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Tapeten auf der Heimtextil

Vive la décoration

Jahrelang erging sich die Tapetenbranche in immer wieder neuen Uni-Variationen. Das ist jetzt vorbei. Offensichtlich hat sie die Lust an der Dekoration wieder entdeckt. Vor allem Blumen sind ein Thema: In den neuen Kollektionen grünt und blüht es, dass es eine wahre Pracht ist. Auf Anbieterseite setzt sich die Konsolidierung fort: Nach der Fusion von Club Creation Niemann und Zukauf Gardisette hat sich die Jab Anstoetz-Gruppe komplett von der Tapete verabschiedet. Der hochwertige Belgier Arte scheint zumindest am deutschen Markt kein Interesse mehr zu haben. Dafür ist Texdecor aus Frankreich praktisch über Nacht zum Shooting-Star avanciert.

Selten herrschte auf einer Heimtextil so gute Stimmung in der Tapeten-Ebene 5.0 wie in diesem Jahr. Und es scheint, als handele es sich dieses Mal nicht um das kurze Strohfeuer des üblichen Messe-Optimismus, sondern als sei die lang ersehnte Trendwende tatsächlich in Sicht. "Die Tapete gewinnt wieder an Bedeutung", konstatiert Christian Schmitz, geschäftsführender Gesellschafter der Verlage Essener, Schmitz und Tescoha, "durch Besonderheiten, die man wahrnimmt" - und die die Tapete wieder zum vollwertigen Element der Inneneinrichtung erstarken lassen.

Vorbei die Zeiten der Langeweile und Uniformität, als die Anbieter sich in immer wieder neuen Unistrukturen in Beige, Apricot und Terracotta übten. Vive la décoration heißt die Devise bei den neuen Kollektionen. Die wichtigsten Themen: Blumen, Black & White Textil-Look, Naturmaterialien wie Gras, Holz, Bambus und sogar Vogelfedern. Retro ist noch vereinzelt präsent, aber im Abklingen. Und es schien, als hätten sich die Anbieter in diesem Jahr über die Maßen angestrengt: durch die Bank weg ist eine hohe kreative Leistung zu erkennen, zielgruppengerecht umgesetzt.

Für das Gesprächsthema auf der Messe sorgten allerdings weder die ausgefallene Vogelfeder-Wandbekleidungen aus Fernost noch die neue "Keramik von der Rolle" von der Degussa, sondern Rasch. Dem Familienunternehmen gelang ein vielversprechender Coup: für einen angeblich zweistelligen Millionen-Betrag soll sich Rasch als Alleinlieferant bei Praktiker eingekauft und Wettbewerber damit aus dem Rennen geworfen haben. Im Haus Rasch wird wohl der Deal bestätigt, nicht aber die Summe.....auf jeden Fall erhofft sich die Führungsriege 2006 einen ordentlichen Umsatzschub von der Zusammenarbeit mit dem Baumarkt-Betreiber. Unter den vier neuen Themenkollektionen ragt Bauhaus 2009 heraus - ein zeitloser Klassiker, der nie in die Jahre kommt, und nur von Zeit zu Zeit aufgefrischt und aktualisiert wird. Die jüngste Auflage ist besonders gut gelungen: "Selten zuvor war eine Bauhaus-Tapetenkollektion so nah an den Ursprüngen des Bauhaus-Gedankens orientiert und zugleich so modern wie diese", lobt denn auch Dr. Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archiv und Museum für Gestaltung in Berlin. Rasch-Designchef Bernhard Holzapfel demonstriert wieder einmal sein Talent für hochklassige Tapetengestaltung und Rasch-Entwicklung und Produktion haben seine Ideen kongenial umgesetzt. Darüber hinaus präsentiert Rasch mit Fiori Vliestapeten mit konsumigen, aber nicht banalen romantischen Floralien, eine weitere Vlies-Karte mit grafischen Akzenten (Simply Chic) und Vinyl-Heißprägen in aktueller Textil-Optik und -Haptik für das stilvolle Wohnen (Trianon). Die diesjährige Frühjahrsaktion trägt den Titel "für Dich...." und wird wieder von einem attraktiven Gewinnspiel begleitet, die neue Aktionskarte No. 1 umfasst neben den Promotion-Artikeln weitere verkaufsstarke Dessins aus allen Produktbereichen mit einer zweijährigen Laufzeit.

