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BEB-Jahrestagung auf Ostsee-Fährschiff M/S Color Fantasy

Estrichleger stachen in See

Die diesjährige Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Estrich und Belag e.V. (BEB) und der Gütegemeinschaft Estrich und Belag fand erstmals auf einem Fährschiff statt. Die Route führte von Kiel nach Oslo und zurück. Mit 160 Teilnehmern war die Veranstaltung ausgebucht.

Der Tagungsort der diesjährigen BEB-Jahrestagung war etwas ganz Besonderes: Die BEB-Mitglieder begaben sich an Bord des Ostsee-Fährschiffes M/S Color Fantasy, das durch seine moderne Ausstattung an ein Kreuzfahrtschiff erinnert. Die M/S Color Fantasy hat seit ihrer Indienststellung 2004 mehr als 113.000 Paasagiere über die Ostsee befördert - und das mit dem Komfort eines 4-Sterne-Hotels. Der BEB-Vorsitzende Hans-Uwo Freese berichtete, dass mehr als 225.000 Liter Farbe auf dem 224 m langen Schiff verarbeitet wurden. Ihm bereitete es besondere Freude, sich vor Ort von der gelungenen Arbeiten an den Schiffsböden zu überzeugen, denn die hatte sein Bremer Betrieb ausgeführt: "Die über 45.000 qm Decksfläche sind größtenteils mit international zugelassenen Spezialbelägen der GTF Freese-Gruppe belegt."

Zusammenarbeit mit Parkettlegern

Nicht erst seit der Gemeinschaftstagung zwischen Estrich-, Parkett- und Bodenlegern im vergangenen Jahr in Bamberg hat der Bundesverband Estrich und Belag die gewerkübergreifende Zusammenarbeit mit dem Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) weiter gestärkt. Der Bundesinnungsmeister der Parkettleger, Joachim Barth, war der Einladung auf die Fähre gefolgt und informierte sich über die aktuellen Themen der Estrichleger. In seinem Grußwort führte er aus, "wie viele unqualifizierte Handwerkskräfte auf die Menschheit losgelassen würden." Eine Entwicklung, die auch bei den Estrichlegern der Branche schadet. Der BEB-Vorsitzende Freese rief die Mitglieder auf, sich abzuheben: "Sie müssen versuchen über die Qualität zu verkaufen und nicht über den Preis."

Als äußeres Zeichen für die positive Zusammenarbeit zwischen Estrich- und Parkettlegern erinnerte Freese auch an die gemeinsame internationale Estrich-Parkett-Messe in Feuchtwangen. Für die nächste im Jahr 2008 stattfindende Messe sollen weitere an dem Boden beteiligten Gewerke zusammengeführt werden. Dazu Freese: "Besonders erfreulich ist es, dass sich das bayerische Fliesengewerbe zu einer Teilnahme an der kommenden Messe entschieden hat." Freese lobte in diesem Zusammenhang das Engagement des BEB- und ZVPF-Geschäftsführers Edgar Leonhardt und dem stellvertrenden BEB-Vorsitzenden Jürgen Wille.

Personalmittel eingespart

BEB-Geschäftsführer Edgar Leonhardt konnte bei der Haushaltsentwicklung von einem positiven Trend berichten. Auch wenn die Beitragsentwicklung z.B. durch durch Insolvenzen von Mitgliedern hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, so konnte durch sonstige Einnahmen ein Plus von 30.000 Euro erwirtschaftet werden. In schwierigen Zeiten war dies nur deshalb möglich, "weil die Mittel für Personal unter dem ursprünglichen Plan blieben", führte Leonhardt aus. Die Mitgliederversammlung stimmte dem Entlastungsantrag für den Haushalt 2005 einstimmig zu, genau wie dem neuen Haushaltsplan für 2006.

Der BEB-Vorsitzende Freese skizzierte die gute finanzielle Aufstellung des Verbandes: "Es sind Finanzreserven vorhanden für Unvorhergesehenes und das IBF macht alle Anstrengungen, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen."

