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Uzin Utz AG hat den Konzernumsatz 2005 deutlich gesteigert

"Unsere Mitarbeiter sind der entscheidende Erfolgsfaktor"

Ihre "Strategie des profitablen Wachstums" setzte die Uzin Utz AG 2005 auf beeindruckende Weise fort. Gleich um satte 14% stieg der Konzernumsatz. Erstmals seit einer Reihe von Jahren legte auch das Inlandsgeschäft wieder leicht zu. Wie ist das in diesen schwierigen Zeiten möglich? "Was sich deutlich in den Zahlen niederschlägt, sind die organisatorischen und mentalen Veränderungen im Unternehmen", erfuhr Ulrich Baumert, stellvertretender Chefredakteur von BTH Heimtex in einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. H. Werner Utz, Finanzvorstand Thomas Müllerschön, Vertriebsleiter Stefan Neuberger und Marketingleiter Klaus Stolzenberger.

Dass der Erfolg einer Firma mit "organisatorischen Veränderungen" begründet wird, ist nachvollziehbar - aber wie lässt sich "mental" Positives bewirken?

"Innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat sich dieses Unternehmen total gewandelt, nicht nur bezüglich der Personen, sondern auch von deren Einstellung und Fähigkeit her, andere zu motivieren", schildert Dr. H. Werner Utz. Und einen erheblichen Motivationsschub scheinen 2005 Umbesetzungen im Vertrieb zur Folge gehabt zu haben. Der Tagesumsatz stieg anschließend um 11% und lag bei zirka 380.000 EUR, was auf die positive Einstellung und das große Engagement der Mitarbeiter zurückgeführt wird.

"Diese Entwicklung hat uns in der Auffassung bestätigt, dass der entscheidende Erfolgsfaktor im Unternehmen die Mitarbeiter sind", sagt Thomas Müllerschön, als Vorstand zuständig für die Ressorts Finanzen, Controlling, Personal, Logistik und Konzernorganisation. Er ist seit 1994 im Unternehmen und hatte bereits Anfang 2000 die komplette Leitung der Verwaltung inne.

Unternehmerisches Denken ist auf allen Entscheidungsebenen gefordert

Ideelle Werte wie "Loyalität den Mitarbeitern gegenüber" sind in diesem Haus offensichtlich keine leere Phrase: "Wenn es geschäftlich einmal weniger gut läuft, wird der Personalstamm nicht gleich ausgedünnt wie in großen, ausschließlich am Gewinn orientierten Unternehmen", betont der Finanzvorstand. Und auch das ist ein wichtiger Faktor: Von den rund 300 Beschäftigten am Standort Ulm haben über 40 eine Ausbildung im eigenen Hause absolviert. Gegenwärtig qualifiziert man 29 junge Leute in unterschiedlichen Berufen, um sicherzustellen, dass auch künftig alle Positionen adäquat besetzt werden können. "Diese außergewöhnliche Kontinuität ist offensichtlich erkannt worden, was ebenfalls zur Motivation beiträgt", erläutert Müllerschön.

"Personelle Konsequenzen sind allerdings unausweichlich, wenn Mitarbeiter nicht in der Lage sind, sich an der Unternehmensphilosophie zu orientieren", ergänzt Dr. Utz. Wichtig ist dem Vorstandsvorsitzenden "unternehmerisches Denken auf allen Entscheidungsebenen, beispielsweise mit dem Ziel der Kosteneinsparung".

Bei dieser Einstellung wird Branchenkennern deutlich, dass bei den Übernahmen der Firmen Wolff und Pallmann konträre Unternehmenskulturen aufeinander prallten. "Uns war klar, dass in beiden Fällen ein erheblicher Restrukturierungsbedarf bestehen würde, wenn auch nicht in dieser Dimension", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende. Sämtliche Führungskräfte habe man austauschen müssen. "Nach diesen Maßnahmen sowie einer Investitionsphase stehen beide Unternehmensbereiche gut da und haben entscheidend zum positiven Ergebnis des Jahres 2005 beigetragen. Das Umsatzwachstum bei Wolff lag zirka 30% über dem Vorjahr", resümiert Dr. Utz.

Großhandel und Objekteure bilden die Säulen des Vertriebs

Der Vertrieb über den Großhandel hat für die Ulmer schon immer einen besonderen Stellenwert gehabt. Bezeichnend für das Miteinander ist nach Ansicht des Vorstandschefs, dass sich die Gesprächsinhalte grundlegend gewandelt haben. "Der Erfahrungsaustausch über die Führung von Unternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren einen immer größeren Stellenwert erhalten", berichtet er. "Da fast alle Grossisten mittelständische Familienbetriebe sind, ergibt sich zwangsläufig eine gemeinsame Interessenlage", verdeutlicht Dr. Utz. Völlig anders stelle sich die Situation der meisten Wettbewerber dar, die Bestandteile von Großkonzernen seien. Ein Management, das sich permanent gegenüber seiner Konzernleitung rechtfertigen müsse, verfolge zwangsläufig andere Ziele als ein Firmeninhaber. "Das Gespräch von Unternehmer zu Unternehmer hat eine enorme Bedeutung, wenn es darum geht, eine langfristige Marktpartnerschaft einzugehen", ist er überzeugt.

