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Furnierwerk und Parkettproduktion befruchten sich gegenseitig

Adler bietet Qualitätsparkett "made in Germany"

Der Mehrschichtparketthersteller Adler hat mit Bravour alle Bedenken widerlegt: Innerhalb kürzester Zeit ist es dem Unternehmen gelungen, die neu eingerichtete Produktion in Türkheim im Allgäu im Vollbetrieb zu nutzen und sich mit den dort hergestellten Landhausdielen am Markt zu behaupten. Damit stellt Adler nicht nur sich selbst, sondern auch dem Produktionsstandort Deutschland ein gutes Zeugnis aus.

Deutschland oder Slowakei? Diese Frage stellte sich für Mehrschichtparketthersteller Adler, als es um den Aufbau einer Produktion ging. In der Slowakei hätte das Joint-Venture-Projekt entsprechend ausgebaut werden können, aber Adler entschied sich dagegen und investierte stattdessen in einen neuen Standort in Türkheim im Allgäu.

Heute hat der Betrieb, der mit 16 Beschäftigten jährlich bis zu 250.000 qm Mehrschichtparkett produziert, das Werk in der Slowakei, das mit 60 Leuten zwischen 80.000 und 120.000 qm herstellt, im Ausstoß bereits weit übertroffen. Den Ausschlag für Türkheim gab der hohe Qualitätsanspruch, den Adler stellt.

"Der wäre in der Slowakei nur schwerlich zu realisieren gewesen", betont Annette Adler mit Blick auf die Landhausdielen, mit denen das Unternehmen sich schnell in die vordere Reihe der deutschen Qualitätsanbieter einreihen konnte. Annette Adler ist in dem Familienbetrieb für das Marketing zuständig. Sie übernahm diese Aufgabe nach dem Studium der Betriebswirtschaft an der European Business School in Oestrich-Winkel. Eigentlich - so war es ihre Vorstellung - sollte ihr danach "die Welt offen stehen". Zu Hause in Dirlewang im Allgäu, dem Hauptsitz des Unternehmens, hat dieser Wunsch einige Abstriche erfahren. Immerhin ist es aber ein gutes Gefühl für Annette Adler, mit drei Fremdsprachen auf die ausländischen Kunden des Furnierwerks und des Parkettwerks eingehen zu können und mitzuerleben, wie das Familienunternehmen kontinuierlich vorankommt.

Adler-Parkett stellt fast ausschließlich Landhausdielen mit Einblatt-Decklage her. Was nicht für eine "richtige" Landhausdiele taugt, wird zu Schiffsböden verarbeitet.

Das bedeutet: Schiffsbodenparkett produziert Adler ausschließlich als "Anfallsprodukt", das es folglich nur auf 10%, maximal 15 % der Gesamtproduktion bringt. Aber auch hier wird strikt auf Qualität geachtet, beispielsweise bei der Rundumverleimung aller Deckschichtlamellen mit Weißleim. Dies ist aufwendig und teuer, macht sich aber im Hinblick auf die besseren Eigenschaften, die ein solcher Schiffsboden beim späteren Ölen aufweist, bezahlt.

Adler-Parkett gehört zu den Herstellern, bei denen geölte Böden einen hohen Anteil an der Produktion haben. 70 bis 80 % des Parketts, betont Annette Adler, wird geölt geordert. Dabei arbeitet Adler in konventioneller Art mit dem Meisteröl von Trip Trap. Dieses aufwändigere Verfahren wird beibehalten, weil es dem Holz Zeit lässt, das Öl aufzunehmen. Die Öloberflächen sind vom Institut für Baubiologie zertifiziert. Auf hochwertige Qualität wird indes auch beim Versiegeln geachtet. Gearbeitet wird mit Klumpp-Lack, in sechs Stufen aufgetragen.

Nach jahrelanger Formaldehyd-Diskussion nur scheinbar selbstverständlich auch ein weiteres Qualitätsargument: Adler-Parkett ist von einem unabhängigen Institut (Catas) im Herbst vorigen Jahres entsprechend den Anforderungen der EN 717-2/94 und der DIN auf Form-aledhyd-Emission untersucht worden. Alle Proben - Landhausdielen und Schiffsböden, geölt oder lackiert - brachten hervorragende Ergebnisse.

Pappelsperrholz als Zwischenlage

Obgleich mit dem eigenen Furnierwerk Luib hoch flexibel, konzentriert sich Adler-Parkett im wesentlichen auf die Deckschicht-Dicke von 4 mm. In 2,5 mm Dicke wird nur auf Wunsch geliefert - beispielsweise für Aktionsware. Furnierböden mit handelsüblicher 0,6 mm-Furnierauflage werden überhaupt nicht hergestellt. Als Mittellage dient bei Laubholz ein fünffach verleimter 8,5 mm dicker und bei Nadelholzauflage ein dreifach verleimter 6,5 mm dicker Träger aus Pappelsperrholz.

