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Kommentar: Carpet Design Awards

Gute Idee - schwache Umsetzung


Die Erwartungshaltung war groß: Ein Teppichdesign-Wettbewerb sollte zur Domotex 2006 der langjährigen Teppichsondershow Carpet Performance nachfolgen. Jetzt gehen wir durch und sind enttäuscht. Diese ausgestellten Stücke sollen also herausragende Bespiele für Teppichdesign sein? Naja... Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten. Wer aber mit offenen Augen über die Messe geht, sollte nicht lange brauchen, um eine schönere Auswahl interessanter Designs zu finden.

Durchaus gelungen ist dafür die optische Aufmachung der Sonderveranstaltung, besonders im direkten Vergleich mit den Carpet Performances der letzten Jahre, die häufiger am Geschmack der Besucher vorbei gestaltet waren.

Doch warum wirkt die Auswahl der ausgestellten Teppiche so lieblos? Es darf die Frage erlaubt sein, ob überhaupt genügend Stücke eingereicht wurden. Das Problem lag wohl im Ansatz des Design-Wettbewerbs. Die Einteilung der Kategorien (Bestes modernes Design im Preissegment unter 100 EUR/qm, Bestes modernes Design im Preissegment von 100 bis 250 EUR/qm, Bestes modernes Design im Preissegment über 250 EUR/qm, Bestes klassisches Design, Beste moderne Kollektion, Beste klassische Kollektion, Beste moderne Innovationsleistung, Beste klassische Innovationsleitung und ein Publikumspreis) war von der Idee her richtig, von der Ausführung leider unglücklich. Es macht schon Sinn, den Preis zum Bestandteil einer Kategorie zu machen, damit sich kein 30 EUR Teppich mit einem 300 EUR Teppich messen muss. Die gewählten Preisschwellen waren aber in den Augen einiger Anbieter so ungünstig gewählt, dass sie grade in die nächst höhere Gruppe gefallen wären. So verzichteten sie auf die kostenpflichtige (!) Einreichung ihrer Teppiche.

Richtig gekniffen fühlten sich die Anbieter klassischer Orientteppiche. Sie waren in ihren Augen komplett außen vor, weil sie sich in keiner Kategorie richtig zu Hause fühlten. Das stieß ihnen besonders sauer auf, weil die Carpet Design Awards von der Grund-idee her für Ihre Produkte gedacht sein sollten. Dieser Wettbewerb war ja schließlich der Ersatz für die im Orientteppichbereich angesiedelte Carpet Performance.


War nun alles schlecht an den neuen Carpet Design Awards? Sicher nicht. Die Idee, das Design in den Mittelpunkt zu stellen, ist richtig. Heute werden Teppiche vor allem mit den Augen gekauft, ein gutes Design ist also entscheidend. Auch ist es richtig, sowohl moderne, als auch klassische Teppiche nebeneinander antreten zu lassen. Beide Produktgruppen können nur davon profitieren.

Der Weg der Carpet Design Awards ist richtig; es muss aber noch mit viel Fingerspitzengefühl an den Schwachpunkten gearbeitet werden.

Tim Steinert

aus Heimtex Orient 01/06 (Wirtschaft)