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Podiumsdiskussion zu Elastischen Bodenbelägen

"Bodenbelag und Klebstoff sind als Einheit zu sehen"


Schrumpfungen und Resteindrücke von elastischen Bodenbelägen sind ein Thema, das seit 1 bis 2 Jahren den Verarbeiter, die Industrie und die Sachverständigen wieder beschäftigt: Die Schadensfälle häufen sich. Grund genug für Karsten Krause, Fachgruppenleiter Bodenleger, die Bodenbelags- und Klebstoffindustrie am Bundesverbandstag zu einer Podiumsdiskussion einzuladen.

Die Kunden des Verarbeiters erwarten auch während einer längeren Nutzungsphase fugenlose Bodenbeläge. Dies gilt besonders für Bereiche, die erhöhte Anforderungen hinsichtlich Hygiene und Reinheit stellen. Dazu zählen Krankenhäuser oder empfindliche Fertigungsbereiche in der Industrie.

Der Diskussionsleiter warf die Frage auf, ob Beläge mit den eingesetzten Klebstoffen die Kundenanforderungen im Sinne der geltenden Normen überhaupt noch erfüllen können. Er berichtete, dass Verarbeiter bei Reklamationen vermehrt zwei Standardfloskeln hören:

a) Der Belaghersteller äußert gegenüber dem Handwerker: "Alles klar, unser Belag wurde noch einmal getestet, er ist in Ordnung. Wenden Sie sich doch bitte an ihren Klebstofflieferanten."

b) Der Klebstofflieferant äußert: "Alles klar, wir haben eine Rückstellcharge des gelieferten Klebstoffes noch einmal im Labor getestet. Der Klebstoff ist in Ordnung, wenden Sie sich doch bitte an ihren Belaglieferanten."

"Bodenbelag und Klebstoff müssen sich vertragen"

Der Grundgedanke lautet: Funktionsfähige Bodenbeläge und Klebstoffe müssen ein funktionierendes System bilden. Der Sachverständige Thorsten Grothjohann formulierte in FussbodenTechnik 2/2004: "Bodenbelag und Klebstoff müssen sich vertragen."

Dazu Krause: "Aus unserer Sicht müssen sie sich jedoch nicht nur vertragen, sondern sie müssen gemeinsam sicherstellen, dass die nach den Normen zwar zulässigen Toleranzen in der Realität nicht auftreten. Was würden die Verantwortlichen in einem Krankenhaus erwidern, wenn man bei einem 2 m breiten Belag mit 3 bis 4 mm geöffneten Fugen erklären würde, dass dieses dem Stand der Technik und der Normung entspräche?" Die Folge wäre wohl ein deutlicher Protest und möglicherweise würde auf Terrazzoböden als Alternative zurückgegriffen werden.

Streitpunkt Schweißnaht

Verarbeitern hilft es auch nicht, wenn bei abgerissenen und geöffneten Schweißnähten manche Gutachter die Meinung vertreten, hier sei nicht fachgerecht verschweißt worden. Krause: "Wenn eine ursprünglich 4 mm breite Schweißfuge offene Abrissbereiche von 2 bis 3 mm aufweist, so ist doch in aller Regel nicht der Schweißdraht geschrumpft, sondern der Bodenbelag. Ein Schweißdraht für eine auf 4 mm gefräste Fuge kann doch wohl unmöglich nach geraumer Zeit eine 6 bis 7 mm breite Fuge immer noch schadenfrei geschlossen halten." Auf Nachfragen sei der Sachverständige auch eine Antwort auf die Frage schuldig geblieben, ob er denn eine Norm nennen könne, die dies regelt.

"Insgesamt stehen wir vor vielschichtigen Problemen, die nicht damit gelöst werden können, dass die Lieferanten der einzelnen Komponenten sich auf ihre eigenen Normen zurückziehen" so Krause. Helfen kann hier nur ein sehr offener und konstruktiver Dialog zwischen den Beteiligten und zwar so offen, dass möglichst auch jeder die Schwächen in seinem System zugibt, um dann gemeinsam zu einer vertretbaren Lösung zu kommen.

