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Badteppiche auf der Heimtextil

Die Branche sucht nach neuen Absatznischen

Die Badteppich-Anbieter suchen nach Perspektiven für die Zukunft. Die einen setzen auf den Ausbau des Sortiments mit Accessoires, die von Porzellan und Keramik bis hin zur Körperpflegeserie reichen können, die anderen wollen sich neue Kundengruppen erschließen.

Badteppiche leiden unter dem gleichen Problem wie die anderen Segmente der Heimtextilien-Branche: Der Bedarf an sich ist gedeckt, die Zeit der Zuwachsraten vorbei, und - auch der Badteppiche "hält einfach zu gut und zu lange", wie Rhomtuft-Geschäftsführer Stefan A. Golze bemerkt. Und der modische Aspekt findet beim Verbraucher nicht den Rückhalt, den sich Industrie und Handel wünschen. Auch weil Fliesen lange an der Wand bleiben, wechselt die Badmode nur langsam.

Batex-Geschäftsführer Jan Erhardt zu der Problematik: "Wir entwickeln neue Produkte, um am Ende festzustellen, dass wir sie nur für 5 bis 8 % interessierte Verbraucher herstellen." In einem übersättigten Markt ist diesem Dilemma kaum zu entkommen. Der Handel braucht "Eyecatcher", Produkte also, die kaum verkauft werden, aber optisch Aufmerksamkeit erregen. Erhardt sieht das ein: "Wir müssen Bedarf nicht decken, sondern wecken und den Verbraucher überzeugen, das, was er hat, auszutauschen." Der Handel müsse den Konsumenten zum Nachdenken zwingen, indem er den Badteppich "einfach mal anders darstelle". Oder stärker die Möglichkeiten der individuellen Gestaltung in den Vordergrund rückt, wie es Clarissa tun will.

Das vergangene Jahr war nach den Aussagen der in Frankfurt anwesenden Anbieter dennoch nicht schlecht. Fast alle sprechen von Umsatzzuwächsen. Dass sich diese nicht auf die Ergebnisse durchgeschlagen hat, wird im wesentlichen auf den hohen Dollarkurs, Rohstoffverteuerungen und Kostendruck im Transport verantwortlich gemacht.

Wie es 2001 weitergeht, wagt keiner zu prognostizieren. Jeder versucht auf eigene Weise, dem Absatz auf die Sprünge zu helfen. Nicol erweitert seine Badteppiche auf 20 Kollektionen im mittleren Preisbereich und propagiert ein eigenes Shopsystem. Produkte aus dem Wellness-Bereich sollen für Schwung sorgen. Aus dem Stand heraus kamen sie bei diesem Unternehmen auf einen Umsatzanteil von 8 %. Der Fachhandel scheint grundsätzlich aufgeschlossen, dennoch: der neue Accessoire-Mix muss erst schmackhaft gemacht werden. Die konsumig-preiswerte Schiene im Baumarktbereich bedient die Nicol-Tochter Sanwood.

Auch bei Kleine Wolke kommt man "durch Baumarktketten einen Schritt weiter", heißt es. Das letztjährige Umsatzplus von 4 % wird überwiegend dem Export gutgeschrieben. Messe-Aufmerksamkeit provozierte das Unternehmen mit intimen Pop-Art-Duschvorhängen. Was die neue übergeordnete Vertriebsgesellschaft leisten kann, die seit September 2000 in Deutschland alle Vertriebsaufgaben der Leifheit-Töchter Kleine Wolke, Meusch und Spirella steuert, wird das begonnene Jahr zeigen.

Heimtextil Frankfurt
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Synergien hin und her, Meusch selber sieht sich vor der strategischen Herausforderung, die Marke aus eigener Kraft weiter auszubauen und zu positionieren. Die neue Designphase läuft bereits auf Hochtouren, das Marketing grübelt, wohin der Trend gehen soll. Mal sind Muster, mal die Form Träger des individuellen Geschmacks.

Hochwertanbieter Rhomtuft seinerseits will den Kundenkreis erweitern. Auf der Heimtextil versuchte man durch einen zusätzlichen Stand in Halle 1.2. neues Publikum zu erreichen. Carola Golze: "Das ist eine Art Trendhalle. Hier kommen Inneneinrichter und Innenarchitekten aus den Großstädten, die kleine Mengen abnehmen." Auch Möbelhäuser und Objekteinrichter wurden registriert, sogar Leute aus dem Bettenfachbereich, die bislang keine Badtextilien führten. "Einfach mehr Laufkundschaft", stellt Carola Golze fest, die auch über starkes ausländisches Interesse erfreut war.

Grundsätzlich scheinen die Aussichten für das laufende Jahr nicht allzu schlecht zu sein. Viele setzen auf die allgemein steigende Kaufkraft, unter anderem durch die Steuererleichterungen zum Jahresanfang.

Für Impulse für die Branche spricht auch, dass das deutsche Bad erstens stetig an Grundfläche zunimmt und zweitens die Ausstattung immer wertiger wird. Bei einem inländischen Marktvolumen auf Basis der Herstellerabgabepreise von 8,2 Mrd. DM entfallen schon rund 1,4 Mrd. DM auf sanitäre Randsortimente wie Textilien, Badteppiche, Accessoires, Leuchten und WC-Deckel. Dennoch, sagen Kritiker wie Marktforscher Winfried Titze, hinke die deutsche Industrie der Entwicklung zum Lifestyle-Bad hinterher. Die aktive Kommunikation des Bades als "Wohlfühloase" zum einen und als "barrierefreies Bad für die ältere Generation" zum anderen werde verschlafen. Zudem klammere man sich zu stark an traditionelle Vertriebswege - und davon würden überproportional ausländische Hersteller profitieren.

aus BTH Heimtex 02/01 (Wirtschaft)