Marburg: Die hohe Kunst der Tapetenfertigung

Einmal mehr die "hohe Kunst der Tapetenfertigung" zelebriert Marburg mit der Kollektion Crush Gala. Hauchzart plissierte kostbare Papiere kaschiert auf hochwertige Papierträger - das sind gecrushte Tapeten. Ursprünglich in kleinen italienischen Manufakturen von Hand hergestellt, hat Marburg Crush-Tapeten erstmals 1996 unter Wahrung der exklusiven Optik halbindustriell gefertigt und seitdem ständig technologisch weiterentwickelt (Vlies auf Vlies, teilweise sensibel bedruckt. Herausragend sind ein edler mattglänzender Damasteffekt auf einer zarten Crush-Längsstruktur und - ganz anders - eine extrem matte Gobelin-Optik, die mit dem feinen Gespinst des Kokonvlieses realisiert wurde. Die Tapeten haben eine sehr trockene Haptik und wirken durch ihren starken Crush-Effekt besonders materialhaft.

Ganz neue Effekte zeigen filigrane Crush-Strukturen mit feinstenGlimmerapplikationen. Die dreidimensionale Wirkung der Wandbeläge wird durch den leichten Lüster gesteigert und veredelt. Weitere Neuheiten 2006 sind die Lizenzkollektion Gelini Home mit den gleichnamigen kultigen Gummibärchen. Ihr Schöpfer, der Marburger Designer Jörg Zahradnicek, lässt eine ganze Gelini-Welt entstehen. Auf der Heimtextil präsentierte Marburg exklusiv die erste Gelini-Home-Kollektion mit Tapeten, Bordüren und Stoffen. Auch für das Exportgeschäft ist die Kollektion offensichtlich interessant. "Vor allem Besucher aus asiatischen Ländern waren total begeistert von der Kollektion", berichtete Geschäftsführer Dieter Buhmann.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt für Marburg das Objektgeschäft. So hat sich Peek & Cloppenburg bei der Schaufenstergestaltung von 23 Modehäusern fürTapeten des Familienunternehmens entschieden, und auch der Hamburger Flagship-Store von Tom Tailor wurde kürzlich mit Produkten dieses Herstellers adäquat gestylt. Für jede TV-Soap und jedes Milieu finden die Filmstudios Babelsberg bei dem Trendsetter einen geeigneten Wandbelag. Luxus-Label wie Bang & Olufsen fehlen ebenfalls nicht in der aktuelle Referenzliste . "Viele dieser Kontakte wurden auf Messen geknüpft", berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Ullrich Eitel.

Wohlfühlatmosphäre bei Erfurt

Wer den Rauhfaser-Marktführer auf der Heimtextil besuchte, konnte die Hektik des täglichen Geschäftslebens für einige Momente ausblenden. Auf aggressives Licht hatte man gänzlich verzichtet, Displays und Produkte waren überaus dezent platziert. Der Gast betrat praktisch eine andere Welt. Völlig entspannt gab sich auch die Chefetage, aber das hatte vor allem andere Gründe: Nach einem arbeitsreichen 2005 bildete die Heimtextil so etwas wie den Start in eine neue Ära.

