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Tendence Lifestyle - Internationale Frankfurter Messe

Leben und leben lassen - ohne Geiz und mit Spaß

Frankfurt - Die einstmalige Frankfurter Herbstmesse unter ihrer neuen Bezeichnung "Tendence Lifestyle" zog Ende August rund 96.000 Besucher an. Messeaussagen und -umfragen belegten sie nach fünf Tagen Dauer überwiegend mit Superlativen sowie optimistischen Tendenzen und Erwartungen für die "Geschenk-Saison". Neuer Schwung war zu spüren.

Wie auch immer die Messe heißen mag - die für die Aussteller wichtigste Besuchergruppe, der Fachhandel, interessiert sich vorerst nicht allzu sehr für Namen. Er sucht Neues, Anregendes, vermeidet lange Wege und freut sich über klare Ansprache. Das wollte Tendence Lifestyle mit dem der Frühjahrs-Konsumgütermesse Ambiente gegenüber veränderten Konzept erreichen. Im August kommen andere Besucher mit anderen Einkaufsinteressen und andere Aussteller mit anderen Produktschwerpunkten als im Februar nach Frankfurt. Zu Jahresbeginn suchen internationale Facheinkäufer aller Handelsformen Neuheiten im Rahmen ihrer Kernsortimente. Das heißt, sie gehen systematisch nach Produktgruppen vor und konzentrieren sich auf eine der drei Leitmessen, welche die Ambiente bietet (dining, giving, living). Daher wird die Frankfurter Messeleitung die traditionell Produktgruppen orientierte Struktur der Ambiente beibehalten und jeweils das Angebotsspektrum mit Blick auf die Zukunft erweitern.

Im Sommer hingegen wollen sich die Fachbesucher über alle Angebotsbereiche informieren und kaufen auch entsprechend fantasievoll und übergreifend - im Idealfall - ein. Um nicht durch alle Hallen gehen zu müssen und sich ihr Sortiment so zusammen zu suchen, bietet die Tendence die vier Lifestylewelten Modern Living, Emotion, Joy und Function. Damit sind die sachlichen Produktwelten aufgehoben, die Aussteller aus den jeweiligen Bereichen mischen sich und tauchen ein in den Begriff Lifestyle.

Die Aussteller auf der Tendence Lifestyle mussten ihr Stand- und Angebotskonzept meist neu gestalten, um ihren Besuchern das darzustellen, was der zeitgemäße Endverbraucher vom Handel erwartet: das berühmte emotionale Erlebnis, das nicht leicht zu bieten ist und vom Beratungs- und Verkaufspersonal richtige Verführungskünste abverlangt. "Sich etwas gönnen" steht im Grunde gegen "Geiz ist geil".

Innovative Händler verkaufen Lifestyle

Trendläden, vor allem auch im Wohnbereich, setzen schon länger die Ansprüche der Konsumenten nach persönlichem Lebensstil in ihren Geschäftskonzepten um. Immer mehr klassische Einzelhandelsgeschäfte gehen dazu über, ihre Sortimente dem neuen Lebensgefühl ihrer Kunden entsprechend zu optimieren und zu erweitern - und besonders auch durch Dienstleistungen zu ergänzen. Diesen Trend bestätigte im Herbst 2003 eine Studie der BBE in Köln zum Glas-Porzellan-Keramik (GPK)-Fachhandel. Unabhängig vom Umsatzvolumen sehen die Befragten ihre Wachstumschancen bei Lifestyle-Produkten und Geschenkartikeln. Die meisten dieser Fachgeschäfte haben die Verbraucher bis vor nicht allzu langer Zeit ausschließlich mit Glas, Porzellan oder Besteck in Verbindung gebracht. Der gedeckte Tisch oder wohnliche Dekoration schlechthin rückten in den Blickpunkt. Textilien - Tischläufer, Sets, Servietten, Kissen, Decken und Plaids und, nicht zu vergessen, Küchenwäsche - profitieren davon. Immerhin bestätigt die BBE-Befragung, dass sich 13 Prozent der Konsumenten zwischen 41 und 60 Jahren im GPK-Handel für Lifestyle-Produkte und Geschenkartikel interessieren, während es in der Altersstufe von 26 bis 40 Jahre sogar 22 Prozent taten.

Wenig bekannt und in bestimmte Produktkategorien einzugliedern sind die Wünsche von Senioren. Immerhin beschäftigten sich junge Designer der Hochschule der Künste (HDK) Berlin in einem Langzeitprojekt mit den Anforderungen an seniorengerechte Produkte. Erste Ergebnisse präsentierten sie auf der Tendence Lifestyle in der kleinen Sonderschau "senior/life/style": Intelligente Produkte für jedes Alter mit sinnvollem Zusatznutzen.

Möbelhandel komplettiert seine Fachsortimente

Für die Hersteller von Haus- und Heimtextilien ist das nichts Neues. Für viele von ihnen ist das seit Jahren der Grund zur konsequenten Teilnahme an der Tendence. Jetzt, in den erweiterten Lifestylewelten und mit dem bewussten Ausstellermix, treffen sie um so sicherer ihre Wunschkunden, den internationalen Möbel- und Einrichterfachhandel. Der hat sich bereits seit einiger Zeit umgestellt und macht es seinem großen Vorstreiter Ikea nach, der mehr als 50 Prozent des Umsatzes mit Fachsortimenten macht. Diese Fachsortimente, früher eher bescheiden "Boutique" genannt, sind in den Möbelhäusern zu einem wesentlichen Angebotsschwerpunkt geworden. Bereits an die 9 Prozent des Umsatzes werden, mit wachsender Tendenz, in Boutiquen und Fachabteilungen realisiert, erläuterte Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM) und ebenso Geschäftsführer des Bundesverbandes für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur e.V. Die Tendence sei für die Branche eine wichtige Orientierungs- und Ordermesse. Die Fachsortimente leben von Aktualität und Inspiration.

