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Jahrestagung Estrich und Belag 2002 in Dortmund

"Wer zu uns gehört, zählt zu den Besseren"

Die Jahrestagung des deutschen Estrichgewerbes in Dortmund stimmte zuversichtlich: Die organisierten Betriebe kommen mit der Krise in der Bauwirtschaft offenbar besser zurecht als der Branchendurchschnitt - indem sie Nischen aufgreifen, spezielle Leistungen anbieten oder ein möglichst breites Angebotsspektrum abdecken. Trotz der stark geschrumpften Teilnehmerzahl wurde Aufbruchstimmung und Geschlossenheit vermittelt. Die internen Querelen scheinen endgültig überwunden.

nspektakulär verlief die diesjährige Jahrestagung Estrich und Belag in Dortmund - und das durchaus im positiven Sinne. Die organisierten Betriebe des Estrichlegerhandwerks demonstrierten Geschlossenheit. Die früheren Spaltungstendenzen zwischen Nord und Süd sowie insbesondere die Separationsbestrebungen einzelner Unternehmergruppen gehören offenbar endgültig der Vergangenenheit an. In Dortmund erlebten die angereisten Mitglieder von Bundesverband, Bundesfachgruppe, Bundesfachschule und Gütegemeinschaft einen reibungslosen Veranstaltungsverlauf ohne emotionsgeladene Debatten und offene Streitereien. "Wir sind nach Dortmund gekommen, um nach vorn zu schauen", gab Hans Uwo Fresse, Vorsitzender des Bundesverbandes Estrich und Belag (BEB), das Motto der Tagung vor. "Blicken wir optimistisch in die Zukunft und beweisen wir unsere Kompetenz durch positives, vorausschauendes Denken und Handeln."

Wenig spektakulär fiel allerdings auch die Resonanz auf den diesjährigen Branchentreff aus: Die BEB-Mitgliederversammlung am ersten Veranstaltungstag zählte gerade einmal 43 stimmberechtigte Teilnehmer - ein schwaches Ergebnis angesichts von über 200 ordentlichen Mitgliedern. Selbst zum traditionellen Gemeinschaftsabend mit den Fördermitgliedern aus der Industrie sowie den Kollegen aus den Innungen und Nachbarverbänden fanden sich lediglich 130 Personen ein - in Konstanz waren im letzten Jahr zum Begrüßungsabend 250 Branchenvertreter zusammengekommen.

Über die Gründe wurde in Dortmund viel spekuliert: die schwiege konjunkturelle Lage, der unglückliche Termin zwischen Vater- und Muttertag, der wenig attraktive Veranstaltungsort im Ruhrgebiet oder die Tatsache, dass mit der Estrichfachmesse dieses Jahr noch ein zweites Top-Event im Veranstaltungskalender des Estrichgewerbes steht, dem einige vielleicht den Vorzug gegeben haben. An der Organisation der Jahrestagung 2002 kann jedenfalls nicht gelegen hatten - da war sich die Mehrheit der Teilnehmer einig. Jürgen Wille, dem als Landesfachgruppenleiter Westfalen die Rolle des Gastgebers zukam, hatte ein attraktives Veranstaltungsprogramm zusammengestellt, das bei den Fachvorträgen wie beim Rahmenprogramm einen gelungenen Mix interessanter Inhalte sowie vielfältige Gelegenheiten zum kollegialen Austausch bot. Wer nach Dortmund gekommen war, hat es sicher nicht bereut.

Verband und Mitgliedsbetriebe verzeichnen positive Entwicklungstendenzen

Freese zog mit Blick auf die Arbeit seines Verbandes eine durchgehend positive Bilanz unter das abgelaufene Geschäftsjahr. An erster Stelle hob er die Aktivitäten der 11 Arbeitskreise hervor, "die in zahlreichen Sitzungen erneut wichtige Arbeits- und Hinweisblätter erarbeitet haben, die für unsere Mitgliedsbetriebe eine große Hilfestellung bei der Lösung ihrer täglichen Praxisprobleme bieten." Vor allem die neuen Merkblätter zu den Themen Bodenbelagverlegung und Reaktionsharzböden sind in der Branche auf großes Interesse gestoßen. Außerdem wurde eine ganze Reihe an Seminare und Tagungen zu aktuellen Fachthemen durchgeführt.

