Interview mit Ralf Eisermann

"Man muss alle drei Jahre kräftig investieren, sonst ist man nicht mehr konkurrenzfähig"


ParkettMagazin: Hornitex und Witex sind insolvent, in Frankreich wackeln zwei Laminatbodenhersteller... die Überkapazitäten auf dem Laminatmarkt fordern ihren Tribut, der Absatz wächst lang nicht mehr in dem Maße wie noch vor wenigen Jahren. Trotzdem haben Sie vor einem Jahr in ein zweites Werk investiert. Ist das eine kluge Entscheidung angesichts der Marktlage?

Ralf Eisermann: Wir wollen Trendsetter in der Entwicklung und in der Herstellung sein und unseren Vorsprung in Technik und Design halten. Aber: Standards verändern sich, es gibt neue Anforderungen und der Maschinenbau entwickelt ständig neue Anlagen. Man muss alle drei Jahre kräftig investieren, sonst ist man auf dem Markt nicht mehr konkurrenzfähig. Außerdem haben wir in Baruth den zurzeit weltweit modernsten integrierten Produktionsstandort mit benachbartem Sägewerk und MDF-Werk im Zugriff. Das ist schon ein starkes Argument. Und zur Marktsituation, die Sie angesprochen haben: In Deutschland kann der Renovierungsbereich zwar nicht die Verluste im Neubau kompensieren, der Absatz stagniert wohl - aber immerhin auf hohem Niveau. Und weltweit gibt es durchaus noch Wachstum.

ParkettMagazin: Wo denn? In Asien haben Sie als Importeur kaum Chancen gegen die billligen heimischen Anbieter und die USA entwickeln sich nicht so dynamisch, wie anfangs gedacht.

Eisermann: Der globale Laminatbodenabsatz betrug 2002 rund 490 Mio. qm. Das ist ja nicht ganz wenig. In Europa hat England den stärksten Aufschwung erlebt und ist nun die Nr. 2 im Laminatboden-Verbrauch. Mittelfristig wird sich dort der gleiche Sättigungsgrad wie in Deutschland einstellen.

Eine große Dynamik geht von Osteuropa aus. Dort sehen wir die besten Perspektiven. Gewonnen hat auch die Türkei. Sie ist die Nr. 1 unter den "europäischen Exoten".

In den USA war das erste Halbjahr 2003 leider ein Desaster, aber dennoch ist das Potenzial dort noch lange nicht ausgeschöpft. Asien ist zumindest bei uns weitgehend aus dem Focus geraten. Das mag bei anderen Herstellern, die dort Werke betreiben, anders sein.

ParkettMagazin: Trotzdem sind massive Überkapazitäten da, die auf die Preise und damit auf ihren Umsatz und ihren Ertrag drücken. Und die Insolvenzen großer Marktteilnehmer verschärfen das Problem.

Eisermann: Sicher besteht die Gefahr, dass dadurch Produkte zu äußerst niedrigen Preisen auf den Markt gebracht werden, weil die betreffenden Firmen hoffen, ihre kritische Situation durch einen hohen Absatz, sprich eine hohe Auslastung zu verbessern.

Grundsätzlich müssen wir feststellen, dass sich so etwas auf alle Marktstufen auswirkt und dem Image des Laminatbodens schadet. Das schlägt Wellen auf der einen Seite bis hin zur Situation am Einkaufsmarkt, da Vorlieferanten betroffen sein könnten, die sich am Markt neu positionieren müssen und auf der anderen Seite bis hin zu den Kunden, die verunsichert werden. Insgesamt kann das schon zu einer gereizten Stimmung in der ganzen Branche führen.

ParkettMagazin: Sie fertigen auch im Lohn für andere Laminatanbieter. Haben Sie keine Sorge, dass diese Einblick in Ihren "Vorsprung in Technik und Design" erhalten, den Sie für sich reklamieren und das für sich nutzen?

Eisermann: Wenn andere auf uns zukommen, zeigt das, dass sie auf unsere qualitativen Maßstäbe und Fähigkeiten vertrauen. Darüber hinaus lässt sich eine Partnerschaft vertraglich so regeln, dass uns der Transfer von Know How nicht schädigt. Früher war der Aufbau einer Laminatfabrik billiger als der einer Fertigparkettfabrik. Heute werden aber andere Kapazitätsvolumen bei Laminatboden gefahren. Deshalb braucht man größere Maschinenparks. Unseren Standort Baruth einzuholen, ist im Wesentlichen auch eine Kapitalfrage.

ParkettMagazin: Es gibt Klicksysteme und integrierte Trittschalldämmung, die Dekore sind zum Teil perfekter als das Original. Sind die Weiterentwicklungs-Möglichkeiten beim Laminatboden ausgereizt? Oder wo gibt eventuell noch Ansätze?

Eisermann: Mittelfristig, das heißt in den nächsten fünf Jahren, werden alle wesentlichen Weiterentwicklungen gerade im Design durchgeführt sein. Das Produkt wird im Bewusstsein der Verbraucher und im Handel so unproblematisch und gängig sein wie heute ein PVC-Belag. Neuerungen dürften weniger spektakulär ausfallen. Sie machen sich eher an kleinen Details fest.

Auch bei den Herstellern wird sich ein neues Bewusstsein einstellen - nicht mehr getragen von der totalen Offenheit der Pionierzeit am Anfang der 90er Jahre, sondern mehr von den Reflexen einer etablierten Industrie auf der Suche nach dem Markt von morgen.

ParkettMagazin: Welchen Herausforderungen muss sich die Laminatindustrie dabei stellen?

Eisermann: Die Konzentration in der Branche geht weiter. Einige Unternehmen stehen vor einem Generationswechsel. Es wird herbe Umstrukturierungen geben. Vor fünf Jahren haben wir nur über die interne Entwicklung der Branche nachgedacht, heute müssen wir beobachten, wie sich die Weltwirtschaft, das Bankenwesen und damit die Kreditvergabe verhalten. Davon sind wir alle abhängig. Laminatbeläge sind ein globales Produkt. Damit unterliegen wir auch einer globalen Dynamik, was Kenntnisse und Fachwissen über die einzelnen Märkte verlangt.

ParkettMagazin: In anderen Branchen haben sich vielfach Kapitalgesellschaften eingekauft, die sich in der Regel nicht für die jeweilige Branche interessieren, sondern nur an einem kurzfristigen Return of Investment interessiert sind. Kommt das auch auf die Laminatindustrie zu?

Eisermann: Nein, das glaube ich nicht. In den USA mag diese Tendenz bestehen, die europäische Holzwerkstoffindustrie ist aber mittelständisch strukturiert mit Familienbetrieben oder Personengesellschaften.
aus Parkett Magazin 06/03 (Wirtschaft)