Zusammenarbeit BEB/ZDB offen

Bislang gab es zwischen dem Bundesverband Estrich und Belag und der Bundesfachgruppe Estrich und Belag im Zentralverband des deutschen Baugewerbes einen Vertrag, nach dem der BEB für die Erbringung von verbandlichen, technischen Leistungen, die der gesamten Branche zugute kämen, Ausgleichszahlungen erhalte. Beide Parteien konnten sich in den letzten Monaten nicht auf ein neues Vertragswerk einigen, so dass die Zusammenarbeit momentan offen ist.

In der Folge gab es in diesem Jahr auch keine gemeinsame Tagung: Der ZDB und die Bundesfachschule Estrich und Belag tagte auf dem 1. Deutschen Estrichtag in Nürnberg. Der Bundesverband Estrich und Belag und die Gütegemeinschaft Estrich und Belag luden ihre Mitglieder auf die Ostsee-Fähre. Auch wenn die Situation zwischen den Parteien im Moment verfahren zu sein scheint, so konnte man doch von beiden Seiten hören, dass im Interesse des gemeinsamen Gewerkes, eine Zusammenarbeit gewünscht ist.

Am Beispiel der Zusammenarbeit zwischen BEB und ZVPF machte Freese die funktionierende Wahrung der Eigenständigkeit der beiden Organisationen deutlich. Insbesondere hob er die Sacharbeit wie den neuen Kommentar zum Thema Bodenbelagsarbeiten DIN 18365 hervor, der im Verlag von FussbodenTechnik erscheinen wird. "An diesem Beispiel zeigt sich, wie unterschiedlich Meinungen sein können, die nach einer intensiven Arbeitsdiskussion für alle Beteiligten zu einem guten Ergebnis führen", so Freese. Die gemeinsame Arbeit, insbesondere Tagungen und Veranstaltungen, solle im kommenden Jahr fortgesetzt werden, um die Interessen weiter und besser zu bündeln.

Fachvorträge der BEB-Arbeitskreise

Neben einem allgemeinen Thema zur "Minimierung des Gesundheitsrisikos für Handwerksunternehmer" von Dr. Klaus Heinemann mit Tipps wie mehr Bewegung, gesündere Ernährung und Gewichtsreduktion referierten die Vorsitzenden von drei BEB-Arbeitskreisen zu Fachthemen. Den Anfang machte Ingo Niedner mit "Estriche und Industrieböden aus Reaktionsharz - elektrisch leitfähige Fußbodenbeläge":

Die für Fußböden eingesetzten Reaktionsharze sind elektrisch nicht leitend und wirken als sehr gute Isolatoren. Sie können durch werkseitige Zugabe leitfähiger Zusatzstoffe, z.B. Graphit, Kohlefasern, Stahlfasern und/oder Leitpigmenten, leitfähig gemacht werden.

Maßgebliche Größen im Bereich der Elektrostatik sind elektrische Ladungen. Personen und Gegenstände können sich beim Bewegen oder durch Reibung elektrisch aufladen. Solche elektrischen Aufladungen können beim Abheben, Reiben, Zerkleinern und Ausschütten von festen Gegenständen usw. auftreten. Beim Gehen auf einem isolierenden Fußboden aus Reaktionsharzen kann kein Spannungsabbau erfolgen. Erst beim Berühren eines aufgeladenen Körpers mit einem anderen Potenzial fließt die so gespeicherte Ladung spontan ab.

Diese Entladungsvorgänge können unter bestimmten Bedingungen Funkenbildungen verursachen, die in Verbindung mit brennbaren Stoffen zu Bränden und/oder Explosionen führen können. Bei elektrostatisch empfindlichen Elektronikeinrichtungen und Bauteilen können durch diese Entladungsvorgänge Schäden entstehen. Ein wesentlicher Teil der Sicherheitsanforderungen für Mensch und Betriebseinrichtungen kann durch den Einbau elektrisch leitfähiger Fußböden geschaffen werden. Die Überprüfung der Leitfähigkeit von Bodenbelägen erfolgt durch Widerstandsmessungen.

