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Carpet Performance auf der Domotex

Lifestyle und Orient in gelungener Symbiose

Dass ausgesucht schöne handgeknüpfte Teppiche mit klassischen Motiven und moderne zeitgemäße Möbel nicht unbedingt ein Widerspruch sein müssen, sondern sich sogar ideal ergänzen können, zeigte die Carpet Performance auf der Domotex 2003 in Hannover. Mit dieser Sonderschau wurde eine Inszenierung geschaffen, die es verstand, Atmosphäre und Wohlgefühl zu vermitteln. Der handgefertigte Teppich wurde hier endlich wieder einmal in seiner ganzen Wertigkeit lebendig.

Es herrschte zwar nicht gerade eine atemberaubende Hektik in den Orientteppich-Hallen 14 bis 17 während der Domotex 2003 in Hannover, aber es tat trotzdem gut, bisweilen dem Staub der umzublätternden Teppiche und der verkäuferischen Betriebsamkeit zu entgehen. Dazu bot sich der Übergang von der Halle 15 zur Halle 16 an. Dort hatte sich die Carpet Performance, gestaltet vom Stylisten Fred Abele, etabliert. Dass diese großflächige Sonderschau ein Schnellschuss war, der auf Drängen der Orientteppich-Importeure im Messebeirat, gestartet worden war, da dieser zahlenmäßig stärkste Aussteller-Bereich sich zu stark hinter dem immensen Aufwand für die industrielle Contract World zurück gesetzt fühlte und deshalb ebenfalls einen besonderen Anziehungs- und Treffpunkt für die Fachbesucher haben wollte, war der Inszenierung nicht anzusehen.

Mit langen schwebenden Stoffbahnen, farbigem Lichtspiel, wellenförmig fließenden Begrenzungen und einer gelungenen Kombination von klassischem Orient und modernem Lifestyle hatte Abele eine Atmosphäre geschaffen, die musikalisch untermalt, sowohl für Ruhe und Entspannung sorgte als auch Inspiration, Information und Anregung bot. In dem etwas steril wirkenden vorgelagerten Bistro konnten die Fachbesucher Erfrischungen zu sich nehmen, diskutieren und sich unterhalten, während in der eigentlichen Carpet Performance der hier kaum als Gegensatz in Erscheinung tretende Stimmungskontrast zwischen Orient und Moderne die dominante Rolle spielte.

Unter dem Motto "Lifestyle und Orient" hatte Fred Abele in seinem Gesamtgestaltungskonzept den klassischen authentischen Orientteppich in den Mittelpunkt aller Inszenierungen gestellt. So zeigte die Sonderschau zeitgemäße Wohnmilieu-Assoziationen mit ausgewählten Orientteppichen und Trendinformationen zum Thema Wohnen. Daneben wurden Einzelthemen mit exemplarischen abstrakten Darstellungen der Kombinationsmöglichkeiten heraus gegriffen, wobei Abele, detailverliebt, immer wieder neue Gags in Szene setzte. Natürlich stießen die Besucher immer wieder auf einzelne Orientteppiche. Geschickt waren besonders schöne und bedeutsame Stücke heraus gestellt worden.

Auf eine sehr positive Resonanz stieß das Orientteppich Info-Center in der Carpet Performance. Buchverlage hatten hier sowohl fundierte Fachbücher über den Orientteppich als auch aufwändig gestaltete Bildbände zum Thema Lifestyle zur Verfügung gestellt. Daneben lagen die wichtigsten Fachzeitschriften aus und nicht zuletzt kleine Broschüren, die, von Detlev Werth, Orientteppich-Sachverständiger und Mitglied des Redaktionsteams der Fachzeitschrift heimtex - Orient-Teppich, erarbeitet und vom SN-Verlag Michael Steinert heraus gegeben, die einzelnen Teppichprovenienzen kompetent erläuterten. Für die kleinen Heftchen entwickelte sich eine wahre Sammelleidenschaft. Alle Interessenten waren bemüht, nach Möglichkeit einen kompletten Satz der kleinen Bibliothek zusammen zu bekommen.