Auch den Gegenzug passt Adler den Bedingungen der Decklage an: Bei Laubholz-Decklage besteht er aus einem 2,4 mm dicken Fichte-Schälfurnier, bei Parkett mit Nadelholz-Auflage ist er 4,2 mm stark und stets identisch mit der Holzart der Nutzschicht (Fichte, Lärche oder Douglasie). Adler-Landhausdielen sind in 15 und 21 mm Dicke, in den Breiten 146 und 186 mm in vielen Holzarten lieferbar. Ebenso wie Eiche nehmen auch hier die dunkleren "roten" Hölzer wieder zu, beobachtet man in Türkheim.

Eine Besonderheit des Adler-Parketts ist seine Mittellage aus Pappelsperrholz. Fußend auf 15-jährige "uneingeschränkt gute Erfahrungen mit diesem Holz in der Sperrholzproduktion" verwendet Adler es für das Mehr-schichtparkett und hat damit "keinerlei Probleme", wie Annette Adler nachdrücklich betont. Bei Adler zieht man das eigene relativ flexible Pappelsperrholz dem üblichen Birkensperrholz sogar vor. Denn das nach Luib-Vorgaben in Italien hergestellte Sperrholz kann hinsichtlich Feuchtegehalt und Verleimung speziell auf die Erfordernisse des Mehr-schichtparketts abgestimmt werden: "Da gibt es keine unliebsamen Überraschungen". Besonders hervorgehoben wird dies im Zusammenhang mit dem seit kurzem hergestellten Bambus-Parkett.

Furniere, Decklamellen, Parkettproduktion

Furnierwerk Anton Luib KG Nachfolger
Adler-Parkett ist ein Familienunternehmen, in dem die Furnierproduktion und die Fertigparkettherstellung ebenso vereint sind wie die zwei miteiander arbeitenden Generationen: Hermann Adler und sein Sohn Stephan Adler sowie Willi Adler und seine Tochter Annette Adler (v.l.n.r.).
Furnierwerk Anton Luib KG Nachfolger
In Dirlewang befinden sich der Hauptsitz und das im letzten Jahr neu errichtete Auslieferungslager für Adler-Parkett und Luib-Furniere.
Furnierwerk Anton Luib KG Nachfolger
Blick in die Produktionshalle in Türkheim, wo die Komponenten aus dem Furnierwerk zum Mehrschichtparkett konfektioniert werden.

Qualität und Umfang der heutigen Produktion sind das Ergebnis langjähriger Erfahrungen, einer bedachten schrittweisen Entwicklung und zuletzt auch glücklicher Umstände. Das Adler Parkettwerk entwickelte sich aus dem Furnierwerk Anton Luib, das - 1927 gegründet und mit der Furnierherstellung unter anderem für Käseschachteln groß geworden - 1993 im Zuge eines Management-Buy Outs von dem damals 27-jährigen Stephan Adler übernommen wurde. Er war 1987 seinem Vater, der dort als rechte Hand von Luib sein ganzes Berufsleben verbrachte, in das Unternehmen gefolgt und hatte als gelernter Holzkaufmann den Holzhandel mit aufgebaut. Gemeinsam packten Stephan und Hermann Adler an, das Furnierwerk zu reanimieren. 1994 holte Hermann Adler seinen Bruder Willi Adler, der bis dahin für Osmo tätig war, ins Unternehmen, das inzwischen die Parkettindustrie mit Furnieren und Sperrholz belieferte. Bald darauf wagte man den logischen Schritt, eine eigene Parkettproduktion zu beginnen. Zunächst wurde das neue Adler-Parkett in Lohnarbeit bei Boxler hergestellt; später kam die Joint-Venture-Produktion in der Slowakei dazu.

Glückliche Umstände kamen Adler zu Hilfe, als ein in Türkheim ansässiger Industriebetrieb, dessen Holzbearbeitungsabteilung mit Furnieren von Luib beliefert worden war, seine Produktion aufgab und die frei gewordene Halle zum Verkauf anbot. Das war für Adler der Glücksfall, der es ihm ermöglichte, in Nachbarschaft zum Furnierwerk und eingebettet in die perfekte Infrastruktur einer Industrieanlage eine eigene Produktion aufzubauen. In der großen Werkhalle werden die Komponenten aus dem Furnierwerk - Decklage, Sperrholz-Mittellage und Gegenzugfurnier - zu Landhausdielen zusammengefügt, konfektioniert, versiegelt oder mit Öl oberflächenbehandelt. Dafür stehen moderne Anlagen zur Verfügung. Produktionsleiter Josef Baur achtet auf Einhaltung hoher Qualitätsstandards. Bis zu fünf Tagen Ruhezeit hat das Parkett nach dem Verkleben und Verpressen und vor der Oberflächenbehandlung. Das Profilieren der Elemente nach der Versiegelung entspricht neuesten Verfahrensweisen. Insgesamt hat Adler-Parkett gute Erfahrungen mit einem Mix aus gesichertem Wissen, langjähriger Erfahrung und dem sinnvollen Einsatz moderner Fertigungsmittel und -methoden gemacht, betont Annette Adler.

