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Decosit und Deco Contract 2005

Samt kommt wieder

Minimalismus adé: Die neuen Möbelstoff-Kollektionen werden üppiger und farbiger. Ohne Blumen geht gar nichts. Sie finden sich überall in verschiedensten Ausführungen: gedruckt, gestickt, als Flockmotiv oder Chenille-Effekt. Und Samt feiert ein Comeback - von fein bis robust, uni, geflammt, gerippt, mit Waffelmuster oder als nostalgischer Genua-Samt mit klassischen Florentiner Motiven.

Weniger Aussteller - 350 statt 370 - und weniger Besucher - 11.700 statt 12.600: auch das Brüsseler Messe-Doppel Decosit und Deco Contract blieb in diesem Jahr nicht von Branchenflaute und Messemüdigkeit verschont. Vor allem aus Nordamerika kamen deutlich weniger Einkäufer. Dennoch zeigten sich die Teilnehmer unter dem Strich zufrieden, da die Qualität und die internationale Mischung der Besucher gestimmt hätten.

Die Messegesellschaft ihrerseits tat einiges dafür, die Veranstaltung attraktiv zu gestalten: mit der obligatorischen Trend-Show, dem Decotec-Projekt, bei dem intelligente Textilien gezeigt wurden, wie extrem elastische, thermoregulierende, atmende oder brandverzögernde Stoffe und die Hotelrooms-Ausstellung mit zehn vollständig eingerichteten Interieurs: acht Hotelzimmern, einer Suite und einer Lounge.

Die Stimmung bei den deutschen Ausstellern war gemischt. So spürt Sati Deutschland, deren Hauptaugenmerk inzwischen auf Industriekunden liegt, verstärkt die Konkurrenz der Chinesen und Inder. Geschäftsführer Hubert Reinermann: "Dieser Umsatz geht uns natürlich verloren, und eine Umkehrung dieses Trends ist nicht festzustellen." Positiv vermeldet wurde, dass die deutsche Möbelindustrie offenbar die Absatzkrise der vergangenen Jahre überwunden hat und 2005 den Umsatz wieder moderat steigern konnte. "Die steigenden Zahlen aus der Möbelindustrie stimmen uns hoffnungsvoll", sagte Martin Buchta von der Weberei Hohmann, der das erste Mal als Aussteller auf der Decosit war. Aber: "Bei den Polsterern ist der Kampf härter geworden." Zudem macht der Möbelindustrie wie der Textilindustrie die verstärkte Konkurrenz aus Asien zu schaffen, die mit Dumping-Preisen ihre Einfuhren nach Europa rasant steigern konnten. Alleine die Importe aus China nach Deutschland stiegen im ersten Halbjahr 2005 um 40 % auf gut 300 Mio. EUR. Damit ist China nach Polen und Italien zum drittgrößte Möbelexporteur avanciert.

Wie stark Stoffe den Charakter eines Raumes prägen, demonstrierte Faseranbieter Trevira zum Auftakt seiner neuen Anzeigenkampagne mit Fotos von Räumen, die mit Trevira CS-Stoffen ausgestattet sind und Designer und Innenausstatter zur Entwicklung kreativer Ideen inspirieren sollen. "Trevira CS Stoffe - gemacht für Menschen mit Ideen" lautete deshalb auch die Botschaft. Außerdem sponsorte Trevira die Hotelrooms-Ausstellung und vergab den mittlerweile 8. Trevira CS-Award. Er ging an den französische Taft- und Satinspezialisten T.A.L. (Tissages dAmeublement de la Loire) für die Kollektion Transiotional.

Bei den Möbelstoffen heißt es Minimalismus und Pragmatismus adé, die neuen Kollektionen werden üppiger und farbiger, mit Rot und Orange als Hauptfarben einerseits und Grün von Limette bis Oliv andererseits. Dazu die ganze Natur-Braun-Palette von Champagner über Ocker bis Schlamm und Rost, als kühne Kombinationspartner Zitronengelb, Fuchsia und Violett. Silbern, golden oder bronze glitzernder Garne setzen vereinzelt Akzente. Kühl-elegant wirken Eisblau oder Rosé zu Braun oder Grau.

Gefragt sind Naturfasern wie Leinen, Wolle und Baumwolle, und weiche schmeichelnde Stoffe wie Chenille, Velours und Bouclé. Samt feierte in Brüssel ein furioses Comeback, vertreten in allen möglichen Varianten: fein bis robust, uni oder geflammt, gerippt, mit Waffelmuster oder als Genuasamt, bei dem der Flor in floralen oder klassischen Florentiner Motiven gehalten ist.

Überhaupt Blumen: Ohne sie geht's gar nicht. Sie finden sich überall in verschiedensten Interpretationen von Romantik bis Art Déco, von naturalistisch bis Barock, gedruckt, als Stickerei, Flockmotiv oder Chenille-Effekt. Auch Streifen behaupten sich. Neu sind Ikat-Streifen, sowohl gedruckt als auch webgemustert. Daneben findet man indische Arabesken, Medaillons und Renaissance-Impressionen. Unverzichtbar: strukturierte Unis.