Anhand der Mitgliederstatistik legte Freese dar, dass die Mitgliedsbetriebe von der Unterstützung des BEB auch am Markt profitieren: "Der Mitgliederschwund durch Insolvenzen beträgt bei uns lediglich 2 % - gegenüber einem allgemeinen Durchschnittswert von 7 %. Darin zeigt sich: Wer im BEB ist, gehört zu den Besseren." Im gesamten Handwerk mussten im vergangenen Jahr 3.500 Betriebe ihre Pforten schließen. "Die Pleitewelle in Deutschland, bei der rein rechnerisch alle 15 Minuten ein mittelständisches Unternehmen Insolvenz anmeldet, ist noch nicht vorüber", gab der Vorsitzende zu Bedenken.

ZDB lenkt bei Finanzierungsstreit ein

In den Beziehungen zu den Nachbarverbänden konnte Fresse zumindest von leichten Fortschritten berichten: Der auf der letztjährigen Mitgliederversammlung offen hervorgetretene Finanzierungstreit zwischen dem BEB und dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) scheint erst einmal auf Eis gelegt. Zwar hielt Fresse in Dortmund an seiner Forderung fest, der ZDB müsse sich an der technischen Arbeit des Bundesverbandes finanziell beteiligen (s. Interview in FussbodenTechnik 1/2002). Die für diese Jahrestagung angedrohte Satzungsänderung, mit der auch Nicht-Innungsmitgliedern der Weg in den BEB eröffnet werden sollte, wurde jedoch vorerst vertagt.

Hintergrund: Der BEB-Vorstand kritisiert, dass der Bundesverband mit seinen rund 200 Mitgliedern den wesentlichen Teil der technischen Arbeit der Gesamtorganisation bestreitet, während der ZDB, dem die baugewerblichen Innungen und damit über 1.000 Betriebe des Estrichlegerhandwerks angeschlossen sind, den Großteil der Beiträge kassiert. Da die Arbeit des technischen Verbandes zum Nutzen aller Fachbetriebe erfolge - beispielsweise durch die Mitarbeit in der Normung, der Erarbeitung von Praxishinweisen sowie im Rahmen der Interessensvertretung des Handwerks gegenüber der Industrie in allen technischen Belangen - erwartet der BEB vom ZDB eine entsprechende finanzielle Unterstützung. Ansonsten wollte der Vorstand auf der diesjährigen Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung anregen, mit der allen interessierten Betrieben - unabhängig von der Mitgliedschaft in einer Innung - der Weg in den technischen Verband eröffnet wird, um dessen finanzielle Basis zu verbreitern.

Der ZDB hatte jedoch noch kurz vor Tagungsbeginn eingelenkt und signalisiert, ein Modell für eine gemeinsame Finanzierung der technischen Arbeit im Estrichgewerbe erarbeiten zu wollen. Im Gespräch ist ein Umlageverfahren seitens der nicht im BEB organisierten Innungsbetriebe. Das will man im BEB-Vorstand nun erst einmal abwarten, bevor weitere Schritte ergriffen werden. Freese betonte allerdings in Dortmund, dass er sich nicht beliebig vertrösten lassen wird: "Eines ist klar: Bei unserem nächsten Wiedersehen, muss die Sache stehen." 2003 will man die angedrohte Satzungsänderung sonst wieder auf die Tagesordnung setzen.

BEB Bundesverband Estrich und Belag e.V.
"Wir sollten diese Tagung nutzen, über neue Möglichkeiten der Technik, aber auch des Geldverdienens nachzudenken", gab BEB-Vorsitzender Hans Uwo Freese in seiner Eröffnungsansprache die Zielrichtung vor.

Kooperationsgespräche mit Parkett- und Fliesenlegern fortgeführt

Auch bei den Kooperationsbemühungen mit den Nachbargewerken geht es offenbar weiter voran: Die Gespräche mit dem Fachverband des Deutschen Fliesengewerbes im ZDB sowie mit dem Zentralverband Parkett- und Fußbodentechnik (ZVP) im Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) bezüglich einer engeren Zusammenarbeit und einer Interessensbüdelung am Boden wurden im vergangenen Jahr fortgeführt. Mit dem neuen stellvertretenden ZVP-Vorsitzenden Gert F. Hausmann, der in Dortmund als offizieller Vertreter des Parkettlegerhandwerks begrüßt wurde, steht nun in diesem Nachbargewerk ein Gesprächspartner zur Verfügung, der als langjähriges BEB-Mitglied und Arbeitskreis-Obmann auch im Estrichlegergewerbe wichtige Funktionen ausübt.

