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5. TKB-Gesprächsrunde Fußbodentechnik auf der Estrich-Parkett-Messe, Feuchtwangen

Fußbodenpass sorgt für Transparenz auf der Baustelle

Lange wurde an ihm gearbeitet, nun ist er fertig - der Fußbodenpass. Auf der 5. TKB-Gesprächsrunde Fußbodentechnik (Technische Komission Bauklebstoffe) im Rahmen der Estrich-Parkett-Messe konnte die gemeinsame Publikation nach dem zähem Ringen der letzten Jahren endlich vorgestellt werden. Die Dokumentation soll Verarbeiter und Bauherren informieren, welche Fußbodenarbeiten konkret in einem Objekt durchgeführt wurden. In dieser Ausgabe stellen wir die wichtigsten Seiten im Original vor - zum Informieren und Kopieren. Weitere Themen der Gesprächsrunde: Die neue Gefahrstoffverordnung, der FEB/TKB-Ringversuch, die richtige CM-Messung und das CE-Zeichen für Spachtelmassen.

Vor vier Jahren hatten die Fachverbände des Fußbodenbaus und der Verlegewerkstoffindustrie die Idee, Bauherren und Bauausführenden eine Dokumentation über den Fußbodenaufbau von Gebäuden in Form eines Fußbodenpasses zur Verfügung zu stellen. Anfangs sollte es nur ein Estrichpass sein. Später wurde der gesamte Fußbodenaufbau von Oberkante Rohdecke bis zum Oberbelag einbezogen.

In der Gesprächsrunde Fußbodentechnik, die unter der Leitung von Dr. Roland Krieger von Uzin Utz stattfand, wurde das Thema Fußbodenpass weiter verfolgt und zum Abschluss gebracht. Ziel der Dokumentation ist es, nach Baufertigstellung oder -sanierung dem Bauherrn eine Information über den Fußbodenaufbau an die Hand zu geben. Neben Informationen über den Aufbau kann der Pass für spätere Renovierungsarbeiten wichtige Auskünfte liefern. Des Weiteren können die bauausführenden Unternehmen den Fußbodenpass nutzen, um ihr Verantwortungs- und Qualitätsbewusstsein gegenüber dem Auftraggeber zu dokumentieren.

Inhaltlich gliedert sich der Pass in eine Angabenseite zu dem Gebäude, in detaillierte Ausführungen zu den Estricharbeiten sowie den Bodenbelag, Parkett- und Fliesenarbeiten. Durch übersichtliche Registerblätter sind die jeweiligen Technikseiten systematisch geordnet.

Entnahmestellen der CM-Prüfung in Diskussion

Die Diskussion über die CM-Prüfung oder genauer gesagt den Ort der Probenentnahme flammte auch bei der Gesprächsrunde Fußbodentechnik wieder auf. Seit der TKB-Tagung in Frankfurt gibt es Diskussionen darüber, ob die Probe zur Feuchtemessung aus der Mitte oder aus dem unteren Drittel entnommen werden sollte (FussbodenTechnik berichtete). Während die Parkettleger traditionell das untere Drittel befürworten, "um auf der sicheren Seite zu sein", wird von Seiten der Estrichleger, aber auch der Fliesenleger, der Querschnitt favorisiert. Diese unterschiedlichen Meinungen haben auch Eingang in die Merkblätter gefunden: Ein TKB-Merkblatt empfiehlt das untere Drittel, während ein Merkblatt des BEB vom Estrich-Querschnitt spricht.