Leder bleibt als Bezugsmaterial weiterhin stark, obgleich gerade die Hochwert-Anbieter gegen Qualitätsmängel bei den Häuten kämpfen, die mehr Aufwand in der Verarbeitung erfordern, um den Kunden wertiges Leder bieten zu können. Das Farbspektrum wird immer breiter bis hin zu Pink und Weiß, die Prägungen und Drucke immer fantasievoller etwa mit Aal-Optiken und bunten Blumenmustern. Als ernstzunehmender Konkurrenz für Echtleder entpuppen sich immer mehr synthetische Leder, wie sie etwa Hornschuch in vielen Variationen zeigt: von Holzoptiken bis zum Kalbsleder-Look mit fein konturierter Floraldessinierung und dezentem Zweiton-Effekt.

Die deutschen Aussteller und ihre Neuheiten

Ado präsentierte in Brüssel sein gesamtes Angebot an intelligenten Stoffen zur Verbesserung der Raumluft, mit antibakterieller oder elektrosmogabweisender Wirkung. Sämtliche Qualitäten sind übersichtlich in dem neuen Objekt-Würfel zusammengefasst, gegliedert nach halbtransparenten, transparenten sowie blickdichten bzw. Verdunkelungs-Artikeln.

Drapilux hatte seine neue umfangreiche Hotelkollektion Welcome Starline mitgebracht, die mit ihrem Coordinate-Konzept in fünf Farbwelten über 200 Kombinationsmöglichkeiten bietet. Jede Farbwelt umfasst verschiedene Stofftypen von Taft über Jacquards bis hin zu Transparenten. Einige, etwa die Verdunkelungstextilien werden auch mit raumluftverbessernder Air-Ausrüstung angeboten.

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Die Hotelkollektion "Welcome starline" von Drapilux ist in fünf Farbwelten gegliedert.
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Der knapp 100 qm große Stand von Ado war mit dem modischen Fadenvorhang eingekleidet.
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In einer Sonderschau wurden komplett eingerichtete Hotelzimmer gezeigt. Hier der "Dark Side Room" mit Stores von Neutex.

Stoeckel & Grimmler setzt aktuell auf hochwertige Doppelgewebe mit passenden Polsterstoffen in Rot/Orange oder Schoko/Nougat/Champagner. Mit unterschiedlichen Bindungstypen und effektvollen Garnkompositionen lassen sich verschiedendste Effekte wie hoch glänzend und stumpf erzeugen.

Müller-Zell hat seine Kollektion komplett auf Trevira CS umgestellt. Chefdesignerin Verena Rau und ihr Team entwickelten Chenille-Blumen auf leinenartigem Grund, dreidimensionale Streifen, Blumenranken in neuer Oberfläche und plastisches Blasenrelief mit stilisierten Blumen. Sportiv mit Matt-Glanz-Bändchen, Nadelstreifenund Hoch-Tief-Effekten kommt die Möbelstoffkollektion Milano.

Wever, dessen Stoffkollektionen inzwischen unter dem Dach von Müller-Zell laufen, hat die Polsterstoffe seines Special Guest-Hotelprogramms mit Dekostoffen komplettiert und spielt dabei couragiert mit Farbkombinationen wie Rot-Orange-Pink oder Apfelgrün-Wasserblau.

Munzert propagiert "New Living" mit eleganten Streifen und interessanten Strukturen in Grün, Beige, Rot, Natur und Braun und lädt zu "Playing Games" ein mit organischen und gradlinigen Dekoren in Schwarz-Weiß.

Neutex feierte seine Brüssel-Premiere mit Scherli-Streifen und -Kreisen, Schrumpfeffekten und Transparenten in zwei Höhen.

Auch Hohmann gab sein Debut in Brüssel mit grafisch gemusterten Möbelstoffen und abgestimmten Dekos mit Chenille-Effekten.

Eines der erfolgreichsten Themen bei Mohair-Spezialist Pongs war ein reinwollener Faux-Uni mit Dessin im Hintergrund, im Retro-Look und als Streifen. Superweich und trotzdem mit 1,3 Millionen Scheuertouren hoch strapazierfähig: ein schmeichelnder Stoff aus 100% Merinowolle. Trendig: modischer Breitkord.

Topaktuell bei Textilveredler Beck: Lasercuts und Lackdrucke mit Retro-Motiven oder Blumenranken, außerdem Artikel Suede, ein polsterfähiger Alcantara-ähnlicher Stoff, den es mit Lasercut-Musterung in schöner Farbpalette von Grenadine-Rot, Cognac, Champagner, Caramel bis Chocolat gibt.

Bei Sati Deutschland stand eine neue Serie aus Polyester-Baumwoll-Mischgewebe in den Farbkombinationen Türkis-Braun-Beige oder Erdbeer-Rosa-Beige-Braun mit zwei floralen Dessins und einem Blockstreifen im Mittelpunkt. Elegant ein ornamental gemusterterJacquard in Braun, Lachs oder Rot auf sandfarbenem Fond.

Spandauer Velours hat eine neue Naturlinie mit Flockdruck auf einem Floraljacquard entwickelt. Sehr effektvoll: Das Ton-in-Ton-Muster auf softigem Chenille-Grund, das es in Beige/Braun mit Blau oder Rot gibt.

Aste Landwehr spielt mit partiell eingesetzten Effektgarnen und neuen Farbkombinationen, vielfach mit Orange oder Apfelgrün. Außerdem: Retro-Dekore, Chenille-Karos in CS und Hoch-Tief-Wellenstrukturen.

aus BTH Heimtex 11/05 (Wirtschaft)