Die prinzipielle Notwendigkeit einer intensiveren Zusammenarbeit würde mittlerweile in allen Verbänden anerkannt, stellte Fresse fest. Ein Durchbruch ist allerdings offenbar noch nicht in Sicht: "Es handelt sich um einen sehr schwierigen Prozess, der nur langsam an Überzeugung gewinnen kann, wenn jeder bereit ist, von seinen eigenen Positionen zugunsten der gesamten Fußbodengewerke ein Stück abzurücken", räumte der BEB-Vorsitzende ein.

Generationswechsel im IBF und im BEB-Vorstand

Darüber hinaus berichtete Freese vom Abschluss der Arbeiten bei der Sanierung des BEB-Verbandsgebäudes sowie beim Neubau des Instituts für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) in Troisdorf. Mit Oliver Erning stellte er in Dortmund zudem einen neuen Institutsleiter vor. Der Diplom-Physiker, vereidigte Sachverständige für das Estrichlegerhandwerk und langjährige IBF-Mitarbeiter folgt Werner Schnell nach, der im März in den Ruhestand ging.

Um auch im BEB den Generationswechsel einzuleiten, appellierte der Vorsitzende an die jüngeren Mitglieder, aus ihren Reihen Kandidaten für die Vorstandswahlen im kommenden Jahr zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus regte er an, den BEB-Vorstand im Zuge der Neuwahlen von bisher 7 auf 5 Sitze zu verkleinern, da immer weniger Verbandsmitglieder bereit seinen, angesichts der starken Belastung durch das Tagesgeschäft zusätzliche, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Ein erster Schritt in Richtung einer Verjüngung des Verbandes vollzog sich bereits in Dortmund durch die Wahl von Werner Ott in den BEB-Vorstand. Der Obmann des Arbeitskreises "Abdichtungen" übernimmt den Platz von Manfred Krieger, der sich aus Altersgründen nun endgültig aus der aktiven Vorstandsarbeit zurückziehen will. Kriegers langjähriges Engagement für den Verband wurde durch die Ernennung zum Ehren-Vorstandsmitglied gewürdigt.

Die nächste Jahrestagung Estrich und Belag soll im Mai 2003 in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden. Die Organisation hat Estrichlegermeister Peter Krüger aus Güstrow übernommen, der bereits als Veranstalter der gelungenen Jahrestagung 1998 in Göttingen sein Talent als Ausrichter von Großveranstaltungen unter Beweis stellte.

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Rahmenprogramm - Kollegialer Austausch im Mittelpunkt

Nach der von allen Teilnehmern sehr gelobten Jahrestagung 2001 in Konstanz mit ihrem attraktiven Rahmenprogramm von der Bodensee-Kreuzfahrt bis zum Festball hatte der BEB-Vorstand für dieses Jahr eine "Versachlichung" angekündigt. Im Mittelpunkt sollte der "konstruktive Gedankenaustausch bei rustikalen, geselligen Abenveranstaltungen" stehen. Das tat der allgemeinen Stimmung jedoch keinen Abbruch. Das weitgehend positive Resümee der Tagungsteilnehmer zeigte, dass den meisten der kollegiale Austausch offenbar tatsächlich wichtiger ist als ein besonders exklusives Begleitprogramm. Dazu bot vor allem der Gemeinschaftsabend mit den Förder- und Gastmitgliedern sowie den Kollegen aus den Nachbarverbänden und -gewerken ausreichend Gelegenheit. Dem Veranstaltungsort angemessen traf man sich in einer traditionsreichen Dortmunder Hausbrauerei zu westfälischer Küche und einem "gepflegten" Bier. Am zweiten Abend ließen sich die Tagungsteilnehmer im Festsaal des Hilton-Hotels mit flotter Tanzmusik und westfälischen Späßen des Komikers "Kiepenkerl" unterhalten.

aus FussbodenTechnik 03/02 (Wirtschaft)