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Forbo International SA

Forbo-Übernahme durch CVC ist geplatzt


Forbo bleibt in Schweizer Händen. Die britische Investmentgesellschaft CVC ist mit ihrem Übernahmeangebot gescheitert. Bei Ablauf der Angebotsfrist Anfang April waren ihr nur 16,1% der Aktien angedient worden. CVC hatte aber aber eine Mehrheit von 50,01% angepeilt und hätte dann 260 CHF pro Aktie bezahlt, was insgesamt einem Kaufpreis von 353 Mio. CHF entsprochen hätte. Angesichts der mageren Ausbeute ihrer Bemühungen verzichteten die Briten auf eine mögliche Verlängerung ihrer Angebotsfrist. Auch wollten sie die Kaufofferte nicht aufbessern. Kritiker werfen der Investmentgesellschaft vor, ihr Angebot sei lediglich noch veröffentlicht worden, damit Forbo die 800.000 CHF zahlen müsse, die im Transaktionsvertrag für den Fall des Scheiterns eines Angebots vereinbart waren. CVC hatte vergeblich immer wieder betont, dass man sich langfristig bei Forbo engagieren wolle und nicht die Absicht habe, den Konzern zu zerschlagen.

Forbo kann sich nun wieder ganz auf das operative Geschäft und die laufende Restrukturierung konzentrieren. 2004 hatte die Gruppe erstmals in ihrer Geschichte bei einem Umsatz von 1,62 Mrd. CHF einen Verlust von 157,4 Mio. CHF ausgewiesen. Auch der Geschäftsgang im ersten Quartal litt erheblich unter den Auswirkungen des sich seit Anfang November 2004 hinziehenden Auktionsprozesses. Per 31. März hinkte der Umsatz um 3% hinter dem Berichtszeitraum des Vorjahres hinterher, wobei Bodenbeläge mit einem Rückgang von -5% und Kunststoffbänder mit -4% überproportional betroffen waren. Die Klebstoff-Erlöse stagnierten.

Obgleich sofort Maßnahmen eingeleitet worden seien, um die Umsatzminderung aufzufangen und die Kosten zu senken, befürchtet der Vorstand, dass sich die Folgen des Auktionsprozesses im ordentlichen Ergebnis 2005 niederschlagen werden.

Bei der ordentlichen Generalversammlung Ende April stimmten die 140 anwesenden Aktionäre mit deutlicher Mehrheit den Anträgen des Verwaltungsrats zu. Danach wird aufgrund des Konzernverlustes 2004 auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet. Außerdem verweigerte die Generalversammlung den bisherigen Verwaltungsräten mit Ausnahme von Michael Pieper, This E. Schneider und Karl Janjöri die Entlastung. Kritisiert wurden vor allem EX-VR-Präsident Willy Kissling und sein Vize Rolf Watter. Dabei äußerten die Aktionäre ihr Missfallen über Kisslings Rolle beim letztlich gescheiterten Übernahmeversuch durch CVC.


Der amtierende Verwaltungsrat bezifferte den Aktionären auf Anfrage den durch den Auktionsprozess entstandenen Aufwand: Er beläuft sich auf über 7 Mio. CHF, die sich aus Kosten für Bankdienstleistungen, Anwälte und andere Dienstleistungen sowie die 800.000 CHF für das geplatzte Angebot von CVC zusammen setzen. Darüber hinaus nahm der Verkaufsprozess das Management-Team während rund 400 Manntagen in Anspruch. Aufgrund der gegenwärtigen schwierigen Lage hat sich der Verwaltungsrat entscheiden, seine Energie für die Herausforderungen der Zukunft und nicht zur juristischen Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit einzusetzen. "Wir sind überzeugt davon, dass den Aktionären damit besser gedient ist".

Die erfolgreiche Restrukturierung und Rückkehr zu einer akzeptablen Rentabilität erforderten in den nächsten Monaten und Jahren harte Maßnahmen, kündigten Verwaltungsrat und Management an, sind aber bereit, den ersten Schritt zu tun und bei sich selbst zu beginnen. So hat sich der Verwaltungsrat entschieden, seine Bezüge deutlich zu reduzieren, die Konzernleitung ihrerseits hat sich freiwillig bereit erklärt, auf die ihr zugesprochenen Transaktionsboni von 1,8 Mio. CHF zu verzichten.

aus BTH Heimtex 04/05 (Wirtschaft)