BEB Bundesverband Estrich und Belag e.V.
Die BEB-Jahrestagung fand diesmal auf der M/S Color Fantasy statt.
BEB Bundesverband Estrich und Belag e.V.
Der Tagungssaal an Bord erinnerte an ein Kino: 160 Teilnehmer folgten der Einladung auf die Fähre.
BEB Bundesverband Estrich und Belag e.V.
Der Vorstand des Bundesverbandes Estrich und Belag: Heinz Schmitt, Manfred König, BEB-Mitarbeiterin Elke Sirringhaus, Jürgen Wille, Geschäftsführer Edgar Leonhardt, Vorsitzender Hans Uwo Freese und Michael Süß. Nicht auf dem Bild: Die Vorstandsmitglieder Hans Georg Dammann und Walter Böhl.

Dieses Thema ist als BEB-Arbeitsblatt KH 4-EL erschienen. In dem Arbeitsblatt werden eingangs physikalische Grundlagen und Anforderungen erörtert. Nach der Erläuterung der Normen- und Regelwerke wird auf die Anforderung bei der Planung eingegangen. Der Standardaufbau sowie die Durchführung von Messungen werden im Detail beschrieben. Bisher sind zum Thema "Industrieböden aus Reaktionsharz" folgende weitere Veröffentlichungen durch den BEB-Arbeitskreis "Kunstharz" herausgegeben worden:

KH - O/U: Prüfung und Vorbereitung des Untergrundes
KH - 1: Imprägnierung
KH - 2: Versiegelung
KH - 3: Beschichtung
KH - 4: Belag
KH - 5: Estrich
KH - O/S: Stoffe

Bedeutung der Verbundabdichtung

Werner Ott, Obmann des BEB-Arbeitskreises Abdichtung, referierte zur Wechselwirkung Estrich, Verbundabdichtung und Bodenbelag. Die Abdichtung ist ein Teil der Fußbodenkonstruktion. Neben deren Schutz vor Feuchtigkeitseintritt ist ein weiterer wesentlicher Aspekt der Abdichtungsschicht die Verhinderung gesundheitlicher Gefahren durch Feuchte für den Bewohner oder Nutzer des Gebäudes. Mit der Einführung der Europäischen Bauprodukten-Richtlinie und deren Durchführungsverordnung, den so genannten Grundlagendokumenten, wurde dies gesetzliche Pflicht.

Darüber hinaus verlangt die Landesbauordnung der Bundesländer die Abdichtung von Bauwerken und Bauteilen, so dass sie durch Wasser, Feuchtigkeit und andere chemische, physikalische und biologische Einflüsse nicht geschädigt werden oder Gefahren auftreten können. Deshalb sind insbesondere bauliche Anlagen wie Bodenflächen in industriellen und gewerblich genutzten Räumen vor Feuchtezutritt zu schützen.

Das BEB-Hinweisblatt "Abdichtungsstoffe im Verbund mit Bodenbelägen" regelt die Anforderungen an Abdichtungssysteme und Klebstoffe/Klebemörtel sowie Reaktionsharzbeschichtungen. Es berücksichtigt Belagmaterialien, Untergründe und Art der Feuchteeinwirkung im Innen- und Außenbereich. Grundsätzlich gilt: Da die Art der Abdichtung nicht den Anforderungen der DIN18195 entspricht, muss diese vertraglich als Sonderkonstruktion vor der Ausführung mit dem Auftraggeber geregelt werden.

Das BEB-Arbeits- und Hinweisblätter können beim Bundesverband Estrich und Belag e.V. gegen eine geringe Gebühr unter Fax: 02241/397 39-69 oder per E-Mail info@beb-online.de angefordert werden.

