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maison & objet, Paris Nord Villepinte

Die Lust am Dekorieren

Paris - Paris als Messestadt lockt Publikum aus aller Welt. Diese internationale Anziehungskraft ist sicher ein Ausschlag gebender Faktor für den Erfolg der maison & objet. Dort dabei gewesen zu sein, ob als Aussteller oder Besucher, gehört gewissermaßen zum guten Ton einer Branche, die mit Bauen, Wohnen und Dekorieren zu tun hat.

Ob sich der erwünschte oder erwartete Erfolg einstellt, bleibt Sache der Ausdauer und der Kontinuität. Für die wiederum sorgt die Messeorganisation SAFI mit entsprechender Standorganisation und zahlreichen Dienstleistungsangeboten vor und während der Messe. Nach fünf Tagen Messe im Frühherbst des Jahres meldete die maison & objet mit ihren beiden "Zugpferden" Scènes dintérieur und now! internationale Beteiligung auf Rekordhöhe seit dem Start dieser Messe im Januar 1995.

Aus der Gesamtbesucherzahl von 65.413 zählte die Messeleitung 22.103 Einkäufer aus 120 Ländern - das heißt 34 Prozent der Einkäufer und somit 3 Prozent mehr als im Vorjahr kamen aus dem Ausland. Deutlicher Zuwachs kommt aus Osteuropa, vor allem Russland (+ 20 %) und Polen(+54 %), aber auch EU-Neulinge aus Tschechien (+26 %) und Ungarn (+47 %). Deutlich gestiegen sei auch die Beteiligung aus Italien (+25 %) und aus den nordeuropäischen Ländern, und in geringerem Maß aus Spanien, den Niederlanden und der Schweiz. Klar erwähnt wird das Minus von acht Prozent an deutschen Besuchern und ebenso die sechs Prozent weniger aus UK.

Auch Nordamerika und Kanada sorgten für ein beachtenswertes Minus von 14 Prozent. Umso erfreulicher wachsende Exportmärkte in Japan, China, Hongkong, Thailand und Australien. Asien stellte bei dieser Messe geographisch gesehen das zweitgrößte Kontingent nach Europa.

Aus Frankreich selbst reisten weniger Besucher als erwartet an. Dieses Manko glichen dem Messebericht nach eine größere Zahl kompetenter Einkäufer aus Einkaufszentralen und Kaufhäusern aus. Die Vertriebswege am französischen Markt haben sich demnach kräftemäßig etwas verschoben. Der Einzelhändler ist vorsichtiger geworden, bleibt seinem Lieferanten treu, ist aber dennoch Neuheiten gegenüber aufgeschlossen. Eine Eigenschaft, die man bei deutschen Besuchern etwas vermisste.

Ganz Paris zeigt Flagge

Nicht umsonst gibt sich die französische Hauptstadt selbstbewusst den Titel "Capitale de la Création". Die Franzosen lieben ihre Kreativen und die ziehen, aus welchen Bereichen sie auch immer kommen, zu Messezeiten an einem Strang. Von der Messe aus untermauern Designer aus den Bereichen Heim, Mode, Lifestyle, Architekten und Innenarchitekten in Podiumsveranstaltungen täglich - simultan übersetzt - in TV-Sendungen ihre Ideen und Themen.

Elisabeth Leriche, Franois Bernard und die Agentur Nelly Rodi präsentierten einen Ideenparcours von Trends unter dem Thema "Spirituels". Man musste sich nur von den einzelnen Raumbildern und Material-Angeboten gefangen nehmen lassen. Sie waren teils bewusst widerprüchlich und aggressiv zusammengestellt, verfehlten aber, dem Zustrom nach zu schließen, nicht ihre Wirkung. Die Ideen der französischen Trenddesigner waren aus der Zeit gegriffen, manchmal provokativ, oft amüsant und immer inspirierend, wenn man sich darauf einließ. In überraschenden Stücken vereinten sich archetypische Formen und neuartige Materialien oder Techniken. Strass, Pelz, Federn und Pailletten trugen zu vergnüglichen, sinnlichen Inspirationen bei.

