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Salzburger Messen "Texbo" und "Creativ Frühjahr" zusammengelegt

Ermutigende Premiere für die "Casa 2005"

Salzburg - Die Entwicklung hatte sich abgezeichnet: Während Aussteller- und Besucherzahlen der "Texbo" in den vergangenen Jahren immer mehr abbröckelten, stellte sich Fachmesseorganisator Reed Exhibitions auf die veränderten Märkte ein und folgte dem Ruf nach einer Zusammenlegung der bisherigen beiden Salzburger Messen "Texbo" und "Creativ Frühjahr". Das Konzept wurde überwiegend positiv aufgenommen, allerdings fordern einige Aussteller Korrekturen, vor allem in der Hallenplanung. "Haustex"-Mitarbeiterin Marianne Nehm hat die "Casa" besucht und berichtet aus Salzburg.

Die Präsentation der Teppichindustrie und eine Sonderschau rund um den Themenbereich Wohnen geben gleich in der Halle 1 das Thema vor: stimmige, harmonische Raumarchitektur, Sinnlichkeit, großzügig inszeniert. Und: die Dekostoffe sind zurückgekehrt. Das prägte sich beim Rundgang in den Messehallen als Merkmal der Erneuerung ein. "Wir zeichnen ein buntes Bild aus Agenturen, Importeuren und Direktverlagen", erklärt Messeleiter Mag. Wilfried Antlinger. Von diesen Beispielen profitiert die Messe, sie ist dadurch wieder "textiler" geworden - und bietet eine schöne Ergänzung der österreichischen "Platzhirsche" wie Backhausen oder Englisch Dekor. Andererseits verdeckt diese Aufwertung, dass einige wichtige Österreicher nur zögerlich zusagten - oder gar ganz wegblieben - wie etwa die Unternehmen Kauffmann, Fussenegger oder der Frottierhersteller Vossen.

Insgesamt stellten diesmal rund 400 Aussteller aus, die Messe registrierte über 14.000 Fachbesucher, von denen sich in einer Umfrage neun von zehn Befragten "insgesamt zufrieden" äußerten. Sie waren, wie die Messeleitung bekannt gibt, von "Atmosphäre und Stimmung, der Inszenierung angetan". Schließlich hätten 95,1 Prozent der Befragten erklärt, es sei für sie wichtig, die Produkte mit allen Sinnen erleben zu können". Das Interesse der Fachbesucher verteilte sich laut Umfrageresultaten auf die Themen Möbel- und Dekostoffe (35,4 Prozent), Haus- und Heimtextilien (32,7 Prozent), Geschenk- und Trendartikel (30,3 Prozent), Wohnaccessoires (28 Prozent) und Bodenbeläge (24,2 Prozent).

Wer kommt nach Salzburg auf eine "internationale Fachmesse für kreatives Wohnen, Schenken & Lifestyle"? Direktor Johann Jungreithmair, CEO von Reed Exhibitions Messe Salzburg, sieht "erstens kein vergleichbares Konzept im österreichisch-süddeutschen Raum" und zweitens, "dass die Erstveranstaltung in der neuen Konstellation weitere Entwicklungsphantasien zulässt". Jeder dritte Besucher käme aus dem benachbarten Ausland, insbesondere Deutschland und Italien, "was den hohen interregionalen Stellenwert deutlich macht". Die Alpenländer sind nach wie vor die Hauptzielgruppe, das hat auch die vorjährige Diskussion um eine Messeverlegung nach Wien verstummen lassen. Keine andere Gruppe geht dabei so konsequent vor wie die Tischwäscheanbieter. Während bei anderen Unternehmen selbst jene, die ihren Verkaufsschwerpunkt hauptsächlich in Österreich haben, sich eher an internationalen Trends orientieren, zieht sich der "alpenländische Stil" bei der Tisch- und Küchenwäsche in allen Spielarten durch die Kollektionen.

Ob die Zusammenlegung der Messen auf Dauer Bestand haben wird, lässt sich noch nicht erkennen. Hier Parkett und Teppich, Bett und Gardine, dort Seidenblumen, Weihnachtsartikel aus Keramik oder Modeschmuck. Es war sicher sinnvoll, die Produktgruppen klar zu trennen, aufgeteilt in ihre "alten" Messen "Texbo" und "Creativ". Nur wenige Artikel eignen sich für einen echten Mix und auch die Einkäufer gehen eher die gewohnten Wege. Noch einmal Messedirektor Jungreithmair: "Wie bei jedem neuen Thema besteht noch Justierungsbedarf, denn wir streben natürlich stets die bestmögliche gemeinsame Lösung an."

