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25 Jahre Holzpflastergruppe und ZV-Mitgliederversammlung in Travemünde

Viele Teilnehmer - viel Gesprächsstoff

1977 fand in Travemünde im damals neu eröffneten Maritim-Hotel die Gründungsversammlung für die Fachgruppe Holzpflaster im Zentralverband statt - fast auf den Tag genau wurde nach 25 Jahren dort auch das Jubiläum gefeiert.

In der Endphase der Vorbereitungen trafen fast stündlich Anmeldungen ein, 120 waren es schließlich - mehr als doppelt so viele, wie normalerweise zu erwarten. Was der Veranstaltung diesen Zulauf verschaffte, war klar: Kurz zuvor war der mehr oder minder plötzliche Wechsel im Vorstand des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik erfolgt. Das Jubiläumstreffen bot sich für eine kurzfristig angesetzte Mitgliederversammlung an, bei der der neue Bundesvorstand sowie alle Obermeister und Fachgruppenleiter der 21 Innungen vertreten waren.

Draußen regnete es, drinnen herrschte beste Stimmung: Aufbruchstimmung, wie es der neue Vorstand mit Bundesinnungsmeister Joachim Barth und Bundesfachgruppenleiter Gerd Hausmann an der Spitze deuteten. Für die Fachgruppe Holzpflaster freute sich Fachgruppenleiter Rolf Wanke über den Rahmen, in dem das 25-Jahr-Jubiläum gefeiert werden konnte. Für die organisatorische Glanzleistung bekamen Joachim Peters und seine Frau Sigrid ein "Super!" zu hören, für das Sponsoring des Festabends richtete Wanke einen Dank an die Firma Höhns.

Joachim Barth machte als neu gewählter Bundesinnungsmeister mit seiner gedanklichen und praktischen "Stoßrichtung" und mit konkreten Planungen vertraut. Neuer Vorstand und Neubeginn - wehrte Barth eine Presseformulierung ab - markierten keinen abrupt herbeigeführten "radikalen Umbruch". Das sei "ein falscher Zungenschlag und ein falsches Signal". Vielmehr gebe es gute Gründe, stolz zu sein: Auf den neuen ZV-Vorstand aus gestandenen Fachleuten, auf das allseits gute Einvernehmen und die sofort begonnene konstruktive Arbeit. Innerhalb kürzester Zeit hätten drei Vorstandssitzungen stattgefunden.

"Es kommt eine Menge Arbeit auf uns zu", betonte Joachim Barth und verwies u.a. auf das in letzter Zeit auffällige Interesse von Raumausstattern und Malern am Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik. Die Anerkennung der Bodenleger als Ausbildungsberuf führe zwar leider nicht weiter als bis zum Facharbeiterbrief, sei aber dennoch ein Fortschritt und grundsätzlich zu begrüßen. Der Zentralverband habe dadurch deutlich an Magnetkraft gewonnen: "Man beginnt wahrzunehmen, welchen Fundus an Fachwissen und Informationen der ZV Parkett und Fußbodentechnik für diese Gewerke in Jahrzehnten angesammelt hat; das zahlt sich jetzt aus", betonte Barth. Er ermunterte alle Obermeister, Gäste aus möglichst vielen anderen benachbarten Gewerken zu den öffentlichen Mitgliederversammlungen und den Veranstaltungen der Fachgruppen einzuladen. Denn: "Allein 15.000 Bodenleger gibt es in Deutschland, nur 800 sind bei uns organisiert. Das lässt sich steigern. Wir brauchen Mitglieder."

Grundsätzlich rief der Bundesinnungsmeister dazu auf, sich Neuem zu öffnen: "Wir können - beispielsweise mit Blick auf das, was die Reform der HWO bringen wird - das Rad nicht zurückdrehen. Erfolgreich werden wir nur sein, wenn wir es schneller voran drehen als andere". Hinsichtlich der künftigen Ausbildung sprach Barth von "massiven Veränderungen", denen sich alle zu stellen hätten. Denkbar sei eine gemeinsame zweijährige Basisausbildung für Parkettleger, Bodenleger und Estrichleger. Erst vor dem dritten Ausbildungsjahr könnte dann die Fachrichtungsentscheidung (Parkettleger, Bodenleger oder Es-trichleger) fallen.


Barth ließ deutlich werden, dass er beabsichtige, auch im politischen Raum tätig zu werden. "Am meisten drückt uns die wirtschaftliche Lage", erklärte er sein Ziel, politische Parteien und den Zentralverband des Deutschen Handwerks ZDH in die Pflicht zu nehmen. Das Sterben der mittelständischen Betriebe habe bereits zu CDU-Zeiten begonnen und sei von ZDH-Präsident Philipp nicht energisch genug bekämpft worden. "Noch gibt es 860.000 Handwerksbetriebe in Deutschland. Dieses Gewicht hätte viel früher in die Waagschale geworfen werden müssen", kritisierte Barth und schlug kämpferische Töne an. "Öffentlich-rechtliche Funktionäre sichern sich ihre Pfründe, derweil die Pleitewelle weiter rollt". Bis heute unternehme der ZDH nichts, was wirklich förderlich sei.

Ausdrücklich erwähnte Barth dabei auch die Parkettindustrie. Nach fünf Konkursen deutscher Parketthersteller im letzten Jahr werde im kommenden Jahr "voraussichtlich kein einziger Quadratmeter Mosaikparkett mehr in Deutschland hergestellt." Inzwischen gerate auch Zweischichtparkett unter Druck. Der Bundesinnungsmeister bot der Industrie Kooperationsbereitschaft an.

Alarmierend sei die Situation ebenso in den eigenen Reihen. Im letzten Jahr seien 57 Innungsbetriebe "größtenteils durch Insolvenz" verloren gegangen. Sowohl im Industrieverband als auch in den Innungen und im Zentralverband wirke sich das durch schwindende Mitgliedsbeiträge und eingeschränkte Bewegungsspielräume aus. Der ZV werde vermutlich einen Nachtragshaushalt beschließen müssen.

Die inhaltliche und organisatorische Richtung, die der Vorstand einschlagen will besteht im Kern in aktuellen Fachthemen, hochkarätigen Referenten, Fortschritten in der Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, griffiger Hilfestellungen für alle Mitglieder und einer Veranstaltungsplanung, die auf Zeit- und Kostenersparnis ausgerichtet ist. Joachim Barth appellierte an die Anwesenden, daran mitzuwirken.

aus ParkettMagazin 03/02 (Wirtschaft)