Bei Uzin entfallen zirka 60% des Umsatzes auf den Großhandel, 40% auf den Objekteur. "Genau umgekehrt ist das Verhältnis bei Pallmann, wobei der Handel an Bedeutung gewinnt", beschreibt Vertriebsleiter Stefan Neuberger die Entwicklung der Kundenstruktur in Deutschland. Seit 2004 ist er Geschäftsführer für die Bereiche Marketing und Vertrieb bei JP Coatings in Würzburg, wo inzwischen auch die Parkettversiegelungen von Pallmann hergestellt werden. 2005 übernahm er die Vertriebsleitung für die Marken Uzin und Wolff in Deutschland.

Die jüngste strategisch wichtige Übernahme war 2005 der Kauf des Schweizer Unternehmens Siga Floor. "Mit der Integration der patentgeschützten Trockenklebe-Technologie für flexible Bodenbeläge in die Systemwelt unseres Hauses sichern wir uns nahezu konkurrenzlose Marktanteile und Zukunftsoptionen", unterstreicht Dr. Utz. Man darf gespannt sein, ob es gelingt, dieser Marke ein ebenso prägnantes Profil zu verleihen wie es bei Pallmann und Wolff der Fall war. Die bei der Übernahme "angestaubten" Label erfuhren mit einem frischen Outfit sowie richtungweisenden Produkten eine Neueinführung par excellence. An dieser Leistung muss sich das Marketing bei künftigen Projekten messen lassen.

Das Prämienprogramm Bonutz trug nicht unwesentlich dazu bei, auch in schwierigen Zeiten eine Nachfrage zu erzeugen, was Marketingleiter Klaus Stolzenberger jedoch nicht auf dieses Instrument reduziert sehen möchte. Nach seiner Ansicht haben vor allem Veranstaltungen wie das "Forum der Technik" in Feuchtwangen Wirkung gezeigt. Hier waren ein Dutzend Anwendungstechniker in Aktion und stellten die Marktmacht und Kompetenz des Unternehmens unter Beweis. "Kein anderer Hersteller kann sich so geballt präsentieren", ist Stolzenberger überzeugt.

Klebstoffe haben an Bedeutung gewonnen

Trotz der genannten Firmenakquisitionen und der Aufnahme neuer Produktsegmente sind Klebstoffe und Spachtelmassen die tragenden Säulen des Unternehmens geblieben. Im Verhältnis zu den Spachtelmassen haben die Klebstoffe an Bedeutung gewonnen. Vor allem im Parkettbereich sind erhebliche Steigerungen zu verzeichnen. Das prozentual stärkste Produkt in diesem Segment ist ein lösemittelfreies 2K-PU-Produkt. Wie betont wird, funktionierte der Klebstoff von Anfang an optimal und trug maßgeblich dazu bei, den Anteil stark lösemittelhaltiger Kunstharz-Klebstoffe im Uzin-Programm deutlich unter die 50%-Marke zu senken. Dagegen weist der Klebstoffverband den Gesamtmarkt für Kunstharz-Produkte noch mit zirka 70% aus.

Innerhalb Europas entwickeln sich die Märkte sehr unterschiedlich. Beispiel Großbritannien: Nachdem dort Textilbeläge über Jahrzehnte vorwiegend verspannt wurden, zeichnet sich nach den Erkenntnissen im Hause Uzin eine deutliche Tendenz zum Kleben ab.

Die Wachstumsstrategie des Konzerns ist inzwischen auch wieder auf Deutschland ausgerichtet. Das war schon einmal anders. Nach dem Börsengang im Jahre 1997 schienen die Auslandsaktivitäten Priorität zu haben. Während der Export 1994 noch bei 10% lag, ist er inzwischen auf über 50% gewachsen. "Wenn auch eher unbewusst, so wurde der Inlandsmarkt ein wenig vernachlässigt", räumt Dr. Utz ein. Ohne Zweifel sei Deutschland der wichtigste Markt, "denn von hier gehen tendenziell die entscheidenden Innovationen und Impulse aus, um letztlich auch auf den Exportmärkten zu wachsen", betont der Vorstandsvorsitzende. Dass die Uzin Utz AG ebenfalls an den osteuropäischen Wachstumsmärkten partizipieren möchte, versteht sich von selbst. Zurzeit vertreibt man in dieser Region ausschließlich Produkte in hoher Qualität. "Außerdem beschäftigen wir uns verstärkt mit Südeuropa, wo in den nächsten Jahren eine Produktion denkbar ist", berichtet Dr. Utz.

Uzin Utz AG
Umsatzentwicklung in Mio. EUR
Uzin Utz AG
Entwicklung Exportanteil in Prozent vom Umsatz
Uzin Utz AG
Uzin Utz - Konzernstruktur
Uzin Utz AG
Europa-Logistikzentrum in Ulm, dahinter Palettenlager
Uzin Utz AG
Kommissionierte Ware im Logistikzentrum.

