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Der GHF macht sich für Projekt "Neue Medien" stark

Dem digitalen Datenaustausch gehört die Zukunft

Mit E-mails, Electronic Banking und Online-Fahrplanauskünften ist die Branche inzwischen vertraut. Der digitale Datenaustausch zwischen den einzelnen Marktstufen, kurz Edifact, funktioniert aber noch nicht. Der Bundesverband Großhandel Heim & Farbe macht sich bereits seit Jahren für einen einheitlichen Branchenmodus stark, weil nur davon alle Markstufen profitieren könnten. Die Zeit drängt inzwischen, mahnt der GFH und nimmt mit dem Projekt "Neue Medien" einen neuen Anlauf.

Die Vorteile, bestimmte Geschäftsprozesse wie Bestellvorgänge, Preisanpassungen und Rechungen in elektronischer Form auszutauschen, das sogenannte Edifact-System, sind bereits vor Jahren erkannt und vor allem von Firmen eingeführt worden, die eine große Zahl der obengenannten Geschäftsvorgänge abwickeln - etwa zentral regulierenden Kooperationen wie der FHG. Im Großhandel hat sich das Verfahren trotz klarer Vorteile bislang nicht etablieren können, bedauert der Bundesverband Großhandel Heim & Farbe (GHF). Dabei habe sich nicht nur die mentale Einstellung zum Thema digitale Kommunikation in den letzten Jahren geändert, es seien inzwischen auch ganz andere Arten und Formen von elektronischen Geschäftsprozessen möglich als zu Zeiten der Edifact-Anfänge.

Der GHF ist auf jeden Fall überzeugt, dass der intelligenten Kommunikation zwischen gewerblichen Geschäftspartnern im Internet die Zukunft gehört. "Das heißt, dass die digitale Präsentation von Produkten und deren Beschreibungen im Internet für die verschiedensten Zwecke mehr denn je notwendig wird", unterstreicht GHF-Geschäftsführer Hartmut Plümer, "und zwar für alle 3 Stufen:

- Für die Industrie als Leistungsschau, Produktkatalog und Bestellobjekt in Richtung Großhandel; zusätzlich als Marketinginstrument für alle Intemet-Nutzer,
- für den Großhändler gilt dies analog in Richtung Handwerk,
- für das Handwerk in Richtung Endverbraucher."

Und alle drei Stufen bieten mehr oder weniger die gleichen Produkte in gleicher Darstellung an. Es wäre aus Sicht des Verbandes jedoch kontraproduktiv und dem dreistufigen Vertriebskanal abträglich, wenn sich alle Stufen die für ihre Zwecke erforderlichen digitalen Informationen selbst beschaffen müssten.

Aus diesem Grund macht sich der GHF weiterhin dafür stark, im Rahmen eines Projektes "Neue Medien" den digitalen Datenaustausch zu standardisieren und zu organisieren - vorerst zwischen den Stufen Industrie und Großhandel. "Vorbild könnten dabei die "ARGE Neue Medien" in der Branche Sanitär/Heizung/Klima sein oder auch der Holzhandel, der derzeit ein ähnliches Projekt realisiert."

Dass die Zeit mehr als reif sei für dieses Projekt, zeigten nicht nur die diesbezüglichen Passagen innerhalb einzelner "Leithändler/Partner-Verträge" zwischen Industrie und Großhandel, sondern auch die erreichbaren Ziele, argumentiert Plümer. Das sind

1. Rationalisierung der GH- Warenwirtschaftssysteme durch automatisierten Artikeldatenaustausch bis hin zu Listenpreisen; medienbruchfreier Austausch von Bestellungen, Lieferscheinen und Rechnungen.


2. Aufbau von Basisinformationen für Angebotskataloge mit Abbildungen und technischen Merkmalen zur Verwendung in Printmedien oder Internet-Anwendungen. Dazu gehören auch die Visualisierungsmöglichkeiten für die virtuelle Gestaltung von Innenräumen, die zunehmend über das Internet realisiert werden.

