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Holzhandelstag unter guten Vorzeichen

Den Strukturwandel bewältigen

"Stark - deutlich - führend" - mit diesem Slogan und einem neuen Logo entsprach der 29. Deutsche Holzhandelstag in Würzburg der allgemeinen Aufbruchstimmung. "Die wirtschaftliche Situation im Holzhandel hat sich deutlich aufgehellt. Das 1. Quartal des laufenden Jahres brachte zweistelligen Umsatzzuwachs und einen wertmäßigen Zuwachs um 5 %", sagte der GD Holz-Vorsitzende Hugo Habisreutinger. Gleichzeitig betonte er den "erheblichen Veränderungsdruck", unter dem Groß- und Einzelhandel stünden. Der Verband geht davon aus, dass der gegenwärtige Marktbereinigungsprozess zu mehr Umsatz und Wachstum und einer Stärkung des Verbandes führen wird.

Der Gesamtverband Deutscher Holzhandel unterzog sich seit 2001 einem strukturellen Umbau. Das Haushaltsvolumen wurde innerhalb von vier Jahren von 2,3 Mio. EUR auf 1,7 Mio. EUR reduziert. Den Mitgliedern bietet sich der GD Holz als "Think Tank" an, unter anderem mit dem Angebot eines "Trend-Symposiums" am 28. September in Wiesbaden. Ferner wird ein umfangreiches Dienstleistungsprogramm zur Verfügung gestellt.

Holzhandel hart gefordert

Der Vorstand des GD Holz ist über die aktuelle Entwicklung erleichtert, bleibt aber verhalten. Großhändlern wie Herstellern hält Habisreutinger das Problem des "grauen Marktes" vor Augen. Es sei alarmierend, dass Baumärkte zunehmend gewerbliche Kunden zu sich herüberziehen. Beim Einzelhandel werde der Wettbewerbsdruck der Großflächenanbieter durch die Kaufzurückhaltung der Konsumenten verstärkt. Es würden aber auch Grenzen sichtbar: "Der Baumarkt-Sektor sucht mehr als er findet", unterstreicht Habisreutinger die Chance des Holzfachhandels, durch Qualität zu überzeugen. Als wichtigste Ansatzpunkte für neue Konzepte nennt er: Kostensenkung, Ertragsstabilisierung, Stärkung des Unternehmensprofils, Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft.

Für kontraproduktiv hält der GD Holz die Konkurrenz der Zertifizierungssysteme FSC (von OBI favorisiert) und PEFC. "Beide sollten sich gegenseitig anerkennen", fordert Habisreutinger. Eine Schwäche sei, dass FSC-gemässes Holz nicht in den Mengen verfügbar sei, die sie der Markt benötige. Der gegenwärtige Anteil zertifizierter Holzprodukte am Gesamtumsatz im Holzhandel wird bei 1 bis 3 % vermutet. Geschäftsführer Dr. Rudolf Luers: "Die Holzwirtschaft will nicht vom FSC, der sich als Problemlöser darstellt, getrieben werden. Wir möchten die Diskussion mitbestimmen."

Zu den Erfolgsrezepten im Einzelhandel gehören u.a. Eventmarketing, Zielgruppenansprache ("die Frau als Kundin"), Sortimentsvertiefung und, in einem Fall, ein Outlet-Center. Jens Blume empfahl den Unternehmen, sich aus Rabattschlachten herauszuhalten und mit Unterstützung des Holzabsatzfonds ihr Regionalmarketing zu stärken. Zu überlegen seien auch Kooperationen mit dem Möbelhandel.

Großhandel kritisiert Wettbewerbssituation


Beim Fachbereich Großhandel berichtete Dr. Dieter Japs, Mitglied des Weinig-Vorstandes, über Trends und Entwicklungen im Massivholzbereich aus Sicht eines Maschinenherstellers. Der Import- und Preisdruck aus Fernost und Osteuropa, der der heimischen Produktion - u.a. den Industriehobelwerken - zusetzt, führte zu der Frage, ob deutsche Anlagen- und Maschinenbauer durch den Export ihrer Hochtechnologie die Holzwirtschaft in Deutschland und Westeuropa in Nischenpositionen zwinge. Der Wettbewerb, meinte Kay Hillman, werde zu einem "Wettbewerb der Logistikkonzeptionen". Dr. Japs gab zu, die Produktqualität aus Fernost und Osteuropa sei den Westeuropäern zunehmend gleichzustellen. Billiglöhne, heftig geförderte Investitionen in Anlagenbau und hoch subventionierte Transporte gingen durchaus "zu Lasten Westeuropas". Auch Hersteller wie Weinig leiden unter dieser verzerrten Konkurrenzsituation. Dr. Japs: "Nur der weltweite Export sichert unsere Existenzbasis."

Grundlegende Neuorientierung

Der Holzhandel, so der GD Holz-Vorsitzende Hugo Habisreutinger, ist nicht Opfer einer temporären Krise. Vielmehr befinde er sich in einem grundlegenden Wandlungsprozess. Habisreutinger verweist auf neue soziale und wirtschaftliche Herausforderungen, auf Bedrohungen von außen und auf schmerzhafte Reformprozesse. Schon die neue Handwerksordnung werde zu einer Veränderung der Kundenstrukturen im Großhandel führen: "Die erweiterten Möglichkeiten der Selbständigkeit auch ohne Meisterbrief werden genutzt werden."

Der GD Holz und seine Mitgliedsbetriebe müssen diese neue Klientel umwerben, betont Habisreutinger, weil die Bau- und Heimwerkermärkte entschlossene Wettbewerber seien. In den Ich-AGs und neuen Selbständigen erblicken DIY-Unternehmen die Chance, in den qualitativ hochwertigeren Bereich und das Geschäft mit Markenprodukten vorzudringen. Dagegen helfen, laut Habisreutinger, nur Produktqualität und verstärkte Service-Angebote wie Finanzierung, Logistik, handwerkliche Hilfestellung.

Um die Situation im Importhandel zu entspannen, erneuerte Habisreutinger den Vorschlag des GD Holz, dem Prinzip der Legalität Vorrang einzuräumen vor dem Prinzip der Zertifizierung. Gedacht ist an ein System von Indikatoren für legalen und illegalen Holzeinschlag. Der Verband, heißt es, befinde sich hier in Übereinstimmung mit der Europäischen Kommission. Das Zertifizierungsprinzip sei für die wirtschaftliche Nutzung unergiebig: Von 120 Mio. Hektar Waldfläche in Übersee seien nur 8 % zertifiziert.

aus ParkettMagazin 03/04 (Wirtschaft)