Gut frequentiert war auch eine Photo-Gallery mit Bildern und Informationen über den Orient, die eine ästhetische Verbindung zwischen Teppichen, Ländern, Menschen und Historie knüpfte.

Domotex
Ausgesuchte klassische Orientteppiche neben modernen Einrichtungselementen ließen in der Carpet Performance keinen Stilbruch erkennen.
Domotex
Fred Abele
Domotex
Teppiche einmal nicht in gigantischen Stapeln, sondern als hochwertiges Ausstellungsstück im richtigen Ambiente
präsentiert.
Domotex
In geschickt beleuchteten Vitrinen stellte Fred Abele Möbel-Klassiker im harmonischen Zusammenspiel mit Teppich-Modellen vor.

Die Fotos, von Hans-Jürgen Hömske, stellvertretender Chefredakteur von Heimtex - Orient-Teppich, auf mehreren Reisen in verschiedene Knüpfländer geschossen und sowohl an den Außenseiten der Carpet Performance als auch im Inneren platziert, konnten nicht nur die Atmosphäre des Orients vermitteln, sondern gaben mit ihren Beschriftungen auch sachliche Auskunft über Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Ursprungsländern. Noch während der Domotex meldeten sich erste Interessenten aus dem Einzelhandel, die die Bilder-Galerie in einer Sonderausstellung eventuell auch in ihren Geschäften als Dekorations- und Jnformationsmittel nutzen wollen.

Beherrscht aber wurde die Atmosphäre in der Carpet Performance von den von Fred Abele gestalteten Wohn-Milieus. Die Wohnungseinrichtung ist heute nach seinen Worten mehr denn je äußerst individuell auf die Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner als Ausdruck einer ganz persönlichen Lebenshaltung ausgelegt. Stilistisch betrachtet ist alles fließend, Grenzen überschreitend, in ständiger Bewegung und Veränderung. Die Tradition, der handwerkliche Background und die Gestaltungsvielfalt der von Experten ausgewählten Teppich-Exponate zeigten schier unbegrenzte Möglichkeiten zeitgemäßen Wohnens mit Orientteppichen auf. Abele gelang es trotzdem, vier Richtung weisende bewährte Grundstrukturen heraus zu greifen und mit klassischen Orientteppichen aus den wichtigsten Ursprungsländern und Knüpfregionen in Szene zu setzen.

Abele formulierte zum einen die zeitlose Klassik als Sehnsucht und Rückbesinnung auf vergangene Zeiträume, nach dem Wertvollen, dem Luxus und dem Komfort. Wärme, Selbstsicherheit und Gediegenheit sind hier die wesentlichen Attribute. Zum anderen wurde die bewährte Avantgarde im Wechselspiel von alten und progressiven Werkstoffen, von altem Handwerk und hypermodernen Herstellungstechniken heraus gestellt. Intellektuelle Aufgeschlossenheit ist für diese Begegnung statischer und dynamischer Elemente erforderlich.

Schließlich setzte in der Carpet Performance die gelebte Natürlichkeit, die Rückkehr zum Wesentlichen Akzente. Die Liebe zur schlichten Einfachheit, das New Age als Philosophie des Lebensstils, die Vermittlerrolle zwischen Ökologie-Bewusstsein und Akzeptanz vernünftiger moderner Technologie wird hier deutlich. Als vierter Grundstruktur legte sich Fred Abele auf die individuelle Moderne, die Fröhlichkeit und Unkompliziertheit fest. Gegensätze und Kontraste, die sich anziehen, abstoßen, vermischen, aber immer wieder neue und überraschende Aspekte eröffnen, bestimmen hier mit starker Ausdruckskraft das Bild.

aus Heimtex Orient 01/03 (Wirtschaft)