Der Vertrieb innerhalb Deutschlands erfolgt flächendeckend, teils an den Handel, teils an das Handwerk. Handelskunden sind namhafte Großhändler, Einzelhändler, Einkaufsverbände wie die ZEG.

Den Kontakt zu den Kunden halten drei Außendienstmitarbeiter, die Belieferung erfolgt nach exaktem Tourenplan mit vier Lkw zum größten Teil in eigener Spedition. Damit gehören die schlechten Erfahrungen mit externen Frachtunternehmen fast schon der Vergangenheit an: "Die Reklamationsquote, die sich vorher trotz sorgfältigster Verpackung nicht senken ließ und viel Aufwand erforderte, liegt jetzt bei Null. Damit macht sich die eigene Spedition bezahlt", heißt es.

Zunehmend werden auch Exportmärkte bearbeitet. Adler-Parkett wird außer nach Österreich, in die Schweiz, nach Italien und andere europäische Länder bereits nach Israel, Hongkong und Japan geliefert.

Furniere und Decklamellen europaweit

Das Parkettwerk gäbe es nicht ohne das Furnierwerk. Und ohne das Furnierwerk wäre es kaum möglich, so differenziert auf unterschiedliche Erfordernisse oder Idealforderungen hinsichtlich der Parkettproduktion einzugehen. Ebenso wie ein Besuch im Parkettwerk in Türkheim ist daher ein Rundgang durch das Furnierwerk mehr als nur ein "Muss" für jeden Besucher in Dirlewang.

Die Furnierproduktion ist seit der Übernahme 1993 durch die Familie Adler ständig weiter entwickelt worden. Das Furnierwerk Anton Luib, das heute von Stephan Adler geleitet wird, stellt Messer- und Schälfurniere her und zeigt sich in tadelloser Verfassung, modern ausgerüstet und leistungsstark. Es beschäftigt 140 Mitarbeiter einschließlich Verwaltung und Vertrieb. Das Unternehmen beliefert heute europaweit einen anspruchsvollen Abnehmerkreis mit Furnieren und Decklagen. Dazu gehören auch namhafte in- und ausländische Mehrschichtparketthersteller.

Vom Rundholzlagerplatz über die Becken, in denen bestimmte Hölzer gekocht werden, bis an die Messer oder Dünnschnittgatter, weiter auf die Furniertrockner und durch alle Stationen des Zurichtens ist es ein weiter Weg.

Auf der Strecke bleiben im Verlaufe dieses Prozesses etwa 75 % des Rohmaterials, die übrig bleibenden etwa 25 % sind die Furniere. Dabei haben moderne Anlagen wie Dünnschnittgatter den Materialverlust bereits reduziert. Für eine bessere Ausbeute sorgen auch Verfahren wie das Kochen. Sieben große Becken mit einem Fassungsvermögen von etwa 70 fm Holz pro Becken sowie fünf kleine Becken für Holz, das zu Messerfurnieren verarbeitet werden soll, werden aus werkseigenen Holzabfällen beheizt.

Imposant ist der Rundholzlagerplatz. Der Holzvorrat, der im Sommer ständig berieselt wird, erstreckt sich zeitweise über eine Länge von mehreren hundert Metern, schrumpft aber schnell je nach Produktionsbedarf. Mit der Anschaffung von Dünnschnittgattern ist seit 1996 in der Lage, auch Qualitäts-Sägefurniere für Mehr-schichtparkett herzustellen. Zu den mittlerweile drei Gattern wird in Kürze ein viertes dazu kommen. In zwei Gattern wird Laubholz gesägt, eines bearbeitet unter ständiger Wasserzufuhr, um Ablagerungen von Baumharz an den Sägeblättern zu verhindern, ausschließlich Nadelholz. Sämtliche Furniere werden im Werk auf Furnierbandtrocknern nachgetrocknet. 90 % der Sägefurniere werden inzwischen für die eigene Parkettproduktion verwendet. Die Schälfurniere, jährlich etwa 5.000 cbm in Dicken zwischen 0,4 und 3,4 mm, größtenteils aus Buche, gehen fast ausschließlich in den Export. Kunden sind die Möbelindustrie, Zulieferer der Automobilindustrie, Musikinstrumentenbauer, Parketthersteller und die Hersteller von technischem Sperrholz.

aus ParkettMagazin 02/01 (Wirtschaft)