Dabei machte Dr. Thomas Brokamp von Bona deutlich, dass alleine die Vorgehensweise von vielen Prüfenden schon sehr unterschiedlich gehandhabt wird. So hat das Schütteln und die Probenzerkleinerung einen massiven Einfluss auf das Ergebnis, ebenso der genaue Zeitpunkt, an dem abgelesen wird. Ob der Ort der Probenentnahme, der sowieso nur sehr schwer präzise festzulegen sei, wirklich so entscheidend ist, wird von Dr. Brokamp bezweifelt. Nichtsdestotrotz scheinen für die meisten Teilnehmer der Gesprächsrunde Kompromisse in dieser Frage nur schwer möglich. Sich gemeinsam auf eine Empfehlung zu einigen, die dann von Bundesverband Estrich und Belag (BEB), Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) und TKB favorisiert wird, gelang auch in dieser Gesprächsrunde nicht.

Viel Wirbel um Ringversuch

Wer hat wem zuerst etwas verraten? Wie kam das Thema in die Presse? Warum hat man nicht vorab miteinander geredet? Eigentlich ging es bei den Diskussionen schon lang nicht mehr um den Ringversuch, sondern viel mehr um die Vorgehensweise der Veröffentlichung der Ergebnisse. Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt hatten, wurde dann auch über die Inhalte gesprochen.

Worum geht es? Sachverständige und Praktiker hatten in letzter Zeit ein vermehrtes Schrumpfen von PVC-Belägen festgestellt. Doch bei der Ursachenforschung sind die Experten ratlos. Keiner weiß bis heute, welche Stoffe bzw. welche Veränderung in der Stoffzusammensetzung für das Schrumpfverhalten verantwortlich sind. Eine Vermutung in der Branche war die Weichmacherumstellung, zu der die Belagsindustrie auf Grund der durch die EU durchgeführten Risiko-Bewertungen gezwungen war.

TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Hochkarätig mit Experten aus
Industrie und Handwerk besetzt war die 5. Gesprächsrunde Fußbodentechnik.
TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Der Beharrlichkeit von Dr.
Roland Krieger ist es zu
verdanken, dass der Fußbodenpass endlich vorliegt.
TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Der Fußbodenpass kann bei folgenden Verbänden bestellt werden: Bundesverband Estrich und Belag, Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik, Zentralverband Raum und Ausstattung, Bundesverband der vereidigtenSachverständigen für Raum und Ausstattung, Hauptverband Farbe, Gestaltung,Bautenschutz, Verband der Deutschen Parkettindustrie

Um dieser These nach zu gehen, haben TKB und der Fachverband der elastischen Bodenbelagshersteller (FEB) eine Testreihe nach DIN EN 1903 (Bestimmung der Maßänderung nach beschleunigter Alterung) durchgeführt. Getestet wurde als einziger Belag ,Mipolam accord 300 - ein PVC-Boden allerdings, der nach Ansicht verschiedener Sachverständiger nie durch Schrumpfungen aufgefallen war. Während TKB und FEB ihren Ringversuch als Beweis für einen fehlenden Einfluss der "neuen" Weichmacher werteten, kritisierten die Sachverständigen die Vorgehensweise. Eine Diskussion, die unter anderem in der Fachzeitschrift Fussbodentechnik (SN-Verlag) stattfand und zum Teil sehr emotional geführt wurde.

TKB und der Fachverband elastischen Bodenbelagshersteller (FEB) erklärten, dass die Schwierigkeiten darin lagen, einen geeigneten Belag zu finden. Immerhin muss es sich um einen PVC-Belag handeln, der sowohl mit dem alten Weichmacher DEHP als auch mit dem neuen Weichmacher DINP zur Verfügung steht. Diese Voraussetzungen erfüllte nur der ausgewählte Belag von Gerflor Mipolam, erklärte Dr. Krieger, weßhalb eben nur dieser Belag getestet wurde. Sämtliche Vorwürfe, dass sich die Verantwortlichen explizit diesen einen Belag ausgesucht hatten, um kein Schrumpfen nachweisen zu können, wies Dr. Krieger weit von sich.