Im Rahmen eines umfassenden Marken-Relaunch waren alle Warengruppen vertriebsweg- und zielgruppenorientiert optimiert worden, so dass jetzt Fachgroßhändlern sowie Baumärkten ein differenziertes, sämtliche Kunden-, Qualitäts- und Preisansprüche abdeckendes Angebot zur Verfügung steht. Ein fünfteiliges Farbleitsystem erleichtert die Orientierung. Die Produktlinien für Profi-Kunden einerseits und Heimwererker andererseits wurden konsequent an den Ansprüchen der jeweiligen Zielgruppe ausgerichtet, auch in der Aufmachung. So sind die Etiketten für die DIY-Schiene als "Beratungsersatz am POS" konzipiert, die Verpackungen für den Profi-Bereich stellen dagegen Aspekte wie Markenqualität leichtes Handling und geringen Entsorgungsaufwand stärker in den Vordergrund. In diesem Jahr steht nun im Vordergrund, die Marke am POS massiv zu kommunizieren und durch neue Präsentations- und Insellösungen stärker ins Blickfeld zu rücken.

Der Marken-Relaunch und die Rauhfaser-Imagekampagne von Erfurt zeigen auch schon Wirkung: Die Wuppertaler konnten ihren Bekanntheits- und Sympathiegrad weiter erhöhen. Das ergab eine aktuelle Studie der GfK, mit der die 2002 durchgeführte Verbraucherbefragung fortgeschrieben wurde. Konnten vor drei Jahren 18,5% der Verbraucher die Marke spontan nennen, stieg diese Quote 2005 auf rund 27%. Der gestützte Bekanntheitsgrad stieg im gleichen Zeitraum von rund 53 auf 61%. Die komplette Studie stellen wir ausführlich in der nächsten Ausgabe von BTH Heimtex vor.

Zu ökonomischen Kennzahlen hält man sich bei Erfurt traditionell bedeckt. Auf einer Pressekonferenz am Rande der Heimtextil ließ sich die Führungsriege lediglich entlocken, dass Erfurt 2005 entgegen der rückläufigen Marktentwicklung "umsatz- wie absatzmäßig das hohe Niveau halten" konnte. Wobei Verschiebungen innerhalb des Sortimentes stattfänden und die höherpreisigen Vliesprodukte stetig an Bedeutung gewännen.

Bei A.S. Création ist man mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr außerordentlich zufrieden. Sowohl im Inland als auch beim Export habe man eine kräftige Umsatzsteigerung erzielt. "Da der deutsche Markt nicht gewachsen ist, muss tatsächlich von Verdrängung gesprochen werden", berichtete Vorstandsvorsitzender Jörn Kämper. Die konkreten Zahlen werden im März auf der Bilanzpressekonferenz präsentiert. Was das Auslandsgeschäft betrifft, seien Frankreich und Russland die wichtigsten Märkte, "wobei das Wachstumspotential in Russland längst noch nicht ausgeschöpft ist."

Was dem Unternehmen ebenso zu schaffen macht wie dem Wettbewerb, sind enorm gestiegene Rohstoff-, Energie- und Entsorgungskosten. "Ansonsten sind wir durchweg optimistisch für 2006", so der Vorstandsvorsitzende. Hoffnungen ruhen dabei auch auf einer neuen Nass-in-Nass-Anlage, mit der sich besonders warme, fast aquarellige Tönungen ähnlich der Freskenmalerei erzeugen lassen. Ein Beispiel dafür ist die neue Kollektion Novella mit zarter, abstrahierter Grafik (Serie Vision) und filigranen Farnmustern mit feinen Rechtecken (Toronto): Auf einen hochwertigen Vliesträger wird die zweite Wasserfarbe gedruckt, während die erste noch feucht ist. Die Farben wirken dadurch weich, die Übergänge sanft.

Das große Thema bei A.S. Création war erwartungsgemäß die Kollektion Esprit, die mit vier Themen startet, alle angelehnt an die Wohnwelten von Esprit Home, denen sich sämtliche Lizenzprodukte unterordnen. Zur professionellen Präsentation gibt es zwei unterschiedliche Verkaufssysteme, die den Lifestyle-Gedanken mit Fashion- und Interieur-Motiven sowie verschiedenen Tapetenmustern in Szene setzen. Auf diese Weise erhält der Kunde Anregungen für die neue Wohnatmosphäre.

