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Aquafil S.p.A

Aquafil investiert in eigene Caprolactam-Produktion


2000 war eins der schwierigsten Jahre für die Teppichbodenbranche: Nachfragerückgang, Rezession, tiefgreifende strukturelle Veränderungen auf Industrieseite und vor allem die extremen Rohstoffverteuerungen machten auch den Faserherstellern zu schaffen. Von Januar bis Mai lief das Geschäft ganz gut", erinnert sich Aquafil-Geschäftsführer Guido Torresani, "danach wurde es immer weniger." Erst gegen Ende des Jahres habe sich die Situation etwas entspannt, aber nicht mehr das Niveau vom Jahresanfang erreicht.

Man habe nicht nur deutliche Einbußen bei den Mengen, sondern vor allem auch bei den Margen hinnehmen müssen, die nur teilweise durch Rationalierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen aufgefangen werden konnte. Preiserhöhungen bei Teppichgarnen blieben - und bleiben - unvermeidlich. "Wir konnten bereits im vergangenen Jahr einige Pfennige weitergeben und haben Ende des Jahres begonnen, mit den Kunden über weitere Preiserhöhungen zu sprechen", sagt Torresani. "Wir brauchen bessere Preise - und zwar sofort, nicht erst im Sommer."

Das allein reicht aber noch nicht aus - zumindest nicht langfristig - weiß man in Arco und sucht deshalb noch andere Wege aus der Krise. Zum einen ist Aquafil dabei, den Produktmix zu verändern: Noch mehr Spezialitäten, technische Innovationen und Garne mit Alleinstellung, um sich vom Massenangebot abzusetzen. Auf der Domotex waren vielversprechende erste Entwicklungsbeispiele zu sehen. "Allerdings dauert es mindestens eine Saison, bis diese Strategie Wirkung zeigt", übt sich Torresani in Geduld.

Noch langfristiger angelegt ist die rückwärtige vertikale Integration, die die Italiener anstreben - hin zur eigenen Caprolactam-Produktion. Man will sich aus der Abhängigkeit von der Großchemie lösen. "Wir brauchen mehr Kontinuität und Sicherheit auf der Rohstoffseite", argumentiert Torresani. Ein Chemiefaserhersteller müsse künftig vertikal integriert sein.


Im letzten Jahr hat Aquafil bereits die neue Sparte Caprolactam & Chemicals ins Leben gerufen. Sie betreibt im slowakischen Zilina eine Caprolactam-Produktion, mit der schon heute ein Drittel des Eigenbedarfs gedeckt werden kann. Jedoch verfügt das Werk nicht über die Kapazitäten, um Aquafil komplett mit Caprolactam versorgen zu können. Mutter Bonazzi sei aber derzeit in Verhandlungen über ein sehr interessantes Projekt. Die Entscheidung soll noch im ersten Quartal fallen.

Nicht zuletzt setzt Aquafil auf die Intensivierung des Kunden-Services, der ohnehin großen Stellenwert bei den Italienern einnimmt. Nicht umsonst sieht Torresani die kontinuierlichen, engen, persönlichen Kontakte als einen der Erfolgsfaktoren des Unternehmens. So wurde 2000 eine Tochter in Cartersville im US-Bundesstaat Georgia gegründet, dem Zentrum der amerikanischen Teppichindustrie, um näher vor Ort bei den dortigen Kunden zu sein.

Insgesamt unterhält die Bonazzi-Gruppe mit ihren beiden großen Geschäftsfeldern Fasern und Garne sowie Stoffe jetzt 15 Fabrikationsstätten und beschäftigt 3100 Mitarbeiter. 1999 belief sich der Umsatz auf gut 755 Mio. DM, 2000 war eine Steigerung auf über 830 Mio. DM vorgesehen. Die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor. Die Produktionskapazitäten an Nylon-Polymeren werden auf 85.000 Jato beziffert, dazu kommen 48.000 Jato BCF-Garne, die zum großen Teil zu textilen Bodenbelägen verarbeitet werden, 15.000 Jato Textilgarne, außerdem Technopolymere, synthetische und Baumwoll-Stoffe sowie Bekleidung.

aus BTH Heimtex 02/01 (Wirtschaft)