Im Ergebnis zeigte sich bei den Untersuchungen von TKB und FEB, dass bei diesem Belag kein Hinweis auf einen Einfluss des Weichmachers auf das Schrumpfverhalten nachgewiesen werden konnte. Auch wenn der Boden im Vergleich zu anderen Böden dimensionsstabil sei, so hätte man bei den Untersuchungen dennoch einen Unterschied zwischen den beiden Weichmachersystemen feststellen müssen. Für die beiden Fachverbände ist klar, dass sich diese Ergebnisse auf andere PVC-Beläge übertragen lassen. Damit sei der Wechsel des Weichmachers als Ursache für ein geändertes Schrumpfverhalten von PVC-Belägen auszuschließen. Die Suche nach der Ursache muss also weitergehen.

Der Sachverständige und Mitglied im Vorstand des Raumausstatter-Verbandes Richard A. Kille hatte zu diesem Zweck eine Umfrage bei Bodenlegern gestartet. 180 Fragebögen seien ausgefüllt zurück gekommen. Bei der Auswertung der Bögen wurden einige Beläge überdurchschnittlich oft genannt.

Neue Gefahrstoffverordnung

Seit 1. Januar 2005 gilt die neue Gefahrstoffverordnung. "Genau wie die letzte Gefahrstoffverordnung richtet sich auch die neue an den Handwerker. Jeder, der mit Chemikalien beschäftigt ist, müsste sich eigentlich dafür interessieren", betonte der TKB-Vorsitzende. U.a. werden danach Sicherheitsdatenblätter in ausführlicherer Form verlangt, es wird ein Schutzstufenkonzept vorgeschrieben und die MAK-Werte (= Maximale Arbeitsplatz Konzentration) werden abgelöst durch AGW-Werte (= Arbeitsplatz-Grenzwerte).

In der Praxis gibt es hier Defizite. Dazu Dr. Motzet von Verlegewerkstoffhersteller Schönox: "Ich glaube, es gibt im Handwerk keine Chance, dies durchzusetzen. Selbst in der Industrie wird es Jahre dauern." Dagegen berichtete Karsten Krause, dass man in der Innung Nord des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik schon Informationen zu der neuen Gefahrstoffverordnung an die Mitglieder verteilt hätte. Der Sachverständige Richard A. Kille lobte die Verbände in Bayern: Hier gäbe es bereits eine gute Broschüre zu diesem Thema. Als geeignete Informationsquelle wurde ein Referat von Dr. Rühl, dem Obmann der TRGS 610 bei der Gisbau, empfohlen.


Die Gesprächsteilnehmer aus Handwerk und Industrie

- Dr. Thomas Brokamp,Bona/TKB
- Volker Brückner, Verband der Deutschen Parkettindustrie (VDP)
- Oliver Erning, Institut für Baustoffprüfung undFußbodenforschung (IBF)
- Gert F. Hausmann,Sachverständiger/BEB/ZVPF
- Dr. Matthias Hirsch, Kiesel Bauchemie/TKB
- Kurt Keller, Keller & Sohn/Bundesverband Estrich und Belag (BEB)
- Richard A. Kille, Berufssachverständige/Zentralverband des Raumausstatterhandwerks (ZVR)
- Manfred Kopf, Debolon, FEB
- Karsten Krause, Krause + Reimer/ZVPF/BEB
- Dr. Roland Krieger, Uzin/TKB
- Edgar Leonhardt, BEB/ZVPF
- Dr. Hubert Motzet,Schönox/TKB
- Willi Nürnberger, ParkettNürnberger/ZVPF
- Manfred Pohl, Wakol/TKB
- Erwin Prinz, HofmannFußboden/BEB
- Alexander Rauner,Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung (BSR)
- Werner Schnell, BEB
- Karl-August Siepelmeyer, Hauptverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz (HFGB)
- Ansgar van Halteren,TKB/IndustrieverbandKlebstoffe (IVK)
- Rolf Wanke, Parkett Wanke/ZVPF

aus FussbodenTechnik 04/05 (Wirtschaft)