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ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe

Bundesinnungsmeister Joachim Barth: "Handwerker müssen politisch denken"


Bundesinnungsmeister Joachim Barth nutzt jede Gelegenheit, um die Parkettleger, Bodenleger und alle Handwerker zu motivieren. Auf Innungsversammlungen und bei Fachtagungen hält er seine Brandrede: "Lange Jahre hat das Handwerk sich nur um fachliche Belange gekümmert und seine Arbeit erledigt. Politische Themen wurden anderen überlassen und die haben zu wenig getan."

Das kann nach Ansicht des Bundesinnungsmeisters nicht so weiter gehen. Die schwierige wirtschaftliche Lage und das Missmanagement hoher Handwerksfunktionäre beim Online-Portal handwerk.de haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Oder doch nicht? Sieht die Masse der 500.000 deutschen Handwerksbetriebe tatenlos zu, statt ihre vereinte Stimme in die Waagschale zu legen? Sitzt die alte Zunft-Tradition so tief oder ist die Konkurrenz vieler Gewerke zu groß, um alte Seilschaften gemeinsam aus dem Amt zu jagen?

Fast scheint es so. Denn die Vollversammlung des ZDH, bestehend aus dem DHKT (Handwerkskammern) und der BFH (Zentralfachverbände), hat ZDH-Präsident Dieter Philipp und Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer das Vertrauen ausgesprochen. Allerdings vereinigte Schleyer in der Summe mehr Gegenstimmen und Enthaltungen auf sich, als Zustimmung.

In einem Brief forderte Joachim Barth die ZDH-Funktionäre zum Rücktritt auf. Das wurde ihm von vielen als "Nachkarten" verübelt. Doch etliche Handwerkskammerpräsidenten und Fachverbände haben zwischenzeitlich positiv reagiert und eigene Initiativen ergriffen. Joachim Barth schwankt zwischen Enttäuschung und Zuversicht: "Die ZDH-Vollversammlung hat eine historische Chance vertan, sich von einem Vorstand zu trennen, dem zwei selbstherrliche Manager vorstehen. Die ZDH-Mitglieder sind offensichtlich unfähig, notwendige Konsequenzen zu ziehen. Aber allmählich zeichnet sich enormer Druck aus den handwerklichen Reihen aus und lässt ernsthaft hoffen."


Die Schuld an der wirtschaftlichen Misere und dem "Desaster" mit der Handwerksnovellierung will der Bundesinnungsmeister keineswegs nur der rot-grünen Koalition in die Schuhe schieben: "Die Probleme sind schon viele Jahre zuvor entstanden. Und es darf dabei nicht verschwiegen werden, dass Handel und Industrie ihren Anteil daran hatten." Auch im Blick auf gemeinsame Regeln in der EU war und ist die deutsche Handwerkstradition vielen ein Dorn im Auge. Hinzu kommt die Lethargie der Handwerker selber. Im Glauben an den "goldenen Boden" ihres Berufes haben sie das politische Handeln den "Globalisten" überlassen. Nun müssen sie die Folgen tragen.

Joachim Barth ist sicher, dass eine Prognose des Obermeister-Kollegen Norbert Strehle Wirklichkeit wird: "Bei der nächsten Novellierung fällt die Handwerksordnung komplett." Dann allerdings hätten auch Kammern und Handwerksorganisationen ihre Daseinsberechtigung verloren. "Ob der ZDH in 10 Jahren noch existiert, wage ich zu bezweifeln", sagt Joachim Barth. Wird in einer erweiterten EU dann ungebremstes Einzelkämpfertum die handwerkliche Perspektive sein?

aus ParkettMagazin 03/04 (Wirtschaft)