In den Hochwert-Bereich zielt A.S. mit der Vlieskarte Golden Fleece. Designer Nadir Belli ließ sich bei den großzügigen Dekoren - 1,6 m breiter Rapport ! - mit Matt-/Glanzeffekt von historischen Damastwänden in einem Museum inspirieren und übertrug den handwerklichen Charakter der edlen Textilien auf die Tapete. Das war erst durch eine Modifikation in der Produktionstechnik möglich: Statt erst die Farbe und dann die Prägung wie bei einer herkömmlichen Vliestapete wurde hier das Prinzip umgedreht und erst geprägt und dann die Farbe aufgetragen.

Das Dreigestirn Essener-Schmitz-Tescoha ist neben Rasch Textil einer der wenigen Verlage, die noch in der deutschen Tapetenlandschaft existieren. Jüngster Verlust ist Club Creation Niemann, die nach der Übernahme von Stoffanbieter Gardisette durch Mutter Jab Anstoetz mit dem Zukauf verschmolzen wurden und sich sang- und klanglos von Tapeten verabschiedet haben. Nur noch wenig Interesse am deutschen Markt zeigt auch der belgische Premium-Anbieter Arte. Nachdem Carsten Heinemann, dessen Verlag Heinetex sich die Belgier einst einverleibt hatten, im vergangenen Sommer das Unternehmen verließ, fehlt zumindest eine Identifikations-Figur für Deutschland.

Heimtextil Frankfurt
P+S gehört klar zu den Gewinnern der letzten Jahre. Nach einer Sanierungsphase befinden sich die Gummersbacher wieder voll auf Kurs, was durch einen abermals vergrößerten Messestand herausgestellt wurde.
Heimtextil Frankfurt
Rasch sorgte auf der Messe mit seinem Praktiker-Deal für
Gesprächsstoff und erntete viel Lob für vier neue Themenkollektionen, unter denen Bauhaus 2009 herausragte.
Heimtextil Frankfurt
Marburg hatte bei der Standgestaltung gecrushte Tapeten in
Szene gesetzt. Mit der neuen Karte Crush Gala demonstrierten die Hessen einmal mehr ihre Stärke in diesem Bereich.
Heimtextil Frankfurt
Bei A.S. Céation ragte erwartungsgemäß die Kollektion Esprit heraus, die mit vier Themen startet, alle angelehnt an die Wohnwelten von Esprit Home, denen sich sämtliche Lizenzprodukte unterordnen.
Heimtextil Frankfurt
Als zukunftsfähiger Partner präsentierte sich die Coswig Tapeten GmbH. Anlass zu Optimismus bieten unter anderem Vorverträge mit potenten Auslandskunden.
Heimtextil Frankfurt
Für den designorientierten Ausbau einer Wohnung in einem ehemaligen Fabrikgebäude kamen die neuen Profilleisten der Nmc-Kollektion Essenza zum Einsatz. Ein Fußbodenprofil mit integrierten LEDs betont die Stufe zum Bad. Drei Wandprofile für indirekte Beleuchtung gestalten den kommunikativen Bereich der Sitzgruppe und die abgehängte Decke schließt ab mit einem Deckenprofil für Leuchtstoffröhren, die dem Raum ein dezentes Allgemeinlicht geben.

Zurück zu Essener, Schmitz und Tescoha.... "Wir haben unsere drei Label mit ihren unterschiedlichen Profilen ausgebaut und der Markt hat gesehen, dass man sich auf uns verlassen kann, was sowohl die Produktentwicklung als auch die Lieferfähigkeit betrifft. Dazu weisen wir eine Struktur auf, die ausrechenbar ist", skizziert Christian Schmitz die Gründe für den Erfolgskurs seiner drei Unternehmungen, die auch jede ein eigenes Gesicht aufweisen.

