Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt

Branchen-Planer

Belgien Special

Artikel-Archiv


Jubiläum Dr. H. Werner Utz

"Dem Verbraucher das Renovieren schmackhaft machen"

"Die Branche", meint Dr. Utz, "muss trotz Wettbewerb eine gemeinsame, bessere Branchenkompetenz aufbauen, um dem Endverbraucher gegenüber das Renovieren wieder schmackhaft zu machen. Momentan sehe ich eine mangelnde Kooperationsbereitschaft aller am "Produktionsprozess" Beteiligten. Die Branche war die letzten Jahrzehnte viel zu sehr mit sich selbst als mit den gemeinsamen Kunden - dem Endverbraucher - beschäftigt. Nur, wenn wir es schaffen, gemeinsam als Branche ein für den Endkunden interessantes Paket zu schnüren, bekommt der Innenausbau wieder den Stellenwert, den wir uns alle wünschen."

Als sich 1980 der heute 88jährige Vater Willi Utz aus der aktiven Unternehmenspolitik verabschiedete, unternahm sein Sohn tiefgreifende Veränderungen. Das Unternehmen wurde in eine GmbH & Co. KG mit Dr. H. Werner Utz als alleinigem geschäftsführenden Gesellschafter umgewandelt. Entscheidend für weiteren Erfolg war eine gelungene Personalpolitik. "Dafür hatte ich immer eine glückliche Hand", sagt Dr. Utz. So stieß bereits 1979 Dr. Roland Krieger zu Uzin, der heute als Vorstand Produkttechnik entscheidend zu der umfassenden Uzin-Produkpalette beigetragen hat. Auch im Vertrieb gab es Änderungen: Unter dem Aspekt verstärkter Kundenorientierung wurde einen deutschlandweiter Vertrieb mit eigenen Außendienstmitarbeitern aufgebaut.

Ende der 80er Jahre wurden viele der langjährigen Lizenzverbindungen im europäischen Ausland durch eigene Vertriebsgesellschaften ersetzt - die erste 1989 in Frankreich. Das Wachstum im Ausland verzögerte sich zu Zeiten der Wende in Deutschland. Priorität wurde auf die neuen Bundesländer gelegt. Dann, 1994, richtete sich das Augenmerk wieder auf die Erschließung europäischer Märkte. Weitere Vertriebsgesellschaften in England, Österreich und Polen folgten. Heute liege der Exportanteil bei ca. 46 %. Der Umsatz erhöhte sich durch das Wachstum in den europäischen Kern- und in außereuropäischen Schlüsselmärkten innerhalb von gut zehn Jahren um nahezu das Dreifache (1990: 37 Mio. EUR; 2001: 105 Mio. EUR).

Umweltaspekt erkannt

Seit 20 Jahren prägen Umweltgesichtspunkte die Produktentwicklung von Klebstoffen bei Uzin. Anfangs beurteilten Handwerker lösemittelarme Produkten kritisch, die 1996 auf dem Markt eingeführte Ökoline-Reihe spiegelte aber das veränderte Umweltbewusstsein der Bevölkerung wieder und trat auch bei Handwerk und Handel ihren Siegeszug an. Vier Jahre nach der Einführung betrug der Anteil der Ökoline-Produkte am Gesamtumsatz bereits 25 %. "Wir wollten agieren und nicht reagieren und waren damit lange Zeit Vorreiter in Sachen umweltgerechter Verlegewerkstoffe in unserer Branche", erklärt Dr. Utz.

Die zweite Wachstumsphase von Uzin Utz begann 1997 mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und dem damit verbundenen Börsengang. 1998 erfolgte die Übernahme der Schweizer Tyro AG, weitere Vertriebsgesellschaften in Tschechien und Italien wurden gegründet, Unternehmen wie die Wolff Fußbodentechnik aus Vaihingen und Pallmann aus München wurden akquiriert. Rechtzeitig zum 90-jährigen Jubiläum der Unternehmensgruppe konnte das neue Europa-Logistikzentrum in Ulm eingeweiht werden.

Uzin Utz AG
Vorstandsvorsitzender Dr. H. Werner Utz hat in 25 Jahren seiner aktiven Rolle die Uzin Utz AG vom reinen Familienunternehmen zu einer weltweit agierenden Unternehmensfamilie geführt.

Die reibungslose Akquisition von Pallmann und Wolff beruht, laut Uzin Utz, auf der Tatsache, dass die Unternehmen und ihre Produkte nicht einfach in die Marke Uzin integriert wurden, sondern als eigenständige Marken weiter geführt werden. In dieser Mischung aus Zentralisierung und Eigenverantwortlichkeit liege der Erfolg jeder einzelnen Marke. Dienstleistungsbereiche, wie Kundenservice, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Controlling, Buchhaltung und Logistik, sind in Ulm für alle Marken zentralisiert, in Fragen der Produktentwicklung und Positionierung bleiben die Geschäftsführer der Marken jedoch weitgehend eigenständig.

Branche muss Kompetenz zeigen

"Wir wollen den internationalen Ausbau aller Marken voran treiben. Der Export ist aufgrund der Stagnation auf dem deutschen Markt ein wichtiger Pfeiler unserer Unternehmensstrategie. Das Umsatzwachstum im Ausland ermöglicht uns, auch auf dem deutschen Markt mit Produktinnovationen eine starke Position und wichtige Rolle bei Handwerk und Handel einnehmen zu können. Ein weiteres Ziel ist unsere Positionierung als Komplettanbieter im Bodenbereich - horizontale Akquisitionen technisch ausgerichteter Unternehmen sind dabei nicht ausgeschlossen," nennt Dr. Utz Zukunftsperspektiven. "Und natürlich denke ich persönlich heute schon an morgen, wenn es darum geht, die inhabergeführte Aktiengesellschaft langsam in die vierte Generation zu überführen".

In den vergangenen 25 Jahren ist die Unternehmensphilosophie eine andere geworden. Während es Ende der 70er Jahre noch ausreichte, qualitativ hochwertige Produkte zum Kleben und Spachteln herzustellen, müssen heute intelligente Systemlösungen angeboten werden, die aus Sicht des Kunden den veränderten Ansprüchen an Produktnutzen gerecht werden. Hohe Produktqualität und der Systemgedanke stehen bei allen Produktlösungen an vorderster Stelle. Zusätzlich zu reiner Produkttechnik geht es um Dienstleistung, Nutzenvorteile für den Kunden und eine Betrachtungsweise, die den gesamten Bodenbereich mit einschließt.

aus ParkettMagazin 02/03 (Wirtschaft)