Risse in Industrieböden

Volker Freund, Obmann des BEB-Arbeitskreises Zementgebundene Industrie-Estriche, referierte eindrucksvoll, warum bei der Ausführung flächenhafter Bauteile aus Beton und Estrich eine erhöhte Gefahr der Rissbildung besteht. Freund betonte, dass das Verhindern von Rissen auch bei strenger Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht möglich sei. Die Rissbildung könne durch eine fachgerechte Ausführung jedoch vermindert werden.
Als Industrieböden im Sinne des Vortrages gelten oberflächenfertige Industrieestriche nach DIN18560 Teil 7 sowie Betonböden im Industriebau. Risse können bei allen vorgenannten Bauweisen entstehen, da für Estriche und Beton weitgehend gleiche betontechnische Grundprinzipien gelten. Risse im Estrich und Beton entstehen, wenn durch Spannungen, Zwang und/oder äußere Belastungen hervorgerufene Zugspannungen, die zu diesem Zeitpunkt vorhandene Zugfestigkeit des Betons bzw. des Estrichs übersteigt.

Die bei der Planung und Ausführung von Industrieböden zu Grunde gelegten Regeln der Technik enthalten eine Reihe von Maßnahmen, die dem Auftreten von Rissen entgegenwirken. Nach praktischen Erfahrungen entstehen Risse jedoch auch dann, wenn die geltenden Bauregeln bei der Herstellung eingehalten werden. In diesem Fall stellt sich für die Beteiligten die Frage nach der technischen und vertraglichen Bedeutung von Rissen für die geplanten Eigenschaften des Bauteils, da der unplanmäßige Riss im Gegensatz zur planmäßigen Fuge nicht behandelt wird.

Anhand von Veröffentlichungen konnte Freund belegen, dass es Fugen in Industrieböden schon immer gegeben hat. So heißt es im BEB-Hinweisblatt Fugen: Die Anzahl der Fugen ist zu minimieren. Fugen sind die schadenanfälligsten Stellen eines Industrieestrichs. Es muss deshalb Ziel der Planung sein, Fugen, so weit es möglich ist, zu vermeiden oder ihre Anzahl so gering wie möglich zu halten. Dabei sollte die Erfahrung berücksichtigt werden, dass Risse in der Regel weniger schadensanfällig sind als Fugen. Es ist deshalb nicht sinnvoll, die Fugenabstände zu verringern, um das Rissrisiko zu reduzieren.

Als Ursachen für Rissbildungen kommen eine ganze Reihe von Faktoren in Frage:
- Schwinden
- Spannungen aus Feuchtigkeitsgradienten
- Spannungen aus thermischen Längenänderungen
- Spannungen aus Temperaturgradienten
- Spannungen aufgrund äußerer Lasten
- Materialbedingte Ursachen
- Konstruktive Ursachen
- Baustellenbedingte Ursachen
- Ausführungsbedingte Ursachen
Darüber hinaus können auch Baustellenbedingte Ursachen die Rissbildung begünstigen. Unzulängliche Baustellenbedingungen, die nicht der DIN 18353, VOB/C (ATV) Estricharbeiten entsprechen, können Ursachen für Rissbildungen sein. Es sind u.a.:

Offene Gebäudehülle, Zugluft, starker Temperaturwechsel, hohe Einbautemperaturen, vorzeitige Belastung, nicht ausreichend verdichteter Untergrund, nachträglich überbaute Verkehrswege, mangelhaft verfüllte Arbeitsräume, nicht ausreichende Oberflächenfestigkeit der Unterkonstruktion begünstigt Verbundstörungen in der Haftzone und flüssige Nachbehandlungsmittel können den Haftverbund zum Estrich stören.

Grundsätzlich stehen alle Industrieböden wegen ihrer flächenhaften Geometrie in erhöhter Gefahr des Auftretens von Rissen aufgrund der genannten Mechanismen.

Gemeinschaftstagung 2007

Die kommende Tagung der Bundesverbandes Estrich und Belag findet gemeinsam mit dem Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik vom 12. bis 13. Mai 2007 in Bad Brückenau statt.

aus FussbodenTechnik 03/06 (Wirtschaft)