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Interview mit Stephan Kühne und Dr. Andreas Gruchow, Deutsche Messe AG

"Die Wege zwischen den Hallen kurz halten"

Die Aussteller der Teppichbranche sind weit über die Domotex verteilt. In Halle 2 finden wir Maschinenteppiche, in Halle 3 die Aussteller des Floor Forums. In Halle 17 die Loom Lounge mit den großen Programmwarenanbietern. Nicht zu vergessen die große Anzahl der klassichen Teppichimporteure in den Hallen 14 bis 17. Eine Situation, die für die Messebesucher nicht ideal ist. Heimtex Orient sprach mit Stephan Kühne, Vorstandsmittglied Deutsche Messe AG, und Dr. Andreas Gruchow, Geschäftsbereichsleitung Domotex, über geplanten Veränderungen bei der Besucherführung und über die steigende Internationalität der Domotex.

Heimtex Orient: In den letzten Jahre wurde die Stimmen lauter, die sich beschwerten, dass die Messebesucher die Hallen 14 bis 17 erst sehr spät bis gar nicht besuchen. Viele waren gleich nach dem Betreten der Domotex über Halle 2 in Richtung der Halle 9 gegangen. Von dort aus ist es, vor allem bei schlechtem Wetter, nicht der angenehmste Weg zu den Ständen der Teppichimporteure.

Dr. Andreas Gruchow: Wir haben die Stimmen sehr ernst genommen und an mehreren Stellen Konzepte erarbeitet, die diese Situation verbessern wird.

Heimtex Orient: Wie sehen die konkret aus?

Stephan Kühne: Es gibt zum einen neue Eingangssituationen. Wenn wir jetzt bei den Hallen 14 bis 17 anfangen, gibt es zur Domotex 2006 die Möglichkeit in den Hallen 11 und 12 zu parken. Die Besucher können also direkt bis an die Halle 14 fahren.

Man parkt unmittelbar vor dem Eingang im Trockenen. Das ist eine Größenordnung von fast 2.000 Stellplätzen, die wir in den beiden Hallen realisieren können. Gerade für die Aussteller in den Hallen 14 und 15, aber auch für den gesamten Weststrang der Messe sollte das für eine schnelle Belebung der Hallen sorgen.

Heimtex Orient: Und wie wird die Besucherführung im Bereich Eingang Nord, bei Halle 2?

Kühne: Die Messe wird den Eingang Nord 1 öffnen. Wir bauen zur Zeit einen witterungsgeschützten Gang von dort bis in Halle 18. Diese Halle dient dann als Verteilergang zur Halle 2 und Halle 17. Wir haben damit eine Direktzuführung zur Halle 17. Das wird der Frequenz der Halle 17 gut tun.

Gruchow: Der Besucher soll witterungsgeschützt direkt von der Straßenbahn in den Eingang Nord 1, von dort in die Halle 2 oder die Halle 17 laufen können. Genauso wie er witterungsgeschützt von der Halle 2 über die Rolltreppenanlage in den Gang der Halle 18 kommen kann und von dort wieder in die Halle 17 gelangt.

Heimtex Orient: Wie müssen wir uns diese Gänge denn vorstellen?

Gruchow: Wir werden den Gang mit Exponaten der Aussteller dekorieren. Wir wollen das so machen, dass wir die Aussteller an den Exponaten entsprechend kennzeichnen; so kann der Besucher bei Interesse gleich Kontakt aufnehmen.

Kühne: Mittelfristig ist auch an eine Aufwertung des Nordbereichs auch baulicherseits gedacht. Dann wird es für den Besucher aber auch für den Aussteller noch komfortabler.

Heimtex Orient: Witterungsgeschützte Gänge im Norden der Messe und die neuen Parkplätze bei Halle 14 sind ja schon ein guter Schritt nach vorne. Wie sieht es aber aus, wenn ich als Messebesucher von der Halle 9 zur Halle 14 möchte, oder umgekehrt? Das Wetter im Januar lässt die Besucher ja zweimal überlegen, ob sie wirklich in die anderen Hallen möchten.

