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Experten-Diskurs im Parador Trend-Center

"Die Echtheit der Imitation"

Zum zweiten Mal in diesem Jahr trafen sich 130 Gäste aus Wirtschaft, Design und Architektur zur Expertenrunde im Trend-Center von Parador. Nachdem die erste Podiumsdiskussion unter dem Thema "Die Echtheit der Echtheit" einer dauerhaften Markenstrategie nachgespürt hatte (ParkettMagazin 2/04), ging es diesmal um die Frage: Plagiat, Billig-Kopie oder Re-Design?

Die Echtheit der Imitation" beschäftigt sich mit dem weit verbreiteten Wunsch, für kleine Preise an den noblen Markenprodukten dieser Welt teilhaben zu wollen. Parador-Geschäftsführer Volkmar Halbe skizzierte den unternehmerischen Aspekt in dieser Wünscheökonomie: "Wir wollen aus dem Schlüsselloch, durch das wir in die Welt schauen, ein großes Fenster machen. Sehen, erkennen und lernen, nur so können wir uns den Veränderungen dieser Welt immer wieder auf"s Neue stellen."

Dr. David Bosshart, Geschäftsführer des Gottlieb-Duttweiler-Instituts in Zürich und Autor des Bestsellers "Billig", verwies in einem philosophischen wie wirtschaftstheoretischen Themeneinstieg auf unser Abbild von der Welt, das - gefiltert durch vielerlei Informationsmedien - bereits in weiten Teilen eine Imitation ist. Das muss nicht immer schädlich sein. Im Gegenteil: Bei Wissensprodukten, wie etwa Software, führt die Nachahmung zu rascher Verbesserung und Fortschritt.

Parador GmbH & Co. KG
(v.r.n.l.) Parador-Marketingleiterin Ulrike Feierabend-Hoffmeier
im Gespräch mit Dr. David Bosshart, Prof. Ingeborg Flagge und Prof.
Rido Busse.

"Je unsichtbarer der Wert des Echten, desto beliebiger und öfter seine Imitation", sagt Boss-hart weiter. Im Umkehrschluss heißt das: Je bekannter die Marke, desto geschützter ist sie gegen Plagiate. Prof. Rido Busse, Busse Design Ulm und Vorsitzender des Museums Plagiarius Berlin, erklärt den Erfolg von Imitationen aus der tief im Menschen liegenden Sehnsucht, etwas zu besitzen, was attraktiv erscheint. Auch Re-Design - das Hervorholen alter Stile und Formen - sei letztlich nichts anderes als Imitation. Der beste Schutz vor Vervielfältigung liege in der Genialität eines Produkts, wenngleich moderne Produktionsmethoden heute in immer kürzeren Zeitzyklen die "Rezepte" aufspüren würden.

Prof. Ingeborg Flagge, Leiterin des Architekturmuseums Frankfurt, entzog dem Begriff "Imitation" seine negative Bedeutung. Die Nachahmung sei ein elementares Grundprinzip. Seit Urzeiten fügen Menschen im Prozess der Wiederholung etwas Neues hinzu und entwickeln sich dadurch weiter. Wer hier die originäre Echtheit sucht, finde sie immer nur auf dem Höhepunkt einer Entdeckung.

aus ParkettMagazin 04/04 (Wirtschaft)