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Heinz Brehm, Obermeister der Innung Mittel- und Oberfranken:

"Handwerkskammern engagieren sich nicht"

Von Handwerkskammern organisierte Handwerker-Demonstrationen gegen die Regierung und ihre handwerks- und mittelstandsfeindliche Politik machten vor einiger Zeit in deutschen Städten auf sich aufmerksam. Weitere Aktivitäten blieben aus. Heinz Brehm ist überzeugt: "Die Handwerkskammern nehmen ihre Aufgabe als Interessenvertretung des Handwerks nicht ausreichend wahr. Eine einzige Demonstrationswelle sitzt unsere Regierung doch locker aus."

In einem Innungsrundschreiben hatte Heinz Brehm zur Teilnahme an einer Demonstration in München aufgerufen. Innerhalb von zwei Tagen erhielt er 37 Anmeldungen - auch von Gastmitgliedern. Schließlich bot die Innung 30 Teilnehmer auf. Zusammen mit Teilnehmern anderer Gewerke fuhr man in die Landeshauptstadt zur Handwerker-Demo. Die Gesamtzahl der Demonstranten wurde auf 13.000 geschätzt. Es hätten mehr sein können, deutet Obermeister Brehm an, der zusammen mit anderen Innungsmitgliedern enttäuscht feststellen musste: "Die Innung Mittel- und Oberfranken war die einzige bayerische Parkettlegerinnung, die sich beteiligte".

Befremden löste die Information aus, dass Präsident und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Nürnberg den Weg im eigenen Pkw zurücklegten und sich nicht den übrigen Teilnehmern anschlossen. Als einzigen offiziellen HWK-Vertreter auf der Demonstration sah Brehm den Präsidenten der HWK München, Traublinger.

Der Obermeister hält fest, dass die Organisation der bundesweiten Handwerker-Demonstrationen Sache der Kreishandwerkerschaften war. Den Handwerkskammern, die sich bedeckt hielten, stellt er folgende Fragen:

- Müssen wir alles schlucken? Dürfen nur Arbeitnehmer demonstrieren und streiken?

- Überließen die Handwerkskammern den Kreishandwerkerschaften das Feld, um sich selber vor Konsequenzen zu schützen?

Innung Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik für Mittel- und Oberfranken
Heinz Brehm: "Sind unsere Handwerkskammerbeiträge hinausgeworfenes Geld?"

- Sind Handwerkskammern, die sich von Arbeitnehmerseite unter Druck setzen lassen, überhaupt in der Lage, die Interessen des Handwerks wahrzunehmen?

- Sind unter dieser Voraussetzung unsere Handwerkskammerbeiträge nicht hinausgeworfenes Geld?

- Wenn die Handwerkskammern auf Regionalebene derart beeinflussbar sind - wie sieht es erst mit der höheren Ebene, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks ZDH, aus?

In der Innung Mittel- und Oberfranken wurde das Thema auf Vorstandsebene erörtert. Ein Beschluss, der noch der Bestätigung durch die Mitgliederversammlung bedarf, lässt - kündigte Brehm an - von der "kleinen Parkettlegerinnung Mittel- und Oberfranken Unerfreuliches erwarten".

Der Unmut gegen die Handwerkskammern nimmt Gestalt an. Brehm: "Schon vor zehn Jahren wurde angeregt, die Zahl der Handwerkskammern zu halbieren - in Zeiten von EDV kein Problem. Die Anregung fand aber bei den Kammerpräsidenten wenig Gegenliebe. Sie argumentierten mit Betriebsnähe, die unbedingt beibehalten werden müsse. Aber was ist daraus geworden? Zwischen dem Handwerk und den Handwerkskammern liegen Welten. Und das größte Ärgernis: Die Handwerksbetriebe müssen zahlen - ohne Gegenleistung."

aus ParkettMagazin 02/03 (Wirtschaft)