Diese Basisinformationen seien auch unerlässliche Voraussetzungen, um möglicherweise erfolgreichen Internetstrategien von finanzstarken Global Playern Paroli bieten zu können. Als Beispiel nennt Plümer hier die Neugründung Tapestria, eine Tochter des Hunter Douglas-Konzerns, die als virtueller Großhändler fungiert und rund 25.000 digitale Textilmuster ins Netz stellen und ihrer Zielgruppe zu stark reduzierten Preisen anbieten will. "Bei allen Vorbehalten gegenüber den hohen Aufwendungen des notwendigen Musterversandes, der zentralen Lagerhaltung und der erreichbaren Akzeptanz bei der Zielgruppe Raumausstatter/ Architekten: Ein so großes digitales Angebot wird wohl kaum ein deutscher Mittelständler in Eigenregie aufbauen können. Das kann im Bedarfsfall - und der kann schneller eintreten als erwartet - nur durch eine rechtzeitig vorbereitete Gemeinschaftsaufgabe der Industrie und Verlage bzw. des Großhandels erfolgen. Eben diese, die durch das Projekt "Neue Medien" vorbereitet werden soll."

Analoges gelte für den Tapetenverkauf im Internet. "Die Firma ETV digitalisiert in Eigenregie Tapetenkollektionen namhafter Hersteller und bietet diese Einzelhändlern für deren Web-Angebot in Richtung Konsument an, wobei der Warenfluss direkt von der Industrie per UPS an den Endverbraucher geht". Laut GHF " ein Lehrbeispiel für die Ausschaltung des Großhandels durch diesen Informationskanal in Verbindung mit einer weltweit operierenden Logistik."

Glücklicherweise könne aber kein Software-Haus langfristig einen Datenpool wirtschaftlich ohne Unterstützung und Wohlwollen der Hersteller und des Handels betreiben, betont der Verband und verweist dazu auf die Versuche von www.Saller.de und www.maler24. de. "Nur die Hersteller gemeinsam mit dem Handel können zum eigenen Vorteil und dem des mehrstufigen Vertriebskanals die notwendigen digitalen Kollektionen aufbauen und vielfältig verwenden. Andernfalls verzichten sie mittelfristig auf die Präsenz in diesem Informationsmedium."

Die Produktdaten gehörten in den geregelten Hoheitsbereich der Hersteller, die im eigenen Interesse - und zu anteiligen Kosten - den Transfer an Berechtigte regeln, zum Beispiel zum Aufbau von Produktdatenbanken als technische Angebotsplattform für die Erstellung von Leistungsbeschreibung im Rahmen von öffentlichen oder privaten Aussehreibungssystemen wie der Heinze Baudatenbank.

Viele Lieferanten betrieben das Intemet-Angebot bisher nur für sich. "Warum nicht dieselben Daten nutzen für den Großhandel, Fachhandel und das Handwerk?", fragt der GHF. Nur über den gemeinsamen Weg von Industrie und Großhandel sei für die 3-stufige Distribution künftig der Bedarf an digitalen Informationen noch wirtschaftlich zu erbringen. "Über das "Was" und "Wie" ist schnellstmöglich erneut zu sprechen; denn es starten zur Zeit vielfältige Aktivitäten in unserer Branche, die das Thema ebenfalls lösen wollen.". So arbeite der ZGV an einer Lösung für seine Kooperationen im Bereich Farben, Tapeten, Heimtextilien wie der VFG, Inku, Coratex, Geno und anderen und favorisiere dabei als Clearingstelle und Datenpool die ihm nahestehende Gediv (www.gediv.de). Der Holzhandel und die darin organisierten Bodenbelagshändler wie Geiger, Jordan usw. haben sich laut GHF sich für die Heinze-Baudatenbank als zentralen Pool und Clearingstelle entschieden. Dazu tauschten diverse Großhändler und Hersteller bilateral und ohne Pool bestimmte Nachrichten wie Bestellungen und Rechnungen über Edifact mit einer für alle unbefriedigenden Zahl von Partnern aus: Timpe & Mock, Hometrend, FHG, Rasch, Marburger Tapetenfabrik, Anker , Relius, AS Création und andere. Auch Caparol versuche seit längerem mit einer ausgesuchten Schar von Kunden ebenfalls den Edifact-Austausch zu realisieren.

Der GHF als Vertreter der in der Brauche relevanten Händler und Hersteller will daher in den kommenden Wochen das alte Projekt Datenaustausch wieder revitalisieren, um mit den Marktführern auf beiden Seiten ein Verfahren über eine gemeinsame Strategie und Konzeption zu erarbeiten. Dazu ist auch der ZGV eingeladen.

aus BTH Heimtex 05/01 (Wirtschaft)