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Holzring-Forum mit über 300 Teilnehmern in Bremen

Großhandel vor neuen Herausforderungen

Der Holzgroßhandel weiß, was er am Holzring hat. Das lässt sich am stets regen Besuch der Veranstaltungen ablesen, für die der Holzring mehrmals jährlich aktuelle Themen und interessante Referenten aufbietet. Geschickt auf "Klimatisches" zu reagieren wusste Geschäftsführer Olaf Rützel auch beim Herbst-Forum in Bremen: Es gab weniger Vorträge, dafür aber üppig bemessene Zeit für Begegnungen und Gespräche. Das Echo der über 300 Teilnehmer: Ausnahmslos positiv.

Für gute Stimmung sorgten etliche Faktoren: Die wirtschaftliche Lage gibt derzeit wenig Grund zum Klagen. Für zusätzliche Aufbruchstimmung sorgten die amüsant dargebotenen "Spielregeln für Erfolg in den Märkten von morgen" durch den Buchautor Hermann Scherer, dessen dazu vorgelegte CD einen regelrechten Run auslöste. Und schließlich lockte die Aussicht auf eine bunte Abendveranstaltung im Rahmen des Bremer Freimarkts, dem Gegenstück zum Münchner Oktoberfest.

Alles, was die Hansestadt - insbesondere auf wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiet - sonst noch auszeichnet, zeigte Bürgermeister und Senator Thomas Röwekamp in seinem Grußwort auf. Für den Gesamtverband Deutscher Holzhandel sprach sich der Vorsitzende Martin Geiger in seinem Grußwort dafür aus, das Profil des Fachhandels noch eindeutiger herauszuarbeiten. Insbesondere der Großhandel, seine wirtschaftlichen und auch kulturellen Leistungen seien in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert. Auf eine klare Grenzziehung zwischen den Aufgaben des GD Holz und denen der Kooperationen im Holzhandel ging Holzring-Geschäftsführer Olaf Rützel in seiner Begrüßung ein: Für übergeordnete Themen und Ziele sei der GD Holz zuständig; den eigenen Beitrag sehe der Holzring darin, das "Handwerkszeug" des Handels zu aktualisieren: "Es ist wichtig, zwischendurch immer wieder die Säge zu schärfen." Der Holzgroßhandel als wichtige Naht- und Umschlagstelle erbringt stattliche 70% des Gesamtumsatzes im gesamten deutschen Holzhandel, steht aber auch vor erheblichen Herausforderungen, führte Rützel weiter aus. Besonders auffällig sei der zunehmende Trend bei Herstellern, die Großhandelsfunktion selber zu übernehmen. Das zwinge dazu, die Rolle des klassischen Großhandels, vorhandene Strukturen und die Spielregeln der Wettbewerbsteilnehmer untereinander neu zu überdenken. Der Holzring sehe ein Aufgabe darin, hier als "Vordenker" zu wirken.

Holzverfügbarkeit - die künftige Herausforderung?

Dass neue Entwicklungen sehr schnell zu erhöhten Anforderungen führen können, zeigt sich derzeit auch auf dem Rohstoff- und Energiemarkt. Im Wortsinn brandaktuell auf die Tagesordnung gesetzt war daher ein Vortrag über die Holzverfügbarkeit in Westeuropa und die Auswirkungen der energetischen Nutzung von Holz auf die Holzwirtschaft. Christian G. Schwarz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des spanischen Platten- und Holzwerkstoffherstellers Sonae Indstria SA, berichtete als unmittelbar Betroffener.

Von den weltweit 37 Produktionsstandorten betreibt Sonae in Westeuropa 17 Werke, darunter in Deutschland die Werke von Glunz und Hornitex. Für einige der Sonae-Betriebe hat die Rohstoffverknappung in diesem Jahr erstmals zu praktischen und planerischen Konsequenzen geführt. Schwarz berichtete, dass es bei einigen Betrieben zu zeitweiligen Stilllegungen gekommen ist, weil der erforderliche Holz-Nachschub stockte. Aufgrund des steigenden Bedarfs von Holzspänen für Heizzwecke gehe das Unternehmen inzwischen davon aus, dass Lieferengpässe auch in Zukunft zu erwarten sind.

Daher habe man von der geplanten dritten Linie für die MDF-Produktion im Werk Nettgau vorerst Abstand genommen. Für alle Sonae-Holzwerkstoff-Produktionen gelte, dass in Kapazitätserweiterungen nur noch moderat investiert wird. In den Vordergrund rücke die Produktentwicklung. In diesem Zusammenhang kündigte Schwarz an, dass Hornitex in einem Joint-Venture-Projekt mit Tarkett erneut in die Laminatboden-Produktion "im höherwertigen Sektor" einsteigen werde.