Die stark objektorientierte Schiene Tescoha besann sich auf frühere Stärken und präsentiert die weiterentwickelte Graskarte Zen II. Innerhalb der erfolgreichen Kollektion WWM (Walls/Wände/Murs) sowie den davor schon im Markt positionierten Koffern wie Pro 2000 stießen die Gras-Varianten beim Handel auf große Resonanz. Kein Wunder, das Tescoha diese Tradition weiterführt, um den wichtigen Produktbereich Naturtapeten weiter zu stärken. Den bekannten Gras-, Hanf- und Schilfmustern hat man nun noch neue Bambus-Designs, Leder sowie Holzgeflechte hinzugefügt. Der in Asien recht seltene schwarze Bambus ist in ein Camouflage-Design mit eingeflossen. Offene Türen rennt Tescoha mit seinen Echtholz-Tapeten ein, 2005 als Prototypen zum Testen vorgestellt und nach der ermutigenden Resonanz inzwischen in einer aufwändigen Kollektion zusammengefasst. Dazu legt man mit einem High End-Produkt nach: traditionelle chinesische Malerei auf Holz- oder Grasträger. Die überaus reizvollen Motive werden per Hand ohne Verwendung einer Schablone aufgetragen. Auch individuelle Design-Wünsche lassen sich realisieren.

P+S gehört klar zu den Gewinnern der letzten Jahre. "Produktseitig hat sich bei uns viel getan. Fast das gesamte Sortiment wurde in den vergangenen drei Jahren ausgetauscht", erläutert Vertriebsleiter Dietmar Everding. Nach der Sanierungsphase befinden sich die Gummersbacher inzwischen wieder voll auf Kurs, nach außen demonstriert durch den abermals vergrößerten Messestand.

Die zurück gewonnene Leistungsstärke und Innovationskraft scheint im Markt Anerkennung zu finden. "Vor allem im Inland verzeichneten wir kräftiges Wachstum und wollen auch 2006 zweistellig zulegen", sagt Everding. Der Fokus sei vor allem auf die qualifizierten Vertriebswege gerichtet wie Fachhandel und kollektionierender Großhandel, weil die dort realisierten Umsätze als weitgehend stabil gelten. Doch gebe es auch keine "Berührungsängste" mit Discountern, "weil wir diese Mengen benötigen, um für ein gewisses Grundrauschen in der Produktion zu sorgen. "Dazu stehen wir und die Ware wird auch unter unserem Label angeboten", so Everding. Ein erhebliches Potential wird noch bei den Baumärkten gesehen - sofern die Vertriebsphilosophie mit der von P+S übereinstimmt.

In der Fachhandelsschiene beschäftigt sich P + S zunehmend mit preisstabiler Ware. "Damit haben wir bereits vor einem Jahr einen Riesenerfolg gelandet". Die neue Aktion mit 70 Blatt wird von Deckenhängern, spezielle Kartonagenn, Einlegern und Prospekten begleitte. Erstmals aufgegriffen wird das Thema Plakatierung. Die Fußball-WM lässt in diesem Rahmen ebenfalls grüßen, allerdings in sehr neutraler Form, so dass die Tapeten auch nach dem Event noch en vogue sind.