Der Wunsch nach Natur

Maison & Objet
Entweder sanft pastellig oder großflächig und wenig kontrastreich: Bettwäsche und erfolgreiche Badelinie "aqua" von Elvé.
Maison & Objet
Tischwäsche von Alexandre Turpault aus reinem Leinen
Maison & Objet
Bettwäsche der Luxusklasse von Yves Delorme
Maison & Objet
Angel des Montagnes zeigte schlichte Weihnachtsdekoration, die aber das ganze Jahr über natürlichen Charme verströmt.
Maison & Objet
Bett- und Badwäsche von Kenzo (Fremaux Delorme SA)
Maison & Objet
Neu bei Missoni Home sind Tagesdecken und Plaids, reversibel, die heiter mitmischen im Spiel von Farben und Dessins: Zickzack, Wellen Streifen- und Karokombinationen.

Verschiedene Bereiche auf der maison & objet wurden neu organisiert, um besser auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Das Angebot Outdoor wurde noch stärker in das Wohnthema integriert, da die Grenzen zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Hauses immer mehr verwischen. Der Wunsch nach Natur ist stark und wird sichtbar gemacht. Der Garten beeinflusst die Inneneinrichtung. Möbel und Accessoires für das Haus führen ein dekoratives Doppelleben. Terrassen, Glaskuppeln oder Wintergärten schaffen neue Lebensräume.

Der bisherige Bereich Objet & Cadeau in Halle 6 wurde ergänzt und aufgewertet zum Dekorationssektor "Accessoires Maison" und bot fast 1.000 Ausstellern, davon rund ein Drittel aus dem Ausland, interessante Angebotsfläche. Geschenke, ob Blumen oder Duft, modische Accessoires für Heim und Haus, spielerische Objekte oder Kleinmöbel und Liebenswertes für die Kleinsten, werden immer mehr zum Dekorationsobjekt. Entsprechend fand sich der boomende Markt "Welt des Kindes" ebenfalls in dieser Halle.

Das Luxus-Bett, die originelle Tisch-Dekoration....

Im textilen Bereich zeigte sich die Lust am Dekorieren, wert- und luxusbetont und kleinteilig an zahllosen Kissenmodellen, Plaids und Decken, die gleichzeitig dem starken Wunsch nach Gemütlichkeit und sanfter Romantik gerecht wurden. Es wurde nichts überbetont, Hersteller und Designer achteten auf ihre spezielle Handschrift und insgesamt hatte man den Eindruck von Ruhe und Zurückhaltung, vielleicht mit einem Touch Zärtlichkeit. Der fiel besonders beim textilen Hauptakteur dieser Messe auf, der Bettwäsche. Da kam der internationale Anspruch wirklich zur Geltung - bei den großen bekannten Marken der Franzosen ebenso wie bei einigen Neu-Ausstellern aus Spanien. Markant war die sorgfältige Detailverarbeitung wie Ziernähte, Biesen, Stickerei und Rüschen, aber so angebracht, dass sich viel Materialoptik bietet. Starke Kontraste bei Druckmotiven wurden vermieden, es waren viel Unis und Ton-in-Ton-Dessins zu sehen. Weiß oder schlichte Naturtöne scheinen international weiterhin Favoriten zu sein. Dem stehen dunkle, schattige Farben aus der Braun-, Rot-, Violettskala, aber auch helle, frische Grüntöne gegenüber

Auf jeden Fall werden Betten in Szene gesetzt: romantisch-kuschelig mit Hüttenzauber, cool, uni und city-mäßig oder elegant-luxuriös. Immer gehören Tagesdecken und Plaids dazu, in glänzenden, wertvollen oder natürlichen Materialien, Samt- und Felloptiken. Bekannte Modedesigner kommen nicht vorbei am Thema Bett. Sie umbauen es mit Tapeten, Paravents, Teppichen und bieten textile und nicht-textile Accessoires dazu, wobei kleine, dezente Reminiszenzen an die gute, alte Zeit erlaubt und erwünscht sind. Gerade im internationalen Geschäft wird Handarbeit geschätzt.

Das zweite textile Thema, das in jedem Wohnbereich in irgend einer Form aufgegriffen wird, sind Tisch-Dekorationen. Auch hier denkt man in dekorativen und praktischen Konzepten, wobei originelle Materialien im Vordergrund stehen. Es gibt die überraschendsten Ideen für Tisch-Sets und Bodenbelag, besonders bei den Ausstellern in scènes dintérieur und now!

Die nächsten Veranstaltungen maison & objet und maison & objet éditeurs (Halle 5B) finden vom 28. Januar bis zum 1. Februar 2005 auf dem Messegelände von Paris Nord Villepinte statt.

aus Haustex 11/04 (Wirtschaft)