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Maschinell hergestellte Teppiche auf der Domotex 2006

Webteppiche wieder mit größerem Potential

Optimismus herrschte unter den Anbietern von maschinell hergestellten Teppichen auf der diesjährigen Domotex. Dem deutschen Markt werden wieder größere Wachstumschancen eingeräumt. Dabei hat der Maschinenteppich in den letzten Jahren ohnehin an Bedeutung gewonnen und sich in Bezug auf Modernität und Kreativität deutlich weiterentwickelt.

Peter Schwartze, Geschäftsführer Teppich-Werk Neumünster, bilanzierte schon am zweiten offiziellen Messetag "Dies ist mit Abstand die beste Domotex, die ich bislang erlebt habe". Diese positive Einschätzung beruhe allerdings nicht nur auf Umsatzzahlen, betonte er, sondern auch auf Veränderungen im Handel. "Im deutschen Einzelhandel hellt sich die Stimmung auf. Er sucht nach Konzepten, denkt über Shop-in-Shop-Systeme nach und favorisiert Branding. Und das sind nach meiner Überzeugung auch die wichtigsten Bestandteile für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit in der Zukunft", sagte er. "Es wäre schön, wenn sich dieser Optimismus auf das gesamte Jahr 2006 niederschlägt."

Mit der Domotex "rundum zufrieden", wie Schwartze weiter formulierte, zeigten sich auch viele der auf die Hallen 2 bis 6 verteilten Anbieter von maschinell hergestellten Teppichen. "Positiv" lautete beispielsweise die Messe-Bewertung von Phillipe van den Steen, Export Manager bei Osta. Grundlage dafür sei unter anderem ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein im Einzelhandel. "Es gibt zwar immer noch viele Billig-Angebote in der Branche, teilweise auch bei Lebensmittel-Discountern, aber wir beobachten derzeit ein Umdenken, besonders bei den Möblern: lieber weniger, dafür aber höherwertigere Teppiche verkaufen und so eine höhere Marge erzielen", berichtete er. Balta-Verkaufsleiter Hans Fossez bestätigte die allseits spürbare, optimistische Grundstimmung: "Unsere Kunden sind positiver gestimmt als im letzten Jahr. Ein Grund dafür sind sicherlich die guten Geschäfte, die im November und Dezember im Einzelhandel getätigt wurden. Wir verlassen die Messe mit einem positiven, guten Gefühl."

Die Entwicklung des Marktes

Deutschland stellt nach wie vor einen attraktiven Absatzmarkt für maschinell hergestellte Teppiche dar. Und er besitzt nach Meinung vieler Aussteller derzeit wieder ein größeres Potential. "Der deutsche Markt ist in Europa die Nummer 1 für Polypropylen. Wir sind zuversichtlich, dass er wieder wächst", äußerte sich beispielsweise Fossez. Und Lano-Verkaufsdirektor Jos Vander Donckt betonte: "Deutschland ist für Lano der wichtigste Markt im Bereich Webteppiche. Deutschland ist für uns ein Qualitätsmarkt."

Die Konzentration im deutschen Einzelhandel in den letzten Jahren hat die Anbieter allgemein unter großen Wettbewerbsdruck gesetzt, der jedoch auch seine guten Seiten hatte. Die heute wichtigsten Akteure im Markt verfügen aktuell über klare Profile, sind gut aufgestellt und überzeugen durch kluge Sortimente, verlässliche Logistik und umfangreichen Service. Das Ergebnis: Der Maschinenteppich, der ohnehin als flexibler und preislich attraktiver gilt als sein handgearbeiteter Konkurrent, hat Marktanteile erobert.

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Osta Carptes kennt seine Stärken und setzt weiterhin erfolgreich auf den Wollteppich. Mitte letzten Jahres kam zusätzlich zum maschinell gefertigten Sortiment das Programm Ligne Pur hinzu, das handgefertigte Designerteppiche im mittleren bis hochwertigen Preissegment bietet.
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Lano Carpets pflegt den klassisch gemusterten Webteppich, ohne das moderne Design zu vernachlässigen. Akzente im Markt setzt der Anbieter aktuell durch eine Hochwert-Linie, die auf einer neuen Axminster-Webmaschine realisiert wird.
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Neben einem umfassenden, marktgerechten Sortiment betont Balta seine Stärken in den Bereichen Service und Logistik: Große Produktionskapazitäten und Lagerbestände ermöglichen schnelle, unkomplizierte Lieferungen.

"Der gewebte Teppich hat in den letzten Jahren unglaublich an Bedeutung gewonnen und sich in Bezug auf Modernität und Kreativität weiterentwickelt. Er ist ein starker Umsatzträger geworden und fehlt heute in keinem Möbelhaus", berichtete Myriam Verhelst-Ragolle. Mitte der 90er Jahre startete Ragolle mit modernen Designs, heute sind rund 65 % aller Teppiche, die das belgische Unternehmen auf dem deutschen Markt verkauft, zeitgemäß dessiniert.

Die Trends

Das moderne Design ist beim Maschinenteppich weiter auf der Überholspur. Gut im Rennen liegen noch Flachgewebe im Naturlook. Der klassisch gemusterte Artikel fällt jedoch weiter zurück. Entsprechend verhält es sich mit den eingesetzten Materialien. Immer weniger Maschinenteppiche werden gegenwärtig aus Wolle, immer mehr aus Heatset gefertigt. Insgesamt ist Polypropylen heute etwa doppelt so stark wie Wolle.

Beim modernen Maschinenteppich gilt die Devise: Je höher die Qualität, desto toniger, reduzierter die Farbgebung und ruhiger die Musterung. Im Mittelpunkt steht wie im Bereich der modernen Teppiche ein warmes Rot, begleitet von Terrakotta und Rost bis hin zu Orange, Ocker und Senf. Ebenso dominant ist Beige, das ergänzt wird durch Weiß und Creme. Hinzu kommen Schoko, Anthrazit, Schwarz und Grün. Eisblau ist eine beliebte Akzentfarbe. Zweifarbigkeit wie schwarz-weiß, rot-weiß oder beige-weiß ist ebenfalls ein Thema.

Beliebte Muster sind Wellen und Kreise, manchmal Streifen und strenge geometrische Motive. Retro ist nach wie vor aktuell, ebenso sind abstrahierte Blumen und Blätter gerne gesehen. Dezente Bordürenteppiche dürfen nicht fehlen. Strukturen sind wichtig. Garne werden doppelt gezwirnt, partiell aufgeschnitten oder mit Effektgarnen kombiniert. Hochfloor-Teppiche sind beliebt, überall sind Kräuselveloure zu sehen.

aus BTH Heimtex 02/06 (Wirtschaft)