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Klartext spricht der Bundesinnungsmeister der Parkettleger:

"Die Meister fürchten keine Konkurrenz"


ParkettMagazin: Das Vorhaben, die Parkettleger in der Handwerksrolle A zu halten, ist gescheitert. Was ist in letzter Minute noch unternommen worden?

Joachim Barth: Wir haben dem CDU-MdB Ernst Hinsgen einen Brief geschrieben und dargelegt, dass die Union an ihrem Vorhaben, insgesamt 51 Handwerke in der Anlage A belassen zu wollen, festhalten muss. Unsere Annahme war, dass die Union nicht ohne Grund diese 51 Handwerke ausgewählt habe. Jede Abweichung hätte für sie daher ein Opfer bedeuten und die Union in Argumentationsnot bringen müssen. Jetzt ist das Unionsvorhaben gescheitert und wir sind auf die Argumentation der Union gespannt.

ParkettMagazin: Warum hat das Argument der Gefahrgeneigtheit nicht gezogen?

Joachim Barth: Hier können wir nur Vermutungen anstellen. Von Seiten der Regierung versagt man uns immer noch die Auskunft, welche Fachleute in dem Verfahren zu dem unserer Ansicht nach falschen Ergebnis gekommen sind. Von der Opposition werden wir die Antwort hoffentlich bald bekommen.

ParkettMagazin: Der Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik hatte für den Fall des Ausschlusses aus der Handwerksrolle A mit weiteren Maßnahmen gedroht. Welche können das jetzt noch sein?

Joachim Barth: Gedroht haben wir nicht, sondern Maßnahmen angekündigt. Ein Beispiel: Von der GISBAU erwarten wir eine Bestätigung, dass die Entscheidung gegen das Parkettlegerhandwerk falsch ist. Mit dieser Bestätigung werden wir öffentlich Verbraucheraufklärung betreiben. Der Verbraucher soll wissen, dass der Gesetzgeber Leute allein mit dem Erwerb der Gewerbekarte in die Selbständigkeit entlässt. Der Verbraucher muss wissen, dass die politischen Entscheidungsträger mindestens fahrlässig seine Gesundheit und körperliche Unversehrtheit gefährden, weil keinerlei Nachweis der Kenntnis über die Gefahren in unserem Handwerk und den Umgang mit Gefahrstoffen, Unfallverhütungsvorschriften und Umweltschutzbestimmungen gefordert werden. Der Verbraucher muss für sich entscheiden, ob er sich solchem Risiko aussetzen oder nicht besser einen Fachbetrieb mit der Arbeit betrauen will.

Von der Berufsgenossenschaft werden wir eine Senkung der Beiträge für jene Fachbetriebe verlangen, die den umfassenden Bestimmungen Rechnung tragen. Oder aber die ohne jeglichen Nachweis zugelassenen Betriebe müssen zur Abdeckung des naturgemäß höheren Risikos einen deutlich höheren Tarif entrichten.

ParkettMagazin: Es war auch vom Klageweg die Rede. Wird der noch beschritten?

Joachim Barth: Einerseits wird die juristische Frage zu erörtern sein, inwieweit Fahrlässigkeit oder grobe Fahrlässigkeit den politischen Entscheidungsträgern anzulasten ist, andererseits geht es um die Frage, inwieweit eine Haftung der Entscheidungsträger im konkreten Schadensfall zu beurteilen sein wird.

ParkettMagazin: Eine Reihe von Innungsvertretern hatten schon vor über einem Jahr geäußert, es gäbe wenig Hoffnung, den Meisterzwang für Parkett aufrecht erhalten zu können. Was bedeutet die neue Situation nun für die Meisterbetriebe? Wird neue Konkurrenz erwachsen?

Joachim Barth: Das Problem zusätzlicher Konkurrenz werden die Parkettbetriebe nicht in dem Maße haben, wie alle anderen Gewerke, die sich in der neuen Anlage B1 der sogenannten "nicht zulassungspflichtigen" Gewerke wiederfinden werden.

