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Maison & Objet

Von der Newstalgie und Öko-Nomaden



Absolute Stars bei der diesjährigen Frühjahrs-Maison & Objet waren Sitzmöbel: entweder klarlinig und modern in der Form oder barock und mit dem Stoff auf zeitgemäßen Sitzkomfort umgewandelt. Unverkennbar wurde das Thema Glamour durchgespielt - mit wertigem Velours, glänzenden Oberflächen, weichen Wollqualitäten und raffinierten Verbrämungen im Stil Swarovski. Seiden und Veloure sind elegant-morbid in Violett, Rosa, Braun und Perlgrau oder süßlichen Pastells wie Baby-Rosa, Hellblau, Gelb und Mandelgrün coloriert. Metallische und irisierende Effekte wie auch Salon-Drapierungen, meist in kontrastierenden Stoffen, trugen zum effektvollem Auftritt bei. Daneben fielen farbenfrohe, leicht maskuline Stofftypen auf, wie sie in der Damenoberbekleidung Mode sind und fast maskulin wirken: Tweeds, Hemdstreifen, Karos, Hahnentritt, Pepita. Auch Einflüsse von Art déco spielen mit bei Stoffen und Tapeten, ebenso unverkennbar weiterhin die 50er bis 70er Jahre. Grafische Druckdessins sind großformatig und inspiriert von Matisse, Klee oder der Pop Art. Vor allem herrschen runde Formen, Kreise, Ellipsen vor - bei Jab Anstoetz, Osborne & Little, Larsen, Nobilis, Decortex Firenze, Gaston y Daniela.

Ein spritziger Material- und Stilmix zeugt von der weltweiten Lust am Reisen, von fremden Kultur-, Form- und Farbeinflüssen: florale und grafische Dessins und Stickereien sind arabisch-andalusisch angehaucht (Designer's Guild, Larsen, Zimmer+Rohde), daneben finden sich afrikanische Impressionen und Gewürzfarben (Gaston y Daniela), oder auch Inspirationen von den Pazifischen Inseln, den Ponchos der Mayas (Lorca) oder Zigeuner-Folklore (Casamance).

Luxus aus dem Orient illustrieren reiche Veloure, Seiden und Leinen, ornamental pompös, aber zeitgemäß versachlicht und umgewandelt.

Stickerei und Applikationen überall - auch im Bereich Natur, dekoriert mit exotischen Blüten oder wie handgemalt wirkenden Blumen, mit Holz- und Rindenzeichnungen, Wellen, Leopardenfell-Drucken - auf Velours, Leinen, Rohseiden. Naturmaterialien wie Abaca, Baumwolle, Leder oder technische Fasern in natürlicher Optik wie Stroh, matt oder glänzend, ergeben lebhafte, neue Strukturbilder.

Maison & Objet
Alle Trendelemente finden sich bei Asiatides: Stoffe mit Glanz, Pailletten, Stickereien, Velours, Samt, Langflor, viel Holz in Violett, tiefem Rot, Grün und staubigen Naturfarben.
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Auch Designer's Guild inszeniert die neue Opulenz mit reich gemusterten Velouren, die durch die unkonventionelle Farbgebung in Türkis-Oliv, Türkis-Schwarz und Weiß-Schwarz aber sehr modern wirken.
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Nordische Schlichtheit und neue Strukturbilder aus Estland: Den schwarzen Teppich von Annnike Kaigo schmückt eine auffallende, nieten-artige Dessinierung.
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Erfolgreiche Premiere in Paris: Nanimarquina aus Barcelona mit ungewöhnlichen Langflor-Teppichen (Juliette, Cuk) und dem Modell Roses mit Rosendessin aus Filz eingelegt.

Im Rahmen der dekorativen Wohnvorschläge mischen auf der Maison & Objet schon immer moderne Teppiche mit. Grafische und meist plastische Strukturen in hochwertigen Naturmaterialien und warmen Wohnfarben gelten als konsumfreundlich und stehen mehr im Vordergrund des Angebots als expressiv gemusterte Designerteppiche. Bordüren haben ihren Zenit überschritten, stattdessen sah man mehr randlose Teppiche. Interessant waren ungewöhnliche Materialkombinationen (I+I, Parentesi Quadra, E-Design, Zygote) oder auch Coordinates mit Sitzkissen (Nanimarquina), Tagesdecken, Plaids und Fensterdekorationen.

Im Trendparcours inszenierte die Messe Themenbereiche, um Ideen für die kommenden Saisons aufzuspüren und anzuregen. Vincent Grégoire für die Agentur Nelly Rodi zeigte in "Newstalgie" die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, gleichzeitig bescheiden und hip, nostalgisch und modern. Elisabeth Leriche ließ unter "Sur la route" Öko-Nomaden die Leinen losmachen: Hütten, Container, Zelte und Wohnwagen standen bei ihr für ein freieres Leben im Einklang mit der Natur. Franois Bernard fasziniert das Wasser, dieses knappe, wertvolle Gut; er zauberte mit Materialien, Formen und Farben in "Atlantide" ein flüssiges Paradies von kristalliner Transparenz.

Besonders im Maison & Objet-Bereich Scènes dintérieur steht Möbel-Design stark im Blickpunkt. Die Messe wollte aber das Thema Möbel für die gesamte Einrichterbranche verdichten und einmal im Jahr, nämlich im Januar, Synergieeffekte zur Messe in Villepinte schaffen. Zeitgleich zur Maison & Objet fand daher zum ersten Mal auf dem Messegelände Le Bourget die Möbelmesse Planète Meuble Paris statt.

Herzstück der Planète Meuble Paris sollte Le Magasin (Das Geschäft) sein. Auf 400 qm präsentierten drei Trendbüros mit dem Schwerpunkt Merchandising ihre Vision des Möbelhauses von morgen. Aufgeteilt in drei Bereiche -S chlafzimmer/Badezimmer/Ankleidezimmer, Küche/Esszimmer, Wohnzimmer/Terrasse - bot Le Magasin neue Ideen für die gelungene Präsentation und den Verkauf von Möbeln.

aus BTH Heimtex 05/06 (Wirtschaft)