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Podiumsdiskussion unter der Leitung von Karsten Krause. Es diskutierte Manfred Kopf (Debolon), Hans-Joachim Schmidt (Tarkett Objekt), Ernst Dieckmann (Wulff), Thomas Wanke (Ardex), Günter Hermann (Mapei) und Horst Müller (Thomsit).
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Manfred Kopf (Debolon und FEB): "Bei der Änderung der Produkte müssen sich Klebstoff- und Belagsindustrie wechselseitig gegenseitig informieren, damit man die Kombination erneut testen kann."
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Hans-Joachim Schmidt (Tarkett Objekt): "Das Thema Resteindrücke ist auch bei uns ein Thema. Als Mitglied der FEB haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, mit den Klebstoffherstellern und den Verarbeitern zusammen zu arbeiten."
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Ernst Diekmann (Geschäftsführer Wulff): "Man kann feststellen, dass die Beläge in der Regel in Ordnung sind."
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Thomas Wanke
(Anwendungstechnik Ardex): "Wir wissen, dass Resteindrücke bei elastischen Belägen auftreten können, aber der Kunde ist oft überrascht, weil er vorher nicht darauf hingewiesen wurde."
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Günther Hermann (Anwendungstechnik Mapei): "Man darf nicht vergessen, dass der Klebstoffindustrie enorme Kosten durch die Normung entstehen."

Resteindrücke lassen sich nicht völlig vermeiden

Ob PVC-, Gummi- oder Linoleum-Belag - Eindrücke und leichte Unebenheiten in der Fläche lassen sich in der Praxis nie völlig ausschließen. Grundsätzlich sollten sich elastische Beläge nach Wegfall einer Belastung allerdings wieder erholen. Da jedoch keine absolut vollständige Rückstellung gewährleistet werden kann, hat man Grenzwerte für das Resteindruckverhalten festgelegt - also für eine gerade noch tolerierbare Deformierung.

"Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die bei einem Bodenbelag zu Resteindrücken führen können", stellte Manfred Kopf (Debolon) fest. Er betonte die "bilaterale Notwendigkeit, dass sich Bodenbelags- und Klebstoffhersteller wechselseitig über veränderte Produktzusammensetzungen informieren". Grund: Auch durch geänderte Rezepturen können Schäden entstehen.

Einen anderen Ansatz verfolgte Thomas Wanke (Ardex): "Wir wissen, dass es bei elastischen Bodenbelägen zu Resteindrücken kommen kann. Der Kunde aber nicht. Er muss vorher darauf hingewiesen werden."

Zum Thema Schadensverantwortung nahmen Horst Müller (Thomsit) und Thomas Wanke die Belaghersteller in die Pflicht: "Am stärksten gefragt ist der Belaghersteller, weil dessen Produkt als Erstes gekauft wird." Außerdem gebe er den Klebstoff beim Klebstoffhersteller in Auftrag.

Große Einigkeit herrschte bei allen Diskussionsteilnehmern darüber vor, "dass gegenseitige Schuldzuweisungen nichts bringen würden", so auch Hans-Joachim Schmidt (Tarkett). "Es zeigt sich einmal mehr, dass man Bodenbelag und Klebstoff nicht separat, sondern als Einheit zu sehen sind", so Ernst Dieckmann (Wulff). Es sei wichtig, dass Bodenbelags- und Klebstoffherstellern enger zusammen arbeiten.

Fazit: Startsignal für konstruktive Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen Belag- und Klebstoffhersteller war bisher in einigen Bereichen recht gut entwickelt. Dies genügt inzwischen sicher nicht mehr, so Krause. Die Zusammenarbeit müsse zwischen den beiden Systempartnern deutlich intensiviert werden und dann letztendlich der dritte Systempartner im Bunde aktiv an den jeweiligen Entwicklungen beteiligt werden: Gemeint war der verarbeitende Handwerker einschließlich der ö.b.u.v. Sachverständigen.

Für den Fall des Scheiterns der Bemühungen um einen offenen Dialog und Erfahrungsaustausch zwischen den Beteiligten werde sich die Industrie in der Zukunft unter Umständen Gedanken über eigene Verlegekolonnen machen müssen, so Krause. "Das Handwerk in seiner jetzigen Form wird die teilweise auftretenden Schäden mit erheblichen finanziellen Konsequenzen auf Dauer nicht verkraften können. Ohne das Handwerk müsste die Industrie dann selbst sehen, wie sie ihre Produkte nicht nur vermarktet, sondern dann auch gleich verarbeitet." Krause abschließend: "Ich hoffe, dass diese Veranstaltung ein Anfang war, und dass dieser Anfang gleichzeitig ein Startsignal für eine konstruktive Zusammenarbeit markiert."

aus FussbodenTechnik 04/04 (Wirtschaft)