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Floorforum mit weiterem Entwicklungspotenzial

Die hohen Erwartungen konnten noch nicht perfekt erfüllt werden

Die Grundidee stieß allgemein auf eine positive Resonanz: Das neu auf der Domotex 2003 in Hannover in der Messehalle 3 etablierte Floorforum sollte und wollte in einem anspruchsvollen Ambiente ebenso anspruchsvolle Produkte präsentieren. Dabei sollten die architektonische Gestaltung und Ausstattung der Halle sowie die textilen Bodenbeläge und abgepassten Teppiche gleichermaßen das hohe Niveau in modischer Aussage und Produktqualität dokumentieren.

Es war ein hoch gestecktes Ziel, das Rolf Schaal von Vorwerk und Peter Schwartze von TWN für den Bereich Teppichboden sowie Christian Otto von Haro/Co-Designers für den Bereich der abgepassten Teppiche als Initiatoren dieser Ausstellergruppierung vor Augen hatten.

Dass hohe Ziele sich nicht immer im ersten Anlauf erreichen lassen, war sicher auch ihnen klar. Uneingeschränktes Lob bei Ausstellern und Besuchern fand die Ausstattung des Areals des Floorforums mit Teppichboden. Diesen Luxus wünschten sich die strapazierten Füße der Standbesatzungen und der Gäste aus aller Welt in allen Hallen dieser aus dem textilen Segment der Bodenbeläge heraus gewachsenen Fachmesse.

Etwas skeptischer wurde da schon die textile Architektur des Innenarchitekten und Industriedesigners Daniel Figuera beurteilt. Seine textilen Tore, die für Einblicke, Durchblicke und Durchgänge aus immer neuen Perspektiven sorgten, stießen auf schlichtes Unverständnis ebenso wie auf helle Begeisterung. Sie waren auf jeden Fall Diskussionsstoff, der Besucher in die Halle 3 lockte, auch wenn diese nicht gerade zu den zumindest von den Ausstellern der abgepassten Teppiche erwarteten orderfreudigen Einkäufern zählten.

Generell erlebte die Halle 3 eine lebhafte Besucherfrequenz, die aber auf unterschiedlichen Motiven basierte. Zum einen kamen Messegäste, wie erwähnt, aus reiner Neugierde, um sich von der Hallengestaltung je nach Geschmackseinstellung entweder faszinieren oder enttäuschen zu lassen. Zum anderen kamen Interessen sehr gezielt zu den unterschiedlichen Referaten und Diskussionsrunden in dem in der Mitte des Floorforums platzierten Creativ-Treff. Dieses Rahmenprogramm als Fortsetzung des BusinessTraining der vergangenen Jahre in jetzt veränderter Form kam gut an und war auch bei den meisten der dort behandelten Themen gut besucht.

Auf gemäßigte Kritik stießen die dort immer wieder kehrenden Auftritte einer Jazzband. Die Musik, anfangs noch positiv aufgenommen, wurde im weiteren Verlauf der Messetage doch von etlichen Ausstellern als zu laut und störend bei den Verkaufsgesprächen und schließlich durch die ständige Wiederholung auch als Nerv tötend empfunden. Schließlich sorgten noch die reinen Facheinkäufer speziell im Bereich der abgepassten Teppiche für die notwendige Kundenfrequenz. Etlichen von ihnen war das neue anspruchsvolle Ambiente des Floorforums ziemlich gleichgültig. Sie klagten über den Zeitverlust bei der Suche nach ihren neu platzierten Lieferanten.

Domotex
Auf reges Interesse stießen die Vortragsveranstaltungen und Diskussionsrunden im Creativ-Treff des Floorforums.
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Viel beachteter Blickfang, aber nicht unumstritten waren die textilen Objekte des Innenarchitekten und Industriedesigners Daniel Figuera.

Klar gezeigt hat sich mit dem Floorforum, dass neue Ideen Besuchermagneten sein können, auch wenn diese Ideen nicht immer auf Zustimmung stoßen. So wurde das Areal vielfach als zu weitläufig angesehen, wobei die Großflächigkeit noch durch den Tunnelblick der Objekte von Figuera verstärkt wurde. Trotz der Besucherfrequenz wirkte die Halle zeitweise leer. Es müssten entschieden mehr Anbieter zur Teilnahme gewonnen werden, ein Anliegen, das etliche potenzielle Aussteller wegen der Mehrkosten ablehnen.

Vor allem aus den Bereich der Teppichböden hätte ein breiteres Spektrum vertreten sein müssen, ohne dass der modische und qualitative Anspruch leidet. Bei der jetzigen Ausstellerzusammensetzung wirkten die textilen Bodenbeläge fast wie eine Zugabe zu den abgepassten Teppichen und wurden ihrer Bedeutung bei der Innenraumgestaltung nicht gerecht. Durch die zu großen Leerflächen ging viel von der Atmosphäre eines lebendigen Marktplatzes verloren. Dabei war es dann umso erstaunlicher, dass einige Aussteller sich trotz der Freiräume und den damit vorhandenen Platzierungsmöglichkeiten nicht an einem optimalen Standort innerhalb des Floorforums untergebracht fühlten.

Kritik gab es teilweise auch am Angebotsspektrum der Aussteller, das sich ja modisch und qualitativ deutlich vom Massenangebot abheben wollte. Die Auswahl der Anbieter lag nach Angaben der Messeleitung allein in den Händen der Ausstellergruppierung selbst. Die aber hatte sich nie darauf festgelegt, dass von jedem Aussteller sowohl modisch als auch qualitativ Spitzenprodukte präsentiert werden, sondern nur generell das hohe Niveau hervor gehoben.

Es konnten also auch durchaus Produkte vertreten sein, die qualitativ im Spitzenbereich angesiedelt sind, ohne dass sie der modischen Avantgarde angehören, während umgekehrt modische Highlights nicht unbedingt in einer teueren Topqualität präsentiert werden mussten

aus Heimtex Orient 01/03 (Wirtschaft)