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49. FEP-Generalversammlung mit Europäischem Parkett-Kongress

Auf dem Weg zum europäischen Parkett-Cluster

Die Föderation der europäischen Parkettindustrie hat die Weichen neu gestellt: Künftig werden auch parkettnahe Industrieunternehmen als Mitglieder aufgenommen. Mit Nachdruck wird daran gearbeitet, Parkett im "europäischen Haus" im Doppelsinn aufzupolieren - durch Interessenwahrung und Lobbyarbeit in Brüssel sowie durch eine geplante PR-Kampagne für das "wahre" Parkett, nämlich Parkett aus Holz.

Die Föderation der Europäischen Parkettindustrie (FEP) besteht fast 50 Jahre. Die Jubiläumsveranstaltung im kommenden Jahr wird voraussichtlich in Deutschland, wo 1956 auch das Gründungstreffen stattfand, ausgerichtet. Zur 49. Generalversammlung mit anschließendem Parkett-Kongress hatten diesmal die Graboplast Holding (Grabo Parkett) als Hauptgastgeber und weitere ungarische Parketthersteller als Sponsoren nach Budapest eingeladen. Die Tagung machte deutlich, dass die FEP verstärkt darum bemüht ist, "Neuland" zu gewinnen.

Nachdem sich die FEP lange auf das "alte" Europa beschränkte und erst in den letzten Jahren für Parketthersteller und nationale Parkettindustrieverbände aus Osteuropa öffnete, wird jetzt international auch um Hersteller aus den Zulieferbereichen Lacke und Öle, Kleber, Maschinen, Werkzeuge und Verlegezubehör geworben. Acht neue Mitglieder konnten innerhalb kurzer Zeit gewonnen werden: Die deutschen Hersteller Bürkle, Künne/Küberit, Stauf und Treffert, aus Österreich Neuhofer Holz, aus Schweden die Bona Kemi und Casco Adhesives sowie aus Frankreich PPG Coatings. Ferner näherten sich die Firmen Leitz, Beckers Acroma und Disa/Cattinair der FEP, indem sie die Veranstaltung in Budapest sponserten. Weitere Teilnehmer aus der Zulieferindustrie kamen zum "Schnuppern".

"Parkett-Cluster" als Weg der Zukunft

Damit hat die FEP den Weg zu einem "Parkett-Cluster" eingeschlagen. FEP-Präsident Dieter Betz und Generalsekretär Filip De Jaeger äußerten sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, die FEP durch weitere Neuzugänge zu stärken. Insbesondere wird von den österreichischen Parkettherstellern erwartet, dass sie ihre "splendid isolation"-Haltung aufgeben und sich "gemäß ihrer Marktpräsenz" in die gemeinsame europäische Sache einbringen. Argumentiert wird u.a. mit den Marketing-Aktivitäten, die die FEP plant und von denen auch die Österreicher profitieren würden - "aber bitte nicht als Trittbrettfahrer", wie Präsident Dieter Betz am Rande der Veranstaltung Unverständnis und Unmut anklingen ließ. Immer wieder - wie auch für die Veranstaltung in Budapest - seien feste Zusagen gegeben worden, die jedoch seitens der Parketthersteller bis auf eine Ausnahme nie eingehalten wurden, bestätigte Filip De Jaeger. Eine Bresche schlagen könnte Neuhofer Holz: Franz Neuhofer äußerte sich in Budapest, wo er sein Unternehmen im Rahmen des Europäischen Parkett-Kongresses kurz vorstellte, sehr positiv über die Zielsetzungen der FEP und die vielen internationalen Kontaktmöglichkeiten.

Vor der Aufgabe, sich von neuem zu finden, zu definieren und zu formieren, steht die FEP seit zehn Jahren (seit Bergen/Norwegen, 1995). Der jetzt eingeschlagene Weg zum fachübergreifenden "Parkett-Cluster" ist eine Konsequenz aus dem Strukturwandel in den Kernländern der FEP. Etliche Produzenten aus der Anfangszeit existieren nicht mehr, andere - kleinere - Hersteller meiden die FEP als "zu aufwändig". Neu entstandene Firmen aus Osteuropa drängen in die FEP. Neugründungen in "Kerneuropa" (Österreich, Deutschland, Italien, Spanien) zeigen wenig Interesse an einer Mitgliedschaft. Ausnahme unter den "Neuen" in Deutschland: Schulte/Meister Leisten, Mitglied seit 2004.

Gegenwärtig gehören der FEP 38 Parketthersteller (Einzelfirmen), sechs nationale Verbände und neun Zulieferer an. Vier Mitglieder sind "aus wirtschaftlichen Gründen" ausgeschieden. Der mitgliederstärkste Verband innerhalb der FEP ist Deutschland (12 Mitglieder), gefolgt von Frankreich (7).

