligen Gesprächspartner trafen wir nicht mehr auf dem Halstead-Stand an, sondern auf dem Gang: Yves Bonne. Der Belgier, der als Director of European Operations die Expansion von Deutschland und England aus steuern sollte, hat das Unternehmen zum Jahresende verlassen. Wir sind aber sicher, dass wir ihn bald in neuer Funktion wiedertreffen.

Eine interessante Position ist nach unseren Informationen zum Beispiel bei Balta Broadloom frei. Dort soll General Manager Didier Vercruysse seinen Hut genommen haben. Und Bonne verfügt über gute Kontakte zur Balta-Gruppe, schließlich war er jahrelang im Vertrieb bei ITC....

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Eindrucksvoller Auftritt: Der englische Bodenbelagshersteller Halstead mit starker deutscher Tochter Objectflor will sich künftig mehr als Gruppe präsentieren und die Expansion in Europa forcieren.
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Balta bringt 2004 zahlreiche Neuheiten, darunter trendige Papiergewebe-Optiken, Halbshags und viel Wolle.
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Klare Dreiteilung: Maltzahn Carpets visualisierte auf seinem Stand seine drei Säulen Home, Office und Hotel.
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Die AW-Tochter Balsan profiliert sich allmählich als Objektspezialist. Die neuen Objektqualitäten kamen an.
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Die Betap-Tochter Vertofloor liegt mit ihren thermofixierten Shags und Halbshags voll im Trend zu Hochflor-Teppichböden.
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Naturfaser- und Wollspezialist Mellau spürt mehr Nachfrage nach Farbe, Handtuft bieten die Österreich auch mit Objekteignung.

Auch in Deutschland gibt es Bedarf an Führungskräften. Nach dem kurzen Gastspiel und dem schnellen Abgang von Reinhard L. Edinger als Vertriebs-Geschäftsführer bei Anker ist zunächst Vorgänger Hans-Joachim Humme wieder aus dem Ruhestand zurückgekehrt und hat in Düren das Heft wieder in die Hand genommen. In Hannover flanierte er mit Technik-Geschäftsführer Horst Fehr durch die Hallen, hat während seines kurzen Ausstands aus der Branche aber offenbar die Gesichter wichtiger Kunden vergessen: Den Vorstand einer großen Kooperation wusste er jedenfalls nicht einzuordnen.

Sehr still, sehr reibungslos hat sich der lang erwartete Generationswechsel bei der Norddeutschen Teppichfabrik vollzogen. Der unverwüstlich erscheinende Firmengründer Hubertus Rösel, mittlerweile knapp 90 Jahre alt, hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und das Ruder offiziell an seinen Enkel Christoph Maaß übergeben. Der junge Mann hat sich in den letzten Jahren intensiv auf seine Aufgabe vorbereitet. Hubertus Rösel war eine starke Unternehmerpersönlichkeit; Maaß scheint aber das Zeug zu haben, das Lebenswerk seines Großvaters erfolgreich in die Zukunft führen zu können. Die bewährte Mannschaft steht ihm dabei treu zur Seite.

Und was gab es Neues bei den Produkten?

Bei Teppichböden bestätigt sich klar der Trend zu höherwertigen Produkten, den wir schon im letzten Jahr prognostiziert haben. Exemplarisch dafür genannt seien die neue Hochwert-Karte, mit der Enia seine Parade-Kollektion ergänzt oder die neue Girloon-Wohnkollektion mit neun ausgewählten, anspruchsvollen Tuft- und Webqualitäten - so macht Teppichboden wieder Spaß und wird vor allem auch als wertiges Produkt wiedererkannt. Auch die Konsumanbieter lassen sich nicht lumpen, kommen mit Flachgeweben im trendigen Papiergewebe-Look (Papyrus von Balta), authentischer Weboptik (Fineweave von ITC) oder den wiederentdeckten Shags (Condor).

Im Objektbereich stürzen sich alle auf Hotels: Nachdem die Dura und die Norddeutsche Teppichfabrik mit einer Hotelkollektion aufgeschlagen sind, hat jetzt auch Vorwerk ein entsprechendes Programm mit Zielrichtung 3-Sterne-Hotels gebracht. Als besonderen Vorteil stellt der neue Alleingeschäftsführer Johannes Schulte fest, dass sämtliche Artikel am Lager gehalten werden, somit sofort lieferbar sind und glaubt: "Wir sind die einzigen mit einer solchen Lagerkollektion.

