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Offener Brief von Obermeister Heinz Brehm an die HWK für Oberfranken

Austritt aus der Handwerkskammer?


Viele im Handwerk sind unzufrieden mit der Arbeit der Handwerkskammern. Heinz Brehm, Obermeister der Innung Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik für Mittel- und Oberfranken sowie Vorstandsmitglied des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik, hält es nicht nur für denkbar, dass Betriebe ihre Pflichtbeiträge, die sich aus ihrer Zwangsmitgliedschaft in den HWK ergeben, künftig auf ein Sperrkonto zahlen, auch ein definitiver Austritt aus der HWK steht im Raum.

In einem offenen Brief an die Geschäftsleitung der Handwerkskammer für Oberfranken spricht Heinz Brehm als Obermeister für die Mehrheit aller Innungsmitglieder und warnt die Handwerkskammer davor, dass es nicht bei Zahlungsboykott bleiben könnte. Denn: Die Mehrzahl der Handwerksbetriebe habe aus steuerrechtlichen Gründen GmbHs, KGs u.ä. gegründet. Sie könnten somit leicht zu den Industrie- und Handelskammern überwechseln und bräuchten kein Mitglied in der Handwerkskammer bleiben. Den Ausbildungsbetrieben entstehe dadurch u.a. der Vorteil, dass sie die hochpreisigen überbetrieblichen Maßnahmen umgehen könnten. Aufgabe der Handwerkskammern wäre es - laut Brehm - gewesen, die volle Doppelzahlung von Kammerbeiträgen zu minimieren.

Brehm verweist auf die Folgen der Handwerksnovellierung, die von den HWK und dem ZDH nicht abgewehrt worden sei. "Bei 62 Berufen soll die Meisterprüfung entfallen. Es wird also keine Gesellenprüfung zur Erlangung des Meisterbriefes und kein Meisterbrief zur Eröffnung eines selbständigen Handwerksbetriebes mehr gebraucht.

Wird keine Gesellenprüfung mehr benötigt, wird in naher Zukunft keine Ausbildung abgeleistet, denn das Anlernen zur Ausübung der Tätigkeiten genügt dann bereits".

Handwerkspolitisches Engagement vermisst

"Von den Handwerkskammern, unseren gewählten Interessensvertretern, hört man nichts. Selbst bei der Hauptgeschäftsführerkonferenz in Berlin wurde kaum oder nicht gegen die geplante Handwerksnovellierung votiert. Die www.handwerk.de/ AG, in die sich alle Handwerkskammern - wieder mit unseren Beiträgen - eingekauft haben, kann kein Ersatz sein. Dies ist an der geringen Eintragungszahl und der Verschuldung festzustellen".

Vorbildfunktion der deutschen Ausbildung

"Im Jahre 1997 wurde von meiner Seite der Europäische Wettbewerb der Parkettleger kreiert. Bei dem in Holland stattgefundenem Wettbewerb haben sich 11 Länder beteiligt. Sehr deutlich ist zu erkennen, dass unsere "Duale Ausbildung" in den Nachbarländern in allen Punkten nachgemacht wird. Auch einen "Master" wird es bald geben. Bei uns wird dies unwidersprochen zerschlagen.

Innung Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik für Mittel- und Oberfranken
Heinz Brehm macht den Handwerkskammern Dampf.

Was machen Handwerkskammern bei Auslandskontakten?

"Für wen sind Sie dort tätig? Nach meinem Dafürhalten für Großbetriebe, welche dann die Möglichkeit haben werden, dort preiswertere Arbeitskräfte und günstige Voraussetzungen für Betriebsverlagerungen zu finden. Denken Sie auch an die ortsansässigen Betriebe, deren Meister und Mitarbeiter in Deutschland arbeiten wollen?"

Brehm weist "Zurechtweisung" der HWK zurück

"Wenn ich nur Obermeisteraufgaben wahrnehmen und über anderes hinwegsehen würde, wäre ich ein schlechter, in Ihrem Sinne allerdings guter Obermeister". Mittlerweile sei er sogar gezwungen, seinen Innungsmitgliedern Ratenzahlungen zur Leistung des Innungsbeitrages anzubieten, um keine Innungsmitglieder zu verlieren. "Es fehlt Arbeit und Geld bereits für die Ausbildung. Die Betriebe kämpfen um ihre Existenz, weil ostdeutsche Betriebe auch bei öffentlichen Aufträgen keinen Tarif bezahlen und deshalb im Schnitt 25 % billiger sind. Dies wäre auch eine Ihrer Aufgaben, Tariftreue bei den öffentlichen Auftraggebern durchzusetzen".

Beschwerden gegen die Handwerkskammern

Fragen der Innungsmitglieder nach einem Weg, "wie man aus der Handwerkskammer herauskommen kann", häufen sich laut Brehm. Erwogen werde die Möglichkeit einer Beitragszahlung auf ein Sperrkonto."Ich bin kein Gegner der Handwerkskammern, jedoch bin ich auch nicht bereit, meine bundesweiten Tätigkeiten als Bundeslehrlingswart zum Nutzen der Parkettlegerausbildung, Parkettlegermeisterprüfung u.w. einfach wegzuwerfen, weil andere wenig tun oder versagen".

aus ParkettMagazin 04/03 (Wirtschaft)