Keine schönen Weihnachts-Feiertage erlebte Coswig. Zwei Tage vor Heiligabend mussten die beiden Geschäftsführer Gudrun Paffrath und Wolfgang Schulze den Gang zum Amtsgericht antreten und Insolvenzantrag stellen. Allerdings nur für den Produktionsbetrieb Tapetenfabrik Coswig GmbH, der unter den zu hohen Belastungen aus der Ära der früheren Mutter VDN zusammenbrach. Die Vertriebsgesellschaft Coswig Tapeten GmbH war hingegen nach der Herauslösung aus der VDN-Gruppe auf einen neuen Gesellschafter übertragen worden und ist von der Insolvenz nicht betroffen. "Wir konnten uns jedoch mit dem Insolvenzverwalter der Tapetenfabrik Coswig derart abstimmen, dass die dort die weitere Produktion von Tapeten und Bordüren gesichert wird und diese Produktion dann sukzessive auf Coswig Tapeten übertragen werden kann", sagte Schulze zu BTH Heimtex. "Auch so kann der Vertrieb nachhaltig von Tapeten und Bordüren aus der Coswig-Gruppe gesichert werden." Er ist optimistisch, dass sich schnell eine Lösung findet. Der Insolvenzverwalter habe sich als "Wunschkandidat" erwiesen und auch ein Investor sei bereits gefunden, der die Gebäude, Produktionsanlagen und Grundstücke aus der Insolvenzmasse herauskaufen wolle, damit die neue Gesellschaft die Arbeit so schnell wie möglich wieder aufnehmen kann.

Zudem verspreche ein Vorvertrag über eine große Anzahl an Rollen mit einem ausländischen Großkunden Licht am Ende des Tunnels. Die erste große Investition in Coswig soll eine Heißpräge sein. Angedacht ist zudem, das traditionsreiche Segment Leimdruck wieder zu forcieren.

Einen Rekordversuch der besonderen Art richtete Erismann mit Unterstützung von Pufas auf seinem Messestand aus: Malermeister Jens Püschel wagte sich an einen neuen Tapezier-Weltrekord. Unter lautstarkem Beifall des Publikums und unterstützt mit flotten Sprüchen von "Kaiser Franz" alias Stimmenimitator Christian Künkel gelang es ihm tatsächlich: ohne Hektik, ohne Stress tapezierte er in nur 6 Minuten und 47 Sekunden eine Fläche von 16 qm nahtfrei mit der Erismann-Neuheit Champion Vlies und Pufas GTV Rollkleister. "Das perfekte Ergebnis in Rekordzeit zählt umso mehr, da kein zusätzlicher Arbeitsgang für das Überstreichen mehr notwendig ist", betonte Geschäftsführer Peter Bercher. Bei der anschließenden Siegerehrung wurde dem Helden des Tages ein "Tapeten-Pokal" überreicht. Akteure und Gäste entspannten sich danach bei frisch gezapftem Kölsch.

Auf Produktseite stand bei Erismann die neue Kollektion Champion Vlies mit einer interessanten Mischung heiß verformter Struktur- und Kompaktvinyl-Tapeten im Mittelpunkt, darunter markante Putzeffekte, Unis und Textiloptiken mit Streifen sowie passenden Bordüren. Das Farbspektrum umfasst mehr als 40 aktuelle Töne von wohnlich warmen Gelb- und Terracotta-Tönen über Erd- und Naturfarben bis hin zu frischem Grün und Blau. Die Markteinführung wird von einem WM-Gewinnspiel begleitet.

Und wieder einmal ist es einem unbekümmerten Newcomer gelungen, mit neuen Ideen durchzustarten und sich in einem scheinbar gesättigen Markt Eingang zu verschaffen: dem französischen Verlag Texdecor. Von den deutschen Anbietern aufmerksam verfolgt, ist es Vertriebsleiter Joachim Frank in kurzer Zeit gelungen, das Tapeten-, Stoff- und Accessoire-Programm der Franzosen erfolgreich in diesem schwierigen Markt zu positionieren.