Bemerkenswert außerdem die neue, variable Druck-Kollektion Office Print von Maltzahn Carpets, die illustriert, wie unterschiedlich klassische grafische Dessins auf verschiedenen Decken wirken und das solution-dyed Designpaket Level 1-4, mit dem die Dura auch in den Fliesenbereich vorstößt.

Am Rande sei noch erwähnt, dass auch Domo jetzt mit seinen Teppichböden für gesündere Raumluft sorgen will und sich dabei eines Wirkstoffs namens Tion bedient - übrigens auch ein japanisches Produkt wie bei Vorreiter Dura. TWN und Balta meinen hingegen, dass auch ohne Chemie die Raumluft frisch gehalten werden kann - mit einem Schurwoll-Teppichboden und werben deshalb für Wool Filter bzw. Wool Air.

Die bahnbrechenderen Neuheiten gab es dieses Jahr bei elastischen Belägen zu sehen. Natürlich kreiste die ganze CV-Branche unauffällig um den Stand von Beaulieu Wielsbeke, um die neuen CV-Beläge zu begutachten. Hier und da rupfte ein ganz Neugieriger auch mal ein Stück von den ausgestellten Mustern ab, um sie genauer zu analysieren. Ein ganz fixer Wettbewerber sammelte sogar Freitagmorgens die Verschnittreste ein, die bei der Verlegug des Standbelages übrig blieben. Manch Konkurrent konnte sich eine hämische Bemerkung nicht verkneifen, weil sich die Muster böse wellten. Bei Beaulieu beeilte man sich zu erklären, dass das nichts zu bedeuten habe und es sich ohnehin nicht um die Original-Konstruktion, sondern reine Messemuster handele....

Trotz aller eventuellen Startschwierigkeiten: Tatsache ist, dass Dominiek de Clerck seine 35 Mio. EUR-Investition wieder reinverdienen will und mit aller Macht versuchen wird, den etablierten CV-Anbietern Marktanteile abzujagen. Die geben sich nach außen hin zwar locker, legen aber insgeheim die Rüstung an. Der sonst immer gut gelaunte, sonnige John Rietveldt beispielsweise, Chef der Handelsdivision bei Tarkett, wird bei diesem Thema ganz schnell ernst und verkündet nachdrücklich, dass Tarkett gewappnet und nicht gewillt sei, sich nur einen Quadratmeter wegnehmen zu lassen.

Der Großhandel reagiert übrigens unterschiedlich auf die 5 m-Breite bei CV; für manche ist es die Innovation des Jahres, andere sind vorsichtig und wollen erst einmal abwarten.

Zwei echte Innovationen - auffällig: beide PVC-frei - präsentierten WPT und Project Floors: WPT stellt mit Pur Line den ersten Polyuretanbelag vor, 2 mm stark, 1,60 m breit - 2 m-Breite ist in Arbeit - oder als Fliese, uni und chipgemustert und auch individuell dessinierbar mit Digitaldruck. Als Vorteile werden die extreme Belastbarkeit (Nutzungsklasse 34), das hervorragende Rückstellverhalten und die Pflegeleichtigkeit genannt. Die Praxistauglichkeit wird seit einiger Zeit in einem Pilotprojekt erprobt.

Die gleichen Pluspunkte wie WPT für Pur Linie bringt auch Project Floors für Life Line ins Spiel; die Kölner haben den Exklusivvertrieb für die neuen Objektfliesen des finnischen Herstellers Upofloor übernommen. Zehn Jahre Entwicklungsarbeit stecken in dem neuen Werkstoff, Eigenname Enomer, der zu 80% auf mineralischen Bestandteilen und zu 20% auf PVC-freien thermoplastischen Polymeren mit einer Ionomer-imprägnierten Nutzschicht basiert. Die Fliesen lassen sich auch verschweißen, dazu gibt es extra PVC-freie Schweißschnüre.

aus BTH Heimtex 02/04 (Wirtschaft)