FEP Föderation der Europäischen Parkett-Industrie
In Budapest trafen sich die Mitglieder der FEP, zu der 38 Parketthersteller, sechs nationale Verbände und neun Zuliefererunternehmen gehören.
FEP Föderation der Europäischen Parkett-Industrie
FEP-Präsident Dieter Betz rief zum Abschluss der Tagung alle Mitglieder zu aktiver Mitarbeit auf.
FEP Föderation der Europäischen Parkett-Industrie
Zulieferer und Parketthersteller saßen dieses Jahr erstmals bei der FEP an einem Tisch: Ansgar Igelbrink (Bona Kemi), Javier und Mariano Hervás (Hervás SA).

Rückblick und Vorschau gleichermaßen

Im Mittelpunkt der FEP-Generalversammlung in Budapest standen die Aktivitäten und Ergebnisse des Vorjahres sowie ein Ausblick auf die wichtigsten Vorhaben im laufenden Geschäftsjahr. Die FEP ist bestrebt, dem Bedürfnis nach handfester Interessenvertretung und Information ebenso zu entsprechen wie dem praxisbewährten "Geselligkeitsfaktor". Das bedeutet, zwei Aufgabenstränge fest in den Griff zu bekommen: Die Lobbyarbeit in Brüssel (Einflussnahme bzw. Mitwirkung an europäischer Gesetzgebung und Normung, Abwehr von Wettbewerbsnachteilen) sowie die Imagepflege und Mitgliederbetreuung (Werbung, Informationen, Kontakte, Kommunikation).

Zu den drängendsten Aufgaben des letzten Jahres, die das FEP-Sekretariat forderten, gehörten das europäische Klassifikationsverfahren zum Brandverhalten von Parkett (CWFT), das Vorgehen gegen US-amerikanische Zollpraktiken und eine Intervention gegen Billigimporte aus China. In den ersten beiden Fällen dürften die Bemühungen der FEP zum Erfolg geführt haben. Es sei fest damit zu rechnen, dass die Brandklassifizierung von Parkett gemäß den FEP-Forderungen erfolge und dass die Weltzollorganisation nach Intervention der Europäischen Kommissionen eine Änderung der US-Zollbestimmungen erwirke. Bisher konnten die USA mehrschichtiges Fertigparkett zolltechnisch als Sperrholz klassifizieren; dies wird künftig nicht mehr möglich sein. Der Antrag, die gesetzlichen Möglichkeiten eines Vorgehens gegen die chinesischen Importe zu prüfen (Anti-Dumping) kam aus Spanien. Um der Europäischen Kommission konkrete Daten über Art und Ausmaß der Importe vorlegen zu können, benötigt das FEP-Sekretariat hierzu weitere detaillierte Informationen von Mitgliedsunternehmen.

Die regelmäßige Datenerhebung der FEP krankt noch immer an der unzureichenden Meldebereitschaft der Mitglieder, wie Filip De Jaeger weiter berichtete: "Die vierteljährlichen Markterhebungen sind ein nützliches Instrument zur Beobachtung der Marktentwicklung und zur eigenen Standortbestimmung. Um sie stets aktuell halten zu können, ist das FEP-Sekretariat aber auf die regelmäßige Meldung der Verkaufszahlen aller Mitglieder angewiesen." Die Eigenangaben der Mitglieder sind neben amtlichen Statistiken auch die Grundlage für die alljährliche FEP-Statistik. Sie gibt länderweise und für das gesamte FEP-Gebiet einen Überblick über Produktions-, Export- und Import- sowie Verbrauchsdaten (dazu nachfolgender Bericht in diesem Heft).

Eigener Marketingausschuss

Mit der Aufgabe, Holzfußböden gegenüber Wettbewerbsprodukten stärker zu profilieren, befasst sich seit Mitte vorigen Jahres ein eigens hierfür eingerichteter Marketing-Ausschuss. Seine Mitglieder: Peer von Mentzer/Nybron; Carsten Bertelsen/Tarkett; Jan Desmet/Decospan; Robert Fischbacher/Hamberger; Bruno Hülsbusch/Schulte, Meister Leisten; Martin Rudolph/Tilo und Kinga Urbanska/Baltic Wood. Der Ausschuss wird gemäß den Leitsätzen der Schweizer ISP, die ihr Marketing eng mit dem Begriff "Holzparkett" verknüpft, und der italienischen Pro-Holz-Organisation "Vero Legno" eine neue PR-Aktion vorbereiten. Die vorherige PR-Kampagne wurde im letzten Jahr mit (wohl nicht ganz) "zufrieden stellendem Ergebnis" abgeschlossen. Einbezogen in die Vorbereitungen für die neue PR-Kampagne wurde Prof. Gino Van Ossel (Vlerick Management School Belgium). Seine Ideen hatten bereits bei der vorjährigen FEP-Tagung in Lugano Beifall gefunden. Daraufhin holte die FEP ihn zusammen mit Führungskräften aus der Parkettindustrie mit ins Boot.

aus ParkettMagazin 04/05 (Wirtschaft)