"Da ist Bewegung drin"

Tendence
Möve repräsentiert zeitgemäßen Lifestyle im Shop-in-Shop-Prinzip.
Tendence
Vielseitig zu kombinieren sind die exklusiven Stoffe von Tovalino Casa in Ton angebenden Farbthemen.
Tendence
Bassetti: Phantastische Farben und eine Aura exotischer Wärme.
Tendence
Evelyn Kahle pflegt seit Jahren die edle, romantische Bett- und Badwäsche-Linie in Weiß, mit dezenter Emblemstickerei und mit südlichem Flair.
Tendence
Bei Krömer-Zolnir standen dunkle Farben, Leder- und Fellimitate, Glas und Perlen - und viele Lichtquellen - im Mittelpunkt.
Tendence
Lavinia bietet neben Plaids, Lampen, Wohnaccessoires aus Glas und Metall ein farblich großes Angebot an Sets in fester Ripsqualität.

Neue Käufergruppen für Aussteller, neue Produktideen für den Handel. Dr. Michael Peters, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, sieht darin den Erfolg des Messekonzepts der Tendence Lifestyle bestätigt. Es kommt nach seiner Meinung darauf an, Neuheiten zu erkennen und auch den Mut zu beweisen, sich vom Mitbewerber mit eigener Sortimentsmeinung abzusetzen. Einen Wermutstropfen gibt es indes im offiziellen Messe-Freudenbecher: Die Top-Einkäufer großer Handelszentralen fanden in ihrer Mehrzahl nicht den Weg in die Hallen der Tendence. Die Abstinenz dieser umsatzstarken Besuchergruppe führt auf der anderen Seite dazu, dass auch bedeutende Lieferanten des SB-Handels nicht (mehr) bereit sind, sich an der Tendence zu beteiligen.

Die Aussteller von Haus- und Heimtextilien oder von Gesamtkonzepten zum Thema Einrichten profitierten ihren Aussagen nach dennoch durchaus vom inspirierenden Angebotsmix. Nicht zufrieden waren sie mit der Internationalität ihrer Besucher. Das klingt aus Messeleitungssicht anders. Die starken Märkte USA und Japan hätten ein deutlich gestiegenes Interesse gezeigt, hieß es. Die Top-Five-Besucherländer aus Europa waren Italien, Frankreich, die Schweiz, die Niederlande und Österreich. Aus Deutschland wurde ein leichter Besucherzuwachs verzeichnet. Kleine internationale Unternehmen nutzen gerne die Frankfurter Messe als Plattform für das Exportgeschäft. Davon abgesehen ist der deutsche Markt bei aller kritischen Zurückhaltung der Kunden attraktiv. Zufrieden äußerten sich auch die Fachbesucher. In der Mehrzahl bewerteten sie das Angebot als hervorragend.
"Warming" - ein Begriff für gutes Wohngefühl

Man kann sie fast spüren, die Wärme und Energie oder auch Ruhe, welche die Farben der Angebote für die winterliche Geschenk-Saison ausstrahlen und die weiter wirken werden in die Frühjahrssaison. Vor allem die intensiven Rot/Orange/Violett-Bilder machen Mut, im Wohnumfeld fernöstliche Inspirationen aus China, Japan, Thailand oder Afrika mit sachlich funktionalem Design oder romantischen Erinnerungsstücken zu kombinieren.

Der emotionsgeladene Titel "New Romance" der Sonderschau auf der Tendence Lifestyle ist zwar konstruiert, vermittelt aber den richtigen Eindruck: weiche, kuschelige Materialien neben Filz, glattem Aluminium oder faszinierendem Silikon, Edelstahl, Bronze und Kunststoff. Und dazu immer wieder und überall Natur - echt als Holz, Äste, Horn und Steine, oder aus neuen Materialien geschickt nachgeformt zum Beispiel als Geweih oder Pflanzenimitate. Besonders im textilen Bereich fallen Stein-, Gras-, Frucht- und Blütendrucke auf, die sich auf Porzellan und Keramik und farblich in Glas wiederholen.

Ein frisches Grün und Gelbtöne geben unübersehbar den Ton an, dominieren über dunkle oder gebrannte erdige Töne und sind auch im Luxusbereich zu finden. Ebenso wenig beschränken sich Edelweiß und Elch als Stickereimotive auf kuschelige Hüttenatmosphäre, sondern tummeln sich auch im pompöseren Loungelook. Handgemachtes steht hoch im Kurs. Kissen in unüberschaubarer Fülle sind klar und skandinavisch aus Leinen oder Halbleinen, oft in hellen, frischen Pastells, aber auch in kräftigem Burgund, Pflaume, Schokolade. Oder glitzernd und aufwändig aufgemacht, passend zu Plaids und Decken, luxuriös, sportlich, gemütlich, witzig. Ein unendliches und noch immer sehr erfreuliches Thema, denn gerade mit textilen Wohnaccessoires lässt sich farblich spielen und gestalterisch kombinieren.

Die nächste Tendence Lifestyle findet vom 26. bis 30. August 2005 in Frankfurt am Main statt. Die nächste Ambiente läuft vom 11. bis 15. Februar 2005.

Tendence Lifestyle - Daten + Fakten

- 3.706 Aussteller aus 88 Ländern;
- Ausstellungs-Nettofläche: 130.400 qm;
- 96.000 Fachbesucher aus 103 Nationen;
- Der Internationalitätsgrad lag bei 26 Prozent;
- durchschnittliche Aufenthaltsdauer: zwei Tage

aus Haustex 10/04 (Wirtschaft)