Kühne: Für Besucher, die sich in der Ostachse befinden und zu den Teppichhallen in der Westachse möchten, haben wir zwei Busshuttles eingerichtet, die quer fahren. Und zwar von der Halle 9 zur Halle 14 - und von der Halle 5 zur Halle 17. Das wird dazu beitragen, die Wege zwischen den Hallen kurz zu halten.

Heimtex Orient: Thema Sonderschauen. Die waren in den letzten Jahre nicht immer so ins Licht gerückt, dass den Messebesuchern klar war, welche Sonderschau mit welchem Thema an welchem Platz auf der Messe zu finden ist.

Gruchow: Unsere Antwort: Wir plakatieren im Gelände umfangreich und weisen auf die Sonderschauen hin, insbesondere auf die Carpet Design Awards und das Business Training in dem Übergang von Halle 15 zu 16.

Heimtex Orient: Die Domotex ist in den letzten Jahren immer internationaler geworden und das nicht nur bei den Ausstellern und Besuchern in Hannover, sondern auch durch Messen im Ausland. Wie ist die Entwicklung dieser Messen zu sehen?

Gruchow: Wir haben generell immer im Auge, den gesamten Weltmarkt abzudecken. Das machen wir einmal mit der Domotex in Hannover. Das ist und bleibt ganz klar die Weltleitmesse. Wir können und werden sie auch immer noch weiter ausbauen. Wir haben zur Zeit Steigerungsraten, die wir nicht für möglich gehalten hatten, trotz stagnierender Märkte in Europa. Der zweite Ansatz, den wir verfolgen, ist die Kunden auch um die Welt und damit zu anderen Märkten zu begleiten. Diese Überlegung führte seinerzeit zur Domotex Asia.

Heimtex Orient: Wie sehen Sie die Entwicklung für die Domotex auf dem chinesischen Markt?

Domotex
Dr. Andreas Gruchow, Stephan Kühne:"Der Besucher soll witterungsgeschützt direkt von der Straßenbahn
in den Eingang Nord 1, von dort in die Halle 2 oder die Halle 17 laufen können."
Domotex
Tim Steinert, Heimtex Orient: "Wie sieht es aber aus, wenn ich als Messebesucher von der Halle 9 zur Halle 14 möchte, oder umgekehrt? Das Wetter im Januar lässt die Besucher ja zweimal überlegen, ob sie wirklich in die anderen Hallen möchten."
Domotex
Michael Steinert, Heimtex Orient: "Die Domotex
ist in den letzten Jahren immer internationaler
geworden und das nicht nur bei den Ausstellern
und Besucher in Hannover, sondern auch durch Messen im Ausland."

Kühne: Die Entwicklung ist gewaltig: Wir werden vom 28. bis 30. März 2006 alle 5 Hallen belegen, die wir in Shanghai gemietet hatten. Das sind 57.500 qm. Wir rechnen mit ungefähr 630 bis 650 Aussteller, 2005 lagen wir bei 588 Ausstellern. Auf der Besucherseite rechnen wir mit 30.000 im Vergleich zu gut 25.000. Wir hätten sogar noch eine 6. Halle vermieten können. Also trotz 25%iger Steigerung der Fläche wäre im Markt sogar noch mehr umsetzbar gewesen. So kurzfristig konnten wir aber unsere Fläche im Gelände nicht vergrößern.

Heimtex Orient: Unterscheidet sich sie Zusammensetzung der Aussteller in Shanghai von dem in Hannover?

Kühne: Wir haben als neues Konzept in der Domotex Asia den Bereich der Produktions- und Fertigungstechnik gesondert herausgehoben. Diesen Bereich haben wir auf der Domotex in Hannover ja nicht.