Das Parkettlegerhandwerk hat die große Konkurrenzwelle bereits Anfang 1999 erlebt. Der Grund war die damalige Neufassung der Handwerksordnung. Die einseitige Verwandtschaftserklärung zum Tischlerhandwerk eröffnete rund 44.000 Tischlereibetrieben die uneingeschränkte Ausübung des Parkettlegerhandwerks. Und der Wegfall des Klammerzusatzes beim handwerksähnlichen Bodenlegergewerbe eröffnete die Fertigparkettverlegung für die Bodenlegerbetriebe, deren Zahl damals etwa 15.000 betragen haben dürfte.

Welche Konkurrenz sollen wir jetzt noch fürchten? Die Parkettpreise sind, mit wenige Ausnahmen, bundesweit so tief wie noch nie. Das kann allenfalls noch die Schwarzarbeit unterbieten. In diesem Zusammenhang bereitet natürlich die EU-Erweiterung Sorge.

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Der Zentralverband setzt darauf, dass Meister auch meisterliche Arbeit bieten: v.l. Joachim Barth, Edgar Leonhardt, Andreas Rümmler, Gerd Kleditzsch, Barth jun.

ParkettMagazin: Wie können die Meisterbetriebe ihren Qualitätsvorsprung dem Verbraucher vermitteln?

Joachim Barth: Durch weitere Qualitätssicherung, durch Zuverlässigkeit, durch Pünktlichkeit, durch Beständigkeit und durch Aufklärung.

ParkettMagazin: Könnte die Industrie interessiert sein, ihre Produkte nur an Fachbetriebe abzugeben, bei denen die Reklamationsquote gering bleibt?
Joachim Barth: Die Industrie muss daran interessiert sein, dass gute Produkte sach- und fachgerecht verarbeitet werden. Und das ist sie weitgehend auch.

ParkettMagazin: Wird der Meister als Titel und Qualitätsmerkmal in diesem Gewerk seine Stellung einbüßen?

Joachim Barth: Der Meistertitel wird sein Qualitätsmerkmal verlieren, wenn geglaubt wird, dass er nur um der Lehrgänge Willen verramscht werden muss, wenn geglaubt wird, die Ansprüche an Kenntnisse und Fertigkeiten müssten herunter geschraubt werden, weil Prüfungen zu streng und Durchfallquoten zu hoch seien.

ParkettMagazin: Muss sich der Zentralverband Neues einfallen lassen, um die Ich-AGs selbständiger Gesellen in sein Boot zu holen?

Joachim Barth: In der Diskussion um die Änderung der Handwerksordnung wurde totgeschwiegen, dass die Möglichkeiten zum Quereinstieg schon nach der alten Handwerksordnung mannigfaltig waren. Ein Drittel aller Betriebe ist über Sonderregelungen eingetragen, also ohne Meisterbriefinhaber.

Es gibt zum Beispiel etliche Betriebe, die als so genannte "Schleifbetriebe" mit einer Ausnahmegenehmigung für das Schleifen und Versiegeln von Holzfußböden in die Handwerksrolle eingetragen und auch Innungsmitglied wurden. Auch in anderen Teilbereich des Parkettlegerhandwerks wurde das lange praktiziert, bis hin zur vollhandwerklichen Ausübung. Der Unterschied zur neuen Regelung liegt allerdings darin, dass erforderliche Kenntnisse und Fähigkeiten nachzuweisen waren, wie zum Beispiel Betriebswirtschaft.

Der Zentralverband und seine Mitgliedsinnungen begrüßen jeden qualifizierten Fachmann, auch wenn er die Qualifizierung auf dem Papier noch nicht nachgewiesen hat. Alle werden daran ein Interesse haben, auch auf diesem Wege die Spreu vom Weizen zu trennen.

ParkettMagazin: Welche Maßnahmen und Hinweise wird der Zentralverband seinen Mitgliedern zukünftig bieten, um sich in der neuen Lage vorteilhaft zu positionieren?

Joachim Barth: Unterstützende Maßnahmen sind die nur für Innungsbetriebe gesicherten Schlagworte "Es kommt darauf an, wer"s macht" und "Wir sind die Fachleute". In der Zukunft wird es über unser Handwerk deutlich erweiterte Informationsmöglichkeiten, Fortbildungen und Beratungsangebote, Werbekampagnen und in der Tagespresse Informationen geben.

aus ParkettMagazin 01/04 (Wirtschaft)