Der erwähnte Justierungsbedarf betrifft auch die Hallenaufteilung und Gestaltung. Während sich die Besucher in den Großhandelshallen tummelten, Frottier- oder Gardinenhersteller sich teilweise vom Zuspruch überraschen ließen, brach der Besucherstrom in manchen Ecken oder Hallen abrupt ab. In der viel zu wenig frequentierten Halle 9 konnte auch der offen gestaltete Vortragsbereich keine zusätzlichen Besucher anlocken. Am benachbarten Stand von Ibena, Gold-Eck und Dyckhoff brachte es Angelika Bro auf den Punkt: "Vorträge bringen keine zusätzlichen Kunden, sie machen nur Lärm".

"Fit for Future"

Zum Kennenlernen lud die Messe am ersten Abend zum Aussteller-get-together. Branchennah wurden die Themen des Begleitprogramms aufgestellt, darunter ein ganztägiges Sachverständigen-Seminar oder ein Treffen ehemaliger Absolventen der Raumausstatterakademie und Jungmeister. Bereits Tradition hat die tägliche RADAK-Raumausstatter-Akademie, der Lehrlingswettbewerb für Bodenleger und das österreichisch-bayerische Belagsverlegertreffen.

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Gollner

Das tägliche Vortragsprogramm der "Casa" gestaltete der Unternehmensberater Dr. Christian H. Ernst. Für Interessierte hatte er verschiedene Themen zu bieten: "Fit for Future - die Klippen von Basel II sicher umsegeln", "Marketing-Offensive - so werden Kunden zu Käufern", "Mitarbeiter - lebendiges Unternehmenspotenzial entwickeln", "Hard Selling - die Kunst ohne Umwege zu verkaufen" und "Reklamation - die Chance zu mehr Zufriedenheit".

Markt und Messen im Umbruch

So vielschichtig die Produkte und Entwicklungen, so unterschiedlich fiel auch die Meinung bei den Ausstellern aus. Ein Besuch auf Messeständen, ein Blick auf Neuheiten:

Gollner zollt der Weiblichkeit Tribut: In der Strand-, Bad- und Wellnesslinie aus Wirkfrottier gibt es die Kilts jetzt auch in einem femininen Schnitt sowie in Größe 34/36. Modische Ergänzungen in der Saunakollektion sind neue Dessins und Farben wie Capuccino oder Hochrot zu Marine und Weiß. Saunaserien sind ein Schwerpunkt des Frottier- und Küchenwäscheherstellers, es gibt sie in Baumwolle sowie in einer Edelvariante im Mix mit Modal. "Wir gehen stark in die Ostmärkte", erklärt Geschäftsführer Herbert Feldler, "Wir sind gut in Russland, arbeiten uns über die Ukraine und die baltischen Staaten nach Europa zurück. Hier muss man schon zufrieden sein, wenn man auf Niveau bleibt, Wachstum ist kaum zu erreichen."

Mit dem ausgestellten Schlafsystem "Royal" überzeugte der Vorarlberger Familienbetrieb Samina die Probeliegenden. Basis ist ein frei schwingender, praktisch doppelter Lattenrost, auf dem eine nur wenige Zentimeter dicke Naturkautschuk-Matratze und eine Schafschurwollauflage liegen. Wolle gehört zu den besten Klimafasern überhaupt: im Winter warm und im Sommer angenehm kühlend. Die verwendete hochwertige Merino-Wolle erzeugt ein trocken-warmes Bettklima, Samina bietet deshalb von Hand verarbeitete Zudecken und unterschiedliche Kissen mit naturbelassenen Baumwollhüllen zu unbehandelter Schafschurwollfüllung an. Ein Bett mit "Nestcharakter".

"Wenn es so weitergehen würde, wäre es die stärkste Messe des Jahres", sagt Herka-Geschäftsführer Thomas Pfeiffer, "Die Qualität der Besucher war gleich am ersten Vormittag extrem gut". Zwar sei das Ordervolumen nicht besonders groß, allerdings gebe es Potenziale für später. Herka setzt stark auf die neuen Frottiermischungen aus Baumwolle mit Mikromodal. Wie gewohnt gibt es wieder aufwändige Konfektionierungen, edle Ton-in-Ton-Muster, mit Karos, mit Stickereien in einer wäschigen Handschrift. "Viele Mitbewerber ziehen sich hier zurück", erklärt Geschäftsführer Thomas Pfeiffer, "weil angeblich der Markt nicht funktioniert. Das ist unsere Nische". Forciert werden Bademäntel, passend zu fein konfektionierten Tüchern.

aus Haustex 05/05 (Wirtschaft)