Texdecor hat seinen Ursprung in der Tapete und vertreibt seine Produkte in zirka 50 Ländern. Seit 2001 ist man am deutschen Markt mit einer eigenen Vertriebsorganisation aktiv. Der Außendienst besteht aus einem fünfköpfigen Team. Dass es sich dabei ausschließlich um Damen handelt, ist kein Zufall. Die Konstellation hat sich nach Ansicht von Frank als vorteilhaft erwiesen und soll beibehalten werden. Diese ungewöhnliche Ansicht ist typisch für den Quereinsteiger, der aus der Kosmetikbranche kommt und jetzt mit Begeisterung Tapeten verkauft. Wobei: "Den Ehrgeiz, an jeder Ecke präsent zu sein, haben wir nicht, sondern wir sehen unsere Chance in der Nische", erläutert er. Mit den am französischen Geschmack orientierten kräftigen Farben und markanten Designs verlange das Sortiment ohnehin qualifizierte Absatzkanäle. In der Großfläche seien die Produkte überhaupt nicht zu finden. Bevorzugte Zielgruppen sind anspruchsvolle Raumausstatter und Fachhändler. Maler werden über den Großhandel erreicht. Das Angebot von Texdecor basiert auf drei Marken: Casadeco mit modernen, kreativen Tapeten und Möbelsoffen, Casamance als Premium-Linie und einer dritten Marke für das junge Wohnen.

Mit geschmackvollen Gestaltungsideen und neuen Problemlösungen bekräftigte Zierprofil-Anbieter Orac seinen Anspruch als Trendsetter und legt zugleich mit der neuen, 150 Seiten starken Gesamtbroschüre eine sehr ansprechende, hochwertig aufgemachte, gelungene Darstellung des Unternehmens und des Sortiments vor, bei deren Realisierung Marketing Manager Laurence Taillieu die Federführung hatte.

Für 2006 fühlt sich belgische Familienunternehmen, das von Präsident Guy Taillieu und seinen beiden Kindern Laurence und Yves geleitet wird, bestens gerüstet "Die Aufbruchstimmung, die wir in den vergangenen Jahren vermisst haben, ist jetzt deutlich zu spüren", sagt Deutschland-Vertriebsleiter Joachim Stock. "Schon in den letzten Monaten des alten Jahres zeichnete sich eine größere Konsumlust ab, sodass wir vor allem auch durch unsere Produktneuheiten, die momentan konkurrenzlos sind, für 2006 gut aufgestellt sind". Zudem sucht man über die angestammte Klientel im Großhandel hinaus zunehmen Kontakte zu Entscheidern im Objektbereich. So seien 2005 in Deutschland unter anderem zwei namhafte Hotels mit Orac-Produkten ausgestattet worden. Und auch der Yachtbau gewinne an Bedeutung. "In einer gemeinsamen Aktion mit Henkel wurden außerdem 11.000 Malerbetriebe angeschrieben, was eine gute Rücklaufquote zur Folge hatte."

Nmc Deutschland präsentiert sich seit Jahresanfang mit neuer Firmierung: Der Zusatz "Decoration" wurde ersetzt durch Geschäftsbereich "Architektur & Design". "Damit vernachlässigen wir unsere bisherigen Tätigkeitsfelder keineswegs, sondern wollen verdeutlichen, dass in der Zielgruppenansprache der Bereich Architekten/Innenarchitekten forciert wird", unterstrich Vertriebs- und Marketingleiter Matthias Rödling. Der Zierprofil-Anbieter bekennt sich in Deutschland zum dreistufigen Vertriebsweg und beliefert nach eigenen Aussagen ausschließlich den Großhandel.

Während Nmc im vergangenen Jahr im Segment Architektur & Design 10% zugelegt hat, musste in Deutschland ein kleines Minus von 2% hingenommen werden.Für dieses Jahr hat sich Rödling einen Zuwachs von 4% zum Ziel gesetzt und setzt dabei über das angestammte Programm an Dekorprofilen für Decke und Wand, Fußleisten, Rosetten, Pilaster und Säulen für innen und außen auf neue Produkte wie Paneele.

Zentrales Thema auf der Heimtextil war aber die neue Profilleisten-Serie Essenza: die zehn Fuß-, Wand- und Deckenleisten sind betont schlicht im Design und hochwertig im Material. Sie bestehen aus High Definition Polymer System (HDPS), einem mikrozellulären Schaum mit einem "idealen Verhältnis von Gewicht zu Härte", zudem wasserabweisend und feuchtigkeitsresistent.

aus BTH Heimtex 02/06 (Wirtschaft)