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Parkett auf der Domotex

Mit V-Fuge und auf alt getrimmt

Die leimlose Verlegung hat nach dem Laminatboden auch das Parkett erobert. Ohne Klicksystem geht bei Mehrschichtparkett überhaupt nichts mehr. Neu ist eine Verbindung für massives Parkett aus Rumänien. Wichtigste Trends sind natürlich gewachsenes Holz, gerne in antikisierter Optik, matte, wie geölt erscheinende Oberflächen und V-Fugen, die den Charakter alter Holzböden verstärken.

Das war mal wieder eine Domotex, die Spaß gemacht hat. Keine verdrossenen Mienen, kein Jammern über die schlechten Preise. Überall machte sich Aufbruchstimmung breit. Zufriedenheit auch am Ende der großen internationalen Messe: Mehr Besucher als 2003 sind es nicht geworden, aber die geführten Gespräche wurden als durchweg positiv bezeichnet.

An die mageren Jahre hat man sich allmählich gewöhnt. Und so furchtbar mager, dass alle am Hungertuch nagen müssten, sind sie bisher auch nicht geworden. Trotzdem hat niemand etwas gegen einen Aufschwung. Seine Sterne scheinen am Horizont zu funkeln. Jeder hat es auf der Domotex verspürt: Da bewegt sich etwas. Gleiches hörte man übrigens auch von der Möbelmesse in Köln.

Der Aufschwung ist noch ein zartes Pflänzchen. Vielleicht erst in den Köpfen der Hersteller und Händler vorhanden. Das nennt man Stimmung - und die sollte gepflegt werden, damit sie überspringt auf den Verbraucher, auf das ganze Land.

Auch die Föderation der Europäischen Parkettindustrie schaut verhalten optimistisch auf das begonnene Jahr. Im vergangenen wurden über 80 Mio. qm Parkett in Westeuropa abgesetzt. Das ist zwar 1% weniger als 2002, aber erstens doch ein stabiles Volumen und zweitens machte sich in der zweiten Jahreshälfte 2003 ein Aufwärtstrend bemerkbar. Das lässt gibt Anlass zu der Einschätzung, dass die Talsohle durchschritten ist. Und die gute Stimmung auf der Domotex 2004 wurde auch von Verbandsseite aus registriert. Im Mai 2004 tritt die Erweiterung der Europäischen Union in Kraft. Damit werden einige bedeutsame Parkettproduzenten in diesen Markt eintreten. Das stellt die Branche sowohl vor neue Herausforderungen wie Chancen. Chancen deshalb, weil diese Länder durchaus Potential auf Verbraucherseite mitbringen. Ihre Märkte zu entwickeln, ist ein Muss, denn eines ist längst abzusehen: Die Produktionskapazitäten werden sich auch 2004 und 2005 weiter erhöhen. Und diese Menge braucht Abnehmer, sonst geschieht, was in solchen Fällen immer geschieht: Das Überangebot lässt die Preise purzeln.

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Grundsätzlich ist Parkett ist ein Produkt, das am Markt stabil nachgefragt wird. Allerdings fällt die Marge im unteren Preissegment dünn aus. Deshalb versuchen sich immer mehr Hersteller an einem Trading-Up. Landhausdielen, massive Stäbe, exotische Holzarten, wertige Herstellung - schon wird einem Angst bei dem Gedanken, die Luft könnte auch hier dünn werden. Dann nämlich, wenn plötzlich alle von jenem kleinen aber feinen Kuchen, der hochwertiges Parkett heißt, ihr Stück beanspruchen. Aber so weit sind wir noch nicht. Die Domotex 2004 hielt zunächst für alle Teilnehmer einen Motivationsschub bereit. Die Varianten sind breit gestreut: Natürlich gewachsenes Holz setzt sich immer mehr gegenüber den "astreinen" Sortierungen in Szene. Antike Oberflächen sind "in". Einher damit geht der - von den Laminatböden übernommene - Trend zur V-Fuge, die den Charakter alter Holzböden verstärkt. Unter den Holzarten verliert die allgegenwärtige Buche langsam, aber sicher an Bedeutung. Demgegenüber gewinnen einerseits dunklere, exotische Hölzer, andererseits Klassiker wie Nussbaum und vor allem die Eiche, die ihre dominante Position nicht nur behauptet, sondern ausgebaut hat. Die Oberflächen müssen matt sein, auch lackiert sollen sie wie geölt aussehen.

Bei Mehrschichtparkett ist die Klick-Verbindung nicht mehr aufzuhalten. Die Entwicklung war absehbar, auch wenn Verlegewerkstoffhersteller die vollflächige Klebung noch so sehr mit guten Argumenten untermauern. Langfristig mag die Klick-Verlegung für Mehrschichtproduzenten von Vorteil sein, denn die Entscheidung, einen solchen Bodenbelag nach ein paar Jahren wieder zu erneuern, fällt dem Verbraucher sicher leichter als bei einen fest verklebten Parkett.Und ganz am Rande bot der rumänische Hersteller IQ 180 PROD ein neues, leimfreies Verlegesystem für seine Clever-Systems-Massivholzstäbe.

Unverständlicherweise gering geschätzt wird in Deutschland der Furnierboden. Statt ihn als günstige Alternative zu massivem Parkett ins Blickfeld zu rücken, sollte er dem Konsumenten besser als edle Alternative zu Laminat präsentiert werden - Klickverbindung inklusive. In moderner Optik ist Furnier absolut wettbewerbsfähig. Zum Beispiel mit dem Fine-Line-Oberflächenbild, das aus blockverleimtem Holz herausgeschält wird.

Ganz oben auf der Agenda steht bei vielen Herstellern die Verkaufsstrategie. Hier wollen sie den Fachhandel unterstützen - aber auch lenken. Ein Mittel dazu ist das "Parkettstudio". Dahinter verbirgt sich eine Beratungssoftware, die dem Fachverkäufer oder Parkettleger virtuelle Instrumente an die Hand gibt, um seinem Endkunden eine optimale Vorstellung vom späteren Verlegeergebnis zu bieten. Das Grundsystem ist bei den meisten Anbietern des Parkettstudios identisch. Deshalb könnte sich diese Beratungsform als Standard durchsetzen.

aus BTH Heimtex 02/04 (Wirtschaft)