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Armstrong DLW verhandelt über Verkauf der Textilsparte

Desso-Gruppe bald in britischer Hand?

Nach längerem Hin-und-Her um die Zukunft der Textilsparte von Armstrong-DLW zeichnet sich jetzt eine Lösung ab: Mit der britischen Kapitalgesellschaft CVC scheint ein ernstzunehmender Kaufinteressent gefunden. Armstrong DLW gab kürzlich bekannt, dass sie mit dem Finanzinvestor Verhandlungen über den Erwerb der Desso-Gruppe aufgenommen hat.

Armstrong DLW hat einen Interessenten für seine Textilsparte gefunden. Ende Februar gab die Tochter des US-Konzerns Armstrong bekannt, dass sie mit dem britischen Finanzinestor CVC Capital Partners in Verhandlungen über den Erwerb der Desso-Gruppe steht.

Unter dem Dach von Desso sind die gesamten Textilaktivitäten von Armstrong DLW zusammengefasst. Insgesamt werden 1.300 Mitarbeiter in den Werken in den Niederlanden, Deutschland und Belgien beschäftigt. Der Umsatz belief sich 1999 auf 300 Mio. Euro (knapp 590 Mio. DM), für 2000 sind noch keine Zahlen vorgelegt worden. Das gilt auch für das Ergebnis. Armstrong DLW-Vorstandschef Gerard Glenn gab lediglich bekannt, dass Desso nach einem Verlust im Vorjahr inzwischen wieder profitabel arbeite.

CVC mit Sitz in London ist eine große Kapitalgesellschaft, die an über 200 europäischen Unternehmen Anteile im Gesamtwert von 30 Mrd. Dollar (gut 63 Mrd. DM) hält. Erst vor kurzem war CVC beim österreichischen Faserhersteller Lenzing eingestiegen.

Modalitäten und Ablauf des Desso-Verkaufs sind noch nicht bekannt. Glenn geht auch davon aus, dass die Verhandlungen mehrere Monate in Anspruch nehmen werden. Im März geht er zunächst mit dem Vorschlag in den Aufsichtsrat, im Sommer muss dann noch die Hauptversammlung ihre Zustimmung geben - die kann allerdings als sicher gelten, da Armstrong über 96 % der Aktien hält.

Damit hat jetzt das Rätselraten um die Zukunft des Textilbereichs bei Armstrong-DLW ein Ende. Mutter Armstrong hatte von Anfang an nie einen Hehl daraus gemacht, dass man sich mittelfristig auf die Kernkompetenzen elastische Beläge konzentrieren wolle. Ex-Vorstandschef Dr. Bernd Pelz hatte sich jedoch stets gegen einen Verkauf ausgesprochen. Nach seinem vorzeitigen Abgang im November 2000 konnte das Vorhaben vorangetrieben werden. Textilbeläge seien in den Augen von Armstrong einfach nicht profitabel genug, erklärte Europa-Statthalter Glenn. Die weltweite Fusionswelle erfordere Großinvestitionen, die die Amerikaner für die Desso-Gruppe aber nicht leisten könnten. "Es macht mehr Sinn, in elastische Beläge zu investieren. Darüber weiß Armstrong am meisten."

Mit dem Verkauf der Desso-Gruppe verliert Armstrong DLW voraussichtlich mehr als die Hälfte seines Jahresumsatzes (1999: 1,04 Mrd. DM). Vehement wehrte sich Glenn in der "Bietigheimer Zeitung" gegen Vorwürfe, Armstrong habe es von Beginn an darauf abgesehen, so viel Liquidität wie möglich aus seiner europäischen Tochter zu ziehen. Seiner Ansicht nach ist Desso bei CVC gut aufgehoben. Nach seinen Informationen wollen die Briten Desso mit ähnlich gelagerten Unternehmen zusammenführen und später gemeinsam weiter verkaufen. In diesem Zusammenhang seien auch Investitionen geplant.


Über die Höhe des Kaufpreises für Desso wollte Glenn keine Auskunft geben, ließ nur durchblicken, dass das Geld in Europa bleiben und für elastische Beläge aufgewendet werden soll.

Bestimmt dementierte Glenn, dass die Desso-Gruppe unter Wert verkauft werden könnte, weil Armstrong durch die Asbest-Klagen in den USA unter Druck stehe. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und bekommen einen fairen Preis." Spekulationen darüber waren entstanden, weil ein Gutachten den Wert der Textilaktivitäten um 100 Mio. DM niedriger angesetzt hatte. Laut Glenn wird Armstrong DLW diesen Verlust in der Bilanz 2000 verbuchen.

Von Druck aus den USA könne keine Rede sein, sagte der Vorstandschef in der Lokalpresse. Armstrong habe Geld in ausreichender Höhe zur Verfügung, nachdem das Geschäft im Jahr 2000 "ausgesprochen gut" gelaufen sei. Nur "in sehr geringem Umfang habe ein Kredit der Chase Manhattan Bank für die laufenden operativen Aktivitäten in Anspruch genommen werden müssen. 100 Mio. DM hatte Armstrong DLW an seine Mutter ausgeliehen. 18 Mio. DM seien bereits zurückerstattet. "Armstrong hat keine Probleme, seine Schulden zurück zu zahlen."

Die Zahlen für das vierte Quartal waren allerdings nicht berauschend. Die schwächelnde Konjunktur und die Rohstoff- und Energieverteuerungen drückten auf Umsatz und Ergebnis. Für 2001 geht Armstrong-Chef Michael Lockhart nicht von einer Besserung der Lage aus.

Auch Armstrong DLW hat kein leichtes Jahr hinter sich. Das Unternehmen schließt nach vorläufiger Schätzung mit einem Verlust zwischen 60 und 70 Mio. DM ab, der nach Glenns Aussage aber nicht auf das operative Geschäfts zurückgeht, sondern aus den tiefgreifenden Restrukturierungsmaßnahmen resultiert. Damit gibt es für die Aktionäre keine Dividende.

aus BTH Heimtex 03/01 (Wirtschaft)