Den Hintergrund der aktuellen Holzverknappung verdeutlichte Schwarz anhand von Zahlen. Den gesamten Holzeinschlag in Deutschland setzte er mit geschätzten 72,5 Mio. cbm um rund 30% höher an als in den amtlichen Statistiken. 30% des realen Holzeinschlags würden inzwischen bereits für energetische Zwecke genutzt, verteilt auf direkten Hausbrand sowie Versorger mit 500Holz- und Biomassen-Feueranlagen, die jährlich 18,5 Mio. cbm Holz schlucken. Der Hausbrand-Bedarf sei innerhalb der Jahre 2000 bis 2005 um 83% gestiegen, der Bedarf an Pellets um 427%. Im gleichen Zeitraum habe sich der Ölpreis verdoppelt. Aufstrebende Schwellenländer sorgten in zunehmendem Maße dafür, dass Bedarf und Verfügbarkeit auseinander driften.


Die Preisentwicklung spiegelt die Situation. Bei Rundholz, Restholz und Recyclingholz tritt sie deutlicher in Erscheinung als bei Holzprodukten wie Spanplatten u.a. Aber Platten-, Holzwerkstoff- und Möbelindustrie werden nachziehen; weitere Preissteigerungen sind zu erwarten, warnte Schwarz. Umso mehr komme es darauf an, durch verstärkte Lobbyarbeit ein öffentliches Bewusstsein für die Wertigkeit von Holz zu schaffen. Seitens der Hersteller werde es erforderlich sein, die eigene Produktpolitik zu überdenken und den entsprechenden Rohstoffbedarf abzusichern. Es gehe darum, Vorsorge zu treffen und Nachhaltigkeit sicherstellen. Schwarz wies in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeiten hin, Schnellwuchsplantagen anzulegen.

In der Verfügbarkeit sieht Schwarz ein größeres Problem als in der Preisentwicklung. Weil es wirtschaftlich ertragreicher und damit attraktiver sei, Restholz in die Produktion von Pellets einzubringen, und weil die Nutzung alternativer Energien politisch gewollt sei, werde immer mehr Holz verbrannt und damit der industriellen Weiterverarbeitung entzogen. Schon heute sei abzusehen, dass für 1 cbm Spanplatte, der 2003 noch unter 80EUR kostete, im kommenden Jahr 150 EUR fällig werden. Auf die Preise in der Möbelindustrie wirkt sich dies jedoch nur geringfügig aus, ergänzte Schwarz.

Trotzdem hielt er die Frage, wie sich die derzeitige Entwicklung auf die Märkte auswirken werde, für "offen". Schwarz räumte Risiken ein und warnte davor, in der holzverarbeitenden Industrie zu große Kapazitäten bzw. Überkapazitäten zu schaffen: "Man sollte es nicht zu weit treiben, sonst reißt der Strom hinten ab." In der jetzigen Situation, der sich niemand entziehen könne, sei es für Hersteller auf jeden Fall wichtig, sich Optionen zu schaffen. Dazu gehöre auch eine überlegte Zielgruppenansprache. Holz sei gut geeignet, "ein Statussymbol für den ökologisch bewussten und gut situierten Bildungsbürger" zu sein, meinte Schwarz.

So gewinnt man Aufmerksamkeit

Wie schafft es der Holzhandel, dass nicht nur der ideelle Wert und der Kaufpreis von Holzprodukten zunehmen, sondern vor allem ihr Aufmerksamkeitswert steigt? Hermann Scherer, der zweite Referent im Holzring-Forum, blätterte dazu kein griffiges Nachschlagewerk vor, sondern streute eher "fliegende Blätter" in den Raum - allesamt mit der ungeschriebenen Aufforderung an die Zuhörer, mehr Individualität und Originalität zu wagen. Der erfolgreiche Buchautor macht es selbst vor: Er setzt auf Witz und tiefere Bedeutung, seine Lektionen vermittelt er in Bild und Ton oftmals scharf gewürzt, seine beachtlichen Entertainer-Qualitäten verlangen Aufmerksamkeit. Vom Holzhändler erwartet er:

- Leidenschaft (Das Unmögliche macht das Mögliche erst möglich)
- Bereitschaft zum Ausbrechen aus festen Verhaltensmustern (Seien Sie anders als andere, ein bisschen verrückt)
- Flexibilität und Unabhängigkeit (Setzen Sie keine Prioritäten bei Ihren Terminen, sondern setzen Sie Termine für Ihre Prioritäten)
- Kreativität, die um die Ecke und gegen den Strich denkt (Suchen Sie das Problem daneben)
- Gestaltungswillen (Nicht im Unternehmen, sondern am Unternehmen arbeiten)

Unternehmerische Leitsätze hält Scherer für verzichtbar: "Meistens wird sowieso nicht danach gelebt." Das Argument besserer Qualität (Wer kann die schon messen?) hält er für weniger erfolgversprechend als den besseren, sprich: originelleren Werbespot. Scherers selbst praktizierte These: Nur wer mit Witz, persönlichem Profil und Freundlichkeit zu kommunizieren versteht, hebt sich heraus aus dem Einerlei der "Zuvielisation".

aus ParkettMagazin 06/06 (Marketing)