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Maschinengefertigte Teppiche auf Heimtextil, Domotex und Imm Cologne

Klassik geht immer, Shaggy ist Trend

Der altbekannte Flokati feiert derzeit in feinerer Auffassung und technisch weiterentwickelt als Shaggy ein großes Comeback. Die trendigen Langflor-Teppiche sind das wichtigste Modethema bei maschinengefertigten Teppichen. Daneben setzen sich moderne Musterungen in kräftigen Farben in Szene.

Die Technik macht es möglich: Wenn der handgefertigte Teppich an die Grenzen der Knüpf-, Tuft- oder Webkunst stößt, dann kann der maschinengefertigte Teppich noch einen Schritt weiter gehen: Elektronisch gesteuerte Tuft- und Webmaschinen sowie hoch technisierte Druckverfahren bieten nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bei der Gestaltung. Die Maschinen-Teppiche sind längst nicht mehr das billige Imitat der handgefertigten Ware, sondern haben einen eigenen Charakter entwickelt, wie auf der Heimtextil in Frankfurt, der Domotex in Hannover und der Imm Cologne in Köln, deutlich wurde.

Ähnlich wie bei den handgefertigten Teppichen lässt sich auch bei den maschinell gefertigten Stücken nach den drei Messen kaum ein einheitlicher Modetrend erkennen. Erlaubt ist, was gefällt. Jeder Hersteller bemüht sich, eine eigene Handschrift heraus zu stellen, ein eigenes Profil erkennbar zu machen, wobei naturgemäß vom Markt vorgegebene Schwerpunktthemen immer wieder auftauchen. Einer dieser immer wiederkehrenden Blickfang waren in diesem Jahr die Shaggy. Diese Langflor-Teppiche, die vor Jahren als griechische Flokati schon einmal einen Boom erlebten und sich jetzt zwar immer noch rustikal, aber in wesentlich feinerer und technisch perfekterer Ausführung einen Markt erobern, waren sowohl im Bereich der handgefertigten als auch der maschinell produzierten Teppiche breit vertreten. Besonders Astra aus Emmenthal, sowohl auf der Heimtextil in Frankfurt als auch auf der Domotex in Hannover präsent, hatte stark auf diesen Trend gesetzt und wurde nicht enttäuscht.

Farben-Feuerwerk bei modernen Maschinenteppichen

Grundsätzlich zeigten sich alle - wie Astra - mit Naturfasern oder in Naturoptik arbeitende Aussteller von abgepassten Teppichen mit den Ergebnissen auf den unterschiedlichen Messen zufrieden. Dass sich Naturmaterialien beim Verbraucher einer wachsenden Beliebtheit erfreuen, wurde von Hochwert-Anbieter Ruckstuhl aus der Schweiz, der auf Heimtextil, Domotex und Möbelmesse mit einem eigenen Stand vertreten war, ebenso bestätigt wie von Balta-Marketingdirektor Geert Vanden Bossche und Botnia-Exportleiter Timo Ojenperä.

Während sich das Naturthema insgesamt in Dessinierung und Colorierung eher zurückhaltend gibt, setzen vor allem die modern gemusterten Maschinen-Teppiche bewusst auf kräftige Farben. So machte etwa der Halbmond-Stand im Floor Forum auf der Domotex schon von außen deutlich, dass die aktuelle Kollektion ein Farbfeuerwerk erwarten lässt. Auch der belgische Hersteller Ralux spielte mutig mit Farben und demonstrierte, was mit dem Millitron-Spritzdruck technisch alles möglich ist. Das zur italienischen Radici-Gruppe gehörende Unternehmen unterstrich damit seine Bestrebungen für ein Trading-Up.

Vor allem auf der Heimtextil zeigte sich, dass sich die Grenzen zwischen maschinen- und handgefertigter Ware verwischen. Speziell bei modern gestalteter Ware spielt heute nicht mehr die Fertigungsart die ausschlaggebende Rolle für den Kaufentscheid, sondern Optik und Qualität. In Frankfurt wurden in Halle 3.1, in der die meisten Teppichanbieter platziert waren, unter dem Titel News Area Floor & More auf einer großzügigen Freifläche Teppiche beider Gattungen präsentiert.


Auch auf der Domotex im Floor Forum und in Halle 2 gingen die Fertigungsarten nahtlos ineinander über; sogar einige klassische Orientteppich-Importeure befassen sich inzwischen mit Maschinenteppichen wie Feizy oder Orienta Design, die auf der Heimtextil Premiere mit der hochmodischen Linie Trendesign Premiere feierten. Wissenbach, normalerweise dem handgeknüpften Bereich zugeordnet, hatte zur Loom Lounge auf der Domotex ebenfalls verstärkt maschinell produzierte Stücke mitgebracht.

Heimtextil als "Mode-Messe", Domotex als Business-Termin und Imm Cologne für die Kontakte zum Möbelhandel

Generell bezeichneten die Aussteller bei allen drei Messen Kundenfrequenz und Abschlüsse als zufriedenstellend; allerdings waren die Erwartungen im Vorfeld auch nicht allzu hoch geschraubt. Doch werden die Veranstaltungen klar unterschiedlich gesehen: Die Heimtextil in Frankfurt wird vielfach als "Modemesse" betrachtet. Die Besucher seien neugierig und aufgeschlossen gewesen, heißt es, sie hätten nach Neuheiten und modischen Gags gesucht. Unisono wird von "interessanten Kontakten zu potenziellen inländischen sowie vor allem ausländischen Abnehmern" berichtet. Direkt geordert wurde jedoch nur wenig. Gelobt wird durchweg die Konzentration der Teppichanbieter in Halle 3.1.

Die Domotex in Hannover gilt eher als Business-Messe. Die Besucher gehen gezielt und meist im Eilschritt zu ihren Lieferanten. Für einen Blick nach rechts oder links bleibt nur wenig Zeit. Viele Neuheiten - vor allem von kleineren Anbietern - bleiben von der Masse des Publikums unbeachtet. Dafür aber wird auf dieser internationalen Fachmesse für Teppiche und Bodenbeläge auch noch richtig "geschrieben".

Etliche Aussteller maschinell hergestellter abgepasster Teppiche zeigten sich von der Kauffreude speziell der ausländischen Fachbesucher überrascht, während sich der Ordermut deutscher Einkäufer nach wie vor in engen Grenzen hielt.

Nicht unzufrieden waren in diesem Jahr auch die wenigen Teppichaussteller auf der Imm cologne, die allerdings, wenn sie nicht wie Ruckstuhl mit einem großen Messestand präsent waren, im Gewirr der Messehallen und -gänge eher untergingen. Dennoch konnten die Teppichanbieter etliche Kontakte mit dem Möbelhandel knüpfen, die ein gutes Nachmessegeschäft versprechen.

aus BTH Heimtex 02/04 (Wirtschaft)