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34. Generalversammlung der ISP

Schweizer Parkettbranche zog Bilanz

Von den 135 Mitgliedsunternehmen der ISP, des Interessenverbandes "Parkett" in der Schweiz, in dem Hersteller, Händler und Verarbeiter zusammengeschlossen sind, waren 38 Firmen mit insgesamt 75 Teilnehmern bei der ordentlichen Mitgliederversammlung in Vaduz präsent . Die Veranstaltung im "Ausland" setzte ein Zeichen: Die ISP hat auch Mitglieder außerhalb der Schweiz und ist offen für grenzüberschreitende Arbeit. Im Fürstentum Liechtenstein gehört das Parkettatelier Gstöhl in Eschen zu den langjährigen ISP-Mitgliedern.

Dieter Betz, Obmann der ISP-Gruppe Produktion und Handel, zeichnete ein Bild des vergangenen Jahres aus der Sicht von Industrie und Groß- und Einzelhandel. Vor dem Hintergrund rückläufiger Wirtschaftsdaten und im Hinblick auf eine rezessive Baukonjunktur könne die Entwicklung des Parkettkonsums in der Schweiz auf den ersten Blick positiv wirken, räumte Betz ein. Die Zahlen lägen auf Vorjahresniveau. Jedoch habe sich 2002 der Wettbewerb auf allen Ebenen verschärft.

Die Ursache sieht Betz im wesentlichen in der Entwicklung des Schweizer Frankens zum Euro. Bei Einführung des Euro sei der Wechselkurs von 1 EUR = 1,61 CHF noch erträglich gewesen. Im Jahr 2002 habe der Kurs jedoch durchschnittlich bei 1,4650 CHF, also 9 % niedriger, gelegen. "Unsere Exporte hätten sich also allein währungsbedingt um 9 % verteuert - hätten wir es bei den alten Preisen belassen", erläuterte Betz. Es sei also erforderlich gewesen, die Preise den Marktpreisen auf den Exportmärkten anzupassen. Erschwert werde die Situation dadurch, das in der Schweiz jeder Importeur aus dem Euro-Raum einen Preisvorteil von 9 % genieße.

Produktion und Handel im scharfen Wind des Wettbewerbs

Als verschärfende Einflußfaktoren nannte Betz die Marktschwäche in Deutschland und Österreich sowie den Druck, der von neu geschaffenen Produktionskapazitäten vor allem in Österreich ausgehe. Der Parkettmarkt in der Schweiz leide darunter, dass sich neue Wettbewerber in der Regel über niedrige Preise Einlass verschafften. Daraus resultierten für Händler und Verleger zwar Einkaufsvorteile, die aber erfahrungsgemäß ebenso schnell zerronnen wie gewonnen seien: "Ist es wirklich klug, Einkaufsvorteile sofort dem Markt weiterzugeben?" gab Betz zu denken.

Konkurrenz hat der Handel auch durch die Aktivitäten verschiedener deutscher Baumarktgruppen erhalten. Betz äußerte die Erwartung, dass sie sich in der Schweiz zwar nicht so stark entwickeln werden wie in den Nachbarländern, aber aufmerksam beobachtet werden müssten.

Die Parkettproduktion in der Schweiz ist weiter rückläufig - insbesondere bedingt durch Auslands-Verlagerungen des größten Herstellers Bauwerk. Auch der Export zeigte sich 2002 rückläufig. Dagegen nahmen die Importe zu, wobei es unter den wichtigsten Importländern zu Verschiebungen kam: Deutschland, Schweden, Österreich verzeichneten deutliche Zuwächse, Frankreich und Italien fielen zurück.

Die 2001 im Markt eingeführten Klick-Systeme für schwimmende Parkettverlegung konnten in der Schweiz rasch Marktanteile gewinnen. Obwohl das Handwerk der Verbindung skeptisch gegenüberstand, scheint die Zeit nicht fern, "wo Nut- und Federverbindungen nur noch wenige Prozente des Marktvolumens ausmachen werden".

ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
Von allen ISP-Mitgliedern gewürdigt wurde die Arbeit von ISP-Präsident Bruno Durrer, der den Verband "mit Kompetenz, Visionen und Gewandheit" führe.

Die Häufung von Messen für Parkett wird auch in der Schweiz kritisch gesehen. Mit der Domotex in Hannover, der Bau in München, der Texbo in Salzburg, der Swissbau in Basel, der Saiedue in Bologna und der Interzum in Köln sei für Hersteller und Besucher eine Fülle erreicht, die überfordere. Seitens der ISP würde es begrüßt, wenn sich die großen internationalen Trendmessen auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus einigen könnten.

Die ISP erwartet, dass der Konzentrationsprozess in der Parkettindustrie fortschreitet. Zugleich würden mit hohen EU-Subventionen neue Werke - wie in Österreich und Finnland - gefördert. Überdies sei - wie es hieß - bisher kaum absehbar, welche kurz- und mittelfristigen Folgen die EU-Osterweiterung haben werde. Länder mit teilweise erheblichen Produktionskapazitäten wie Polen, Tschechien, Ungarn und Slowenien ließen erwarten, "dass weitere Subventionen fließen und zu Wettbewerbsverzerrungen führen werden".

Gruppe "Verlegung" unter Druck

Den Jahresbericht 2002 für die ISP-Gruppe "Verlegung" gab Obmann Guido Vogt. Nach sechs Neueintritten erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 125 Parkettlegerfachgeschäfte.

Die Arbeitsauslastung litt unter der angespannten Wirtschaftslage und der rückläufigen Neubau- und Renovierungstätigkeit. Aufträge gingen zurück, die Auftragsfristen werden immer kürzer gesetzt und die Preisschraube wird stärker angezogen. "Bei allem Termin- und Preisdruck erwarten die Konsumenten dennoch eine qualitativ hochstehende Ausführung", betonte Vogt. Der Kalkulationsordner mußte dementsprechend ergänzt und angepasst werden. Er gilt für die ISP-Mitglieder als ein wichtiges Orientierungs- und Hilfsmittel in der täglichen Arbeit. "Eine gesunde Preispolitik hat oberste Priorität", unterstrich Guido Vogt.

Die Gruppe "Verlegung" konnte im letzten Jahr 21 Parkettlehrlinge in die Lehrabschlussprüfung schicken. 20 Prüflinge konnten ihren Berufsfähigkeitsausweis in Empfang nehmen. Der alljährliche Modellwettbewerb erfreut sich wachsenden Zuspruchs. Wie Vogt aufzeigte, nahm die Beteiligung in den letzten drei Jahren wieder stetig zu. 2001 meldeten sich 79 % der Lehrlinge zum Wettbewerb an, 2002 waren es 87 % und in diesem Jahr 94 %.

Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, sei es für die Parkettbranche unerlässlich, über gut ausgebildete Mitarbeiter zu verfügen. Im laufenden Schuljahr 2002 / 2003 werden an der Berufsschule Wetzikon 59 Lehrlinge ausgebildet (1. Lehrjahr: 15 Lehrlinge, 2. Lehrjahr: 19 Lehrlinge, 3. Lehrjahr: 25 Lehrlinge). Weiterbildungsangebote unterbreitet die ISP in Form von Kursen und Seminaren.

Auch in der Schweiz ist ein neues Reglement für Bodenleger in Kraft getreten. Für Chefbodenleger und für die Meisterprüfung sind die Ausbildungspläne entsprechend angepasst, erneuert und ergänzt worden. Das gilt auch für die Fort- und Weiterbildungsmodule.

aus ParkettMagazin 03/03 (Wirtschaft)