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ISP-Generalversammlung

Parkett profitiert von boomender Baubranche

Wovon wir in Deutschland nur träumen können, ist in der Schweiz bereits Realität: Eine boomende Baubranche. 2004 kam es zu einer zweistelligen Anstieg der Bautätigkeit, vor allem im Hochbau. Die guten Voraussetzungen konnte sich die Parkettbranche zu Nutze machen. Der Parkettabsatz wuchs um knapp 12 %. Allerdings profitierten ausländische Anbieter überproportional von den Steigerungsraten. Die Mitglieder der ISP selbst konnten einen Zuwachs von "nur" 4 % verzeichnen, hieß es auf der ISP-Generalversammlung im Rathaus Schwyz.

Beeindruckende Zuwächse im Wohnungsbau von knapp 14 % sind Nährboden für ein gutes Wachstum auf dem Parkettsektor, vor allem in einem Land wie der Schweiz. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 0,53 qm liegt die Schweiz hinter Österreich und Skandinavien in Europa immerhin an dritter Stelle des Parkettverbrauchs. Zum Vergleich: In Deutschland werden 0,38 qm Parkett/Kopf verlegt, der Durchschnitt aller FEP-Länder liegt bei 0,23 qm/Kopf.

Entsprechend deutlich erhöhte sich in der Schweiz die Nachfrage nach Parkett. Um 11,6 % auf rund 4,37 Mio. qm stieg die Menge neu verlegten Parketts. Mehrschichtparkett hatte dabei einen Anteil von 73,3 %, gefolgt von Klebe-/Lamparkett (24 %) und Massivparkett (2,7 %). Der aktuelle Rekordwert liegt deutlich über dem erwarteten europäischen Zuwachs von 5 %, erklärte der scheidende Obmann der Gruppe "Produktion und Handel" und Vorsitzende der Föderation der Europäischen Parkett-Industrie (FEP), Dieter Betz. "Das Problem vieler mitteleuropäischer Länder sei: Die Endverbraucher lieben zwar die Optik von Holz, geben sich aber leider mit der Kopie, dem Laminat, zufrieden."

In der Schweiz ist die Situation etwas anders. Hier gibt es traditionell keinen starken Heimwerkermarkt und vielleicht einen größeren Hang zum Naturprodukt Holz. Deswegen liegt der Verbrauch von Laminat, als größter Konkurrent des Parketts, nur in etwa auf gleichem Niveau wie beim Holzparkett, schätzt der ISP-Geschäftsführer Bernhard Lysser.

Renaissance des Mosaikparketts

Im Trend liegen auch in der Schweiz die dunklen Hölzer. Gleichzeitig steht Eiche mit einem Marktanteil von ungefähr 50 % weiter hoch im Kurs. Hinsichtlich der Optiken erfreuen sich auch bei den Eidgenossen die geölten Böden und großflächigen Einstabprodukte wachsender Beliebtheit. Eine kleine Besonderheit im Vergleich zu Deutschland ist allerdings das zunehmende Interesse an Mosaikböden. Im Renditebau (= Investitionsobjekte im Neubau) könne man schon von "einer Renaissance des Mosaikparketts" sprechen, allerdings auf niedrigstem Preisniveau.

Starker Wettbewerb

Trotz des zweistelligen Wachstums ist aber auch die Schweiz kein Paradies für die Parketthersteller und -verleger. Der Obmann der Gruppe "Verlegung", Guido Vogt, berichtete in Schwyz von einem starken Preiskampf im Markt. "Die diversen ausländischen Anbieter und Verlegefirmen beeinflussen sehr negativ die Preise", machte Guido Vogt deutlich. Der Kampf um Marktanteile mit den ausländischen Billiganbietern, mit Neueinsteigern und Insidern hat im letzten Jahr trotz guter Nachfrage zu weiteren Preisrückgängen geführt. Teilweise geht es auch nach Ansicht des ISP-Präsidenten Bruno Durrer mehr um den Verkauf von Rabatten als um den Parkettverkauf. Eine gefährliche Entwicklung, hieß es weiter, denn langfristig müssten alle Beteiligten sehr vorsichtig sein, dass der gute Ruf des Holzparketts nicht darunter leide. Bereits jetzt, berichtet die ISP, ist die Expertisentätigkeit um 9 % gegenüber dem vergangenen Jahr angestiegen.