Gruchow: Da die Kunden dieser Aussteller ja eigentlich während der Messe die Aussteller auf den anderen Ständen sind, haben wir sie in einer Halle als Ausstellungsbereich Floortech innerhalb der Domotex Asia zusammengefasst und öffnen diese Halle einen Tag früher als die übrige Domotex Asia. Natürlich bleibt diese Halle die ganzen drei Messetage geöffnet, beginnt aber eben einen Tag vorher. Dieser Bereich läuft hervorragend.

Heimtex Orient: Wie laufen die anderen Warengruppen?

Gruchow: Was sehr gut läuft und was 2005 auch ein neuer Bereich in Shanghai war, ist der Bereich der handgefertigten Teppiche. Da konnten wir vom Schlag weg eine dreiviertel Halle vermieten. Dieser Bereich wird auch weiter ausgebaut. Und zu unserer Zufriedenheit war zu beobachten, dass dieser Bereich eine gute Qualität zeigte.

Wir wissen jetzt schon aus dem Anmeldeverhalten und Gesprächen mit Ausstellern, dass wir alle diese Werte weiter steigern können. Die Domotex Asia ist also noch nicht im Sättigungsbereich. Vor diesem Hintergrund haben wir immer sehr genau den Weltmarkt beobachtet.

Heimtex Orient: Mit dem Ergebnis?

Gruchow: Wir haben dann über diverse Ausstellergespräche herausgehört, dass die Golfregion ein attraktiver Markt ist, weil dort sehr viel im Objektbereich umgesetzt wird. Also durch die enorm hochpreisigen Hotelbauten, Ferienappartements, Bürogebäude, die dann damit zusammenhängen.

Seit 2002 haben sich dort auch die Eigentumsverhältnisse geändert, man kann jetzt auch Wohneigentum auf 99 Jahre pachten. Dadurch ist der private Wohnbereich deutlich angestiegen. Vor diesem Hintergrund haben wir entschlossen, den Markt mit einer passenden Messe zu besetzen, der Domotex Middle East vom 28. bis 30. Mai 2006 in Dubai.

Die Golfregion ist ein hervorragendes Betätigungsfeld und durch die besondere Nachfrage nach hochpreisigen Produkten auch sehr lukrativ für die Branche. Das Einzugsgebiet deckt den gesamten arabischen Raum ab und geht bis Indien, bis an die Türkei und tangiert auch Afrika.

Heimtex Orient: Wie packt man denn die Besucher-Akquise an? Das stelle ich mir fast schwerer vor als die Aussteller-Akquise.

Gruchow: Durch eine sehr direkte Ansprache, wie zum Beispiel durch Direct Mailings. Wir sprechen die Investoren individuell an. Dank unserer Infrastruktur können wir das auch.

Kühne: Die gute Presse der Region hilft uns auch sehr. Das Interesse nach der Pressekonferenz, die wir dort hatten, war überproportional. Das hat mich positiv überrascht. Die Meldungen waren sehr positiv: "Deutsche Messe moves into Dubai."

Gruchow: Zu dem planen wir Aussteller-Workshops zur Vorbereitung. Wir haben das auch bei anderen Auslandsmessen gemacht und sind auf gute Resonanz gestoßen. Wir erklären dabei, wie der Markt vor Ort funktioniert, wie die wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind und was für den Markteintritt zu berücksichtigen ist.

Heimtex Orient: Wie sieht das mit Programmen für die Besucher aus? Wenn ich jetzt als Deutscher nach Dubai oder nach Shanghai möchte.

Gruchow: Hier bieten wir Kombireiseangebote an, also komplette Pakete für Reise und Unterkunft mit entsprechendem Messeprogramm. Das alles in unterschiedlichen Kategorien. Man kann sich also je nach Standard, den man haben möchte buchen. Positiver Nebeneffekt: Man trifft Gleichgesinnte im Flieger oder im Hotel. Das ist das, was auch zur Domotex Asia in Shanghai bereits sehr gut funktioniert.

aus Heimtex Orient 06/05 (Wirtschaft)