Ebenfalls im Fokus steht der nordamerikanische Markt. Als Erstes soll dort eine Vertriebsgesellschaft gegründet werden. "Aber wir müssen ganz schnell an eine eigene Produktion denken, um wahrgenommen zu werden", unterstreicht Dr. Utz. Als Beispiel nennt er Frankreich. Dort kehrte der Erfolg erst mit dem Herstellerstatus ein. Um das chinesische Projekt ist es hingegen still geworden, nachdem die Produktion mit viel Euphorie als Joint Venture gestartet worden war. "Inzwischen haben wir 90% der Anteile erworben, aber der große Durchbruch ist noch nicht gelungen", schildert der Vorstandschef die Situation.

Die Frage nach dem ärgsten Wettbewerber am heimischen Markt möchte Dr. Utz nicht konkret beantworten. Ein bekannter Anbieter von Bodenbelagsklebstoffen und Spachtelmassen könne dies sein, aber die Uzin Utz AG lasse sich nicht einem einzigen Produktfeld zuordnen, "sondern bedient das Handwerk mit vielfältigen Problemlösungen". Es sei auch nicht das Ziel seines Hauses, den Wettbewerb auf den angestammten Geschäftsfeldern zu verstärken. Stattdessen schwebt ihm etwas anderes vor: "Wir müssen weg von den rein technischen Aspekten und hin zu mehr Emotionalität. Mit Klebstoffen und Spachtelmassen gelingt das nicht. Dazu benötigt man andere Welten..."

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Die Markenbasis des Konzerns

Das Angebotsspektrum der Uzin Utz AG konzentriert sich auf das Geschäftsfeld Boden mit den Themen Untergrundvorbereitung, Glätten, Kleben und Oberflächenveredelung sowie Maschinen, die für dieses Tätigkeitsfeldfeld benötigt werden.

Uzin
Seit über 50 Jahren ist die Marke Uzin ein Begriff für professionelles Verarbeitungs-Know-how rund um den Boden. Das Angebotsspektrum umfasst Spachtelmassen, Klebstoffe und Materialien zum Abdichten textiler und elastischer Beläge sowie für Parkett, Stein und Keramik.

Pallmann
Pallmann Komplettanbieter rund um die Oberflächenveredelung von Holz- und Korkböden gilt als Vorreiter bei der Entwicklung wasserbasierter Lacke. Pallmann bietet neben einem breiten Produktsortiment nach eigenem Selbstverständnis auch "ehrliche Entscheidungsgrundlagen" für das Handwerk, denn: "Nur wer die ganze Wahrheit kennt, kann gezielt wählen." Pallmann ist ebenso wie Jordan Lacke eine Marke des Tochterunternehmens JP Coatings GmbH.

Wolff
Wolff gilt weltweit als Marktführer bei Geräten zum Entfernen von Bodenbelägen (Stripper). Ebenfalls im Angebot: Maschinen zur Vorbereitung des Untergrunds sowie Spezialwerkzeuge, die das Verlegen von Böden vereinfachen. Für den Parkettschliff steht ein Komplettprogramm zur Verfügung.

Sifloor
Sifloor, die Trockenkleber für Bodenbeläge lassen sich rückstandsfrei entfernen und sind nach Herstellerangaben frei von Lösemitteln, Harzen sowie Weichmachern. Für dieses Nischenprodukt beansprucht die Uzin Utz AG eine Sonderstellung am Markt. In der Schweiz befindet sich eine neue Produktionsstätte im Bau.

Jordan Lacke
Als Hersteller von Holz- und Möbellacken bietet Jordan für das Schreinerhandwerk und die Möbelindustrie umfassende Lösungen. In der modernisierten Produktionsstätte in Würzburg werden jetzt auch die Pallmann-Produkte hergestellt.

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Uzin Utz AG Telegramm

Uzin Utz AG
Dieselstraße 3
D-89079 Ulm
Tel.: 0731 / 4097-0
Internet: www.uzin-utz.com

Gegründet: 1911
Charakteristik: Hersteller chemischer Systemprodukte für die Fußbodentechnik und Maschinen für die Bodenbearbeitung
Marken: Uzin, Wolff, Pallmann, Sigan
Kundenstruktur: Großhandel, Objekteure
Vorstandsvorsitzender: Dr. H. Werner Utz
Mitarbeiter: 660 (Vorjahr 610)
Umsatz 2005: 138,5 Mio. EUR (+14%)
Auslandsanteil am Umsatz: 54%
Konzern-EBITDA*: 16,1 Mio. EUR (+32%)
Ergebnis der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit: 9,6 Mio. EUR (+44%)
Ergebnis nach Steuern: 6,3 Mio. EUR
Dividende: 0,75 EUR pro Aktie (+44%)

*EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation, bezeichnet das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte)

aus BTH Heimtex 06/06 (Wirtschaft)