Auch die Zahlen der ISP-Handels- und Herstellermitglieder sind nicht nur positiv zu bewerten. Sie setzen zwar 75 % des Schweizerischen Parkettverbrauchs um, konnten aber nur von einem Verbrauchswachstum von 4 % berichten. Der Kampf um Marktanteile hat im letzten Jahr zu weiteren Preisrückgängen geführt. In Kombination mit steigenden Kosten hat sich die Ertragslage der Betriebe alles andere als verbessert.

Entsprechend stiegen die Importe in die Schweiz merklich um 21,9 % auf 4,16 Mio. qm. Für die Zukunft will sich die ISP verstärkt um neue Mitglieder bemühen. Der Verband stehe der Aufnahme neuer Marktteilnehmer offen gegenüber, sofern sie eine Niederlassung in der Schweiz haben, über ein gewisses Marktvolumen verfügen und die Regeln des Verbandes akzeptieren.

ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
Rekordbeteiligung: Fast 120 Mitglieder füllten
den Kantonsratsaal von Schwyz.

Die Schweizer Parkettanbieter konnten ihre Absätze auf den ausländischen Märkten verbessern. Der Export stieg laut Außenhandelsstatistik um 10,4 % auf 1,38 Mio. qm. Dabei ist die Schweiz mittlerweile zu einem Land der Parketthändler geworden. Die Zahl der Produzenten hatte sich in den letzten Jahrzehnten merklich reduziert. So umfasst die Gruppe "Produktion und Handel" der ISP nur mehr elf Mitglieder. Neben dem Marktführer Bauwerk sind nur noch vier weitere Hersteller in diesem Kreis vertreten: Menétrey-Lausanne, Parqueterie Les Breuleux, Schmid Parkett und Wey.

ISP-Schwerpunkt Verlegung

Deutlich größer ist hingegen die ISP-Gruppe "Verlegung". Im vergangenen Jahr wurden sechs neue Mitglieder aufgenommen. Vier Unternehmen stiegen aus, so dass die Gruppe mittlerweile 128 Parkettlegerfachbetriebe umfasst. Zu ihrem Verantwortungsbereich gehört unter anderem die Ausbildung der Parkettlegerlehrlinge. Momentan werden an der Berufsschule Wetzikon, der einzigen Ausbildungsstätte für Parkettleger in der Deutschschweiz, 64 Lehrlinge ausgebildet (1. Lehrjahr: 24; 2. Lehrjahr: 22; 3. Lehrjahr: 18). Für 2005 sind bereits fünf neue Lehrverträge abgeschlossen worden, heißt es weiter. Im aktuellen Jahr werden die Lehrabschlussprüfungen erstmals nach neuem Reglement durchgeführt. In der neuen Form sind die Prüfungen in einen praktischen und einen theoretischen Teil aufgeteilt, berichtete der Obmann der Verleger.

Bei allen Schwierigkeiten sieht die Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie auch 2005 einem "guten Jahr" entgegen. Die Statistiken zeigen weiterhin eine Zunahme der im Bau befindlichen Wohnungen von 11,5 %. Gleichzeitig dürfte aber der starke Konkurrenzdruck anhalten, denn auch anderen Ländern bleibe nicht verborgen, dass der Bedarf in der Schweiz wächst.

ISP - in Kürze

Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie
Winterhaldenstr. 14 a
CH-3627 Heimberg

Tel.: +41-334380640
E-Mail: isp@bluewin.ch
www.parkett-verband.ch
www.holz-parkett.ch

Aufgaben: Beratung, Expertisen, Berufs- und Branchenförderung, Ausbildung
Mitglieder (Stand: 31.12.2004): 148 (+8,0 %)
- Gruppe "Produktion und Handel": 11 Mitglieder
- Gruppe "Verlegung": 128 Mitglieder
- Gastmitglieder: 9

aus ParkettMagazin 03/05 (Wirtschaft)